Dienstag, 8. Mai 2012

Im Gästehaus des Königs von Preußen

Zum 300. Geburtstag des großen Freigeistes Friedrich II.

Man denke sich Angela Merkel, Jürgen Habermas, "Kulturstaatsminister" Michael Naumann, den "geistreichen Plauderer der Nation" Jörg Thadeusz und - sagen wir - einen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (d.Ä.) - und außerdem noch zahlreiche andere Personen - vereinigt in einer Person. Nicht möglich? Doch: König Friedrich II. von Preußen, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 300. male jährt, hat alle diese Personen in sich vereinigt. Wobei die eigentliche Bedeutung dieses Königs nicht darin liegt, daß er ein erfolgreicher Politiker oder ein tapferer und erfolgreicher Feldherr gewesen ist. Mit beidem schuf er sich bestenfalls die Voraussetzungen für die von ihm gesehene Hauptaufgabe. Und diese lag darin, daß er ein bedeutender Förderer der Kultur und der geistig-moralischen Entwicklung seines Landes - und Europas überhaupt - gewesen ist.

Dieser Umstand könnte im Preußenjahr 2012 noch weitaus deutlicher herausgestellt werden, als es gegenwärtig geschieht. Wer heute nach Potsdam und Sanssouci fährt, betritt Boden, der überall von Kultur durchtränkt ist. Und dieser Umstand ist niemandem mehr zu verdanken als Friedrich dem Großen. Man betritt eine "Kulturlandschaft", die wie keine zweite diesen Namen verdient. Überall, wo Friedrich in Berlin und darüber hinaus seine Spuren hinterlassen hat, trifft man auf Kultur. Man denke nur an den Gendarmenmarkt, Berlins "schönsten" Platz.

Welche von den Kasernen Friedrichs des Großen steht heute noch? Welcher seiner Exerzierplätze ist heute noch bekannt? Sein Staat ist zerschlagen wie kaum ein zweiter in der Geschichte. Aber sein kulturelles Erbe wird gepflegt, wohin man blickt. Mit großer Andacht. Sicherlich weil viele ahnen: Hier liegt die eigentliche Bedeutung dieses großen Königs - und damit: dieses großen Menschen.

Abb. 1: Figurengruppe "Apoll und die Musen" aus der Hadriansvilla  bei Rom im Empfangssaal des "Neuen Palais"

Ein gutes Beispiel: Wer die diesjährige Friedrich-Ausstellung im "Neuen Palais" in Potsdam betritt, steht im zentralen Empfangssaal zunächst der Figurengruppe "Apoll und die Musen" gegenüber. Eine Figurengruppe aus dem ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung. Diese griechisch-antiken Skulpturen waren im 16. und 17. Jahrhundert in der Nähe der Hadriansvilla bei Tivoli, 30 Kilometer nordöstlich von Rom, ausgegraben worden. Dort hatte man ähnlich bedeutende Funde gemacht wie zu gleicher Zeit in Pompeji. Und Friedrich erwarb diese bis dahin in Frankreich aufbewahrte Figurengruppe schon im dritten Jahr seiner Regierung, 1742, um sie in seinem Antikentempel in Sanssouci aufzustellen und dort der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Abb.2: Männliches Genital hinter Frauenkleid? Achill versteckt sich feige bei den Töchter des Lykomedes? - Nein, es ist Apoll!
Zu seiner Zeit war die Figurengruppe noch irrtümlich interpretiert worden als "Odysseus erkennt Achill unter den Töchtern des Lykomedes" (gut erläutert hier: PNN). Eine recht amüsante Verwechslung, da man hinter Frauenkleidern das männliche Genital des Achill vermutete. Es waren aber keine Frauenkleider, sondern im 1. Jahrhundert ließ man auch Apoll so bekleidet sein. Nachdem die Wissenschaft - erst nach Friedrichs Tod - erkannt hatte, daß es sich um eine falsche - genitalgesteuerte - Zuordnung gehandelt hatte, wurde die Skulpturengruppe - nach einer Neubearbeitung durch den Bildhauer Daniel Friedrich Rauch - im Alten Museum in Berlin neu aufgestellt. Dort steht sie bis heute. In diesem Jahr ist sie aber für die Friedrich-Ausstellung - unter Betonung der vormaligen Interpretation der friderizianischen Zeit - noch einmal nach Potsdam zurückgekehrt.

