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Freitag, 25. November 2022

Riga und Livland im schweren Abwehrkampf gegen die Jesuiten

"Minen hört man und Geschütz / täglich dumpf erdröhnen" - Im Kampf für die evangelische Freiheit
- Einige Einblicke in das Leben der Deutschen des baltischen Adels und der Bürgerschaft des 17. Jahrhunderts in Livland und Kurland

Teil 1: Die Jesuiten richten ihre Blicke von Warschau aus drohend nach Norden - Der größere geschichtliche Rahmen (1600 bis 1633)

Die baltischen Länder (Wiki) Litauen, Lettland und Estland wurden bis 1918 Litauen, Kurland und Livland genannt. Ihre Geschichte war immer eng verbunden mit der Geschichte der anderen Ostseeländer, mit der preußischen Geschichte und mit der Geschichte Pommerns. Von vielen Küstenstädten Norddeutschlands und der Niederlande aus waren Deutsche ab der Zeit um 1200 nach Riga und nach Livland gekommen, um das Land für den christlichen Glauben zu missionieren und um sich dort anzusiedeln.

Abb. 1: Das wehrhafte, stolze Riga - Teile der Stadtbefestigung aus dem Mittelalter, die sich bis heute erhalten haben (Wiki) - Fotograf: John Samuel

Jahrhunderte lang haben sie sich dann dort wehrhaft und selbstbewußt behauptet (Abb. 1 bis 3). Die Landessprache war in Kurland und Livland bis 1918 Deutsch.

Aber schon im Angesicht der Russifizierung der baltischen Provinzen vor 1918 war die Bindung der im Baltikum lebenden Deutschen an ihr Mutterland jenseits der Memel stärker geworden. Und zwischen den Jahren 1918 und 1945 sollten sie auch als Gesamtheit in jene Länder zurück kehren, aus denen ihre Vorfahren einst so tatendurstig gen Osten ausgezogen waren. Es endete damit eine über 800-jährige Geschichte der Deutschen in den baltischen Ländern. Im folgenden soll zu dem Leben einiger Vorfahren des Verfassers dieser Zeilen, die der baltischen, deutschen Bürgerschaft und dem deutschen Adel des 17. Jahrhunderts angehörten, einiges zusammen getragen werden. Auf wahrlich wunderliche Gestalten kann man dabei stoßen, insbesondere auf tapfere, standfeste deutsche Glaubenstreiter, Reiteroffiziere und Staatsbeamte unter den Königen von Polen, von Schweden und dem Zaren von Rußland.

Das Leben dieser Vorfahren kann man aber gar nicht verstehen, wenn man sich nicht zuvor wenigstens eine grobe Orientierung verschafft hat von dem geschichtlichen Rahmen, in dem sich diese Lebensverläufe einordnen. Wir beginnen mit diesem Beitrag eine vielteilige Blogartikelserie. Und schicken im ersten Beitrag einen allgemeinen Teil voraus.

Unter der Herrschaft der Deutschen - Kurland und Livland

Die Geschichte von Kurland und Livland (Lettland und Estland) hat vieles gemeinsam mit der Geschichte des Herzogtums Krain (Slowenien) im Süden Österreichs (Wiki, a). In beiden Regionen führte die deutsche Ostsiedlung dazu, daß der Adel und das Bürgertum bis 1918, bzw. bis 1941 aus Deutschen bestand. Da die deutsche bäuerliche Ostsiedlung aber in der Breite nicht mehr bis in diese Länder vordrang, behielt die ländliche Bevölkerung in beiden Regionen ihre einheimische Sprache und Kultur bis heute bei. Deshalb also gibt es sie noch: die Slowenen, die Esten, die Letten und die Litauer.

Andere Völker und Volksstämme haben sich hingegen bis ins 20. Jahrhundert noch als "schwebendes Volkstum" erhalten. Das heißt, sie fühlten sich als Deutsche, in ihrer Kultur und Muttersprache klang aber das alte Stammesleben aus vorchristlicher Zeit noch nach: die Masuren, die Kaschuben, die Leba-Kaschuben, die Oberschlesier, die Sorben. Zum dritten sind in jener Zeit ganze Völker und Volksstämme mit ihrer Sprache und Kultur ganz untergegangen und blieben nur in Familien- und Ortsnamen erhalten: Die Pruzzen, die Samländer, die Pommern und viele andere slawische Völkerschaften zwischen Elbe und Oder.

Ab 1202 ist das heutige Lettland (Wiki) von dem deutschen Schwertbrüderorden erobert worden. Mit ihm strömten viele Deutsche ins Land. Es wurden Städte gegründet, Ordensburgen errichtet, die Adelsgüter wurden an deutsche Ritter ausgegeben. Dieser Schwertbrüderorden ist dann später im Deutschen Ritterorden aufgegangen, in dem die baltischen Provinzen desselben aber immer auch ein gewisses Eigenleben führten.

Im Spätmittelalter war der Ordensstaat um vielerlei Verfallserscheinungen willen von den damals sehr modernen, aufstrebenden, reichen deutschen Hansestädten an der Weichsel in Preußen und an der Düna in Livland als überaltert empfunden worden. Mit der Reformation wurden auch Kurland und Livland evangelisch. Kurland wurde in ein weltliches Herzogtum umgewandelt, Teile Livlands gerieten früh unter die Oberherrschaft ausländischer Landesherren, der Könige von Dänemark, von Schweden, von Polen und des Zaren von Rußland. 

Abb. 2: Das wehrhafte, stolze Riga - Ein Teil der Stadtmauer von Riga mit Laufgängen und Wehrturm (Wiki) - Fotograf: karel291

Rußland, Schweden und Polen richteten alle Zeit begehrliche Blicke auf die baltischen Ostseeprovinzen. Mit dem Niedergang und schließlich Zusammenbruch des Ordensstaates war dort ein Machtvakuum entstanden. Unter einer weisen Regierung konnte in diesem Bereich noch für einige Jahrzehnte ein friedlichen Gedeihen gesichert werden. Dann drängten stärkere politische Mächte von allen Seiten in diesen Raum, unter anderem angefeuert von dem Willen zur Rekatholisierung, bzw. von dem Willen, diese Rekatholisierung zu verhindern.

Ein Segen für Livland - Wolter von Plettenberg

Das gesamte Herrschaftsgebiet des deutschen Ritterordens war während des Hochmittelalters mit Ordensburgen übersäät, die nachmals nach und nach in "normale" Adelsgüter umgewandelt wurden. Viele dieser Ordensburgen, vor allem die größeren sind erhalten geblieben. Sie sind noch heute die jeweils bedeutendsten Sehenswürdigkeiten vor Ort (etwa in West- und Ostpreußen, ebenso in Polen, in Lettland und in Estland). Die hervorragendste dieser Burgen ist natürlich die Marienburg an der Nogat in Westpreußen. Andere Burgen sind im Laufe der Jahrhunderte verfallen oder zerstört worden. Mitunter werden sie heute wieder von den Archäologen ausgegraben und erforscht.

Ein Vorfahre des Verfassers dieser Zeilen, Rittmeister Wilhelm de la Barre (1580-1650), verteidigte 1618 die Atzenburg im Süden Livlands, eine Burg des Herzogs von Kurland, gegen eine Belagerung durch ein Bündnis von Rigaer Bürgerschaft und kurländischer Ritterschaft. Von dieser damaligen Ordensburg scheinen sich heute in der lettischen Ortschaft Ace keine Überreste mehr erhalten zu haben. Derselbe Vorfahre hat dann Riga 1621 gegen den Schwedenkönig verteidigt und erwarb dann 1625 die Ordensburg Ermes im heutigen nördlichen Lettland. Von dieser sind heute noch Ruinen zu besichtigen. Zu all dem mehr in einem folgenden Beitrag.

