Freitag, 3. November 2017

Das Westhavelland im Dreißigjährigen Krieg

Das Kriegsziel des Kaisers wurde - fast - erreicht: "Lieber eine Wüste als ein Land voller Ketzer"

Die Endtage des Zweiten Weltkrieges im Havelbogen zwischen Brandenburg und Milow - sie sind hier auf dem Blog schon dargestellt worden (1). Dieser Blogartikel gehört seit Jahren zu den meistgelesenen des Verfassers. Das Thema zieht mit Recht viel Interesse auf sich. Dreihundert Jahre zuvor gab es in den gleichen Gegenden vergleichbare Kriegszeiten. Wie konkret der Dreißigjährige Krieg jedes einzelne Dorf im Havelland traf, wie auch die Kriegsabläufe im Havelland in den größeren Zusammenhängen sich vollzogen haben, die sich auf jedes einzelne Dorf auch des genannten Havelbogens auswirkten, das ist heute nur noch den wenigsten Menschen bewußt. Es ist sogar sehr schwierig, detailliertere und verständlichere Darstellungen darüber zu finden, die auf breiterer Quellengrundlage erarbeitet sind. Die noch heute maßgebliche geschichtswissenschaftliche Darstellung dazu (2) ist zwischen 1933 und 1939 von einem jungen Studenten an der Universität Berlin erarbeitet worden. Dieser Student ist selbst schon Ende Mai 1940 als 27-jähriger Soldat im Krieg gegen Frankreich gefallen (2, S. IXf). Seine Darstellung erschien 1966 aus dem Nachlaß. Sie ist im folgenden ausgewertet worden zusammen mit den Hinweisen, die sich in allerhand Dorfchroniken der Gegend finden, die aber isoliert für sich noch kein zusammenhängendes Bild ergeben konnten. Um die überregionalen Zusammenhänge nachvollziehen zu können, ist die Darstellung von Leopold von Ranke noch immer außerordentlich gewinnbringend (11).

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts waren fast alle brandenburgischen Länder evangelisch geworden.  Es ist heute eigentlich kaum noch zu verstehen, daß als fanatische Gegenbewegung dazu in Spanien der Jesuitenorden gegründet wurde, der sehr rasch großen Einfluß in der katholischen Kirche und in der Politik bekommen sollte. Durch diesen fanatischen Jesuitenorden war der nachmalige deutsche Kaiser des Dreißigjährigen Krieges, Ferdinand II. (1578-1637) (Wiki) erzogen worden. Alle seine Beichtväter während seiner Lebenszeit waren Jesuiten. Und im Geiste der Erziehung dieses Ordens wollte Ferdinand wie er schon zu seinen österreichischen Erblanden sagte: "lieber eine Wüste denn ein Land voller Ketzer" beherrschen. In diesem Sinne hat dieser Kaiser sein Leben lang Politik betrieben. Die Folge davon war der Dreißigjährige Krieg.


Abb. 1: Ochsengespann mit Reitern - Holzschnitt (1915)
von Walther Klemm (1883-1957) (Wiki)

Und in diesem Sinne herrscht die Psychosekte Jesuitenorden noch heute in der Welt, indem sie auf ihren Elite-Gymnasien mit Hilfe systematischer Gewalt an Kindern und Jugendlichen zahlreiche Vertreter der wirtschaftlichen, politischen und "kulturellen" Eliten der Gegenwart heran zieht, und indem sie sich des US-amerikanischen und anderer Geheimdienste bedient, indem sie die Presse und die Medien in ihrem Sinne lenkt, indem sie die Politik der großen Parteien lenkt, sowohl der christlichen wie auch der sozialdemokratischen, indem sie weiterhin alle Opposition gegen sich selbst "zersetzt", und indem sie insbesondere in den letzten Jahrzehnten auch die Familienpolitik der großen Parteien auf der Nordhalbkugel lenkt. Weiterhin gilt, daß es eher eine Wüste denn ein Land voller Ketzer und Kritiker von Kirchen und Männerorden geben sollte. (In diesem Sinne zum Beispiel wird seit der jesuitischen Regierung Adenauer die Einführung eines Familienlastenausgleiches verhindert, der von zahlreichen Sozialreformern seither immer wieder angemahnt worden ist.)

Der fanatische Jesuitenorden


In Europa betreibt dieser Jesuitenorden heute weiterhin fanatisch die Zerstörung fortgeschrittener Gesellschaften und Bevölkerungen, die der katholischen Kirche und der Pfaffenherrschaft mehrheitlich kritisch gegenüber stehen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Es gibt Hinweise, daß es viele Überlappungen gibt zwischen dem freimaurerischen und dem jesuitischen elitären Satanismus und dem damit verbundenen "Mind control" der Geheimdienste (siehe etwa: 3). Heute geht der Jesuitenorden also bestimmt nicht weniger über Leichen als im Dreißigjährigen Krieg. Auch um dessentwillen ist eine detaillierte Erinnerung an die Ursachen und Folgen des Dreißigjährigen Krieges immer am Platze.

Während deutsche Kaiser einstmals - in der Salier- und Stauferzeit - weltweit zu den gefürchtesten Gegnern des Papsttums zählten, war es in der Zwischenzeit so weit gekommen, daß ein deutscher Kaiser zu einem der fürchterlichsten Despoten und Kriegshetzer der deutschen Geschichte werden konnte. Dies alles geschah zur "höheren Ehre Gottes", zur Verherrlichung weltweiter päpstlicher Herrschaft und der Herrschaft einer Priesterkaste und Psychosekte, die seit Jahrhunderten Seelenmord an den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen betreibt durch Gewalt, Schwarze Pädagogik und Mind control in allen denkbaren Formen.

Der Schreckensherrschaft des Kaisers Ferdinand II. und seiner Feldherren ist es vor allem zu verdanken, daß es zu einem dreißigjährigen Religions- und Rekatholisierungskrieg in Deutschland gekommen ist, zu einer Ausrottung der "Ketzer" und ihrer "Ketzernester" und zur Verwüstung fast ganz Deutschlands - und nicht zuletzt auch des Landes Brandenburg und in ihm des Havellandes.

Das Westhavelland, bzw. der Elb-Havel-Winkel, die Landkreise Jerichow I und II, sowie das Land Brandenburg insgesamt sollte der Dreißigjährige Krieg ungewöhnlich schwer treffen. Wenn man die damaligen Zeugnisse liest, liest man sie noch heute mit viel Ungläubigkeit. Auch drängt sich der Eindruck auf, daß es diese Gegend fast noch schwerer getroffen habe als viele andere Regionen des Deutschen Reiches. Wendet man sich dann aber anderen Regionen Deutschlands zu in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, findet man dort ein völlig identisches Bild. In diesen dreißig Jahren wurde das Wort wortwörtlich wahr gemacht in ganz Deutschland: Lieber eine Wüste als ein Land voller Ketzer ....

Das Schicksal des Landes Brandenburg im Dreißigjährigen Krieg hatte aber eine entscheidende weltgeschichtliche Folge, die heute von der jesuitisch gelenkten Presse fast ebenso vergessen gemacht worden ist wie das Geschehen des Dreißigjährigen Krieges selbst: Diese Folge war nämlich der Aufstieg des Staates Preußen. Allen Landesherren von Brandenburg seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - vom Großen Kurfürsten an - war mit dem furchtbaren Schicksal ihres Landes während des Dreißigjährigen Krieg in aller Deutlichkeit vor Augen gestellt worden, wohin ein Land kommen kann, wenn es sich den Luxus leistet, kein stehendes Heer aufzustellen und zu unterhalten. Das Vorliegen dieser Einsicht wird am Ende dieses Beitrages noch einmal anhand von Zitaten von Friedrich dem Großen selbst deutlich gemacht werden. Nur vom Schicksal des Dreißigjährigen Krieges her kann historisch verstanden werden, daß seither in Preußen dem stehenden Heer eine so große Bedeutung zugekommen ist, ja, daß der Stolz auf Soldaten hier eine so besondere Rolle spielen sollte bis 1945. Man wollte niemals mehr so lächerlich wehrlos sein wie im Dreißigjährigen Krieg. Diese Militarisierung des deutschen politischen und kulturellen Lebens haben wir also - indirekt - den Jesuiten zu verdanken, den "Soldaten Christi", der "Prätorianer-Garde" des Papstes.

Anregung zu dem vorliegenden Blogbeitrag war in einem früheren Blogbeitrag gegeben worden (Preußenblog, 21.4.17). Dort war die kurze Aktennotiz auf dem Gut Kützkow an der Havel vom 2. Januar 1646 gebracht worden darüber, daß aus Anlaß der Schlacht bei Wittstock am 4. Oktober 1636
"die Kirche zu Bahnitz ihre Kirchenrechnung und Kirchenbuch verlohren, auch seithero keine Rechnung gehalten, auch nichts von den Kirchengeldern abgetragen worden," 
und auch die damit einhergehende Angabe zu den großen Heuwiesen des Dorfes:
"Der Priesterwerder ist in 12 Jahren nicht gemehet worden, undt der vorigen Priester nachgelassene Erben geben nichts zum besten, weil sie in den betrübten Kriegswesen umb alles kommen, derwegen man zu keiner Bezahlung gelangen kann. Der andere Werder ist auch nicht gemehet worden."
Das heißt, die Heuwiesen an der Havel sind schon seit 1634 nicht mehr gemäht worden. Schon diese wenigen Angaben werfen Licht - ganz blitzartig - auf die Verhältnisse, in denen die Bauern in dieser Region - auch auf dem Dorf Bahnitz - während des Dreißigjährigen Krieges gelebt haben. Sie lassen die Frage entstehen, wie diese Menschen denn den Dreißigjährigen Krieg erlebt haben, was alles damit verbunden gewesen ist. Um hier zu einem anschaulicheren Bild zu kommen, erschien es zunächst ratsam, seinen Blick etwas schweifen zu lassen, etwa in den Chroniken der Dörfer rund um im Land zwischen Havel und Elbe. Fast jede Dorfchronik eines ganz gewöhnlichen Dorfes zwischen Havel und Elbe weiß, so stellt man dabei fest, von grausamen Schicksalen während des Dreißigjährigen Krieges zu erzählen (Auswahl: 1-5). Das wurde im folgenden zusammen gestellt und abschließend durch die genannte umfassendere geschichtswissenschaftliche Darstellung (2) ergänzt und abgerundet.

Frühjahr 1626 - Die Stadt Brandenburg fordert: Versenkt die Pritzerber Fähre, Wallenstein kommt!


1626 nach dem Ende des Winters kommt der Krieg erstmals mit all seiner Wucht in den Elb-Havel-Winkel. Aus den Winterquartieren im Lauenburgischen und von Magdeburg her besetzten die dänischen Truppen unter dem Grafen Mansfeld die Rhinbrücke von Fehrbellin und die Havelbrücke von Plaue, um die erstere Richtung Süden und das letzterer Richtung Osten gegen das Heer des Feldherrn Wallenstein zu sichern. Der Kurfürst von Brandenburg stand zwar auf Seiten des Kaisers gegen den dänischen König. Aber die von ihm aufgebotenen Milizen konnten beide Besetzungen nicht verhindern. Als Wallenstein langsam gegen Norden vorrückte, zogen sich die Magdeburger kurzzeitig wieder zurück (2, S. 21):
Wallenstein hütete sich wohl, sie verfolgen zu lassen. Zu groß wäre im Falle einer Verfolgung die Gefahr eines Angriffs auf die Flanke der verfolgenden Soldaten durch [den dänischen Feldherrn] Fuchs gewesen. Alle glaubten nun [aber dennoch], daß sich Wallenstein gegen das Havelland wenden würde. Die Brandenburger [also die Einwohner der Stadt Brandenburg] forderten daher von der Regierung den Abbruch der Plauer Havelbrücke und die Versenkung der Pritzerber Fähre. Nichts von dem geschah. Wallenstein zog seine Truppen wieder über die Elbe zurück.
Die Versenkung der Fähre wurde gefordert, weil die Havel leicht zu durchschwimmen war von Soldaten mit und ohne Pferden und man sich die Fähre also leicht holen konnte. Hier wird schon deutlich, was für alle kommenden Ereignisse und das gesamte 17. Jahrhundert - auch noch nach dem Dreißigjährigen Krieg - gelten sollte: Es ging in militärischen Auseinandersetzungen:
  1. in erster Linie um die Brücken über die Flüsse Rhin, Elbe und Havel, ja, wie wir sehen werden sogar um den Übergang über das kleine Nebenflüßchen Stremme, sowie um Flußfähren und Kähne, die diese Brücken ersetzen konnten. 
  2. In zweiter Linie ging es um die Städte, die zwar mit Stadtmauern befestigt waren, aber gegenüber Kanonen nicht wirksam verteidigt werden konnten.
  3. Und erst in dritter Linie ging es um die Dörfer im Umland der Städte, in denen militärische Einheiten in Quartier unterziehen konnten und wo sie sich "ernähren" konnten.
Schon von Beginn des Krieges an wurden alle landesfremden, militärischen Truppen als Landesplage und Räuberhorden empfunden, als "Landverderber" (2, S. 29). Denn fast nie anders denn als solche gebärdeten sie sich. Es war dabei ganz gleichgültig, ob es sich um den Durchzug von Truppen befreundeter oder feindlicher Länder handelte.

Die Mansfelder Truppen trieben zunächst in der Stadt Nauen und auf den Dörfern rund um Nauen ihr Unwesen. Die Magdeburger Truppen besetzten Rathenow - unter Gegenwehr der Einwohner - und von dort aus wiederum Plaue. Von Plaue aus wurden schließlich auch die Altstadt und die Neustadt von Brandenburg besetzt. Beides nur unter Zuhilfenahme von Gewalt, da sich die recht kriegerischen Einwohner wehrten. Mansfeld selbst kam in die Stadt Brandenburg. Um diese Stadt zog er nun von allen Seiten her seine Truppen heran. Und von hier aus begann er seinen Vormarsch gegen Wallenstein. Wallenstein hatte sich an der Elbe bei Dessau verschanzt.

Dort - bei der Elbebrücke von Roßlau (Wiki) - kam es am 25. April 1626 zur Schlacht zwischen den Norddeutsch-Dänischen unter dem Grafen Mansfeld und den Kaiserlichen unter den Feldherrn Wallenstein und Aldringen. Die ersteren wurden geschlagen. Sie gingen nach Norden zurück. Es war dies der erste militärische Erfolg in der Laufbahn des Feldherrn Wallenstein. Die Norddeutsch-Dänischen besetzten nun erneut Potsdam und den Elb-Havel-Winkel. Die Stadt Nauen wurde ein zweites mal von ihnen besetzt. Wieder gewaltsam. Diesmal aber wurde sie einen Tag später sogar angezündet, nicht aus Versehen, sondern bewußt ließen die Truppen alle Häuser innerhalb der Stadt abbrennen. Und sie drohten auch den umliegenden Dörfern mit demselben Schicksal. Noch bevor sie jedoch zu ihrer glorreichen Tat schreiten konnten, wurden sie nach Westen abgezogen.

März 1627 - Nochmals: Versenkt die Pritzerber Fähre, die Kaiserlichen kommen!