Während sie zuvor im Alten Museum in der Masse der dort aufgestellten Skulpturen geradezu "untergangen" war, wird sie an diesem Ort viel eher in ihrem Eigenwert wahrgenommen.

Der Kulturförderer Friedrich

Und dies war bei weitem nicht die einzige kulturell bedeutende Erwerbung Preußens während Friedrichs  Regierungszeit. Gleichzeitig zum Antikentempel umgab sich Friedrich in Sanssouci etwa mit der ebenfalls schon damals öffentlich zugänglich gemachten Bildergalerie, in der er bedeutendste Gemälde der europäische Kunstgeschichte sammelte. 

Friedrich der Große war weiterhin, was ja heute noch vielen bekannt ist, ein Förderer des Musiklebens. Rief er doch bedeutende Musiker seiner Zeit nach Berlin und pflegte den Austausch mit ihnen, ja, musizierte und komponierte selbst. Und schließlich: Friedrich war ein Liebhaber des geistreichen, heiteren, philosophischen Gespräches, bzw. des geistreichen Plauderns und Scherzens. Eine Eigenschaft, für die vielleicht heute am ehesten noch ein Jörg Thadeusz steht in der sonst zumeist sehr trist gewordenen, die Menschen immer passiver machenden "Talkshow"-Kultur.

In der ebenso wertvollen Ausstellungs-Abteilung über die Freunde Friedrichs (im Neuen Palais rechts unten) wird einem erst wieder bewußt gemacht, mit welcher Art von Menschen er den Umgang liebte, welche Späße er mit ihnen machte und welche Spannungen es - immer wieder - zwischen ihm und einzelnen von ihnen gegeben hat. Es ist etwas anderes, weit "entfernt" von den Geschehnissen davon zu lesen, als mit der damaligen Lebensumwelt und einzelnen "Sachgütern" und authentischen Porträts, die damit in Zusammenhang standen, direkt konfrontiert zu sein. - Da wünscht man sich, daß große Teile dieser Ausstellung als Dauerausstellung im Neuen Palais bleiben würden. (Viele exemplarische Fotos, die einen guten Eindruck von der Vielfalt des Ausgestellten geben, findet man übrigens unter "Pressebilder".)

"Die meisten Bürgerlichen denken niedrig" - Friedrichs fremdartiges Staatsverständnis

Was man übrigens bislang nie so ganz verstanden hatte, war die Frage: Warum hat Friedrich eigentlich dieses riesige, prachtvolle, fast überdimensionierte "Neue Palais" gebaut? Man versteht offenbar viel von Friedrich und seiner Zeit, wenn man sich bemüht, die Gesamtheit der Motive zu würdigen, die ihn dazu veranlaßten, ein solches Gebäude zu bauen. Und es so zu bauen, wie er es baute.

In erster Linie war es ein Gästehaus für die alljährlichen Besuche seiner über Mitteleuropa verstreuten Verwandten. Dazu gleich noch mehr. Es war zum 2. seine Art von "Siegesdenkmal" nach dem Siebenjährigen Krieg, in dem er zum Beispiel sächsische Kriegsbeute stolz, wenn auch ganz kultiviert - etwa in Form von erbeutetem Meißner Porzellan - präsentierte. Es war zum 3. sicherlich auch politischer "Bluff", indem er der Welt den Eindruck zu verschaffen suchte: Wer solche Schlösser bauen kann, der steht wirtschaftlich ungebrochen da, den sollte man nicht noch ein viertes mal versuchen anzugreifen. Zum 4. diente der Bau dieses Schlosses neben so vielem anderen einfach der wirtschaftliche Kräftigung und Förderung seines Landes, bzw. vor allem auch allen Bereichen der einheimischen Kunst und des Kunsthandwerkes.