Für den baltischen Teil des Deutschen Ritterordens war der Hauptsitz die ehemalige Ordensburg von Riga (Wiki, lett). Und diese ursprüngliche Ordensburg ist noch heute nichts weniger als der Sitz des Staatspräsidenten von Riga.

Abb. 3: Die einstige Ordensburg Riga von der Düna her gesehen (20. Jahrhundert) - Sie lag ursprünglich vor den Toren der Stadt

Wegen ihrer Bedeutung für die Livländische Geschichte hier einige Abbildungen derselben (Abb. 3, 5, 6) und ein paar Worte zu ihrer Geschichte.

Als Regierungssitz des Deutschen Ritterordens ist sie vor den Toren der Stadt Riga am Ufer der Düna errichtet worden (Abb. 3). Später war sie Residenz der polnischen und schwedischen Regionalregierungen, noch später des russischen Generalgouverneurs der baltischen Provinzen.

Im Mittelalter ist sie mehrmals zerstört und wieder aufgebaut worden. Zunächst war eine Ordensburg innerhalb der Mauern der Stadt errichtet worden. Diese hatten die Riga'er Bürger zerstört. Ein neuer Bau mußte deshalb vor den Toren der Stadt errichtet werden. Auch dieser ist noch einmal zerstört worden. Die Bauzeit des heute noch bestehenden Baus geht auf die Jahre zwischen 1491 und 1515 zurück, reichte also noch bis in die Anfangsjahre der Reformation hinein.

Der Bau ist errichtet worden unter der segensreichen Herrschaft des Landmeisters des Livländischen Ordens Wolter von Plettenberg (1450-1535) (Wiki). Noch heute genießt er ein ehrendes Andenken in der livländischen Geschichte (Abb. 4, 5).

Abb. 4: Wolter von Plettenberg - Skulptur etwa aus dem Jahr 1515 von Seiten eines unbekannten Künstlers über dem Portal zum Innenhof der Burg Riga. Das einzige erhalten gebliebene zeitgenössische Porträt Plettenbergs

Gleich nach seinem Tod ist über dem inneren Haupteingang der Burg neben einer Skulptur der Heiligen Maria die seinige angebracht worden (Abb. 4, 5). Diese Skulptur ist das einzige zeitgenössische Porträt dieses Landmeisters. Im Museum in Riga ist das Orignal der Skulptur erhalten. Plettenberg ist zwar selbst nicht zum evangelischen Glauben übergetreten. Deshalb noch die Marienfigur an seiner Seite. Er hat aber den evangelischen Glauben in seinem Land geduldet. Er wollte dem Land einen Bürgerkrieg ersparen. Das von ihm erhaltene Porträt ließe sich würdig neben so bedeutende zeitgenössische Porträts stellen wie etwa die durch den Würzburger Bildhauer Tilman Riemenschneider geschaffenen (Wiki):

Wolter von Plettenbergs Wirken verdankte Livland eine fast sechzigjährige Friedenszeit, die zu einer günstigen ökonomischen und demographischen Entwicklung auf dem Gebiet der heutigen Staaten Estland und Lettland führte. Erst 1558, 23 Jahre nach Plettenbergs Tod, eröffnete Iwan IV. von Moskau den Livländischen Krieg, der 1561 zum Untergang Altlivlands führen sollte.

Mit großem Recht wurde diese Skulptur also im Jahr 2016 über dem prächtig restauriert Eingangsportal der inneren Burg in Form einer Nachbildung erneuert (Yt2016, b). (Weitere Abbildungen sind zu finden über Bildersuche "Madonnas un Pletenberga skulptūras".)

Alle Souveräne des Landes Livland bis heute - darunter über die Jahrhunderte hinweg auch mancher Vorfahre des Verfassers dieser Zeilen - mögen unter dieser Skulptur hindurch geschritten sein, wenn sie die innere Burg betraten. Sie dürfte allezeit eine mahnende Erinnerung an einen segensreichen Landmeister gewesen sein.

Abb. 5: Plettenberg-Skulptur (Kopie) über dem renovierten Portal der Burg Riga (seit 2016) - zusammen mit einer Marienfigur (ebenfalls Kopie)

1562 hat Gotthard Kettler, der letzte Meister des Livländischen Ordens in den Räumlichkeiten der Ordensburg Riga die Insignien des Ordens an den Vertreter des polnischen Königs, Nikolai Radziwiłł (1515-1565) (Wiki) übergeben. Damit endete die Geschichte des Livländischen Ordens. Am 12. März 1581 traf König Stefan Bathory auf der Rigaer Burg ein und legte den Treueeid auf die Freie Stadt Riga ab. 

Nnur ganz wenige Stationen aus der reichen und wechselhaften Geschichte dieser Burg und der dazu gehörtigen Stadt und des Landes sollen damit genannt sein.

So wie sich die aufstrebenden, reichen deutschen Handelsstädte des Weichselraumes schon früh um Hilfe an den polnischen König gewandt hatten, um die ihnen drückend und unzeitgemäß erscheinende Ordensherrschaft abzuwerfen, so hatten sich schließlich auch wenigstens Teile der Landstände in Kurland und Livland an den polnischen König gewandt, um eine möglichst weitgehende politische Selbstständigkeit gegenüber dem Zaren von Rußland wie gegenüber dem König von Schweden bewahren zu können.

Abb. 6: Der Innenhof der einstigen Ordensburg zu Riga, links Plettenberg-Portal (etwa 2015/16)

Viel Ruhm hatte sich damals an die Fahnen des Königsreiches Polen-Litauen geheftet. 1558 bis 1583 wurde um den Besitz Livlands der Livländische Krieg (Wiki) geführt. 

Indem wir nun die Aufmerksamkeit auf die Tatsache richten, daß der schon genannte polnische König Stephan Bathory Jesuitenschüler war (Honselmann1963) und auch einen Jesuiten als Beichtvater hatte (Helk1963), nämlich den Jesuiten Peter (Piotr) Skarga (1536-1612) (Wiki, engl, pol), stoßen wir nun gleich in das Zentrum derjenigen Kräfte vor, von denen die größte "Unruhe" in jenen Zeiten in Europa ausging: die Jesuiten.  

Im Kampf um die Ausrottung der Ketzer - Der Jesuit Peter Skarga

Dieser Piotr Skarga wurde ab 1587 auch der Hofprediger und politische Berater des nachfolgenden polnischen Königs Sigismund III. Wasa (Wiki):

Der polnische Adel schrieb ihm großen Einfluß auf König Sigismund zu.

Auf dem polnischen Wikipedia lesen wir über Skarga (Wiki):

Er trat als der Gründer vieler Jesuitenkollegien auf, zum Beispiel in Połock (er war hier der erste Rektor, 1582-1586), in Riga, in Dorpat und in Lublin. Er war der erste Rektor der Wilnaer Akademie (1579-1584). Ab 1588 diente er 24 Jahre lang als Hofprediger von Sigismund III. Wasa, der ihn wegen seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seiner Redegewandtheit schätzte. (...) Skarga predigte die Enthaltsamkeit und Askese, wies auf die Bedeutung des Zölibats und der Pilgerfahrten hin. (...) Er wies auf die Notwendigkeit hin, die Ketzerei auszurotten, um einen starken Staat zu erneuern.