Nun waren die Havelländer aufgerüttelt und rechneten noch im Herbst 1626 und schließlich im Frühjahr 1627 mit erneuten Einfällen von Westen, und zwar sowohl dänischer Truppen als auch Wallenstein'scher Truppen unter dem Herzog von Lüneburg. Nach den gemachten Erfahrungen versuchte das Havelland diesen gegenüber eigene Bürgermilizen aufzustellen (2, S. 29f):
Bereits Mitte März zeigten sich einige Soldaten des Lüneburgers vor Rathenow. (...) Sie wurden natürlich nicht eingelassen. Doch hielt man es für gut, alle Pässe von diesem Vorfall zu benachrichtigen und die Pritzerber Fischer zu veranlassen, ihre Kähne auf das rechte Havelufer zu schaffen und die Pritzerber Fähre zu versenken.
Die märkische Verteidigungslinie an der Havel gegen Westen stand unter dem Befehl des kurbrandenburgischen Obristlieutenant Adam von Redern. Und an den genannten gegenseitigen Benachrichtigungen wird deutlich, daß die Menschen auf allen Dörfern des Havellandes, insbesondere an den Flüssen direkte Anweisungen in Zusammenhang mit der Kriegsführung erhielten und daß sie in diese aktiv einbezogen waren. Die Bewohner waren - zumindest zu Beginn dieses langen Krieges - nicht nur passiv Erleidende, sondern aktiv und zornig Handelnde, soweit es in ihrem Rahmen möglich war - und zumeist auch im Einklang mit den Anweisungen der einheimischen, kurbrandenburgischen Regierung. von Redern zog mehrere hundert Mann Miliztruppen aus allen havelländischen Städten zusammen und ließ sich auch nicht von dem Herzog von Lüneburg beschwatzen, Lüneburgische Truppen zur Sicherung der Havellinie aufzunehmen. In diesen Zeitraum fällt vermutlich das Handeln der Bauern des Dorfes Schlagenthin, einem Dorf zehn Kilomter westlich von Bahnitz nahe bei Kleinwusterwitz (4):
Ein Lüneburg'sches Regiment streifte plündernd bis Milow, Böhne, Vieritz, als es nun mit Beute beladen bei Schlagenthin die Stremme passieren wollte, versperrten bewaffnete Landleute ihnen den Weg, schlugen die Reiter in die Flucht und nahmen ihnen die Beute ab.
Also auch auf dem Lande war man nicht besonders bedenklich darin, gegen diese Truppen vorzugehen. Vom Folgetag ist aber zu erfahren (4):
Am anderen Tage wurde ein Colloredo'sches Regiment beauftragt, die Stremmeniederung bei Schlagenthin zu befestigen.

April 1627 - Die Kaiserlichen nehmen Schlagenthin, Plaue, Brandenburg und Rathenow


Befehlshaber dieses Regiments war der Obrist Rudolf Reichsgraf von Colloredo-Waldsee (1585-1657) (Wiki), der Angehörige eines bekannten österreichischen Adelsgeschlechtes (das noch heute bekannte Nachkommen hervor bringt). Drei Jahre zuvor schon war er um seiner militärischen Verdienste willen von Kaiser Ferdinand II. zum Reichsgraf ernannt worden. Und ein Jahr zuvor schon hatte das Regiment Colloredo im Harzgebirge den Widerstand der sogenannten "Harzschützen" (Wiki) gebrochen (5), einer dortigen bäuerlichen Widerstandsbewegung. Daß Bauern - insbesondere am Anfang des Krieges - aktiv in die Kriegsführung einbezogen waren und von sich aus aktiv tätig wurden, ist aus vielen Teilen Deutschlands bekannt, mit diesem Zitat also auch aus dem Elb-Havel-Winkel. Aber solchem Widerstand war meist nur kurzzeitig Erfolg beschieden. So auch hier (2, S. 31):
Schon am 10. April 1627 griff der kaiserliche Obristlieutenant von Bodendiek mit einigen ausgesuchten Korporalschaften des Regiments Colloredo überraschend Plaue an.
Ohne Geschütze kam er zunächst nicht zum Erfolg. Als er aber am Folgetag mit 4000 Mann und fünf Kanonen erneut zum Angriff ansetzte, ließ der kurmärkische Befehlshaber Plaue sogleich räumen, da sich ihm der Widerstand von vornherein als zwecklos darstellte. Die hölzerne Havelbrücke wurde zerstört und verbrannt, dennoch gerieten kurbrandenburgische Fußtruppen in Gefangenschaft. Plaue wurde geplündert und der Vormarsch war kaum aufgehalten worden. Denn einen Tag später wurde die Altstadt von Brandenburg ohne Widerstand von den Kaiserlichen besetzt. Die Neustadt von Brandenburg setzte den Kaiserlichen allerdings heftigen Widerstand der Bewohner entgegen. Die Kaiserlichen unternahmen einen Sturmangriff auf die Stadt und konnten sie nehmen (2, S. 32),
nachdem die Bürgermeister Freund und Zieritz, die die Bürger zum Widerstand angefeuert hatten, schwer verwundet worden waren.
Die Neustadt Brandenburg war damals die reichste aller havelländischen Städte.

Abb. 2: "Abbildung der Stadt und Thumbs Havelberg, so von den Denmarckischn verlassen und von den Keys. eingenomen wordn.1627."

April 1627 - Kampf um Havelberg


Nun wurde auch Rathenow von den Kaiserlichen besetzt. Zu einem heftigen Gefecht kam es rund um die Stadt Havelberg. Denn die dänischen Truppen hatten dort am 26. April den Domberg genommen und sich auf ihm verschanzt. Die Kaiserlichen verschanzten sich bei Sandau an der Elbe und auf der Stadtinsel von Havelberg. Aufgrund der Beschießung der Stadtinsel durch die Dänen vom Domberg aus brannte schließlich die ganze Stadt Havelberg ab und konnte von den dänischen Truppen eingenommen werden. Im dortigen Museum (Prignitz-Museum) kann man noch heute den sehr genauen Bericht des damaligen Pfarrers von Havelberg zur Kenntnis nehmen über diese ganzen Geschehnisse. Die Dänen besetzten auch den Rhin-Paß bei Fehrbellin und die Stadt selbst. Dieser Rhin-Paß sollte noch in den Folgejahren oftmals in die Hände unterschiedlicher Kriegsparteien gelangen und umkämpft sein. so etwa 1636.

Der Bürgermeister der Altstadt von Brandenburg wurde 1627 von dem kaiserlichen Obristen Hans von Götze auf einen Esel gesetzt, als dieser sich über das Benehmen seiner Soldaten beschwerte (2, S. 34). Die Städte und Dörfer mußten Korn liefern und riesige Geldsummen zahlen. Zur Geschichte der Stadt Rathenow wird etwa berichtet (6, S. 224f*)):
Wallenstein kehrte (...) in die Mark zurück und wählte alles Flehens um Verschonung ungeachtet, dies ausgemergelte Land zum Winterquartiere für seine wilden Horden. In der Mitte des Novembers ward Rathenow und das Havelland vom Oberst Hebron mit 10 Compagnien belegt, deren Stab nach Brandenburg kam. Es mußten demselben monathlich 7700 Gulden geliefert werden. "Wie die Kaiserlichen mit den Märkern umgingen" - sagt die Chronik in Rathenow - "das hat noch kein Mensch so kläglich beschreiben können, daß es nicht noch viel ärger daselbst hergegangen wäre." (...) Die gemeinen Soldaten begnügen sich nicht mit dem Solde, den ihre Obern erpreßt hatten; sie raubten Kleider, Geld, Lebensmittel, wo sie dergleichen fanden; sie erbrachen Kirchen und Gruften und stahlen, was nur einigen Werth hatte; sie holten die Pferde aus den Ställen, das Korn aus den Scheunen und Böden; sie prügelten die Widersprecher, erschossen was sich zur Wehre setzte, zündeten oft noch die ausgeleerten Gebäude an, und überließen sich ihren viehischen Lüsten, besonders gegen das weibliche Geschlecht, ungescheut.
Ende 1627 schließlich hielten die kaiserlichen Truppen fast ganz Norddeutschland besetzt. Im Frühjahr 1628 begann Wallenstein mit der Belagerung der Stadt Stralsund.

1629 - Das Restitutionsedikt


Wenngleich diese Belagerung erfolglos war, erließ Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 sein berühmt-berüchtigtes "Restitutionsedikt". Das hatten ihm natürlich seine jesuitischen Beichtväter eingeflüstert. Es war von einer solchen Härte, daß es zwangsläufig kriegsverlängernde Wirkung haben mußte. Es ist auch ein deutliches Zeugnis dafür, mit welchem Fanatismus die Jesuiten ihre Ziele verfolgen: Alle katholischen Kirchengüter, die im Zuge der Reformation ihren Besitz gewechselt hatten, das heißt, säkularisiert worden waren, sollten an die katholische Kirche zurück gegeben werden, es sollte also die Zeit um hundert Jahre zurück gedreht werden (Wiki):
Das Edikt hätte bei Befolgung für die Eigentumsverhältnisse innerhalb des Reiches enorme Konsequenzen gehabt, da in großem Umfang Enteignungen und Rückübertragungen ehemals katholischen Besitzes die Folge gewesen wären. Das Edikt fachte den Konflikt zwischen dem katholischen Kaiser und den evangelischen Fürsten und Ständen erneut an und trug zur weiteren Eskalation des Krieges bei.
So wurde dieses Edikt denn auch zu einem der Hauptanlässe für das umfangreichere Eingreifen des protestantischen, schwedischen Königs Gustav II. Adolf (1594-1632) (Wiki) in den Krieg. Er sah weitsichtig voraus, daß auch der Protestantismus in Schweden bedroht wäre, wenn er in Deutschland vernichtet worden wäre.

1630 - "... weil sie auf dem Lande nichts mehr zu leben finden"


Wie es zu jener Zeit auch im Elb-Havel-Winkel stand, zeigt ein Schreiben des Feldherrn Wallenstein vom 26. Dezember 1630 an den Kurfürsten von Bayern, in dem er schrieb,
"daß eine Einschließung Magdeburgs seine Schwierigkeiten hat, weil die Truppen auf dem Lande nichts mehr zu leben finden."
(zit. n. 7, S. 31). Er schrieb das schon 18 Jahre vor dem Ende des Krieges. Womöglich schon das ein Zeugnis dafür, daß Wallenstein mit dem harten Vorgehen der katholischen Länder gegenüber den Protestanten nicht mehr ganz einverstanden war. Im Jahr 1630 sterben im Haveldorf Milow viele Menschen an der Pest (8). 

April 1631 - Radewege wird niedergebrannt


Anfang April 1631 erwarteten die Brandenburger Bauern den Rückzug der Kaiserlichen Truppen unter dem General Tilly aus Mecklenburg nach Brandenburg. Der Hauptverbindungsweg zwischen den Städten Rathenow und Brandenburg-Alt- und Neustadt, über den die meisten Truppenverschiebungen erfolgten, führte damals nicht - wie heute - entlang der Dörfer am rechten Ufer der Havel (Mögelin, Premnitz, Döberitz, Gapel, Pritzerbe), sondern von Rathenow direkt zu einem "Paß" nördlich des Dorfes Seelensdorf (2, S. 287). Dieses Dorf liegt heute abgelegen im Wald nördlich von Pritzerbe. Hier endet ein Zweig des nördlich gelegenen Großen Havelländischen Luch. Einen mit Auto befahrbaren Weg von Seelensdorf direkt Richtung Rathenow gibt es heute nicht mehr. Von Seelensdorf aus führte der Weg damals dann direkt nach dem Dorf Hohenferchesar östlich des Pritzerber Sees. Auch diese direkte Verbindung gibt es heute - zumindest für das Auto - nicht mehr. Von Hohenferchesar führte der Weg dann nach Brandenburg.

Von Norden aus gesehen links dieses Weges lag das Dorf Radewege am Beetzsee. Es liegt - von Bahnitz aus gesehen - hinter der Havel noch einmal 13 Kilometer Richtung Osten, bzw. zwölf Kilometer nördlich der Stadt Brandenburg. Auch zu diesem Dorf gab es im 19. und 20. Jahrhundert von Bahnitz aus verwandtschaftliche Beziehungen*). Auch dieses Dorf hat sicherlich nicht außerhalb des Gesichtskreises der Bahnitzer schon im 17. Jahrhundert gelegen. Sein Schicksal gehörte deshalb sicher auch zum Erfahrungshintergrund der Bahnitzer Bauern. Und auch die Bauern in Radewege hatten inzwischen hinzu gelernt.

Ein Beobachtungsposten der Radeweger Bauern befand sich auf der waldigen Anhöhe nördlich von Radewege mit Blick auf Hohenferchesar und Marzahne. Dort konnte Ausschau gehalten werden, um rechtzeitig melden zu können, ob und wann die kaiserlichen Truppen angezogen kämen. Am 3. April 1631 wurde Radewege vom Schicksal ereilt. Ob nach zeitgenössischen Berichten oder in einer nachempfundenen Erzählung, jedenfalls wird von folgendem in der Dorfchronik (n. 9, S. 31f) berichtet: Die Bauern hatten alles schon vorbereitet, um mit Vieh, Lebensmitteln und Wertgegenständen in die nahen Wälder zu flüchten. Eine Staubwolke im Norden machte klar, daß es tatsächlich so weit wäre. Der Beobachtungsposten lief ins Dorf zurück, warnte die Bauern und diese verließen mit Sack und Pack auf kürzestem Wege das Dorf in die nächstgelegenen Wälder. Die heranziehenden Truppen fanden nur noch das verlassene Dorf vor. Sie erschlugen eine alte, zurückgelassene Frau und ihren Sohn und brannten das ganze Dorf nieder.

Ein fast alltägliches Geschehen in jenen Jahren.


Abb. 3: Zeitgenössische Radierung von Hans Ulrich Franck (1590/95-1675) (Wiki)
(Weitere Bilder zum 30-jährigen Krieg etwa: hier.)