Zum 5. versteht man die Art dieses Baues nur aus Friedrichs ganz "vormodernem" Verständnis vom Funktionieren eines Staates und einer Armee heraus. Obwohl das Gebäude bald nach Fertigstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, kann es doch nicht eigentlich volkstümlich genannt werden. Friedrich sprach ganz selbstverständlich nicht vornehmlich den Bürger- oder Bauernstand an mit diesem "Siegesdenkmal", sondern vor allem "Seinesgleichen", das heißt, vor allem den Adel seines Landes. Sein Land mit Kultur zu schmücken, sollte vor allem das Selbstbewußtsein, den Stolz und das Ehrbewußtsein des Adels für das Land und die Verbundenheit desselben mit der Monarchie stärken. Bürgerliche sollten zum Beispiel innerhalb Preußens keine Adelsgüter kaufen können (4):
"Erwerben Bürgerliche Landbesitz, so stehen ihnen alle Staatsämter offen. Die meisten denken niedrig und sind schlechte Offiziere." Die Bemerkung zeugt davon, wie sehr der König in ständischem Denken befangen blieb. (...) Nur der Adel besaß nach Meinung Friedrichs II. "Ehre", ein Standesbewußtsein, das ihn befähigte, dem Staat selbst mit dem eigenen Leben zu dienen. Bürgerliche hatte er während des Krieges zwar notgedrungen aufrücken lassen, doch auf die Dauer wollte er einen solchen Zustand nicht dulden, weshalb er die meisten Offiziere bürgerlicher Herkunft wieder entließ. Die Wohlfahrt des Staates und der Armee beruhte nach Ansicht des Königs darauf, "jederzeit genugsame Edelleute" in seinen Landen zu haben, "welches Endzweckes sie verfehlen würden, wann die Anzahl derer Edelleute durch Verkaufung ihrer Güter an Personen bürgerlichen Standes nach und nach verringert werden sollte."
In diesem Punkt also war Friedrich ganz "unmodern" (siehe auch: 5, S. 31ff). Und es würde wohl viel zum besseren Verständnis von Friedrich und seiner Zeit dienen, wenn man diesem Punkt ausführlicher nachgehen würde. Er vor allem würde einem verständlich machen können, warum einem Friedrich "nah" und "entfernt" zugleich erscheint. So volkstümlich er als Person auch bei Bürgerlichen und Bauern in ganz Europa und Nordamerika war: Er selbst sprach mit seinem "Siegesdenkmal" seine europäischen adligen Verwandten und den Adel seines Landes an.

Die Gastfreundschaft Friedrichs

Nun aber zurück zum ersten Motiv. Friedrich wird bis heute gern dargestellt als menschenfeindlicher Eigenbrötler, als "Einsiedler von Sanssouci", der Hofgesellschaften abgeneigt war. Das ist aber, wie man im Zusammenhang mit der derzeitigen Ausstellung im "Neuen Palais" erfahren kann, bestenfalls das halbe Bild. Insofern es sich um seine Familie und zahlreiche angeheiratete Verwandte handelte, war Friedrich durchaus sehr gastfreundlich und gesellschaftlich aufgeschlossen. Denn gerade dafür hatte er dieses riesige "Gästehaus" erbaut.

Abb. 3: Karl Christian Wilhelm Baron - Blick vom Klausberg auf das Neue Palais - 1775
Friedrich hatte einfach viele Geschwister, wie diese Ausstellung klar macht (im "Neuen Palais" links unten). Und er hatte dadurch auch viele angeheiratete Verwandte, mit deren Kindern und Enkelkindern er als Onkel in abgestuften Graden verwandt war, und die über ganz Europa verstreut lebten. Zwischen Schweden und Württemberg. Sie leisteten Dienst in seiner Armee und sie kamen auch sonst gern zu ihrem königlichen Verwandten nach Berlin und Potsdam zu Besuch. Wie in dieser Zeit üblich, waren Heiraten zwischen Fürstenhäusern ein wesentlicher Bestandteil der Politik. Einmal im Jahr lud Friedrich deshalb alle diese Verwandten für drei Wochen zu sich nach Potsdam ein - in das "Neue Palais".

Abb. 4: Ausschnitt aus Abb. 1 - König Friedrich auf einem Schimmel hinter einer sechsspännigen Kutsche seiner Gäste - 1775
In diesem Palais konnte mit dem vorhandenen Porzellan ein Galadiner für 90 Personen gedeckt werden. Und in ihm konnte die versammelte Gesellschaft nicht nur kleinere Konzerträume aufsuchen, die zahllosen Gemälde in den zahllosen Sälen besichten, sondern sogar eine eigene Opern-, bzw. Theaterbühne besuchen (im Palais oben rechts). In der Ausstellung werden dankenswerterweise eine ganze Menge Portraits der Verwandten und Gäste Friedrichs gezeigt, die im Begleitheft (1) noch einmal erläutert werden mit allerhand Besonderheiten ihres dortigen Aufenthaltes.