Angesichts solcher Aussagen ist natürlich der zweite Halbsatz der dann folgenden Ausführungen auf dem polnischen Wikipedia nur Augenwischerei, was aus allem, was im folgenden zu berichten ist, auch mehr als deutlich werden wird (Wiki):

Obwohl er gegen einen versöhnlichen interreligiösen Dialog und religiöse Toleranz auf der Grundlage politischer Kriterien war, lehnte er es ab, irgendjemanden gewaltsam zu konvertieren, da dies zu einem Bürgerkrieg führen könne.
Er lehnte also die gewaltsame Bekehrung, die anderwärts in Europa sehr fröhlich und unter Jubelrufen der Jesuiten und des Papstes betrieben wurde, keineswegs grundsätzlich ab. Er lehnte sie nur aus vorgeschobenen taktischen Gründen ab. Wobei der hier infrage stehende "Bürgerkrieg" ja schon damals geführt wurde und dann wenige Jahre später sich über dreißig Jahre hinweg fortsetzen sollte. Die Stadt Riga und die Protestanten des Baltikums und Schwedens werden keinerlei Grund gesehen haben, solche Augenwischerei als einen Schutzwall für sich zu verstehen. Nein, vielmehr hatten sie Grund, dasselbe zu singen was die Niederländer in den Jahren 1592 und 1622 - und noch viele Jahrhunderte später - gesungen haben (Lied.):

Sieh, wie mit Stärk’ er ans Werk sich gestellt, 
er, der allzeit unsre Freiheit hat getreten! 
Wie er sich plagt, grabt und trabt rings im Feld! 
’s gilt unserm Gut, unsrem Blut und unsern Städten. 
Hör die span’schen Trommeln schla’n, die Trompeten schallen! 
Sieh nur zu, schon rückt er an: 
Bergen soll jetzt fallen! 
Berg op Zoom, halt dich fromm, wehr den span’schen Scharen, 
Landes Kron’, seinen Strom, hilf getreu bewahren! 
 
Mutiges, blutiges, wutiges Schwert, 
blinkst und erklingst, daß die Funken daraus fliegen!
Bebende, lebende, schwebende Erd’, 
rollende, grollende Donner mit dir spielen!
Minen hört man und Geschütz 
täglich dumpf erdröhnen; 
manchen Spanier trifft der Blitz, muß im Blute stöhnen;
Berg op Zoom hält sich fromm, wehrt den span’schen Scharen; 
Landes Kron’, seinen Strom, hilf getreu bewahren!
 
Der von Oranien kam Spanien an Bord, 
wollt in dem Feld als ein Held Gewalt abwehren; 
aber sieh da, Spinola macht sich fort, 
flugs mit Verlaub aus dem Staub mit all den Herren. 
Cordoba macht schleunig kehrt, sah da nichts zu gewinnen; 
war kein Flachs zu spinnen: 
Berg op Zoom hält sich fromm, wehrt den span’schen Scharen; 
Landes Kron’, seinen Strom, hilf getreu bewahren!

Dieses wuchtige, machtvolle niederländische Freiheitslied zeigt auf, welche Gefühle im Spiel - und notwendigerweise im Spiel - waren und sein mußten, damit die protestantischen Freiheiten Nordeuropas bis heute bewahrt bleiben konnten.


Und womöglich sind sie auch heute noch notwendig, denn was lesen wir (Wiki):

Anläßlich des 400. Todestages Skargas beschloß 2011 der Sejm, das polnische Parlament, mit großer Mehrheit, Skarga als Person des Jahres 2012 zu ehren.

Auf dem polnischen Wikipedia finden wir dazu Angaben zu Zusammenhängen, die man sonst nicht so leicht anderwärts, schon gar nicht im deutschen Sprachraum findet (Wiki):

Am 16. September 2011 erklärte der Sejm der Republik Polen das Jahr 2012 zum Jahr von Pater Piotr Skarga. Diese Initiative stieß auf heftige Kritik. Die Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche äußerte sich 2011 „besorgt“ über diese Entscheidung und stellte fest: „Diese Entscheidung ist für uns sowohl im Hinblick auf die staatliche Neutralität als auch die von einigen Abgeordneten bekundete Offenheit für ökumenische Initiativen nicht nachvollziehbar.“ Der kalvinistische Publizist Kazimierz Bem schrieb in der "Rzeczpospolita", diese Entscheidung zeige, "wie tief die Republik alle Minderheiten verachtet".

Das ist "Religionskrieg" im Jahr 2011. 2013 bis 2016 ist sogar ein Verfahren zur Seligsprechung von Peter Skarga in Gang gebracht worden. Seit 2016 liegt die Entscheidung beim Papst, der derzeit selbst ein Jesuit ist, und der einen pädokriminellen Papst wie den Herrn Ratzinger abgelöst hat, um so zu tun als würde unter ihm selbst nun alles anders ... 

Abb.: Geographischer Überblick zur Geschichte der baltischen Länder: Der Staat des Deutschen Ordens, 1260 bis 1410 (Wiki)

Wann ist jemals etwas "anders" geworden in der zweitausendjährigen Geschichte der katholischen Kirche? "Sint ut sunt aut non sint", sie sollen sein wie sie sind oder sie sollen nicht sein, lautet doch der berühmte Grundsatz der Jesuiten, dessen Wahrheit sich immer und immer wieder gezeigt hat.

Im Kampf für die Jungfrau Maria - Der Jesuitenzögling Sigismund III. Wasa

Man muß allerhand Zusammenhänge auf sich wirken lassen, um über die damaligen politischen und religiösen Verhältnisse ausreichen den Überblick zu bekommen. Der polnische König Sigismund III. Wasa (geb. 1566 auf Schloß Gripsholm in Schweden, gest. 1632) (Wiki) war der Sohn des Bruders des schwedischen Königs Erik XIV. (1533-1577) (Wiki), also Sohn von Johann III. von Schweden (1537-1592) (Wiki). Dieser Johann III. hatte in seinen jüngeren Jahren die Zurücksetzung gegenüber seinem Bruder schwer vertragen und 1562 eine polnische Katholikin geheiratet und ist für diese Heirat reich belohnt worden (ein häufiger wiederkehrendes Muster ...) (Wiki):

Zum offenen Bruch zwischen den Brüdern kam es, als er sich am 4. Oktober 1562 gegen den Willen seines Bruders mit der Prinzessin Katharina Jagiellonica verheiratete. Sie war die jüngere Schwester des polnischen Königs Sigismund II., mit dem Erik im Streit lag. Dazu kam noch, daß Johann von Sigismund für eine Pfandsumme von 120.000 Talern sieben befestigte Schlösser in Livland erhielt. (...) Im April 1563 wurde er des Landesverrates beschuldigt. Im Juni desselben Jahres wurde er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Ihm wurden sämtliche Güter in Stockholm enteignet und jeglicher Anspruch auf den schwedischen Thron oder Erbschaften abgesprochen.

Statt hingerichtet zu werden, wurde er aber schließlich für "lebenslänglich" mit seiner Gattin auf Schloß Gripsholm interniert. Diese "Milde" von Seiten der Protestanten ermöglichte den weiteren Verlauf der Geschichte. Berühmte Gemälde zeigen das Ehepaar mit ihrem kleinen Sohn in der Internierung. Denn dort wurde Sigismund Wasa 1566 auf Schlß Gripsholm geboren. Zwei Jahre später gelang seinem Vater der Putsch gegen seinen Bruder. Er wurde: König von Schweden. Der Katholizismus seiner Mutter Katharina Jagiellonica (1526-1583) (Wiki) sollte dann die weitreichendsten Folgen haben:

Katharina erzog ihren Sohn Sigismund zum leidenschaftlichen Katholiken, der als Sigismund III. Wasa die Geschicke Polen-Litauens für 45 Jahre bestimmen sollte. Nachdem er den schwedischen Thron 1592 bestieg, entfremdete sein offenkundiger Katholizismus seine evangelisch-schwedischen Untertanen und führte nach der Schlacht von Stångebro 1598 zu seiner Absetzung durch den schwedischen Reichstag 1599. Durch das Scheitern seiner politischen Pläne in Schweden stieg das Land im 17. Jahrhundert zur protestantischen Führungs- und Großmacht in Nordeuropa auf und gab Anlaß für langjährige militärische Auseinandersetzungen zwischen Polen und Schweden um die Vorherrschaft im Baltikum und die Erbrechte der katholischen Wasa auf den schwedischen Thron. 