Mai 1631 - "Zur höheren Ehre Gottes" - Die 20.000 Einwohner Magdeburgs werden ermordet


Die Kaiserlichen zogen von Rathenow aus weiter hin gen Magdeburg, um dort noch viel glorreichere Heldentaten zur Ehre Gottes zu vollbringen. Eine sehenswerte Fernseh-Dokumentation über die vielleicht entscheidendste Phase des Dreißigjährigen Krieges, ist 2014 ausgestrahlt worden (10). Sie behandelt die Belagerung von Magdeburg und das entsetzliche Massaker, in dem 20.000 seiner Einwohner ermordet wurden im Mai 1631. Sie behandelt die tiefe Niedergeschlagenheit der Protestanten Deutschlands und der Welt nach diesem Ereignis. Und dann die Wende: Gustav Adolf II. von Schweden siegt in der Schlacht von Breitenfeld gegen das katholische Würgerheer, das ganz Deutschland wieder katholisch gemacht hätte, wenn Gustav Adolf nicht eingegriffen hätte. In verschiedenen Varianten zu recht überliefert ist deshalb der Spruch, der auf dem Gedenkstein noch heute auf dem Schlachtfeld von Breitenfeld bei Leipzig steht:
Glaubensfreiheit für die Welt,
rettete bei Breitenfeld,
Gustav Adolf, Christ und Held.
Noch heute ist dieses gesamte Geschehen sehr bewegend. Gustav Adolf scheint als Mensch für seine Zeiten ungewöhnlich human gewesen zu sein. Während die Soldaten unter den Feldherren vor und nach ihm plünderten, raubten, vergewaltigten, mordeten, wo sie nur konnten, hat Gustav Adolf sehr sorgsam auf Zucht und Ordnung in seinem Heer gesorgt. Das zeigen viele seiner Anweisungen (2, S. 55ff). Sehr sorgsam und verantwortungsbewußt ging er als Militär vor. Das sieht man schon an seiner außerordentlich umsichtigen Vorbereitung des Havellandes zwischen den befestigten Städten Rathenow, Spandau, Potsdam und Brandenburg, in das er sich zur Not zurück ziehen wollte, falls die vorhersehbare Entscheidungsschlacht gegen die Kaiserlichen weiter südlich zu seinen Ungunsten ausgehen würde. Aus dieser umsichtigen Vorbereitung hat sich zum Beispiel auch die erste gründliche topographische Karte des Havellandes erhalten, die der Kartograph des Königs, Olof Hansson Svart (1600-1644) (Wiki) (CERL) aus diesem Anlaß angefertigt hat (2, S. 287) (Abb. 4). Sogar die Wasserstände der Havel wurden sehr sorgsam eingetragen, um zu wissen, an welcher Stelle der Feind Furten zum Übergang durch den Fluß nutzen könnte. Wie es scheint, war Gustav Adolf in vielem seiner Zeit voraus. Und soweit man das übersehen kann, hat kein Feldherr sonst des Dreißigjährigen Krieges so umsichtig gehandelt, war auch um die kranken Soldaten seines Heeres so besorgt, war darum besorgt, daß sie ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt waren, ohne daß die Bürger und Bauern, die die Nahrung liefern mußten, unnötig und über Gebühr dadurch belastet wurden. So alles wörtlich seinen Anweisungen zu entnehmen (2). Auch scheint er sich bewußt gewesen zu sein, wie viel von dem militärischen Erfolg seines Unternehmens abhing. Er war keineswegs ein leichtfertiger Draufgänger.

Das gerade erst geschehene Schicksal Magdeburgs hatte ja auch allen nun mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, was auf dem Spiel stand. Es war zum Menetekel des 30-jährigen jesuitischen Rekatholisierungskrieges geworden. Die "Magdeburger Bluthochzeit" (Wiki) war zu einem Symbol der Schreckensherrschaft der Jesuiten und ihres Kaisers über Deutschland geworden, eines Kaisers, der - wie oben schon gesagt - "lieber über eine Wüste denn ein Land voller Ketzer" herrschte. Magdeburg lag 75 Kilometer vom Elb-Havel-Winkel entfernt. Damals war sie eine der reichsten Städte Europas. Auch ein Jahrhundert später noch sollten die Bauernsöhne der Jerichower Landkreise in Magdeburger Regimentern Dienst leisten. Am Beginn des 17. Jahrhunderts hatte Magdeburg 35.000 Einwohner. Daß Magdeburg am 20. Mai 1631 durch die Rekonquista- und Konquistadoren-Truppen der katholischen Generale Tilly und Pappenheim erobert wurde, lag insbesondere an dem Zaudern und Zögern der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, mit Gustav Adolf ein Bündnis einzugehen. Ohnmächtig stand der Schwedenkönig bei Brandenburg als Magdeburg vernichtet wurde. In heutigen Zeiten würden Tilly und Pappenheim als die Inkarnation von Kriegsverbrechern gelten. Sie ließen - im Geiste des religiösen Fanatismus - dem Morden ihrer Truppen freien Lauf. Zur höheren Ehre Gottes: Fast alle Bewohner der Stadt wurden ermordet. Nur wenige tausend, vielleicht sogar nur wenige hundert überlebten (Wiki):
Mit 20.000 (nach anderen Angaben bis zu 30.000) Toten gilt dies als das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges.
Beziehungsweise (Wiki):
Nach der Katastrophe wurden von den einst 35.000 Einwohnern noch 449 gezählt.
Und diese Bluttaten fanden auf ganz bewußten Willen der beiden Feldherren hin statt. Sie verboten erst nach zwei Tagen das Morden. Kriegsverbrecher Pappenheim schrieb in einem Brief am Tag nach der Eroberung die jubelnden Zeilen:
„Ich halt, es seyen über zwaintzig Tausent Seelen darüber gegangen. Es ist gewiß, seyd der Zerstörung Jerusalem, kein grewlicher Werck und Straff Gottes gesehen worden. All unser Soldaten seind reich geworden. Gott mit uns.“
Hier spricht abartiger Gotteswahn. Während aber nun selbst nicht-tatbeteiligte Katholiken vor dem entsetzlichen Schicksal Magdeburgs schauderten, war die Reaktion des Papstes in Rom eine ganz klare und eindeutige (Wiki):
Papst Urban VIII. verfaßte am 24. Juni ein Schreiben, in dem er seine Freude über die „Vernichtung des Ketzernestes“ zum Ausdruck brachte.
Solche Vorgänge sind Teil unserer Geschichte. Tilly und Pappenheim wurden Denkmäler errichtet, die noch heute in München und Wien in den dortigen jeweiligen Feldherrnhallen "bestaunt" werden können. Diese Denkmäler sind gewiß nicht mehr zeitgemäß. Aber es ist klar, daß das Schicksal der Stadt Magdeburg das protestantische Europa aufs Heftigste erschütterte und aufrüttelte. Von allen Seiten zogen die Protestanten dem Schwedenkönig zu, der unter diesen Umständen mehr als je zuvor als "Befreier" und "Retter" empfunden wurde und werden mußte. Solche Freiwillige kamen insbesondere auch aus dem Elb-Havel-Winkel. Durch diesen zog nämlich nun der Schwedenkönig. Im Juli 1630 war Gustav Adolf mit einem Heer in Pommern gelandet (Wiki):
Er eroberte das von kaiserlichen Truppen gehaltene Frankfurt an der Oder im Sturm, um die anrückende kaiserliche Armee zu sich herzulocken. Die marschierte aber auf das mit Schweden sympathisierende Magdeburg zu und begann mit einer Belagerung. Die daraus folgende Katastrophe von Magdeburg, 1631, konnte er trotz Entsendung von Dietrich von Falkenberg nicht verhindern, obgleich die Stadt sich auf seine Unterstützung verlassen hatte und Gustaf Adolf mit dem zögernden brandenburgischen Kurfürsten um Durchmarschrechte für eine Entsetzung der Stadt verhandelte. Dieser Mißerfolg nutzte aber dem schwedischen König, indem der Schock über die brutale Eroberung Magdeburgs die anfangs zögerlichen deutschen protestantischen Fürsten auf seine Seite trieb und er sich in einer Allianz mit dem Kurfürstentum Sachsen und der Landgrafschaft Hessen-Kassel verbünden konnte.

Juli 1631 - "Überall gingen junge Landleute zu den schwedischen Fahnen als Freiwillige"


Zunächst (6, S. 231f):
Ein schwedisches Observationskorps unter den Obersten Ortenberg, Baudis und Holle ging in Jerichow am 13. Juni über die Elbe. (...) Am 28. und 29. Juni marschierte der König selbst mit der Armee über Plaue und Rathenow nach Jerichow, passierte mittels Schiffsbrücke bei Tangermünde die Elbe und bezog hier ein Lager.
Von Jerichow aus schrieb Gustav Adolf am 2. Juli an einen seiner Feldherrn, daß seine Truppen gestern Tangermünde erobert hätten, und daß er hier an der Elbe so "mächtig schöne Quartiere" und "so viele hübsche Städte" gefunden hätte ("mäkta sköne qvarter" und "så många vackra städer") (2, S. 65). Gustav Adolf hatte also auch Schönheitssinn. Auch ein solcher scheint mir von nur wenigen Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges überliefert zu sein. Noch heute empfinden wir Jerichow und Tangermünde als schöne Städte. Das Dorf Hohenziatz, 30 Kilometer südlich von Genthin, wurde  dann zum Ausgangspunkt des weiteren Feldzuges des Schwedenkönigs, nachdem er die Landkreise Jerichow durchzogen hatte (4):
Am 23. Juli (Juni?) 1631 trat Gustav Adolf seinen Marsch in den Elb-Havel-Winkel an, erstürmte von Jerichow ausgehend Tangermünde und trieb die Tilly'schen Scharen nach Sachsen. In der Altmark und in den Jerichow'schen Kreisen wurden frische Truppen angeworben, sein letztes Heer- und Werbelager war in Hohenziatz am 24. August 1631. Am 22. August zog ein starker Heereshaufen von Havelberg-Rathenow-Premnitz über die Havel nach Milow und von dort nach Hohenziatz, überall gingen junge Landleute zu den schwedischen Fahnen als Freiwillige.
(s.a. 2, S. 70) Gustav Adolf konnte die Kaiserlichen endlich im September 1631 bei Breitenfeld nördlich von Leipzig vernichtend schlagen. Ganz Süddeutschland stand ihm offen und er zog von Stadt zu Stadt wie ein Befreier.

November 1632 - Gustav Adolf tot!


Aber im Jahr 1632 brannten auch die Schweden in Brandenburg Dörfer nieder. Das Nachbardorf von Radewege, Brielow, wurde mehrfach geplündert und schließlich vollständig zerstört. Und so ging es weiter (4):
1632 brannten die Schweden bei ihrem Zuge durch die Jerichow'schen Lande Schmetzdorf, Sydow, Wust und Melkow, das erstere ganz, die anderen teilweise nieder. Der in Schmetzdorf wohnende Pfarrer Heinrich Köppen, welcher außer Schmetzdorf noch Böhne, Bützer und Milow zu betreuen hatte, zog nach Milow, weil Schmetzdorf niedergebrannt war.
Nachdem die jesuitisch beratenen Eliten des katholischen Europa gemerkt hatten, wie sehr sie in Bedrängnis geraten waren und sich nicht mehr anders zu helfen wußten, ernannten sie den 1632 entlassenen Feldherrn Wallenstein ein zweites mal zum Oberbefehlshaber. Gustav Adolf wußte, daß ihm damit ein ebenbürtiger Gegner gegenüber stand und ging wieder sehr umsichtig vor. Im November 1632 kam es zur Schlacht bei Lützen. In dieser wurde der "Löwe aus dem Norden", Gustav Adolf von Schweden, getötet. Nach einer Untersuchung geschah dies durch einen Schuß in den Rücken aus nächster Nähe, das heißt, aus weniger als sechs Meter Entfernung (Wiki). Der Feldherr Wallenstein, der inzwischen für Deutschland vermutlich ebenfalls einen ausgleichenden Frieden erreichen wollte, wurde zwei Jahre später, 1634, in Eger ermordet.

Abb. 4: Oluff Hansson Swartt - Karte des Havellandes, Ausschnitt (1632) - In der Mitte des Ausschnittes ist nördlich des Pritzerber Sees ein Straßenpaß bei Seelensdorf eingezeichnet

Auf den Rat seines politischen Beraters, des kaiserlich-katholischen Grafen Schwarzenberg und gegen den Rat der Mehrzahl der brandenburgischen Geheimen Räte löste Kurfürst Georg Wilhelm Ende Juli 1635 sein Bündnis mit Schweden und schloß wieder ein Bündnis mit dem Kaiser (2, S. 77). Schwarzenberg hatte ihm gesagt, daß die Schweden ihm Land und Kurfürsten-Würde nicht nehmen könnten, der Kaiser aber schon (11, S. 206). Eine maßgebliche Rolle spielte, daß Kurfürst Georg Wilhelm fürchtete, das Herzogtum an Schweden zu verlieren, wenn er im Bündnis mit Schweden bliebe. Dessen letzter Herzog war alt und kinderlos und der Kurfürst der nächste Erbe. Aber zugleich war voraussehbar, daß in einem Krieg mit Schweden das Land Brandenburg zum Hauptkriegsschauplatz werden würde. Und so war es auch. Der Kurfürst von Sachsen wurde nun zum Hauptgegner der Schweden, Brandenburg zum Hauptkriegsschauplatz. Insbesondere im Dezember 1635 kam es zu Kämpfen der Sachsen mit den Schweden um den Fehrbelliner Paß. Am 14. Dezember 1635 hielt der Pfarrer im Schlagenthiner Kirchenbuch fest (zit. n. 7, S. 31):
"In diesem Jahr haben wir viel erleiden müssen von den Kaiserlichen, Schweden und brandenburgischem Kriegsvolk."

1636 - Die Kirche in Bahnitz wird geplündert


Im Januar 1636 fanden die schwedischen Truppen im Havelland keine Gegenden mehr, in denen sie nicht Hunger leiden mußten. Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, den Krieg nach Sachsen zu tragen. Die sächsischen Truppen mußten folgen (2, S. 83). Doch schon im März 1636 kamen erneut sächsische Truppen von der Oder her in Havelland zurück. Brandenburg und Rathenow waren ständig umkämpfte Städte. Zwischen beiden Städten zogen ständig Truppen beider Seiten hin und her. Da ist es kein Wunder, daß in diesem Zusammenhang auch das womöglich ansonsten eher abgelegene Haveldorf Bahnitz von seinem Schicksal ereilt wurde. Vermutlich haben ja die hungernden Truppen auch immer abseitigere Wege eingeschlagen während ihrer Verschiebungen, um sich aus dem Landes selbst ernähren zu können. Am 3. Juli 1636 hatten die sächsischen Truppen erneut Magdeburg eingenommen und rückten weiter nach Norden vor (2, S. 88). Und dort kam es einmal erneut zu einer der größten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges, nämlich zur Schlacht bei Wittstock (Wiki):
Am 4. Oktober 1636 besiegten 16.000 Schweden unter dem schwedischen Feldmarschall Johan Banér und dem schottischen Feldmarschall Alexander Leslie das vereinte, 22.000 Mann starke kaiserlich-kursächsische Heer.
Der Rückzug der Kaiserlichen ging in eine ungeordnete Flucht über (12, S. 88):
Eiligst zogen die Verbündeten nach Magdeburg, wo sie sich trennten; Hatzfeld zog nach Halberstadt, um den General Götz aus Westfalen an sich zu ziehn, der Kurfürst ging nach Meißen. Baner eroberte dagegen im Oktober die Werbner Schanze, ging dort über die Elbe und besetzte Sangerhausen.
Die Werbener Schanze liegt zehn Kilometer nördlich von Havelberg, Sangerhausen am Harz. Noch zehn Jahre später deuten sich die Geschehnisse, die in diesem Zusammenhang auch in Bahnitz statthatten, in einem Akteneintrag des Bahnitzer Kirchenpatrons in Kützkow vom 2. Januar 1646 an (zit. n. Gaubatz):
"Nach dem vor 8 oder 9 Jahren wie die Schlacht vor Witstock gehalten worden, die Kirche zu Bahnitz ihre Kirchenrechnung und Kirchenbuch verlohren, auch seithero keine Rechnung gehalten, auch nichts von den Kirchengeldern abgetragen worden, als seind heute der Pfarr H. Martinus Kohl, Jacob Schultze, Andreas Meinike als Gottesvater vor mir erschienen und der Kirchen ihr Einkommen dergestalt angedeutet (...) Der Priesterwerder ist in 12 Jahren nicht gemehet worden, undt der vorigen Priester nachgelassene Erben geben nichts zum besten, weil sie in den betrübten Kriegswesen umb alles kommen, derwegen man zu keiner Bezahlung gelangen kann. Der andere Werder ist auch nicht gemehet worden."
Die durch die Heumaht eingenommenen Gelder dienten als Einnahme der Kirchengemeinde. Und offenbar fehlten für die Heumaht immer noch die Arbeitskräfte. Gericke (Jerchel) berichtet:
In Bahnitz wurde vor vielen Jahren ein Bauernbackofen abgerissen, hinter einem halben Ziegelstein befand sich im Mauerwerk eine Lücke, in der eine Anzahl von Münzen, meist aus Silber, aus der Zeit des 30-jährigen Krieges gefunden wurde.