So ist auch die Ankunft der Gäste im Juli 1775 auf einem zeitgenössischen Gemälde (Abb. 3 und 4, ein besseres Foto noch hier) festgehalten worden und wird ausgestellt. Die sechsspännigen Kutschen sind am Schloß Sanssouci vorbeigefahren und fahren gerade weiter zum Neuen Palais. Man kann gut erkennen, wie sehr sich der Park damals noch von der heutigen Gestaltung unterschied (1):
Das Bild zeigt die Ankunft einer Gesellschaft am Neuen Palais im Juli 1775. In den beiden 6-spännigen Kutschen sitzen verschiedene württembergische und hessische Prinzen und Prinzessinnen. Auf einem Schimmel ist der König zu erkennen.
Liebenswerte Details aus dem Leben Friedrichs

Friedrich hat hier ein großes, bewohnbares "Museum" nach seiner Art für die Mit- und Nachwelt errichten lassen. Schönes, wohin man blickt, wertvollste Materialien. Auch hübsch etwa das "Ovale Kabinett" (vom Innenhof aus gesehen: links unten), das er Jugenderinnerungen gewidmet hat. Es ist nämlich mit Illustrationen des Malers Jean-Baptiste Pater zu dem "Romane Comique" von Paul Scarrons (1610 - 1660) geschmückt. Ein Roman, den Friedrich und seine Schwester Wilhelmine in ihrer Kindheit so liebten, weil sie so viele Personen ihres eigenen Hoflebens in diesem Roman karrikiert wiederfanden. Auf Wikipedia wird man angeregt, selbst noch einmal diesen Roman in die Hand zu nehmen:
Ein auch heute noch gut lesbarer burlesker Roman, dessen Rahmen- und Haupthandlung mit derber Komik den heroisch-galanten Roman à la Scudéry und La Calprenède parodiert und persifliert und dessen eingelegte Novellen und Binnenerzählungen im galant-sentimentalen Ton spanischer Vorbilder gehalten sind.
Friedrich hatte also auch noch nach drei Kriegen seine heiteren Jugenderinnerungen und -lektüren nicht vergessen. Und so trifft man auf zahllose liebenswerte Details in dieser Ausstellung und in diesem Gebäude, die sicherlich einen zweiten und dritten Besuch zur Vertiefung der Eindrücke wert wären. Man möchte jedes Jahr für drei Wochen wiederkommen! :) glücklich

Die Privaträume Friedrichs etwa (ganz rechts unten) machen nicht nur das damalige höfische Besuchszeremoniell bewußt, und in welcher Weise Friedrich es für seine Bedürfnisse vereinfachte und abwandelte, nein, viel wichtiger ist: Auch in ihnen stehen die Kunst, die Musik und die Bücher (Bibliothek und Lesekabinett), das tägliche geistreiche mehrstündige Gespräch an der Essenstafel und die Regierungstätigkeit im Vordergrund der Lebensinhalte.

Man erfährt neben so vielem anderen in der Ausstellung auch von einer polnischen adligen Freundin Friedrichs, ja, einer "leidenschaftlichen Verehrerin", nämlich der Gräfin Marianna Skórzewska aus Westpreußen. Den Weg in das deutschsprachige Wikipedia und Internet hat diese Dame bislang noch  nicht gefunden (Ausnahmen: ab), um so bedeutender ihre Erwähnung in der Ausstellung.

Ein weiteres Thema, dem man sich vertiefend zuwenden könnte, wäre die Nutzung des "Neuen Palais" ab 1859 durch die Familien der preußischen Kronprinzen, des nachmaligen 99-Tage-Kaisers Friedrichs III., der dort auch gestorben ist, und seiner Frau Viktoria. Sowie des nachmaligen Kaisers Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Viktoria, die im Antikentempel mit einigen Verwandten begraben liegt. Für beide Familien bildete das Neue Palais bis 1918 den Lebensmittelpunkt.