Sigismund Wasa hat schon in seiner Jugend mit seiner Mutter viel Zeit in Polen verbracht (Koniarek):

Karl wußte auch, daß Sigismund, der Sohn Johanns und Thronfolger, der sich fast ständig in Polen aufhielt, ebenfalls katholisch erzogen war. Die katholische Erziehung Sigismunds war aber nicht der Laune eines Herrschers entsprungen, sondern hatte strategische Gründe: Die Mutter Sigismunds entstammte dem litauischen-polnischen Adelshaus der Jagellionen und leitete dadurch Ansprüche auf den polnischen Thron ab. Wer Ansprüche auf den polnischen Thron anmelden wollte, mußte katholisch sein.

1587 wurde Sigismund III. Wasa dann zum polnischen König gewählt. 1592 starb sein Vater in Schweden. Noch bevor Sigismund als Thronfolger nach Schweden kommen konnte, wurde in Uppsala als Landesreligion evangelisch festgeschrieben (Koniarek):

Als Sigismund ein halbes Jahr nach der Festlegung in Uppsala seine rechtmäßige Thronbesteigung in Schweden antrat, waren in seinen Weihrauchschwaden auch Jesuiten und die altgläubigen Katholiken erschienen, die öffentliche katholische Gottesdienste verlangten. Das führte zu blutigen Auseinandersetzungen mit der lutherischen Bürgerschaft von Stockholm.

Im Jahr 1600 wurde Sigismund die schwedische Krone aberkannt. Aber im Grunde behielt er bis an sein Lebensende einen Fuß in Schweden. Die Gefahr, daß er mit einer katholischen Fraktion innerhalb Schwedens wieder die Macht übernehmen könnte, bestand weiter. 

Abb. 7: Peter Skarga predigt vor Sigismund III. Wasa, sowie zahlreichen hohen, polnischen Würdenträgern - Gemälde von Jan Matejko (1864) - Skarga peitscht den König und die Würtenträger zum fanatischen Kampf gegen die Ketzer im Norden auf. Als Zuhörer sind u. a. außerdem dargestellt Janusz Radziwiłł, Jan Piotr Sapieha und Jan Zamoyski

In diesem Spannungsfeld zwischen Schweden und Polen bewegten sich die protestantischen Herzöge von Kurland, sowie jene Teile der Ritterschaft Livlands, die seit vierzig Jahren dem polnischen König Untertan waren. Ebenso auch die Bürgerschaft der protestantischen Handelsstadt Riga. Riga war damals eine Stadt, die dreimal so groß war wie Stockholm. Sie stellte also sozusagen eine eigene Macht innerhalb des Ostseeraumes dar. Sie alle wollten einerseits nicht als untreue Untertanen gegenüber dem polnischen König gelten, mußten sich andererseits aber den sehr offenen und direkten wie auch den weniger offensichtlichen Bedrängungen durch die Jesuiten oder der Anstachelung und Aufstachelungen durch die Jesuiten erwehren. 

Im Kampf für die Jungfrau Maria - Die Jesuiten in Riga

Diese Jesuiten waren sogar im Besitz der zweitgrößten Kirche von Riga, der Jakobikirche (Wiki):

Nachdem sich die Stadt Riga im Livländischen Krieg dem polnisch-litauischen König Stephan Báthory unterstellt und dieser im Corpus Privilegiorum Stephaneum der Stadt ihre Freiheiten und Privilegien bestätigt hatte, kaufte der König der Stadt 1582 die Kirche ab und übergab sie den Jesuiten. Bei den Kalenderunruhen 1584 wurde der größte Teil der Inneneinrichtung von einer aufgebrachten Menge zerstört.

In Riga war also die Bürgerschaft ebenso hellwach wie in Stockholm. Diese Kalenderunruhen beruhten auf der Einführung des gregorianischen Kalenders, der als "papistisches Machwerk" empfunden wurde (Wiki):

Mit Rücksicht auf die neue politische Lage ordnete der Rat der Stadt im Oktober 1584 die Einführung des gregorianischen Kalenders an. (...) Ein großer Teil der Bevölkerung weigerte sich, der Anordnung zu folgen. Am Weihnachtsfest der neuen Kalenderrechnung blieben die lutherischen Kirchen leer, die Handwerker arbeiteten in ihren Werkstätten, und die unter Zwang den Katholiken übergebene Jakobskirche wurde von einer aufgebrachten Menge verwüstet. Zehn Tage später, am julianischen Weihnachtsdatum, wie auch zum julianischen Jahreswechsel wurden demonstrativ Andachten und Feiern abgehalten. In der Folgezeit kam es wegen der Kalenderfrage sogar zu Hinrichtungen. Erst im Juni 1589 wurden die Unruhen unter militärischem Druck beendet. Auf dem Reichstag 1591 wurde unter Vermittlung des protestantischen Stadtsyndikus David Hilchen ein Vertrag unterzeichnet, der die Beibehaltung des julianischen Kalenders und einiger alter Freiheiten der Stadt Riga bestätigte. Nach der schwedischen Eroberung 1621 wurde auch die Jakobskirche wieder lutherisch.

Es könnte auch lohnend sein, der Frage nachzugehen, welche Rolle der hier genannte Stadtsyndikus David Hilchen insgesamt spielte. 1609 sollte er eine Gedenkschrift heraus bringen auf den 1602 im Kampf gegen die Schweden gefallenen Livländer Jürgen von Fahrensbach, dessen Sohn 1610 - wiederum im Zusammenhang einer Heirat - zum Katholizismus übertrat und dann als Geheimagent der Jesuiten mit übelsten Mitteln und Machenschaften daran arbeitete, Kurland und Riga zu Fall zu bringen und sie den Katholiken in die Hände zu spielen (Seraphim 1893). 

Er scheint uns später gegenüber Gustav Adolf die Rolle eines "Lockvogels" gespielt zu haben, der den Kriegszügen Gustav Adolfs in Deutschland jeweils eine Richtung gab, die im Interesse der katholischen Partei lag. Das wird in weiteren Beiträgen dieser Aufsatzreihe Thema sein. Aufgrund seiner "Lockungen" zog Gustav Adolf 1630 nach Frankfurt an der Oder, anstatt so schnell wie möglich Magdeburg zu entsetzen (wo dann der fürchterliche katholische Massenmord stattfand). Und anstatt 1631 direkt auf Regensburg und damit in die Kernlande der Habsburger vorzustoßen, ließ sich Gustav Adolf von diesem Geheimagenten und dessen Versprechungen schneller Übergabe verleiten, zunächst Ingolstadt zu belagern und dann Süddeutschland weiter westlich zu verheeren. Dasselbe Spiel scheint in Ingolstadt 1633 dann noch einmal gespielt worden zu sein.