Das Schlagenthiner Pfarrhaus brennt ab


Im Kirchenbuch von Schlagenthin und Kleinwusterwitz schrieb der Pfarrer (zit. n. 4):
"Anno 1635, 36, 37, 38 keine Eintragungen, weil die gottlosen Soldaten mir beraubet." - "Die Pfarre ist abgebrannt, das vom Pastore Salomon Schröder 1577 angefertigte Kirchenbuch ist mit abgebrannt." - "1636 ist Joachim Hahno und Trine Arends auf 26. November unterm Lindenbaum bei den Zornbuben repulsiert wurden."
Was das heißt, wird nicht ganz deutlich. Weiter:
"anno 1636 wie es mir und meynen Patronen von Treskowen und meistem Vaterland Rathenow ergangen, weißt aus mein Diarin."
Allgemeiner wird berichtet (4):
Undurchdringliche Wälder und Sümpfe umgaben Schlagenthin, welche sich bis Milow hinzogen. Nur ein passierbarer Weg zog sich von der Elbe über Demsin nach Vieritz, dann von der Havel über Milow-Jerchel bis Schlagenthin. Kam nun der Feind in Sicht, dann wurden die Wägen bespannt, mit der Habe beladen, und fort ging es dem Walde und der sumpfigen Stremme zu. In wenigen Minuten war das Dorf leer. Herein rasselten die schweren Eisenreiter, marschierte das Fußvolk, gefolgt von einem Troß Weibern und Zigeunern. Die Häuser wurden nun von oben bis unten nach Eßbarem, nach Geld, Kleidern usw. durchsucht, die Ställe nach etwa noch vorhandenem Vieh. Irgendwie noch anwesende Bewohner zwang man durch allerlei grausige Martern, versteckte Wertsachen anzugeben, wollten oder konnten sie es nicht, dann martete man die Unglücklichen zu Tode. Das Stroh wurde teilweise von den Dächern gerissen und die Häuser vielfach vernichtet. So erging es den Bewohnern Milows viele Male im Kriege.
Abb. 5: Auf der Grundlage der handgezeichneten Karten von Oluff Hansson Swartt erschienen in den Niederlanden bald auch Karten in Druck, hier "Marchionatus Brandenburgicus" von Jan Janssonius (1647) - Auffallend wohl auch, daß die Karten weder in Schweden noch in Brandenburg zuerst im Druck erschienen

1638 - Kardinal Richelieu hintertreibt Friedensmöglichkeit


Im März 1637 starb der letzte Herzog von Pommern Bogislav XIV.. Nach der Erbfolge mußte Pommern nun an den Kurfürsten von Brandenburg fallen. Das Land hatten aber die Schweden in Besitz, die es im Kampf mit den Kaiserlichen verteidigten. Diese Situation führte dazu, daß sich der Kurfürst von Brandenburg aufraffte. Ende 1637 nahm er General Hans Caspar von Klitzing (1594-1644) (Wiki) in Dienst, der zuvor in schwedischen und sächsischen Diensten gestanden hatte:
Im Jahr 1638 sammelte der Kurfürst (von Brandenburg) die Truppen in Neustadt-Eberswalde.
Leopold von Ranke hält fest (11, S. 207f):
Der Kurfürst von Brandenburg (...) erließ Besitzergreifungspatente und veranstaltete Werbungen, um mit dem heranziehenden kaiserlichen Heere zugleich das Herzogtum, wo sein Recht ein altanerkanntes war, in Besitz zu nehmen. (...) Im Frühjahr 1638 gelang es den Brandenburgern unter Klitzing, der mit einer für diese Zeit ansehnlichen Kriegsmacht, 2000 Mann zu Fuß, 400 Dragonern, erschien, die Stadt Gartz (an der Oder), auf deren Besitz man von jeher vielen Wert legte, in raschem Anlauf zu erobern und den schwedischen Befehlshaber gefangen abzuführen.
So wurde Gartz an der Oder (Wiki) im Februar 1638 von den Brandenburgern eingenommen. Damit rückte die Möglichkeit zu einem Friedensschluß näher, wie Ranke ausführt (11, S. 208)
Man versichert, in Schweden würde damals eine für beide Teile erträgliche Abkunft zu erreichen gewesen sein.
In die innerdeutsche Auseinandersetzung glaubte sich aber inzwischen auch der Kardinal Richelieu von Frankreich einmischen zu müssen, der ein Anwachsen der Habsburger Monarchie im Westen und Osten seines Landes zu verhindern suchte. Er ließ Schweden wesentliche Geldzahlungen zukommen. Ranke (11, S. 208f):
Durch die Subsidien, die Frankreich bot, wurde dann auch der schwedische Reichsrat, der ein Recht zu haben glaubte, das Erworbene zu behaupten, zu neuen Kriegsrüstungen vermocht. (...) Der schwedische General nahm ohne viel Mühe Gartz wieder in Besitz und schleifte es. An eine Wiedereroberung Pommerns für Brandenburg war dann nicht zu denken; den Kaiserlichen wurden die Schweden gefährlicher, als diese ihnen. 
Schon im Juli 1638 konnte Gartz also von den Schweden zurück erobert werden (12, S. 89). Immerhin konnte gleichzeitig der inzwischen weiter südlich operierende General Klitzing noch die Befestigungen des nördlichen Elb-Havel-Winkels in Besitz nehmen (12, S. 89):
Der brandenburgische General Klitzing eroberte im Juli und August Havelberg, Rathenow, die Werbener Schanze und Dömitz.
Ob Gustav Adolf so entschieden hätte? Oder ob die prunkvolle Hofführung der schwedischen Königin Christine, die später zum Katholizismus übertreten sollte, die Annahme dieser Subsidien mit beeinflußt hat? Insgesamt änderte sich für die Kurmark und den Elb-Havel-Winkel deshalb auch mit dieser kurzzeitigen brandenburgischen militärische Kraftanstrengung wenig. Der schon erwähnte Pastor Köppen von Schmetzdorf scheint sie kaum gespürt zu haben (4):
Im Jahr 1638 kam der kaiserliche Feldherr Gallas in unsere Heimat und nach seinem Abzuge der schwedische General Torstenson. (...) Pastor Köppen schreibt: "In diesem Jahr zog Gallas, fraß Menschen, sengete und brandte viel Dörfer ab, darauf zogen die Schweden durchs Land."
Ranke berichtet (11, S. 209):
Die brandenburgischen Streitkräfte lösten sich vollends auf, als der Kurfürst mit seinem Sohne seine Sicherheit in Preußen (gemeint: Ostpreußen) suchte. Schwarzenberg, der als Statthalter zurück blieb, hatte nun die Aufgabe, den provinzialen Krieg durchzuführen, der auf seinen Rat unternommen worden war. (...) Die Befehlshaber in den Festungen, die sich glücklicherweise noch hielten, waren meist seine persönlichen Anhänger. (...) Ein bitterer, verwüstender, hoffnungsloser Krieg war im Gange, als Georg Wilhelm starb. 
Der Kurfürst Georg Wilhelm starb am 21. November 1640. Sein 20-jähriger Sohn Friedrich Wilhelm trat die Nachfolge an. Er fühlte sich schon gleich nach Regierungsantritt bedroht von Mordanschlägen seines eigenen Ministers, des katholischen Grafen Schwarzenberg! So erzählte Friedrich Wilhelm noch zu häufigen Gelegenheiten gegenüber verschiedenen Menschen in seinem späteren Leben. Nur mit großer Mühe und diplomatischem Geschick - und schließlich aufgrund des plötzlichen Todes des Grafen Schwarzenberg - gelang es Friedrich Wilhelm, die Herrschaft über sein eigenes Land überhaupt vollständig in seine Hände zu bekommen. Ziemlich irre Zeiten.

1642 - Die Kaiserlichen gehen über die Havel - bei Bahnitz und Premnitz


Zum Jahr 1642 erfahren wir (2, S. 103f):
Noch einmal schien der Krieg über das Havelland mit aller Macht hereinzubrechen. "Im Februar wandten sich die Kreiß-Stände an den Statthalter Markgraf Ernst, da sie in Erfahrung gebracht, daß der Kaiserliche Generalissimus, Erzherzog Leopold Wilhelm, sein Hauptquartier zu  Zerbst genommen und den Obrist Sperreuter mit 7 Regimentern in der Zauche gelassen, von wo vermutlich die kaiserliche soldatesque ins Havelländische fouragieren und dem Kreise vielen Schaden tun würde; und baten, daß er an den [Spandauer] Commandanten und Obristen Hans Georg von Ribbeck Verordnung ablassen möchte, daß er von seinen unter sich habenden Völkern die Fähre Bellin und Lenzensche Mühle mit 15, Bötzow mit etwan 10, den Cremmischen Damm mit 15 Mann besetzen und auf den Baumgarten bey Geltow 12 Mann legen möchte, daß sie diese Örter so bewahrten, daß niemand von der Kaiserlichen soldatesque herüberkäme; ebenso möchte in gleicher Absicht eine halbe Compagnie zu Roß an den Havel Strom verlegt werden." Darauf gab der Statthalter am 15. Februar zur Antwort: "es sei mit den kleinen besatzungen, zumahl da die Kaiserlichen partien schon im Lande, auch zu Rathenow und an anderen Orten überkommen könnten, nichts auszurichten; so könte man auch des Volcks aus der Festung [Spandau] nicht entrathen: es sollte aber an den Erzherzog geschrieben werden u. um Verschonung des Havellandes nochmals Instanz geschehen. Wenn aber auch hierdurch nichts zu erhalten sein sollte, müßte man, was nicht zu ändern wäre, gehen lassen, wie Gott wollte; denn mit Gewalt es zu verhüten oder der Kaiserlichen Armee sich zu widersetzen, sei nicht thunlich."
Als Markgraf Ernst diese Antwort niederschrieb, hatten etliche Kaiserliche bereits die Grenzen des Havellandes überschritten. Bei Bahnitz und Pritzerbe waren sie über die Havel gesetzt.
So laut eines Schreiben der Neustadt Brandenburg vom 15. Februar 1642 geschehen (2, S. 104, Anm. 42). Man wird sich also zumindest bei dieser Gelegenheit Bahnitz, sowie seine Nachbardörfer, sowie das Gut Kützkow als Truppenlager vorstellen müssen, wo sich Soldaten mitsamt Troß einquartiert hatten. Je nach dem, wie schnell die Truppen und der Troß übergesetzt werden konnten oder sich übersetzen ließen, blieben sie hier einen oder mehrere Tage einquartiert und forderten von den Einwohnern, was sie etwa noch hatten: Getreide, Schlachtvieh, Pferde, Geld. Nach Möglichkeit versuchten die Einwohner die Soldaten über die geographischen Verhältnisse im Unklaren zu lassen, wie weiter zu erfahren ist (2, S. 104f):
Außerdem war (...) der kaiserliche Generalquartiermeister Zacharias Wegener in Brandenburg eingetroffen, um einmal die Proviantfrage zu regeln und zum andern die Verhältnisse des Havellandes zu erkunden. (...) Als Wegener die Brandenburger nach den Wegen und Pässen des Havellandes fragte, da antworteten diese, daß sie "wegen der Örter, Pässe und Moraste hetten keine Wissenschaft, weil anitzo, wegen des bösen Gewitters wohl Moraste weren, da sonst keine gewesen".
Schlaue Leute! Die Not gab ihnen diese Schlauheit ein:
[Dennoch] kamen bald größere Truppenmassen in Brandenburg an, die quer durch das Havelland nach Kremmen und dann weiter nach Gransee und Zehdenick zogen. (...) Plaue wurde von den Kaiserlichen in Brand gesteckt. Die schnell in Brandenburg und Rathenow einquartierten kurfürstlichen Truppen unter dem Hauptmann Strantz waren zu schwach, um Übergriffe der Kaiserlichen verhindern zu können.
Doch auch die Schweden erstarkten wieder. Plötzlich stand Torstenson wieder mit einer schlagkräftigen Armee an der Elbe (2, S. 105). Strantz ließ vorsichtshalber alle Kähne auf das rechte Havelufer schaffen. Auch die Bahnitzer und Kützkower werden bei diesem Anlaß wieder Anweisung erhalten haben, ihre Kähne auf die andere Seite zu schaffen und - womöglich - in abgelegenen Havelarmen im Schilf zu verstecken. Die Neustadt Brandenburg warb 25 Söldner auf eigene Kosten an, die beim Durchmarsch der Schweden für Ordnung sorgen sollten. Am 26. März 1642 kamen die Schweden wieder in Neustadt Brandenburg und forderten Verproviantierung.

Die Rathenower - "in die Wälder und Luche geflüchtet"


Womöglich lebten auch die Bahnitzer zu dieser Zeit schon mehr in Wäldern und Luchen als im Dorf selbst. Von Bahnitz aus bot sich vielleicht die Halbinsel Lutze als abgelegenes Versteck an, wo man sich mit Fischen am Leben erhalten konnte. Jedenfalls schrieb der Rathenower Cantor Joachim Triepke, der noch Zeitgenossen gekannt hatte, 1712 in seiner handschriftlichen Chronik von Rathenow (zit. n. Wegener, S. 242f):
Wie miserabel die Einwohner dieser Stadt und des Landes sich haben - wieder müssen abhelfen, das können die alten, so noch davon zu reden wissen, mit Thränen nicht genugsam bezeugen.
Daß sie mit Tränen davon sprechen, zeigt, daß die Bevölkerung stark traumatisiert gewesen sein muß. Ein Begriff, der fällt, ist "Trübsal". Wie man damals mit den flächengreifenden Traumata umgegangen ist, ist wohl noch wenig erforscht. Weiter schreibt Triepke:
Ich habe mir von solchen Leuten sagen lassen, die diese Drangsale selbst ausgestanden haben, daß sie sich in die Wälder und Luche retiriert haben mit ihren Kindern und Vieh, daselbst sie etliche Tage, ja Wochen und Monate, Kälte und Hitze, Hunger und Durst müssen aushalten, und haben sich doch nicht rühren dürfen, damit sie nicht von dem grimmigen Feind ertappet würden: doch hat sie oft das Vieh mit seinem Bläken oder das Geschrei der Kinder verraten, da sie denn mit grimmiger Gewalt hervorgerissen, geschlagen und gemartert, ausgezogen und ausgesogen worden. Welcher nun nach solcher Trübsal noch verborgen übrig geblieben und noch eine Kuh behalten, der hat mit selbiger den Acker zu bestellen wieder angefangen, ja Mann und Frau haben den Pflug gezogen, damit sie also sich des Hungers erwehren, und etwas von Korn einsammeln möchten, da sie so lange von Wurzeln, Laub und was in den Wäldern vorhanden, sich erhalten müssen. Die Häuser sind von Menschen ledig gewesen, weil sie wegen der großen Contribution und feindliche Beraubungen dieselbe zu bewohnen nicht mehr vermocht; daher waren sie bei dem Anwuchs der Bürgerschaft zu Rathenow wohlfeil, daß einer für 3 Thaler hat können ein Haus bekommen, das jetzt wenigstens 100 Thaler gelten muß. (...) Die Äcker und Wiesen sind bewachsen, und von der Zeit mit starken Eichen und Fichten gleichsam bepflanzt worden, so daß noch jetzt ganze Felder wüste liegen bleiben wegen der starken Holzung, die darauf stehet, welches man (auch jetzt noch) genugsam sehen kann, wenn man durch die Heiden reitet.
Man gewinnt den Eindruck: Noch 64 Jahre nach den Ereignissen - im Jahr 1712 - sind die Traumata schwer, so daß jene, die sie in ihrer Jugend erlebt hatten, noch immer nur schwer davon sprechen konnten.