Frage Friedrichs an seine Zeit: "Nützt es dem Volke, betrogen zu werden?" (1777/1780)

Wer aber mit der Bedeutung Friedrichs als Kulturförderer noch nicht zufrieden gestellt ist, der kann sich auch der Bedeutung Friedrichs als Förderer der politischen Emanzipation zuwenden. 1777 bis 1780 lautete die Preisfrage der von Friedrich wiederbelebten Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften, fortgesetzt heute durch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW): "Nützt es dem Volke, betrogen zu werden?" Was für eine bösartig klingende Frage. Vielleicht klingt sie in heutigen Ohren mit heutigen Erfahrungen noch deutlich bösartiger als damals. Was für eine Steilvorlage, um Aktualitätsbezüge zwischen Friedrich und der heutigen Zeit herzustellen (1):
Mit 42 Antworten aus ganz Europa ist sie die erfolgreichste Preisfrage der Akademie.
Man stelle sich einmal vor - oder vielleicht lieber nicht? - ein von der Regierung Merkel angeregtes "Jahresthema" der BBAW würde lauten: "Nützt es dem Volke, betrogen zu werden?" Man hätte sicherlich allen Grund, diese Akademiefrage (2) als Anlaß zu nehmen, um frühere wertvolle Ausstellungsansätze (3) weiter auszubauen.

Aber was geschieht stattdessen? Stattdessen wagt es der evangelische Landesbischof von Berlin, seinen Mund aufzutun und an Friedrich dem Großen herum zu kritteln. Nämlich daß dieser seine religiöse Toleranz mit Gleichgültigkeit und Verachtung gegenüber Religionen verbunden hätte. Na so was aber auch! Unerhört! Wie kann man Religionen nur mit Gleichgültigkeit und Verachtung gegenüber stehen! Das kann doch nicht vorbildlich für unsere Zeit sein! Zum Glück gab es einflußreiche Kulturförderer an der ersten Stelle des Staates mit solchen Meinungen nur in früheren Zeiten. Und es ist ärgerlich genug, daß Menschen, die in ihrem "politischen Testament" schreiben konnten (1):
"Es ist gleichgültig für die Politik, ob ein Souverän Religion hat oder nicht. Alle Religionen sind (...) mehr oder weniger absurd."
heute noch geachtet werden und daß man ihnen große Ausstellungen widmet, zu denen die Menschen zu Tausenden strömen! Ach, Landesbischof hin oder her: Man möchte oft wiederkehren in das Gästehaus dieses großen Freigeistes, in das Gästehaus Friedrichs des Großen.
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*) Man darf sich beim Besuch dieser Ausstellung nicht zu sehr auf den "Audioguide" und so zahlreiche besserwisserisch-schulterklopfend-spöttische Ausstellungs-Erläuterungen einlassen. Deren Grundton ist allzu oft, als würde derjenige, der Kultur fördert, damit "bloß" "Selbstinszenierung" betreiben wollen. Dadurch wird man ganz aus der Atmosphäre dieser Räumlichkeiten und dieser allzu zahlreichen Kultur- und Sachgüter aus dem Leben Friedrichs herausgerissen. Diese Charakterisierungen tragen zu einem tieferen Verständnis der Anliegen und der Person Friedrichs des Großen nichts bei.
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  1. Geißler, Nadja u.a.: Friedrisiko. Friedrich der Große. Die Ausstellung im Neuen Palais und Park Sanssouci Potsdam. Begleitheft / Objekthef. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, 2012 (ganz gut zur Ausstellung z.B. auch: Mitteldt. Ztg., 27.4.12 oder Fr. Rdsch.)
  2. Hans Adler (Hrsg.): Nützt es dem Volke, betrogen zu werden? Est-il utile au Peuple d'etre trompe? Die Preisfrage der Preußischen Akademie für 1780. Frommann-Holzboog Verlag, Stuttgart 2007 (pdf) (Perlentaucher, Philobar)
  3. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Ausstellung "X für U - Bilder, die Lügen", 1999 - 2010
  4. Mittenzwei, Ingrid; Herzfeld, Erika: Brandenburg-Preußen 1648 - 1789. Das Zeitalter des Absolutismus in Text und Bild. Verlag der Nation, Berlin 1987 (3. Aufl. 1990), S. 356
  5. Borchardt, Georg; Murawski, Erich: Die Randbemerkungen Friedrichs des Großen. Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg o.J. [etwa 1980er Jahre]

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