Dieser Geheimagent scheint auch sonst in seinem Leben viel zum Schaden der protestantischen Sache betrieben zu haben. Am Ende seines Lebens 1633 wurde er jedenfalls nur noch von einer Gruppierung gelobt: von den Jesuiten. Es wäre das lohnende Thema einer Doktorarbeit, den Umtrieben dieses aus Livland stammenden jesuitischen Geheimagenten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch genauer nachzugehen.

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  1. Bürgermeister und Rat der Stadt Riga: Von der Eroberung der Hauptstadt Riga in Leffland 1621. Wittenberg 1622 (GB)
  2. Friderici Menii: Historischer Prodromus des Lieffländischen Rechtens und Regiments Von Anfange der Provintz Erfindunge/ biß auff Ihr Königl. Majest. von Schweden Gustavi Magni Todt: Aus Wahrhafften und Glaubwürdigen Actis und Actitatis verfertiget und zusammen gebracht. Becker, Dörpt in Lieffland 1633 (Dig. Bibl), https://dspace.ut.ee/handle/10062/10508 
  3. Hupel, August Wilhelm: Nordische Miscellaneen. Materialien zu einer liefländischen Adelsgeschichte. 1788 (GB)
  4. von Hagemeister, Heinrich: Materialien zu einer Geschichte der Landgüter Livlands. Band 11, 1836 (GB)
  5. Freiherr Julius von Bohlen zu Bohlendorf (Rügen): Fragmente zur Geschichte des Herzogs Wilhelm von Kurland. In: Mitteilungen aus dem Gebiete der Geschichte Liv-, Est- und Kurlands, Band 8, Riga 1857 (GB), S. 195-239
  6. Wittich, Karl, "Gustav II. Adolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10, 1879, S. 189-212 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543733.html
  7. Stryk, L. von: Beiträge zur Geschichte der Rittergüter Livlands. Band 2, 1885 (GB)
  8. Seraphim, Ernst: Der Kurländer Wolmar Farensbach. Ein Parteigänger und Verräter des 17. Jahrhunderts. Nach archivalischen Quellen. In: Seraphim, Ernst und August: Aus der Kurländischen Vergangenheit. Bilder und Gestalten des siebzehnten Jahrhunderts. Stuttgart 1893 (GB)
  9. Seraphim, Ernst: Geschichte Liv-, Est- und Kurlands. Von der "Aufsegelung" des Landes bis zur Einverleibung in das russische Reich. Eine populäre Darstellung. Verlag von Franz Kluge, Reval 1896 (GB)
  10. Bienemann jun., Dr. Fr.: Zur Geschichte der Kritik der hist.-polit. Schrift "Von der Eroberung der Stadt Riga 1621". In: Mitteilungen aus dem Gebiete der Geschichte Liv-, Est- und Kurlands, Band 16, Riga 1896 (GB), S. 262-320
  11. Busch, Nicolaus: Die Geschichte der Rigaer Stadtbibliothek und deren Bücher. Aus den nachgelassenen Schriften von Dr. N. Busch, Stadtbibliothekar zu Riga. II. Band  Redigiert von L. Arbusow. 1936 (pdf)
  12. Helk, Vello (1923-2014): Die Jesuiten in Dorpat (1583-1625). Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung, 1963, https://www.zfo-online.de (pdf)
  13. Honselmann, Wilhelm: Theodor von Havkenscheid S. J. (1530-99). In: Westfälische Zeitschrift, Bände 112-113, 1962; erneut in: Blätter für deutsche Landesgeschichte, Band 99, 1963, S. 343 (pdf)
  14. Helk, Vello (1923-2014): Die Jesuiten in Dorpat 1583 - 1625. Ein Vorposten der Gegenreformation in Nordosteuropa". [Odense University studies in history and social science, 44] 1977 (335 Seiten) (GB)
  15. Heyde, Jürgen: Zwischen Kooperation und Konfrontation: Die Adelspolitik Polen-Litauens und Schwedens in der Provinz Livland 1561-1650. 1998 (pdf)
  16. Koniarek, Dr. Klaus: Sigismund III. Wasa. Wer war wer im Dreißigjährigen Krieg [o. D., 1998, 2008/2009], http://www.koni.onlinehome.de/ausfuehrliche-biographien/sigi-frames.htm [15.11.2022] 
  17. Kunowski, Jan: Ekspedycyja inflantska 1621 roku (Die Infanterie-Expedition des Jahres 1621). Wojciech Walczak, ‎Karol Łopatecki. Bialystok 2007
  18. Paradowski, Michał Kadrinazi: Rajtaria litewska pod komendą hetmana Krzysztofa Radziwiłła 1617-1622 (Kurländische Reiterei unter dem Befehl des Hetmans Christoph Radziwiłł), 2010, http://phw.org.pl/rajtaria-litewska-pod-komend-hetmana-krzysztofa-radziwia-1617-1622/
  19. Donecker, Stefan: Arbeiten und Projekte des Dorpater Professors Friedrich Menius in den 1630er Jahren. In: Forschungen zur baltischen Geschichte, 6/2011 (pdf), S. 31-60
  20. Spārītis, Ojārs: Die kartographische Darstellung der Belagerung Rigas von Georg Schwengeln (1621) als kulturhistorisches Zeugnis. In: Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit, 2012 (pdf)
  21. Tuchtenhagen, Ralph: Riga wird schwedisch (1621). In: NORDEUROPAforum, 3.1.2022, https://portal.vifanord.de/blog/riga-wird-schwedisch-1621/
  22. Wolke, Lars Ericson: Gustavus Adolphus, Sweden and the Thirty Years War, 1630–1632. 2022 (GB
  23. The central portal of the Riga Castle yard gate is again decorated with reliefs of Madonna and Plettenberg, etwa 2016, https://www.reregrupa.lv/en/news-/the-central-portal-of-the-riga-castle-yard-gate-is-again-decorated-with-reliefs-of-madonna-and-plett/
  24. Die Geschichte von Windau, https://www.onlatvia.com/history-of-ventspils-598

Freitag, 28. Juni 2019

Unislaw - Eine deutsche Ordensburg an der Weichsel - Neue Ausgrabungen

Erinnerungen an die Provinz Westpreußen, bzw. an das Kulmerland

Vorbemerkung: Der folgende Aufsatz 
bildete die Grundlage 
für einen Vortrag, der zu gleicher Zeit in 
Videoform veröffentlicht wird (12).

Die stolze Marienburg an der Nogat in Westpreußen (Wiki) in der Nähe von Danzig ist - ob ihrer Schönheit, ob des Eindrucksvollen ihrer Architektur, ob ihrer Lage in der Landschaft - ein beliebtes Reiseziel und UNESCO-Weltkulturerbe. So mancher Mitteleuropäer weiß noch heute von ihrer Schönheit. Diese Burganlage war einst der Hauptsitz des Deutschen Ritterordens. Der Deutsche Ritterorden regierte von hier aus seinen Ordensstaat (Wiki). Dieser erstreckte sich im Hoch- und Spätmittelalter von West- und Ostpreußen über die heutigen Staaten Litauen und Lettland bis hinauf nach Estland. Er stellte ein mächtiges, blühendes, für seine Zeit sehr fortschrittliches Gemeinwesen dar. Im Spätmittelalter allerdings wurde er von den wirtschaftlich stark aufblühenden deutschen Handelsstädten an der Weichsel zunehmend als Belastung und Einschränkung empfunden. Die offiziell ehelos lebenden Ritter des Ordens erregten durch ihren hochfahrenden Sinn immer wieder Anstoß, auch deshalb, weil sie zumeist dann doch nicht gar so ehelos lebten. Aber auch sonst wurde dem Ordensstaat viel Korruption vorgeworfen.