1642 - "Im Gebruch und Wäldern bei Frost" versteckt


Wohin man aber blickt, ist das gleiche Geschehen zu beobachten. Das Dorf Gollwitz liegt zehn Kilometer östlich der Stadt Brandenburg. Im Jahr 1642 heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, daß den Einwohnern
"nicht mehr denn das bloße Leben übrig geblieben, welches doch sehr vielen zu erhalten sauer worden, dann sie die ganze Zeit im Gebruch und Wäldern sich bei Frost aufgehalten, etliche wohl auch ganz ums Leben kommen und gar viele von den unbarmherzigen Parteien sind nieder gemacht worden."
Man liest solche Zeilen immer wieder erneut mit Ungläubigkeit. Vor allem die Allgegenwärtigkeit dieses Geschehens über mehrere Jahre hinweg kann man kaum glauben. Wenn man ehrlich ist, mußte man einen solchen historischen Roman wie den "Wehrwolf" von Hermann Löns - ohne solches Hintergrundwissen - eigentlich doch immer für eine Übertreibung halten. Dieser Roman hat die Verhältnisse aber offenbar doch sehr genau und ohne Übertreibung wiedergegeben. Für das gleiche Jahr verzeichnet der Schlagenthiner Pfarrer (zit. n. Schulze):
"1642 taten die Kayserlichen dem Stift Magdeburgk unüberwindlichen Schaden an Kirchen und Doerffern - den 6. Dezember ließen die Schwedischen Soldaten Mir nichts in der Scheunen an Korn."

1644 - Die Schlagenthiner müssen fliehen


Im Schlagenthiner Kirchenbuch ist vermerkt (zit. n. Schulze):
"1644, 10. Juny, da wir haben fliehen müssen, sind auf dem späten abend tauffet Magdalena Schmidt unde Stoffel Schildt - in diesem Jahr hat Gallas müßn wegen der Schwedischen weichen. auch dahero wir fliehen müssen den 18. juny, den 7. augustry und die 4 1/2 Woche in Premnitz herausgeblieben, auch den 6. Oktober, den 11. Novembris, den 25. Dez. in der heil. Christnacht. 1645 haben die aus Magdeburgk die Schwedischen so sich des vortages in Borgh geleget austreiben wollen, sich aber auf Thurm erhalten, dahero sie etliche Häuser angesteckt, vermeinet die Schweden vom Thurm zu treiben.
Womöglich ist hier die Rede von Geschehnissen in der Stadt Burg, die auf dem Weg nach Magdeburg liegt.

Winter 1647/48 - Hamburger Schiffer kaufen im Havelland Getreide auf und führen es nach England und Sizilien aus


In einem Schreiben vom Januar 1648 (2, S. 161)
beklagen sich die Viergewerke der Alt- und Neustadt Brandenburg über geschäftstüchtige Hamburger Kaufleute, die im Havelland Getreide kaufen und es ausführen, ohne es in Spandau, Potsdam, Brandenburg oder Plaue verzollt zu haben. Als Einschiffungsorte werden Milow, Pritzerbe, Tieckow, Briest und Ketzin genannt.
Wörtlich schreiben sie (zit. n. 2, S. 178, Anm. 9):
Da alle Handwerke und Handwerkinnungen zugrundeliegen [wohl gemeint: darnieder liegen] ... zu welchem Abgang der Nahrung dann sonderlich eine große Ursach ist und viele verderbet [wohl gemeint: weil die Handwerker nicht genug zu essen bekommen], daß etliche fremde Hamburger Schiffer, so allhie im Lande durch ihre vielfältige Margentenerei [Marketenderei?] die Schluhr [wohl: den Handel] gelernet und soviel darin erjagen, daß sie sich selber beschiffen und keiner Kaufleute Güter mehr zu führen bedürfen und begehren ... So legen sie ihre Schiffe den Winter über allhier an, streichen ferner herumb und sehen, worumb uff dem Lande ein Winspel Korn zu bekommen ...; das Korn bringen sie auf ihre Schiffe und machen allenthalben am Havelstrom wider Recht und Billigkeit neue Niederlagen ... das was unter den Zöllen zu Milau, Pritzerbe, Tiekau, Briest, auch zu Ketzin eingeschiffet, wird zu Spandau, Potsdam, Brandenburgk und Plauen nicht verzollet. Die Hamburger bringen das Getreide nach Spanien, Sycilien und Egellandt, wo dies Jahr nichts gewachsen ...
Hier ist natürlich von einem Geschehen im Herbst 1647 und Winter 1647/48 die Rede. Wenn das Havelland zu dieser Zeit Getreide schon wieder in so weit entfernte Gegenden exportieren konnte, werden die Adelsgüter und Dorfbewohner selbst wohl nicht mehr so sehr an Hunger zu leiden gehabt haben. Die hier genannten Ortschaften lagen allesamt auf der von Bahnitz aus gesehen anderen Havelseite. Aber natürlich werden diese Hamburger Schiffer auch in Bahnitz angelegt und Getreide aufgekauft haben. Vielleicht haben sich die auf den Dörfern übrig gebliebenen Bauern auch zunächst auf die Getreideproduktion konzentriert und nicht so sehr darauf, ihren Tierbestand wieder aufzubauen (etwa durch Heumachen auf den Havelwiesen, die ja bis dahin viele Jahre nicht gemäht worden waren - siehe oben). Hier wird außerdem deutlich, wie sehr die Flußwege schon damals auch recht bedeutende Handelswege gewesen sind.

Der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor nach der Getreideproduktion war übrigens das Bierbrauen. Jedes Dorf hatte seine Dorfkrüge (2, S. 178f). Und auch die durchziehenden Soldaten konnten ja offenbar ihr trauriges Soldatenleben nur aushalten, indem sie die Erinnerung an ihre Art zu leben immer wieder im Alkohol ertränkten. Die Handwerker der großen Städte (Berlin, Brandenburg) setzten übrigens einen nicht geringen Teil ihrer Waren und Dienstleistungen auf Märkten kleinerer Städte ab wie etwa Rathenow, Pritzerbe und so weiter. Dies war ihnen so wichtig, daß die Brandenburger Schuster schon 1641 ein Verbot erwirkt hatten, daß die Berliner Schuster auf diesen Märkten ihre Waren und Dienstleistungen ebenfalls absetzen konnten (2, S. 189).

August 1648 - Der Güsener Schulze versucht, sein Dorf zu retten


Aber im selben Januar 1648 war bereits der für Juni geplante Durchzug eines schwedischen Heeres über Schönhausen und Genthin Richtung Burg bekannt geworden. 17 Kilometer hinter Genthin liegt das Dorf Güsen (Wiki). 1640 waren dort schon acht Häuser nebst Scheunen und zwei Jahre später weitere zwölf Gebäude durch Feuer zerstört worden. 1648 hatten die Güsener ihre Höfe gerade erst ein Jahr zuvor wieder aufgebaut. Der Schulze Andreas Melmer aus Güsen schrieb an den Lehnsherren, den Möllenvogt in Magdeburg, einen Bericht über die Ereignisse vom 21. bis 23. August 1648. Dieser ist im Staatsarchiv Magdeburg erhalten geblieben und gewährt einen sehr anschaulichen Blick in die damaligen Verhältnisse (n. Willy Sack):
Danach haben sich von Montag Mittag bis Dienstag um dieselbe Zeit 1200 Reiter vom Leibregiment, die Jungen und Wagen nicht mitgerechnet, in Güsen einquartiert "und großen Schaden an Korn und Heuw gethan, welges noch hette zu vorwinden gewesen". (....) Die dichten Waldungen, die damals in viel größerem Maße den Ort umgaben, boten den Güsenern reichlichen Schutz. Und doch mußten sie immer tiefer hinein fliehen, da die Reiter, es sollen an 400 gewesen sein, enttäuscht über das leer vorgefundene Dorf, auch hier nach den Entwichenen suchten.
Der Schulze, der vom sicheren Waldrand aus das Geschehen beobachtet hatte, entschied sich schließlich dazu, mit fünf weiteren Güsenern zum Schutz des Dorfes in dasselbe zurück zu kehren. Er wird sogar vor den Obersten gelassen. Und dieser verlangt als erstes nichts anderes, als daß er die geflohenen Bauern herbei schaffen solle:
Da erzählt er nun, daß diese schon seit acht Tagen über die Hegell (Havel) seien.
Darunter wäre vermutlich zu verstehen, daß sie nach Osten über das 35 Kilometer entfernte Plaue auf die andere Seite der Havel geflohen wären. Natürlich war das eine Ausrede. Aber sie klang ja scheinbar glaubhaft. Solche Dingen kamen also vor:
Es wären auch zu unglückliche Leute, seit einem Jahre haben sie erst wieder aufgebaut wie die neu aufgeführten Gebäude erkennen lassen. (...) Nun soll er dem Obersten noch erklären, warum er im Forst bliebe. In geschickter Weise gibt er sich darauf als Holzfäller des Bischofs von Halle aus, dessen Besitz er erhalten möchte. Aber das würde ihm zu schwer gemacht, wie ja auch das Benehmen der Soldaten nicht zu verantworten wäre. Rücksichtslos raubten diese aus Scheunen das Heu und Stroh. In den Häusern suchten sie nach Schätzen, wobei sie Sachen, die sie nicht gebrauchen konnten, zerstörten. Nicht einmal die Kirche haben sie verschont. Den Altar haben sie geplündert, die als Behang verwendeten Tücher haben sie "alle zerrissen und schimpfiret". Zu solchem Vorgehen sollen die Güsener den Soldaten keinen Grund gegeben haben. Aber deren Wut über die Flucht der Einwohner war zu groß, und sie stellen dem tapferen Gemeindevorsteher gräßliche Strafen in Aussicht, wenn sie die Bauern finden sollten.
Der Schulze sah voraus, daß er aufpassen müsse, daß nach Abzug der Reiter die überall im Dorf noch glimmenden offenen Feuerstellen schnell gelöscht werden müßten, da sonst leicht doch noch ein Brand entstehen konnte. Zu seinem Leidwesen wurde er aber von dem Obersten als ortskundiger Führer mitgeschleppt, wie es den Bauern damals oft geschah. Die Abteilung zog ins sechs Kilometer entfernte Dorf Ihleburg (Wiki), wo der 1647 zum Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen ernannte Pfalzgraf Carl Gustav (1622-1660) (Wiki) (im Text falsch "Carl August")(1656 wurde er König von Schweden), eine große Truppenparade abnahm. Nach dem Schulzen-Bericht (n. Willy Sack):
Prächtige Reiter, Wagen mit schönen Frauen und eine große Bagage waren seine Begleitung. Unser Berichterstatter gesteht, solche Pracht lange nicht gesehen zu haben.
Nach der Parade kehrte ein Teil der Reiter nach Güsen zurück, der Schulze mußte einen anderen Teil derselben aber nach der zehn Kilometer weiter gelegenen Stadt Burg führen. Als er nun dort um Entlassung bittet, erklärt der Obrist, wenn er ihm nicht zwei Faß Bier liefere, müsse er weiter mitziehen. Da ruft der Turmwächter von Burg, daß Güsen brennt. Der Schulze eilt mit hilfsbereiten Bauern in sein Heimatdorf, kann dort aber nur noch feststellen, daß 17 Gebäude in Asche liegen:
Nicht eine Garbe Roggen hatten ihnen die Schweden gelassen, der Hafer war ihnen vom Felde fortgeholt worden, da die Pferde der Reiter viel brauchten, die Gerste war zertreten und so überall größte Not. 
Der mit diesem Bericht schon am 24. August desselben Jahres angeschriebene Möllenvogt schickte daraufhin Saatgetreide und gewährte Steuererleichterungen.

Man wird sich auch klar machen müssen, daß Bahnitz damals nicht so abgelegen gelegen hat, als daß es nicht hätte geplündert und gebrandschatzt werden können. Noch hundert Jahre später sollte der Gutsherr von Goerne in einem Gerichtsverfahren gegen seine Bahnitzer Bauern damit argumentieren, daß die Havel bei Bahnitz doch "nur einen Büchsenschuß breit" wäre und daß die Bauern deshalb morgens ihre Pferde schwimmend von der anderen Seite der Havel holen würden, bevor sie mit ihnen zur Arbeit gingen. (Freilich ist im Sommer der Wasserstand der Havel am niedrigsten.) So hatten also auch berittene Soldaten die Havel überschreiten können, abgesehen davon, daß ja auch Bahnitz und alle Nachbardörfer mehrere Bauernfähren hatten, mit denen dann auch ganze Ackerwagen mit geplündertem Gut in beide Richtungen befahren werden konnten.

Auf beiden Seiten der Havel sind die Truppen während des Krieges zwischen Rathenow und Brandenburg nordwärts und südwärts gezogen, ostseitig über Pritzerbe, westseitig über Nitzahn. Bahnitz lag jedes mal nicht außerhalb der Reichweite der marschierenden oder Unterkunft suchenden Truppen. Und auch in Ost-West-Richtung war der Elb-Havel-Winkel Durchzugsgebiet, wobei die Havelübergänge bei Rathenow und Plaue die begehrtesten waren, wobei aber wie oben gesehen durchaus auch Bahnitz und Pritzerbe zum Übergang dienen konnten.

Friedrich der Große über die brandenburgische Politik im Dreißigjährigen Krieg


Der nachmalige preußische König Friedrich der Große (1712-1786) wird mit viel Berechtigung hundert Jahre später das folgende über die Regierungszeit seines Ururgroßvaters, des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (1595-1640) (Wiki), in der Zeit des 30-jährigen Krieges nieder schreiben (zum Teil auch zitiert in Hohmann/Unger 1999):
Seine Regierungszeit war die unglücklichste von allen Fürsten seines Hauses. Seine Staaten wurden im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges verwüstet, und die Spuren, die davon zurückblieben, waren so tief, daß man ihre Merkmale noch jetzt wahrnimmt, wo ich diese Geschichte schreibe. Alle Plagen der Erde stürzten mit einemmal auf die unglückliche Kurmark herab. An der Spitze stand ein unfähiger Fürst, der einen Vaterlandsverräter (Graf Schwarzenberg) zu seinem Minister gewählt hatte. (...) Das Land wurde von befreundeten und feindlichen Heeren überflutet, die gleichermaßen barbarisch hausten. (...) Das Elend erreichte seinen Höhepunkt, als die Bewohner, die dem Schwert des Soldaten entronnen waren, an bösartigen Seuchen zugrunde gingen.
(Zu dem hier erwähnten Vaterlandsverräter Graf Schwarzenberg siehe: Wiki.Der König gibt eine recht detaillierte Schilderung des Verlaufs dieses Krieges. Darin heißt es an einer Stelle unter anderem:
Der Kaiser war Sieger über seine Feinde und herrschte nahezu als Despot im Reich. (...) Während die Schweden sich zum Einfall in Deutschland rüsteten, hatte Wallenstein sich in der Kurmark festgesetzt und brandschatzte sie um Riesensummen. Es war unerhört, daß die Kaiserlichen ein befreundetes Land, dessen Fürst dem Kaiser keinen Grund zur Klage gegeben hatte, mit solcher maßlosen Härte behandelten. Wie beklagenswert die Lage Georg Wilhelms war, lehrt die Antwort, die er, wahrscheinlich sehr der Wahrheit entsprechend, auf die Einladung Kaiser Ferdinand II. zum Regensburger Reichstag gab. Er sagt darin: "Die Erschöpfung der Mark setzt mich außerstande, die gewöhnliche Ausgaben zu beschaffen. Noch viel weniger kann ich die Kosten für eine solche Reise aufbringen."
Und weiter schreibt Friedrich der Große dann über das Verhältnis Brandenburgs zum schwedischen König:
Der Kurfürst, der nicht mehr Herr im Hause war, stimmte allem zu, was der König von Schweden wünschte. (...) Es hieße gegen die Gesetze der Billigkeit verstoßen, wollte man Georg Wilhelm die Schuld für all das Unglück aufbürden, das während seiner Regierungszeit hereinbrach. Wenn er schwere Fehler begangen hat, so bestanden sie darin, daß er sein Vertrauen dem Grafen Schwarzenberg schenkte, der ihn verriet. (...) Er war katholisch und hatte immer für den Kaiser Partei genommen. (...) Vor allem muß man dem Kurfürsten vorwerfen, daß er nicht ein Heer von 20.000 Mann ausgehoben hat, bevor der Krieg seine Staaten verödete. Er wäre in der Lage gewesen, es zu unterhalten. (...) Die Truppen hätten dazu gedient, (...) seine Provinzen zu schützen. Wäre der Kurfürst solchermaßen gerüstet gewesen, so hätten Mansfeld und der Administrator von Magdeburg es nicht gewagt, durch das Kurfürstentum hindurch zu ziehen. Kaiser Ferdinand II. hätte in jeder Weise Rücksicht auf ihn genommen. Und es hätte nur von ihm selbst abgehangen, ob er der Verbündete der Schweden werden wollte oder ihr Feind, während er in Wirklichkeit der Sklave der ersten besten wurde.  

Von dem Augenblick an, da Georg Wilhelm diese Vorsorge versäumt hatte, ließ ihm die wunderliche Verwicklung der Umstände nur noch die Wahl zwischen Fehlern: er wurde gezwungen, sich für die Kaiserlichen oder für die Schweden zu entscheiden. Und da er schwach war, waren seine Verbündeten stets seine Herren. (...) 

Fortwährend schwankend, was er tun sollte, kraft- und machtlos, schlug er sich jedesmal, gutwillig oder gezwungen, auf die Seite des Stärkeren.
Natürlich sollten genau diese Fehler dann seine Nachfolger - der Große Kurfürst, der Soldatenkönig und Friedrich der Große selbst - nicht mehr begehen. Das A und O ihrer Regierungsmaxime hieß, ein starkes, stehendes Heer zu unterhalten und hierfür einen wirtschaftlich starken Staat aufzubauen, damit dieses Heer unterhalten werden könne. Im 20. Jahrhundert sollte man ein solches Denken "Militarismus" nennen. Es war aber doch offenbar nur der reinen Notwehr geschuldet. Offenbar liegt doch hier einmal der seltene Fall vor, daß ein Land tatsächlich "aus der Geschichte gelernt" hat. Und es scheint doch genau dieser Umstand gewesen zu sein, der dann den Staat Preußen geschichtlich so bedeutsam gemacht hat. Der zu einem Land wurde, das auch reichste kulturelle Errungenschaften tragen und hervorbringen konnte.


Abb. 5: Der Tod mit Narrenkappe - Allegorie auf den Dreißigjährigen Krieg


Der Rathenower Samuel Christoph Wagener über die brandenburgische Politik im Dreißigjährigen Krieg


Wer einmal in eine Chronik der Stadt Rathenow an der Havel hinein schaut - in eine, die aus dem Jahr 1803 stammt - der wird übrigens finden, daß es fortschrittliche Bürger Preußens gab, die das Urteil ihres Königs vollständig teilten. Es handelt sich hier um die Stadtchronik des Feldpredigers Samuel Christoph Wagener (1763-1845) (Wiki), der sich auch sonst um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Rathenow große Verdienste erworben hat. Schließlich hat er zusammen mit dem bedeutendsten Sohn der Stadt, Johann Heinrich August Duncker, im Jahr 1801 die "Königlich privilegierte optische Industrie-Anstalt" in Rathenow gegründet, die noch heute zu der wirtschaftlichen Bedeutung und Entwicklung Rathenows beiträgt. In der erwähnten Stadtchronik schreibt Wagener noch deutlicher als vormals sein König (S. 219, 227) über jenen ...
ersten Staatsdiener, den frechsten Landesverräter, welchen je die Erde getragen hat, Graf Adam von Schwarzenberg, schwarzen Andenkens. (...) Der Kurfürst ahnte nicht, daß er in diesem Buben die giftigste aller Schlagen in seinem Busen nährte. Als eine Kreatur Ferdinands II. war er und dieser Kaiser die Quelle des unbeschreiblichen Elends, welches damals stoßweise sich über die Mark ergoß. (...) Nur einem Verräter mit Schwarzenbergs Teufelslist konnte es gelingen, den Kurfürsten abzuhalten, sich vom Tyrannenjoche Österreichs loszureißen.
Über das Schicksal Magdeburgs im Jahr 1631 schreibt Wagener:
Selbst der Feind schauderte vor Magdeburgs entsetzlichem Schicksal.
Es bedurfte eines zweiten dreißigjährigen Krieges (im 20. Jahrhundert), um die Region Preußen-Brandenburg wieder in jene geschichtliche Bedeutungslosigkeit zurück zu stoßen, die sie während des Dreißigjährigen Krieges innehatte. An den Worten dieser Stadtchronik wird recht gut erkennbar, wie sehr die Lehren des Dreißigjährigen Krieges Bürger und Herrscherhaus zu dem Willen zusammen geschweißt haben, auch als "des heiligen Reiches Streusandbüchse" lieber Amboß als Hammer zu sein im Weltenlauf.****)

Wie stand es damals um die Kultur im Havelland und im Kurfürstentum Brandenburg allgemein? In einer Zeit, in der in Italien, England, den Niederlanden und Süddeutschland Denker, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler von höchstem Rang lebten und arbeiteten? Man denke nur an Giordano Bruno, an Shakespeare, an Rubens, Rembrandt und Johannes Kepler. Im Kurfürstentum Brandenburg hatte man zwar die durchaus bedeutende Universität Frankfurt an der Oder. Auch in der Stadt Brandenburg gab es mehrere nicht unbedeutende Lateinschulen. Aber in Brandenburg ist in dieser Zeit dennoch alles "Vorbereitung". Liest man etwa die wenigen überlieferten Dichtungen des Dompredigers von Brandenburg Martin Heins (1610-1667)(Wiki) (2, S. 239), so kann man sie nur als Vorbereitung lesen auf Dichtungen Klopstocks hundert Jahre später. Die Traumatisierungen wirkten womöglich so lange nach. Johannes Kepler könnte aber als Zeugnis dafür dienen, dass auch unter den ausserordentlich schwierigen Zeitumständen jener Zeit kulturelle Leistungen höchsten Ranges möglich waren. Dennoch: Das Abklingen und Nachlassen der Traumatisierungen hat womöglich erst hundert Jahre später wieder jenes gehaltvolle Seelenleben ermöglicht, aus dem allein künstlerisches Schaffen geboren wird, und aus dem auch Kepler heraus schuf und wirkte. Als erstes löste sich der traumatische Krampf bei den Deutschen wohl durch das Musizieren (Bach, Händel). Für die Kultur des Havellandes in jener Zeit bleibt festzuhalten (2, S. X):
Die von Schröer ursprünglich vorgesehenen Abschnitte über Wissenschaft, Kunst und Volkskunde (...) sind fortgefallen, da es schon Schröer nicht gelungen war, ergiebige zeitgenössische Quellen in nennenswertem Maße aufzuspüren.



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*) Erinnerung an einen dortigen Verwandtenbesuch um 1980 an einem heißen Sommertag: Es beeindruckte die wirklich massenhafte Zahl von Fliegen in der Küche, die dort niemanden zu stören schien, die also als normal angesehen wurde, und die, wenn man etwa ein Stück Kuchen zum Mund hob, erst verscheucht werden mussten, bevor man es essen konnte. Die Fliegen standen, so konnte vermutet werden, in Zusammenhang mit dem großen Misthaufen vor dem Fenster, in der Mitte des großen, typischen brandenburgischen Bauernhofes, der damals dort noch bestand.
**) Verfasser war der Feldprediger und Mitbegründer der Optischen Industrie-Anstalt in Rathenow, Samuel Christoph Wagener (1763-1845) (Wiki).
***) Fritz Schröer (1913-1940), der in Nauen zur Schule gegangen war, hatte an der Universität Berlin Geschichte und nahestehende Fächer studiert, gehörte zum Schülerkreis von Willy Hoppe (1884-1960) (Wiki) und hat von 1933 bis 1939 an diesem Buch gearbeitet, das seine Dissertation werden sollte. Bei Kriegsausbruch 1939 wurde er sofort eingezogen und fiel am 25. Mai 1940 an der luxemburgisch-französischen Grenze. Seine Mutter bewahrte das Manuskript auf, die es nach dem Krieg Willy Hoppe überließ, aus dessen Nachlaß es dann veröffentlicht wurde.
****) Ergänzt sei, daß 26 Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges ein neuer Krieg mit Schweden ausbrach, in dem das Westhavelland erneut Mittelpunkt des Geschehens werden sollte. Der damalige Landrat des Kreises lebte auf dem Rittergut in Böhne an der Havel (Wiki). Dort versammelte am Vorabend des berühmten brandenburgischen Überfalls auf Rathenow (Wiki)    am 15. Juni 1675 der Große Kurfürst seine militärischen Führer, um den geplanten Überfall zu beratschlagen. Das dortige ansehnliche Gutshaus des Landrats heißt seitdem "Schwedenhaus" (Wiki) und ist heute das einzige übrig gebliebene Gebäude, das im Zusammenhang mit den damaligen Ereignissen stand. Dieser ersten Niederlage der bis dahin als unbesiegbar geltenden Schweden folgte die zweite in der "Schlacht bei Fehrbellin" auf dem Fuße. Und mit diesen beiden Ereignissen begann der Aufstieg der nachmaligen Großmacht Brandenburg, bzw. Preußen. Das langsam verfallende "Schwedenhaus" sucht heute nach einem Käufer, der es restauriert und - nach Möglichkeit - der Öffentlichkeit eine Erinnerung an die damaligen Ereignisse erlaubt.

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  1. Bading, Ingo: Der 4. Mai 1945: Das Kriegsende in den Dörfern des Havelbogens Möthlitz, Kützkow und Bahnitz Eine regionale Studie zu den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges. Auf: Preußenblog, 7. August 2011, http://preussenlebt.blogspot.de/2011/08/der-4-mai-1945-das-kriegsende-in-den.html oder http://studgendeutsch.blogspot.de/2011/08/der-4-mai-1945-das-kriegsende-in-den.html
  2. Schröer, Fritz: Das Havelland im Dreißigjährigen Krieg. Ein Beitrag zur Geschichte der Mark Brandenburg, neu ergänzt und herausgegeben von Gerd Heinrich. Böhlau-Verlag, Köln, Graz 1966 (325 S.)
  3. O'Brien, Cathy: Die TranceFormation Amerikas. Die wahre Lebensgeschichte einer CIA-Sklavin unter Mind-Control. Mosquito-Verlag, Immenstadt 2008
  4. Schulze, Ernst (Milow): Geschichte des früheren Domänenamtes und des Fleckens Milow. In 4 Teilen. In: Altmärkische Heimatbilder. Beilage zum "Altmärker", Nr. 6-9, 1929 
  5. Warlich, Bernd: Colloredo-Waldsee, Rudolf Graf. 8. Oktober 2012 auf: http://www.30jaehrigerkrieg.de/colloredo-coloredo-coloreto-coleredo-colredo-kolloredo-waldsee-wallsee-rudolf-rodolfo-graf-i/
  6. Wagener, Samuel Christoph: Denkwürdigkeiten der Churmärkischen Stadt Rathenow. Nicht bloß für Rathenower, sondern für Geschichts- und Vaterlands-Freunde überhaupt bearbeitet. Buchhandlung des Commerzienraths Matzdorff, Berlin 1803
  7. Kienscherf, Dietrich: Dorfchronik von Schlagenthin. 1991 
  8. Krüger, Andreas: Chronologische Daten zur Entwicklung des Dorfes Bützer, Stand 20.07.2007, http://www.dorf-bützer.de/die-chronik-von-b%C3%BCtzer.html 
  9. Arndt, Gerda: 675 Jahre Radewege. Chronik eines Dorfes am Beetzsee 1335-2010. Radewege 2010
  10. Voelker, Judith: Gustav Adolf II. - Der Kampf um Magdeburg. Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands". MDR-Geschichte, 2014, https://www.youtube.com/watch?time_continue=135&v=yQkWqmFApqI
  11. Ranke, Leopold von: Zwölf Bücher preußischer Geschichte. 1878/79. Ausgabe: Emil Vollmer Verlag, Essen o. J. [zuerst als Neun Bücher preußischer Geschichte. 1847/48]
  12. Dreißigjähriger Krieg (Artikel). In: Pieper, H. A. (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes encyklopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe von mehr als 220 Gelehrten herausgegeben. 2. völlig umgearbeitete Auflage. Band 9. H. A. Pieper, Altenburg 1842 (GB), S. 72-99

  13. Riedl (Wusterwitz)/Horn, Ferdinand: Chronik der Stadt Plaue. 1871. Überarbeitet durch Albert  Deichgräber (und G. Lembke). 1942. Neu herausgegeben durch Kurt Michel. Als Manuskript, o.O., o.D. [etwa 2000]
  14. Heine, Walter: 625 Jahre Gemeinde Gollwitz. Gollwitz 2000
  15. Sack, Willy (Burg): Durchzug eines schwedischen Heeres durch das Jerichower Land im August 1648. In: QSG (Genthin): Chronik Jerichower Land. Als Manuskript, o.O.o.D. [nach 1997] 
  16. Triepke, Joachim: Rathenowgraphia. 1712
  17. Friedrich II., König von Preußen: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg. 1748

  18. Löns, Hermann: Der Wehrwolf. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. 1910
  19. Hohmann, Lew; Unger, Johannes: Die Brandenburger. Chronik eines Landes. be.bra verlag, Berlin 1999
  20. Gaubatz, Petra: Chronik der Gemeinde Möthlitz. Als Manuskript (Din-A-4). Möthlitz 1996 (zur Gemeinde Möthlitz gilt hier Bahnitz als zugehörig und ist gründlich und ausführlich mit behandelt)
  21. Gericke (Jerchel): Kulturhistorie. 5. Dorf Bahnitz. 10. Dorf Kützkow. Bebildert. Undatiert, als Manuskript 
  22. Milger, Peter: Gegen Land und Leute. Der Dreißigjährige Krieg. Vorgeschichte, Ursachen und Verlauf. C. Bertelsman, München 1998, http://www.milger.de/dkbilder.htm
  23. Bunsen, Dirk: Brandenburgs erster Vermesser. In: MOZ, 09.03.2011, http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/285487
  24. Scharfe, Wolfgang: Die Handzeichnung von Olof Hansson Svart. In: Die Schweden in der Mark. http://www.geog.fu-berlin.de/2bik/Kap2/index.shtml. In: Berlin-Brandenburg im Kartenbild. Ausstellung an der FU Berlin. http://www.geog.fu-berlin.de/2bik/index.shtml

Samstag, 30. September 2017

Bauern, Büdner, Häusler, Grenadiere und Kuhhirten

Ob eine Grenze uns heute trennt,
In die Heimat fahr ich so gerne
Vor 30 Jahren mußten wir fort
30 Jahre schon in der Ferne.