Abb. 1: Sonnenuntergang in Kulmisch Wenzlau (Unislaw) an der Weichsel

So verbündeten sich denn die deutschen Handelsstädte und auch der deutsche Adel Westpreußens und des zugehörigen Kulmerlandes zur Abwerfung der bedrückenden Vorherrschaft des Deutschen Ritterordens mit dem polnischen König. Von diesem erwarteten die Deutschen, daß sie unter seiner Oberherrschaft größere städtische und adlige Selbständigkeit und Eigenständigkeit würden aufrecht erhalten können. Dies ließen sie sich auch schriftlich vom polnischen König garantieren. 1466, nach der Schlacht von Tannenberg, konnte die Herrschaft des Ordens im Zweiten Thorner Frieden abgeworfen werden. Damit war die Macht des Deutschen Ritterordens in den Ländern an der Ostsee insgesamt gebrochen. Nun versuchten jedoch die polnischen Könige - im Verlauf der Gegenreformation stark unterstützt durch die polnische, katholische Kirche - nach und nach das in Westpreußen entstandene Machtvakuum zur Polonisierung zu nutzen.

Welche leidvolle, wechselvolle Geschichte ergab sich dadurch für die Provinz Westpreußen. Abgesehen von den reichen Weichselstädten ist die Provinz Westpreußen in polnischer Zeit und durch die damit einhergehende Gegenreformation wirtschaftlich und zivilsatorisch ganz herunter gekommen wie viele Berichte der Zeitgenossen bestätigen und wie auch die Bestandsaufnahme ausweist, die Friedrich der Große nach Wiedereinfügung Westpreußens in den preußischen Staat erstellen ließ. Der König ließ über tausend schwäbische Bauernfamilien im Kulmerland ansiedeln, um es wieder in die Höhe zu bringen (13).

Abb. 2: Kulm, Dominikanerkirche (Wiki)

Über das im folgenden besonders interessierende Kulmerland an der Weichsel - grob zwischen den deutschen Städten Thorn und Graudenz - ist bezüglich seiner Schicksale seit dem Spätmittelalter zu erfahren (Wiki):

Das Kulmerland war fortan Polonisierungsversuchen ausgesetzt mit dem Hauptziel, die autonome Region des Königlichen Preußen möglichst in eine polnische Provinz umzuwandeln. Dieses wurde 1569 anläßlich der Bildung der Union von Lublin, durch die der Doppelstaat Polen-Litauen entstand, erneut versucht: Durch sein staatsstreichartiges Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie des Königlichen Preußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf, weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs von den ehemaligen Städten des Preußischen Bundes von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde. Während der polnischen Herrschaft wurden das Kulmer Land und das Michelauer Land (...) polonisiert, bei der ersten polnischen Teilung von 1772 fanden sich hier als mehrheitlich deutsche Distrikte nur Stadt und Stadtbezirk Thorn sowie die Thorn-Kulmer Niederung. Dies hatte auch daran gelegen, daß sich der ursprünglich deutsche Adel aufgrund erhaltener Privilegien rapide polonisierte. Mit den Polonisierungsbemühungen einher ging nach der Reformation die systematische Verfolgung und Unterdrückung der Protestanten durch polnische staatliche und kirchliche Behörden, die im Thorner Blutgericht vom 7. Dezember 1724 einen Höhepunkt fand.

Diese Zeit der Unterdrückung, Verdrängung, Polonisierung und Kaholisierung der Protestanten und Deutschen endete 1772, als Westpreußen in der ersten polnischen Teilung zurück an Preußen fielt. In dem eben gebrachten Zitat sind die Worte "fast vollständig polonisiert" ausgelassen worden, denn schließlich lebten doch 1910 im Kreis Kulm nicht wesentlich mehr Polen als Deutsche. Es lebten hier nämlich 28.000 Katholiken neben 20.000 Protestanten (Wiki). Und im Kreis Kulm lebten auch schon 1821 17.000 Katholiken neben 12.000 Protestanten (Wiki). Das Kulmer Land war immer kulturell deutsch zumindest mitbestimmt und mitgeprägt. Bis 1945.

Abb. 3: Kulm an der Weichsel (Alte Postkarte)

Zur Zeit des Ordensstaates waren über das gesamte Gebiet des Ordens hinweg die noch heute so eindrucksvollen Ordensburgen errichtet worden. Da sich sehr viele dieser Ordensburgen erhalten haben und oft die größte Sehenswürdigkeit in diesem Teil Europas darstellen (Wiki, engl), ist ihre Geschichte vergleichsweise gut erforscht (z.B.: 8). Dennoch gewinnen die Archäologen natürlich immer wieder neue Erkenntnisse hinzu, nicht zuletzt aufgrund internationaler Forschungsprogramme zu den kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die deutsche Ostsiedlung in ganz Ostmitteleuropa mit sich gebracht hat, und die noch heute Bewunderung und Erstaunen erregt. 

Im Gefolge der Eroberungen des Ordensstaates wurden nämlich bis nach Estland hinauf Städte von Deutschen gegründet und besiedelt und in West- und Ostpreußen zusätzlich Bauerndörfer. So wanderten die Deutschen aus dem Reich westlich der Weichsel nach Osten und brachten hier mehrere Provinzen zum Erblühen. Die Bevölkerungszahlen haben sich aufgrund dessen vervielfacht, nicht nur des deutschen Volksteiles, sondern auch des polnischen Volksteiles. Deutsche wurden auch auf den riesigen Domänen des Ritterordens angesiedelt, jenen Wirtschaftshöfen, die zu der Ordensburg des jeweiligen Verwaltungsbezirkes des Ritterordens gehörten.

Abb. 4: Ordensburg Unislaw an der Weichsel um 1350, Rekonstruktion (aus: 1)

2016 ist im Dorf Unislaw (Wiki) an der Weichsel einmal erneut eine Ordensburg ergraben worden von Archäologen der Universität Thorn.

Thorner Archäologen graben im Kulmerland

Und dieser Umstand läßt uns die Aufmerksamkeit richten auf dieses Dorf und auf das Land, in dem es liegt, nämlich das Kulmerland. Dieses Dorf wurde von den Deutschen Wenzlau genannt, ab 1942 offiziell Kulmisch Wenzlau (4). Die dortige Ordensburg war nach 1466 dem Verfall preisgegeben worden. Schon seit vielen Jahrhunderten ist sie überirdisch kaum noch sichtbar. Sie ist nur noch Sage gewesen. 

Unislaw liegt auf einer Höhe über dem Ostufer der Weichsel zwischen den vormals deutschen Städten Bromberg und Graudenz (s. Abb. 1). Das Dorf gehörte zum Kreis Kulm, das den Kern des historischen Kulmerlandes einnahm (Wiki). Das Kulmerland hatte ab 1231 - durch Abtretung an den Deutschen Ritterorden - die Ausgangsbasis für dessen Kreuzzug zur Christianisierung und Eroberung der Pruzzen in West- und Ostpreußen gedient. Wie schon erwähnt, folgte später von hier aus auch die Eroberung fast des gesamten Baltikums durch den Orden, wodurch auch dort die Städte und der Adel deutsch wurden (Wiki). Aber das Kulmerland war ursprünglich die Keimzelle, der Ausgangspunkt für das Entstehen des Ordensstaates gewesen.

Unislaw gehörte in deutscher Zeit - bis 1920 - zum Landkreis Kulm und war - wie der Rest von Westpreußen - seit der Besiedlung durch Deutsche die Heimat sowohl von Deutschen wie von Polen. Dabei konnten die Mehrheitsverhältnisse von Ort zu Ort wechseln. In den größeren Weichselstädten Thorn, Bromberg und Graudenz stellten die protestantischen Deutschen die Mehrheit. In kleineren Landstädten und Dörfern hatte - wie schon erwähnt - viel Polonisierung stattgefunden. Dort stellten deshalb nicht selten die katholischen Polen eine knappe Mehrheit. Dennoch waren auch diese Orte die Heimat vieler Deutscher.

In dem 17 Kilometer östlich von Unislaw gelegenen Städtchen Kulmsee lebten bis 1920 beispielsweise grob ein Viertel Deutsche und drei Viertel Polen, sowie eine kleine Minderheit Juden (Wiki). Man hatte bis dahin im Alltag in der Regel ganz friedlich und nachbarschaftlich zusammen gelebt. Nur von Seiten der Politik war insbesondere ab den 1880er Jahren bewußt der "Volkstumskampf" in die beiden Volksteile hinein getragen worden.

Der Reichstagswahlkreis Marienwerder, zu dem Unislaw mit dem Kreis Kulm gehörte, wählte bis 1912 in unregelmäßigem Wechsel einmal einen Abgeordneten der Polnischen Fraktion in den Reichstag, einmal einen Abgeordneten der deutschen Nationalliberalen Partei (Wiki). Für letztere war damals das Betonen des deutschen Standpunktes eine Selbstverständlichkeit. Man verstand damals noch, daß der nationale und der liberal-freiheitliche Gedanke eine notwendige Symbiose bilden, daß der eine nicht sinnvoll vertreten werden kann ohne den anderen. 

In Unislaw selbst wurden Dorf und Gut voneinander unterschieden. In beiden gab es jeweils (soweit erkennbar) zwei Drittel Polen und ein Drittel Deutsche, und zwar im Dorf 247 Polen und 115 Deutsche, auf dem Gut 125 Polen und 45 Deutsche (7, S. 136). Die ansässigen Polen profitierten - wie noch nach 1920 allen bewußt war - seit dem Hochmittelalter von der Wirtschaftskraft und der aufblühenden Fortschrittlichkeit des deutschen Volksteiles.

Zeugnisse eines erbitterten Bekehrungskrieges

1831 wurde in einem Reiseführer über die Straße "von Berlin nach Königsberg über Bromberg" anschaulich berichtet (11, S. 357):

Von Bromberg aus berührt die Straße (...) das Städtchen Fordon, welches unter seinen 2000 Einwohnern 1300 Juden zählt. (...) Hier ist eine Fähre iiber die Weichsel, am jenseitigen Ufer liegt der Fährkrug, und in geringer Entferung von ihm die 16te Station Ostrometzko. (...) Ein Dorf in waldiger Gegend. Der Straße zur linken bleibt die merkwürdige durch  Brenkenhofs unsägliche Mühe wirthbar gemachte Bruchgegend und vom königl. Domainen-Amt Unislaw führt die Straße durch eine vortreffliche Allee über Kölp bis Culm. Rechts erblicken wir auch die ansehnlichen Gebände der königl. Domaine Friedrichsbruch. 

Fordon (Wiki) liegt zehn Kilometer östlich von Bromberg an der Weichsel. Schon 1783 waren fast die Hälfte seiner Einwohner Juden, die andere Hälfte der Einwohner bestand da schon aus deutschen, protestantischen "Neubürgern", die seit 1772 zugezogen waren. In der Folge sollte der Anteil der Juden an der kräftig wachsenden Gesamtbevölkerung noch etwas weiter zurück gehen. Zurück zu Unislaw, bzw. Kulmisch Wenzlau: Von einem vor dem Dorf über den Weichselwiesen gelegenen Hügel haben die Einwohner immer schon vermutet, daß dort früher die Ordensburg gestanden haben wird (s. Abb. 1 und 3). Diese Ordensburg hat in mittelalterlichen Urkunden auch viele Erwähnungen gefunden. 1872 heißt es in einer Untersuchung darüber (10, S. 39):

In der mehrfach erwähnten Urkunde Konrads von Mazowien vom J. 1222 finden wir die Namen von 46  damals im Culmerlande bestehenden Burgen und Dörfern.
Unter diesen findet sich an 23. Stelle dann:
Wuyslaw, Vnyzlau, Unislaw - Unislaw,  Kr. Culm.
Für Unislaw gab es also schon im Mittelalter eine Bezeichnung, die dem nachmals benutzten Wenzlau nahekam. 1858 wurde aus den mittelalterlichen Urkunden heraus berichtet (9, S. 169):
Das Haus Wenzlaw (Unislaw) lag südlich von Althaus, da wo noch heute ein Kirchdorf dieses Namens liegt. Auf demselben hatten in älteren Zeiten ebenfalls Comthure ihren Sitz, Dietrich zwischen 1289 und 1295, Heinrich um 1326; später wurde es vou Pflegern verwaltet, scheint also mit einem  der benachbarten Comthurgebiete (etwa mit Althaus?) vereinigt zu sein. Es wird in der Urkunde des Thorner Friedens um 1466 noch erwähnt. Ganz nahe bei Unislaw, hart an der Weichsel, lag die alte Burg Pien (auch Peene, Pehen genannt), die der Orden eine Zeit lang dem Herzog Swantopolk von Pommerellen überließ, - im fünfzehnten Jahrhundert der Sitz eines Pflegers. Es wäre möglich, daß Unislaw und Pien die Hauptorte desselben Pflegeramtes waren, und die Pfleger sich nur zeitweise nach dem einen oder nach dem anderen Ort nannten.
Und 1870 schrieb derselbe Autor (3):
Das Gebiet Wenzlaw (Unislaw) wurde früher von einem Komthur, später von einem Pfleger verwaltet, der sich im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts auch einige Male Pfleger von Pehen (Pien, nahe der Weichsel, unterhalb Ostrometzko) nennt. Außer dem Hofe zu Wenzlaw gehören hieher die Höfe zu Czarnow (...) und zu Luchtow (...), welche sämtlich im 14. und 15. Jahrhundert öfters erwähnt werden. (...) Das älteste uns erhaltene Inventarien-Verzeichnis, vom Jahre 1364 (...) zeigt, daß es damals in Wenzlaw "50 Pflugkobeln, 16 Stutkobeln, 37 Füllen, 1 Zelter, 3 Rosse, 6 Knechtpferde und 18 Wagenpferde" gab. Die Gegenüberstellung der Pflug- und Stutkobeln läßt darauf schließen, daß hier der größere Pferdeschlag nicht fehlte.
Der erwähnte "Zelter" wird wohl das Reitpferd des Komthurs, bzw. Pflegers gewesen sein. In jener Zeit gab es nach den erhaltenen mittelalterlichen Urkunden in Unislaw ansonsten 145 Rinder, 300 Schweine und 900 Schafe, außerdem werden für Luchtow auch 31 Bienenstöcke angeführt (3). Ob hier nur die Domäne gemeint ist oder das ganze Dorf, wird aus den Urkunden nicht ganz klar (3). Und wo nun befand sich der Amtssitz dieses Komthurs von Wenzlaw? Die Thorner Archäologen berichten über ihre Ausgrabung (1):
Die Entdeckungen in Unislaw brachten nicht nur eine in Form und Aufbau zuvor unbekannte Holz-Erde-Befestigung und eines an diesem Ort stark befestigten Burggebäudes zu Tage, sondern veranschaulichen auch die Geschichte der Entwicklung der Burgarchitektur des Deutschen Ritterordens überhaupt. 
Original: The discoveries made at Unisław not only reveal the form and layout of a previously unknown timber-and-earth stronghold and those of the stone building erected in its place, they also illuminate the history of the development of the Teutonic Order’s military architecture.