Johanna Bading 
Gedicht "Elb-Havel-Winkel"
(Auszug, 1983)

Meine Oma und ihre Vorfahren aus dem Dorf Zollchow im Havelland

Über das Leben meines Opas, eines Bauern in Bahnitz an der Havel (1906-1979), habe ich schon in zwei Blogbeiträgen berichtet (1, 2). In dem vorliegenden Blogbeitrag soll es um die Familie gehen, aus der meine Oma stammte. Es soll um ihre Vorfahren gehen. Und es soll noch einiges über ihr eigenes Leben berichtet werden (was künftig noch ergänzt werden kann). - - - Vielleicht ist es kennzeichnend für die Vorfahren meiner Oma, daß unter ihnen während des 18. und 19. Jahrhunderts mehrmals Nachkommen von Vollbauern in andere Berufsgruppen überwechselten. Sie wurden Schiffer, Halbbauern (Häusler), Soldaten, Kuhhirten, Arbeitsmänner, Schumacher, Leinweber und Schäfer oder heirateten Söhne oder Töchter von Vätern aus diesen Berufsgruppen.

Soweit übersehbar, hatten die Vorfahren meines Opas immer nur unter Vollbauern geheiratet. Daß mein Opa 1932 eine Kossatentochter heiratete, nämlich meine Oma, war in den Jahrhunderten davor nicht üblich gewesen.

Somit ist über die Vorfahren meiner Oma auch Einblick zu gewinnen in ländliche Berufsgruppen, die nicht Vollbauern waren. Ungefähr zur Hälfte war meine Oma Nachfahrin von Vollbauern (in den Kirchbüchern bezeichnet als "Ackermann"), zur anderen Hälfte Nachfahrin anderer Berufsgruppen. Und es mag durchaus typisch gewesen sein für das Bevölkerungswachstum des 18. und 19. Jahrhunderts in den ländlichen Gegenden des Landes Brandenburg und anderwärts, daß einzelne Söhne und Töchter in andere Berufsgruppen wechseln mußten. Im Havelland lag oft der Wechsel zum Beruf des Schiffers nahe. Auch mehrere Soldaten gibt es unter den Vorfahren meiner Oma, sowie die genannten anderen Berufe. Diesen Umstand zu verdeutlichen, wird einer der Schwerpunkte der folgenden Ausführungen sein.


Abb. 1: Ein Büdner- oder Kossatenhof in Zollchow, das Elternhaus meiner Oma - Links Onkel Ernst, ihr Halbbruder, 1984

Das Elternhaus meiner Oma Johanna Bading, geborene Bleis (1910-1985) stand in Zollchow am Dorfausgang Richtung Westen an der Südseite der heutigen Breiten Straße/Ecke Rosenstraße (vormals Karl-Marx-Straße, vormals Hauptstraße) (Abb. 1). Es handelte sich um ein Bünder-, bzw. Kossaten-, also Halbbauern-Haus. Zu ihm gehörten also nicht wie zu den Vollbauernhöfen über 40 Hektar Land, sondern nur 15 Hektar. Dennoch konnte auch davon eine Familie nicht nur leben, sondern sogar drei Kindern eine Berufsausbildung ermöglichen. Dennoch konnte auch ein solcher Hof auf dem Land Brandenburg eigene Pferde für das Wirtschaften unterhalten.

Nach Gründung der LPG 1953 wurde natürlich auf diesem Hof von dem Halbbruder meiner Oma, von Ernst Bleis (1906-1991) Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb betrieben. Er wohnte hier bis zu seinem Lebensende im Jahr 1991. Das Haus ist irgendwann nach 1991 abgerissen worden. Bei unseren alljährlichen Verwandtenbesuchen in der DDR vom Westen aus besuchten wir auch Onkel Ernst und seine Schwester Frieda Bergan, geborene Bleis (1909-1993), in Zollchow regelmäßig. Letztere - Tante Friedel - besuchte uns auch häufiger im Westen, aber Onkel Ernst kam nur einmal zur Beerdigung meines Opas. Tante Friedel lebte ihre Altersjahre in dem in DDR-Zeiten errichteten mehrstöckigen Neubau in der Rosenstraße also nur wenige Meter von ihrem Elternhaus und ihrem Bruder entfernt.

Verwandtenbesuche in Zollchow (1980er Jahre)


Tante Friedel und Onkel Ernst arbeiteten auf der LPG in Zollchow. In damals geschriebenen Familienbriefen wird deutlich wie stark Tante Friedel mit den Ernteerfolgen und -mißerfolgen der LPG mitfühlte. Onkel Ernst hielt sich Geflügel und einige Schweine im Nebenverdienst. Onkel Ernst hatte einen Sohn - Willy Bleis. Willy ging Ende der 1950er Jahre in den Westen und Onkel Ernst wollte seitdem nichts mehr mit seinem Sohn zu tun haben. Er brach völlig mit ihm. Daß der Sohn seinen Vater allein zurück ließ, konnte dieser nicht verwinden. Onkel Willy hatte nun aber auch im Westen selbst kaum Angehörige und hielt nicht zuletzt auch deshalb mit seiner Tante Hanna, meiner Oma, Verbindung, bzw. mit seinen Cousins und Cousinen.


Abb. 2: Die Hofseite eines Büdner- oder Kossatenhofes in Zollchow, dem Elternhaus meiner Oma, 1984

Onkel Willy lebte für viele Jahre mit seiner Frau in Südafrika. Und er lud Oma und Opa nach Südafrika ein. Oma nahm diese Einladung schließlich einmal an. Es existiert noch ein ganzes Fotoalbum mit Fotos von ihrer Reise nach Südafrika und von ihrer Fahrt durch den Krüger-Nationalpark (Abb. 13).


Abb. 3: Die drei Geschwister Bleis: Friedel, Hanna und Ernst in der Wohnküche ihres Elternhauses in Zollchow, etwa 1984

Bei einem der letzten Besuche bei Onkel Ernst zusammen mit meinem Vater werde ich so etwa 25 Jahre alt gewesen sein (um 1990). Damals fiel mir der große Gegensatz auf zwischen der Lebenseinstellung von Onkel Ernst und der meines Vaters. Onkel Ernst war als alter Mann wenn man so will ein "verhutzeltes Männchen" (siehe Abb. 1). Er litt unter einer Schußverletzung aus dem Zweiten Weltkrieg. Er hatte einen Schuß in die Ferse - und von der Ferse an aufwärts - erhalten, worüber er lebhaft erzählen konnte. (Es war dies eine anschauliche Lehre für die soldatische Vorschrift, nach der man, wenn man auf dem Boden in Deckung geht, die Füße flach auf den Boden legen soll. Onkel Ernst hatte das nicht getan.) Onkel Ernst kam mir wie ein sehr altersweiser, seelenvoller Mensch vor im Gegensatz zu der Seelenlosigkeit, Gefühl- und Empfindungslosigkeit meines Vaters, die er sich in Zeiten des westlichen Wirtschaftswunders und in der dortigen Gehetztheit und im dortigen Gerenne und Gehaste der Arbeitswelt angeeignet hatte.

Onkel Ernst wirkte sehr naturverbunden. Wohl fast jeden Tag fuhr er - wie er erzählte - mit dem Fahrrad auf das Feld und in den Wald, beobachtete die Tiere. Und es war anrührend, ihn davon erzählen zu hören. Man hatte das Gefühl: Er hatte viel Schmerz in seinem Leben erlebt, aber eine Altersweisheit gewonnen, wie man sie selten so wird wieder erleben können. Nach meinem Gefühl stand mein Vater seinem Onkel völlig verständnislos gegenüber. Der "Besserwessi" nach dem Buche.

Dabei war es so schön, wenn Onkel Ernst uns seinen Hof zeigte, seine Scheune, seinen Stall, seine Tiere. Alles so anrührend, altertümlich, schon vom Geruch her. Auch "kleinbäuerlich". Er lebte dort in einer ruhigen Welt für sich, sehr genügsam und sehr mit sich und der Welt im Einklang. Das sind meine Erinnerungen an Zollchow. Onkel Ernst hatte sein Elternhaus jener Familie als Erbe nach seinem Tod zugedacht, die sich um ihn in seinen Altersjahren kümmerte. Auch dafür zeigte mein Vater wenig Verständnis. Onkel Ernst hatte für dieses Unverständnis nur ein Schulterzucken.

Abb. 4: Frieda Bleis, geborene Eggert (1888-1970) - aufgenommen1964 in Berlin

Wenn es etwas zu lernen gibt von der Familie meiner Oma, dann das, daß man auch in weniger wohlhabenden Verhältnissen zu einem guten Menschen werden kann, vielleicht sogar zu einem besseren als unter günstigeren, äußeren Verhältnissen. Das schwere Lebensschicksal von Tante Friedel ist mir allerdings erst jetzt hier beim Niederschreiben bewußt geworden.

Flucht aus Hinterpommern (1945)


Die Mutter der drei Geschwister - Onkel Ernst, Tante Friedel und meine Oma - Frieda Bleis, geborene Eggert (1888-1970) (Abb. 4-6), starb 1970 in Zollchow. Zumindest äußerlich hatte sie meiner Oma viel vererbt: den schmalen Mund und auch einige Partien in ihrem Gesicht (Abb. 4). Alle beiden ihrer Schwiegersöhne und auch ihr Sohn Ernst waren im Zweiten Weltkrieg Soldat gewesen. Ihre Tochter Frieda - Tante Friedel - hatte schon vor dem Krieg einen Willi Bergan (1888-1945) geheiratet (Abb. 5). Dieser war tätig als Förster bei der Familie des Barons von Zitzewitz (Wiki) in Groß Krien bei Stolp in Hinterpommern. Stolp liegt 110 Kilometer westlich von Danzig und lag ab 1920 nur 50 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. In einem Einwohnerverzeichnis von Groß Krien ist auch der Name Bergann enthalten (Groß-Krien). Der letzte Baron Günther von Zitzewitz, wohnhaft auf seinem Gutshaus in Bornzin, ist schon 1927 gestorben. Er war vermutlich ein Sohn eines vormaligen Mitgliedes des Preußischen Herrenhauses (Wiki). Über diesen Günther von Zitzewitz heißt es (Wiki):
Seine beruflichen Neigungen galten in erster Linie dem Förstereiwesen. (...) Bei seinem Tod 1927 hinterließ er sieben minderjährige Kinder, und die Bornziner Güter wurden seither von seiner Witwe, Henriette von Zitzewitz, verwaltet. (...) Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Krien am 8. März 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Krien zusammen mit ganz Hinterpommern Teil Polens. Danach kamen Polen in das Dorf und übernahmen die Häuser und Gehöfte. (...) Die deutschen Dorfbewohner wurden vertrieben.
Tante Friedel und ihrem Ehemann wurden kaum zehn Jahre Ehe geschenkt, davon waren fünf Jahre Krieg. Auf einer Familienfotografie, entstanden auf dem elterlichen Hof in Zollchow während des Zweiten Weltkrieges, ist Willi Bergan in SS-Uniform zu sehen (Abb. 5). Im Gesicht meiner Tante Friedel, die ganz links steht, zeichnet sich tiefer Ernst ab. Wohl noch vor dem Zweiten Weltkrieg war ihr Sohn Hans Dieter Bergan geboren worden. Während des Krieges wurde ihre Tochter Christel geboren. 1945 mußte Tante Friedel mit ihren beiden Kindern aus Hinterpommern fliehen. Sie erzählte, daß ihr Ehemann sich noch 1945 freiwillig meldete, um der fliehenden Bevölkerung zu helfen. Dabei kam er ums Leben. Zu diesem Zeitpunkt war sie selbst erst 36 Jahre alt. Bis an ihr Lebensende 1993 lebte sie als Witwe in Zollchow.