Die Burg wurde - nach den festgestellten Kleinfunden (Keramik und anderes) - genutzt zwischen 1280 und 1466. Die erforschte Burganlage kann von den Burgenforschern nun verglichen werden mit zahlreichen anderen Burganlagen des Ritterordens im Kulmerland und im Ordensstaat überhaupt. Aber an der Rekonstruktion (Abb. 1) kann auch abgelesen werden, daß sich viele Wirtschaftsgebäude des Domänengutes innerhalb der Befestigungsanlagen befunden haben werden.

Die Befestigungen sind übrigens - wie es oft geschehen ist - errichtet worden auf einer zuvor an derselben Stelle lokalisierten Burganlage der Pruzzen (1). Auch mußte der Ritterorden seine Burganlagen im Verlauf der Eroberungen wiederholt deutlich verstärken, da weniger gut befestigte Burganlagen wiederholt von den Pruzzen wieder zerstört worden waren (1). Es war ein erbitterter Bekehrungskrieg gegen die Pruzzen geführt worden. Und nur weil die Pruzzen sich so verzweifelt gewehrt haben, war ja der Orden überhaupt nach Preußen gerufen worden und war ihm das Land zugesprochen worden, das sich die einheimischen Herzöge nicht zutrauten, erobern und christianisieren zu können (2). Es ist nun mehr als wahrscheinlich, daß der Orden auch in Unislaw neben der Ordensburg deutsche, bäuerliche Siedler angesetzt hat. Für den Deutschordensstaat allgemein jedenfalls gilt (Wiki):

Zwischen 1280 und 1400 wurden im Ordensgebiet rund 60 Ordensburgen, 90 Städte und 1500 Dörfer gegründet. (...) Die riesigen Domänen der den einzelnen Ordensburgen angeschlossenen Wirtschaftshöfe fungierten als landwirtschaftliche Großbetriebe. Auf ihren insgesamt 110.000 ha Land wurden 13.000 Pferde, 10.000 Rinder, 19.000 Schweine und 61.000 Schafe gehalten. Großen Wert legte die Ordensleitung auf eine eigenständige Pferdezucht. Dabei wurden in den 61 Gestüten sowohl die zähen, kleinen einheimischen Swoyken als auch schwere Schlachtrösser für die Ordensritter gezüchtet. Im Normalfalle befanden sich die Wirtschaftshöfe in unmittelbarer Nähe zum Ordenshause. (...) Auf Grund der Naturgegebenheiten mangelte es für den Bau der gewaltigen Ordenshäuser an Natursteinen. Demzufolge entschied man sich schon früh für den Bau gigantischer Ziegeleien.
Der Untergang des Ordensstaates brachte auch einen wirtschaftlichen Rückfall des Gebietes mit sich, was deutlich macht, wie sinnvoll eine gut organisierte Zentralverwaltung sein kann (dies kann man auch einmal ins Stammbuch der heute weit verbreiteten "Libertären" schreiben) (Wiki):
Im Gefolge der verlorenen Kriege des 15. Jahrhunderts, durch Brandschatzungen, Reparationsleistungen und daraus resultierend der Einführung von direkten Steuern fiel die blühende Wirtschaft des Ordensgebietes allmählich wieder auf den europäischen Durchschnitt zurück.

So kann es aussehen, wenn das Prinzip straffer Staatlichkeit abgelöst wird von dem Prinzip "sich selbst organisierender, kleiner Einheiten". - Zu den schweren Schicksalen der Bewohner von Unislaw zwischen 1919 und 1949 ist ein weiterer Beitrag hier auf dem Blog erschienen (14).

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  1. Wiewióra, M., Wasik, B., Molewski, P., Badura, M., Maciejewska, K., Makowiecki, D., … Tyszkowski, S.: The Teutonic crusade in Prussia: reconstruction of a medieval fortified settlement complex at Unisław. In: Antiquity, 93 (369), 752–771, 12.6.2019, doi:10.15184/aqy.2019.58, url to share this paper: sci-hub.tw/10.15184/aqy.2019.58
  2. Zydowitz, Kurt von: Glaubensumbruch ein Verhängnis. 700 Jahre germanisch-deutsche Geschichte. Teil I bis III. Verlag Mein Standpunkt 1976, 1984, https://archive.org/details/ZydowitzKurtVonGlaubensumbruch EinVerhaengnis700JahreGermanischDeutscheGeschichteTeilI/page/n4
  3. Töppen, Max: Topographisch-statistische Mittheilungen über die Domänen-Vorwerke des deutschen Ordens in Preußen. In: Altpreussische Monatsschrift, Band 7, 1870, S. 412-486, hier S. 443, https://books.google.de/books?id=aM8OAAAAYAAJ (Suchwort: Unislaw) 
  4. Amtsbezirk Kulmisch Wenzlau. In: Rolf Jehke (Herdecke): Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874-1945. Zuletzt geändert am 19.5.2005, http://www.territorial.de/dawp/kulm/klmwenzl.htm
  5. Liste der Burgen im Deutschordensstaat, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Burgen_im_Deutschordensstaat
  6. Schultz, Franz: Geschichte der Stadt und des Kreises Kulm, Band 1 (bis 1479), Kafemann, Danzig 1876, https://books.google.de/books?id=N_RoAAAAcAAJ
  7. Bernhart Jähnig, Peter Letkemann (Hrsg.): 750 Jahre Kulm und Marienwerder. In: Beiträge zur Geschichte Westpreußens, Ausgabe 8, hrsg. v. Copernicus-Vereinigung zur Pflege der Heimatkunde und Geschichte Westpreußens. Verlag Nicolaus-Copernicus-Verl., 1983, https://books.google.de/books?id=eDlpAAAAMAAJ (Suchwort Unislav) 
  8. Benninghoven, Friedrich: Die Burgen als Grundpfeiler des spätmitteralterlichen Wehrwesens im preußisch-livländischen Deutschordensstaat. In: Vorträge und Forschungen (Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte), Bd. 19 Nr. 1, 1976: Die Burgen im deutschen Sprachraum (Teil 1), S. 565-601, https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/view/16221
  9. Töppen, Max: Historisch-comparative Geographie von Preußen. Nach den Quellen, namentlich auch archivalischen, dargestellt. 1858, https://archive.org/details/bub_gb_pykCAAAAcAAJ/page/n125 
  10. R***: Beiträge zur Beantwortung der Frage nach der Nationalität des Nicolaus Copernicus. Priebatschʼs Buchhandlung, Breslau 1872, https://archive.org/details/bub_gb_JI5u6280KtcC/page/n47  
  11. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Wegweiser durch den Preußischen Staat. Ein geographisch-statistisches Taschenbuch. Duncker und Humblodt, Berlin 1831, https://archive.org/details/bub_gb_MZEDAAAAcAAJ/page/n367
  12. Bading, Ingo: "Über der Weichsel drüben, Vaterland, höre uns an ...." - Erinnerungen an Westpreußen anhand neuer archäologischer Ausgrabungen daselbst. Vortrag, 29.6.2019, https://youtu.be/-3Gtcuvm2_Y
  13. 1782 - Schwäbische Bauern kommen ins Kulmerland, https://www.wittenberg-bessarabien.de/auswanderung-einwanderung-r%C3%BCckwanderung/   
  14. Bading, Ingo: Ein Dorf im Kulmer Land an der Weichsel. 15.7.2019, https://preussenlebt.blogspot.com/2019/07/ein-dorf-im-kulmer-land-der-weichsel.html