Abb. 5: Frieda und Willi Bergan, Wilhelm und Frieda Bleis und Enkelsohn Hans Dieter während des Zweiten Weltkrieges

Blick zurück: 1809 - Sieben Zollchower Bleis-Kinder werden von einer Stiefmutter aufgezogen


Schon für die Eltern meiner Oma habe ich keinerlei eigenes erinnerndes "Gefühl", auch nicht aufgrund irgendeiner Erzählung meiner Oma. In meiner Gegenwart hat sie über ihre Kindheit und Familie in Zollchow eigentlich gar nichts erzählt, zumindest nichts, was mir in Erinnerung geblieben wäre. Sie nahm das wohl alles nicht so wichtig. Am ehesten wurde in unserer Familie noch über die Ereignisse des Jahres 1945 erzählt, als meine Oma mit ihren Kindern vor den Russen von Bahnitz aus zu ihren Eltern nach Zollchow flüchtete und sich alle dort im Wald versteckten (6). Von diesen Umbruchzeiten blieb das Leben von Oma und Opa bis an ihr Lebensende am ehesten bestimmt. Aber ich finde in den Unterlagen auch noch drei schriftliche Zeugnisse zu Erinnerungen an die Kindheit und Jugend in Zollchow. Ende 1958 hatte der Enkelsohn von Frieda Bleis (geborene Eggert) aus Zollchow sich aus dem Westen bei ihr nach seinen Vorfahren erkundigt. Sie antwortete ihm am 1. Dezember 1958 und beschwerte sich, daß ihr so wenig Familiennachrichten mitgeteilt wurden. So hatte eine ihrer Enkeltöchter nach den USA geheiratet und sie schrieb (unkorrigiert):
Ihr habt uns aber auch gar nichts mitgeteilt, nur E. schrieb das H. seit dem 28. Oktober verheiratet ist, sonst wissen wir aber auch garnichts weiter von Euch. (...) Da werde ich doch bald mal Urgroßmutter oder bin ich es schon und weiß es nicht, also bitte schreibt uns doch etwas mehr von Euch denn ich bin alle Tage vom Morgen bis Abend allein und denke sehr viel an Euch. Am 3.12. werden wir schlachten, es ist schon ein schönes Schwein, Pfeffer haben wir noch vom vorigen Jahr, etwas giebt es ja hier auch, da kaufen wir immer etwas zu. Sonst geht es hier bei uns immer noch ganz gut, alles geht hier in die L.P.G. arbeiten, es kommen immer mehr dazu. Willi hat auch keine Lust etwas anderes zu werden. (...) Schreibt bitte bald. Und seid recht herzlich gegrüßt von uns allen. Oder kommt ihr bald alle wieder? Eure Mutter.
1981 schrieb ich selbst für die Schule eine Hausarbeit über meine Vorfahren. Dies war der Anlaß, daß meine Oma an ihre ältere Schwester Tante Friedel in Zollchow eine briefliche Anfrage richtete. Tante Friedel antwortete am 3. Dezember 1981:
Ihr Lieben! Komme soeben von Ernst. Ernst hat auch keine Bilder mehr von früher, Hanna. Er weiß auch nichts mehr von unseren Ahnen. Ich wollte Ingo so gerne helfen, da weiß ich eigentlich noch mehr über Mutter. Die Bleis, Großvater Bleis (gemeint: Urgroßvater Bleis), stammte von dem Kröger Bleis Hof. Er mußte fort unter dem Druck der Stiefmutter, sein Vater starb auch, sie heiratete dann den Bruder. Großvater Bleis ging auch zur See. Später kam er zurück. Er wohnte erst in Möllenhofs Haus, dann kaufte er sich unser Grundstück.
Er heiratet sich eine aus Neudessau, wir sind doch manchmal als Kinder mitgefahren, dann ging es mit dem Kahn über die Stremme zu Wiesens, das war Vaters Cousine.
Großvater Bleis hatte zwei Kinder, Vati und Tante Ida. Beide Kinder waren noch klein als die Mutter starb. Großvater, den seh ich noch genau vor mir. Er war groß, hatte einen Vollbart, ging mit einem Stock, ich mochte ihn gern. Auf Dich paßte er immer auf, weil Du die Kleinste warst, Hanna. Mit Tante Idas Verwandtschaft haben wir keine Verbindung mehr. (...)
Nun zu Großvater (Ferdinand) Eggert. Er besaß einen Schleppkahn, fuhr auf der Elbe Frachtgut, bis Hamburg, er konnte viel erzählen, die Jugend drängte sich abends oft um ihn, wir waren noch zu klein aber manches habe ich doch mitgekriegt. Er lahmte etwas, das war von einer Prügelei. Er brachte uns öfter Südfrüchte, Feigen und Datteln mit, weißt Du noch, Hanna, wir waren vielleicht stolz, weil sowas die anderen Kinder nicht hatten. Großvater Eggert war auch sehr klug, Mutter erzählte uns, der Ziegelei-Besitzer Witte von Kitz holte ihn oft, wenn Fehler in der Buchhaltung unterlaufen waren, Großvater war ein Ass im Rechnen. Großmutter war eine geborene Parey von der Mühle in Bützer. Sie kauften sich als sie heirateten den Hof Neuland, hatten drei Mädchen, Minna, Frida, Anna. Später verkaufte Großvater seinen Kahn. Die Älteste, Tante Minna, bekam den Hof, lebte nicht lange. Die Großeltern zogen dann erst zur Grille, später zu uns. Großvater konnte doch so schön Schifferklavier spielen. Weißt Du noch, Hanna, einmal Ostern? Er stand in der Haustür, spielte uns zur Begrüßung auf - wir quer durch den Roggen bis zur Haustür. Und wo er die Ostereier im Wald versteckte? So schöne aus Schokolade und Zucker mit bunter Kante hatten wir damals noch nicht gesehen, dann gab es Kaffee und Kuchen, war das schön! Großvater Eggert ist auch 85 Jahre alt geworden. Großmutter starb früher, sie war mal von einer Fuhre Heu runter gefallen, hatte seitdem immer große Schmerzen im Kopf, wir kannten sie gar nicht anders. (...)
Mutter hatte in letzter Zeit viel aufgeschrieben, sie zeigte es mir, wo es lag, im Vertico oben. Hätte ich es man an mich genommen, Ernst hat nach ihrem Tode alles verbrannt. Er legte keinen Wert auf sowas.
Dieser Brief erklärt zunächst - sozusagen - das Schlüsselereignis in der Familiengeschichte der Kossaten-Familie Bleis in Zollchow, nämlich wie die Nachkommen einer der beiden Familien Bleis in Zollchow, die seit Jahrhunderten dort Vollbauern waren (3), zu landärmeren Kossaten, bzw. Büdnern und Häuslern wurden. (Immerhin - wie wir noch sehen werden, hatten selbst solche Höfe in Brandenburg noch Pferde.) Der Bericht von Tante Friedel, den sie auf ihren Großvater bezog, ist allerdings nur mit den Lebensdaten ihres Urgroßvaters in Einklang zu bringen. (Deshalb die Einfügung in Klammern.) (3) Bei ihrem Großvater handelt es sich um den 1832 geborenen Büdner, bzw. Häusler Christian (Friedrich Ludwig) Bleis (1832-1915), dessen jüngerer Bruder den Beruf des Schiffers ergriff (3). Tante Friedel schreibt:
(Ur-)Großvater Bleis, stammte von den Kröger Bleis Hof.
Abb. 6: Die Eltern meiner Oma mit Enkelkind während des Zweiten Weltkrieges

Er stammte also von einem der beiden Vollbauernhöfe in Zollchow, die den Familiennamen Bleis trugen*) (5). Christian Bleis und sein Bruder, der Schiffer, hatten keine Stiefmutter. Ihre Mutter Maria Dorothea Caroline, geborene Rahne (1800-1872) lebte sehr lange, ihr Vater Johann Christian Bleis (1801-1877) ebenfalls (3). Erst auf die Generation davor trifft die Geschichte, die Tante Friedel in Erinnerung hatte, zu: Hier hatte die Mutter zwar sieben Kinder, starb allerdings schon im Jahr 1809 mit 29 Jahren: Catharina Elisabeth geborene Röhle (1779-1809) (3). Der verwitwete Ackermann Johann Bleis (1779-1841) heiratete darauf hin nur ein halbes Jahr später eine 24-jährige Frau aus Milow (3). Wahrscheinlich handelt es sich um diese Stiefmutter, über die Tante Friedel schreibt:
Er mußte fort unter dem Druck der Stiefmutter, sein Vater starb auch, sie heiratete dann den Bruder.
Weitere Einzelheiten sind zunächst nicht bekannt.

Abb. 7: Onkel Ernst Bleis (mitte), der Halbbruder meiner Oma, als Soldat im Zweiten Weltkrieg


Blick zurück: Büdner, Häusler, Kuhhirten, Arbeitsmänner, Schumacher, Leinweber und Schäfer


Es könnte aber auch ohne die Stiefmutter-Geschichte verständlich sein, wenn bei sieben Kindern nicht unbedingt jedes der Kinder die Möglichkeit hatte, Vollbauer zu werden. Es war das schließlich eine sehr häufige Erscheinung, daß das älteste Kind den Hof erbte und die nachfolgenden Kinder sich nach anderen Verdienstmöglichkeiten umtun mußten und zum Beispiel Schiffer wurden, bzw. sich in Bauern-, oder Halbbauern-Güter einheiraten mußten oder solche Güter erwerben mußten. Johann Christian Bleis ging zunächst zum Militär, wurde Garde-Kürassier (3). Aber die Zeit der Kriege und des soldatischen Sterbens war damals gerade vorbei. 1826 heiratete er die schon genannte Zollchower Müllerstochter Maria Rahne, deren Großvater Müller in Buschow war und deren Großeltern mütterlicherseits Gastwirte und Schiffer in Milow waren (3). - Die Vorfahren dieses Johann Christian Bleis waren bis dahin - soweit übersehbar - alles Vollbauern gewesen, in den Kirchenbüchern als "Ackermann" bezeichnet. In der männlichen Linie Bleis waren sie als solche erst in Zollchow, davor in Melkow (Wiki) und davor in Vieritz ansässig (3), also immer nur ein oder zwei Nachbardörfer weiter. Der früheste bekannte Bleis aus dieser Linie, der Ackermann Hans Bleis, lebte während des Dreißigjährigen Krieges und kaufte 1661 ein Bauerngut in Melkow. Von dessen Sohn, dem Ackermann Martin Bleis (1633-1655) in Melkow, heißt es (3):
Kauft (in Melkow) einen wüsten Hof vom Amt Jerichow. War vorher Schäfer in Vieritz.
Soweit zu dieser Vorfahrenlinie. Wenn Tante Friedel von ihrem Großvater schreibt:
Er heiratet sich eine aus Neudessau,
ist der Bericht wieder mit anderweitigen Daten vereinbar für ihren Großvater Christian Bleis (3). Dieser heiratete 1871 die Büdner- und Schifferstochter Friedrike Wollbrügge (1841-1889) aus Neudessau bei Schlagenthin. Ihre Vorfahren waren über viele Generationen hinweg Büdner, Häusler, Kuhhirten, Arbeitsmänner, Schumacher, Leinweber und Schäfer (3). Einer ihrer Ururgroßväter aus Nitzahn (ein Valentin Mewes [1734-1786]) war "Kgl. Preußischer Grenadier im Lengefeldschen Regiment und beim von Saldern Regiment", beide in Magdeburg (3). Als solcher könnte er am Siebenjährigen Krieg (1756–1763) teilgenommen haben und diesen überlebt haben.**) Er starb 1786 in Jerchel, wo er eine Frau mit Familiennamen Busse geheiratet hatte (3). 1874 kam Omas Vater Wilhelm Friedrich Ludwig Bleis (1874-1947) zur Welt. In der Niederschrift "Die Bewohner von Zollchow" von Seiten des damaligen Pfarrers heißt es 1892 über die Bewohner der heutigen Rosenstraße (5):
Es folgt in der Hauptstraße an der Ecke Häusler Christian Bleis.
Die Angabe von Tante Friedel
wir sind doch manchmal als Kinder mitgefahren, dann ging es mit dem Kahn über die Stremme
ist sehr interessant. Wird doch hier deutlich, daß man - vermutlich während des Ersten Weltkrieges, nachdem die Pferde schon für die Kriegsführung abgeholt worden waren, und als es schwer war, mehrere Kinder auf dem Fahrrad zu transportieren - Verwandtenbesuche über die Wasserwege unternehmen konnte. Zollchow lag am Königsgraben, Neudessau an der Stremme, beide per Landstraßen 14 Kilometer voneinander entfernt. Der Königsgraben mündet bei Böhne in die Havel, die Stremme mündet bei Milow in die Havel. Somit wird man annehmen können, daß die Familie mit dem Kahn über den Königsgraben bis Böhne ruderte, dann die Havel aufwärts bis Milow, dann die Stremme aufwärts bei Neudessau. Es ist das gewiß noch heute eine landschaftlich schöne Fahrt. Und bei Menschen, die auf diese Weise Verwandtenbesuche unternehmen, ist es gewiß nicht wenig naheliegend, wenn sie sich für den Beruf des Schiffers entscheiden im Haupt- oder Nebenverdienst. Der Landweg zwischen beiden Orten ist noch heute von der Kilometerzahl her nicht wesentlich kürzer als der Wasserweg. Tante Friedel schreibt über das, was sie ja selbst nur aus Erzählungen wußte:
Beide Kinder waren noch klein als die Mutter starb.
Die Mutter starb 1889 mit 48 Jahren. Damals war Wilhelm Bleis 15 Jahre alt, seine Schwester wird jünger gewesen sein. 


Abb.: Etwa 1939 - Links Ferdinand Eggert (?), der Urgroßvater, rechts Gustav Bading, der Großvater des auf dem Schoß sitzenden Kindes Erika 

Wilhelm Bleis heiratete dann 1908 mit 34 Jahren in Zollchow die Schiffertochter Frieda Eggert aus dem Nachbardorf Bützer. Es gilt die Faustregel, daß wohlhabende Bauern früh heiraten konnten, wenig wohlhabende erst spät. Frieda Eggert brachte ein zweijähriges, uneheliches Kind mit in die Ehe, den späteren (oben schon behandelten) "Onkel Ernst". Von Frieda Bleis geborene Eggert, gibt es eine Fotografie aus dem Jahr 1914 (vermutlich angefertigt für den Ehemann und Vater Wilhelm Bleis an der Front) (Abb. 10). Von den Eltern Bleis gibt es auch noch zwei Fotografien als alte Menschen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges (Abb. 5 und 6). Auf den Fotografien sind beide körperlich nicht sehr groß, so wie auch der Sohn Ernst und meine Oma körperlich nicht sehr groß gewesen sind. Oma war vielmehr körperlich sehr grazil gebaut.

Der Havelschiffer Ferdinand Eggert aus Bützer (1851->1939) hatte außer seiner Tochter Frieda, die nach Zollchow heiratete, noch zwei weitere Töchter, darunter Anna Maria Minna Eggert (1890-....). Sie heiratete einen Bauern Schulze in Bützer und diese hatten fünf Kinder. Die älteste, Irma Schulze (1910->1998), konnte noch 1998 Auskunft über ihren Großvater Ferdinand Eggert geben (Besuch am 10.8.1998). Auch sie sagte, der Großvater wäre "ein kluger Mensch" gewesen. Sie berichtet, daß der Hof der Eggert an der Durchgangsstraße in Bützer in Ortsmitte auf der rechten Seite Richtung Milow gelegen hätte (gegenüber von Gasthaus Ganzer).

"Nachprüfung der Getreidebestände durch militärische Kommandos" (1918)


Der oben angeführte Brief von Tante Friedel aus dem Jahr 1981 regte auch meine Oma an, Erinnerungen aufzuschreiben. Hier sind sie:
Unsere Kindheit war schön! Ich habe gerade einen Brief meiner Schwester Friedel in der Hand, sie schreibt, weißt Du noch, mit einem kleinen Kahn mußten wir über die Stremme rudern und Verwandte besuchen. Wir kamen uns wie Könige vor. Und Großvater Eggert, er besaß einen Schleppkahn, schipperte damit auf Elbe und Havel Frachtgut. Bis Hamburg kam er. Er konnte so viel Geschichten von seinen Fahrten erzählen. Wenn er bei uns war, fand sich auch die Jugend ein. Es dauerte nicht lange und er nahm sein Schifferklavier. Und während die Eltern und Freunde sich vor dem Haus auf der Bank unter der Linde von der schweren Arbeit ausruhten, tanzten die Jungen unter der Friedenseiche all die alten Volkstänze "Mutter Wisch, ich nahm die Brille von meinen Augen, ick sehe di", "Dreimal Samtband um Rock" oder wie all die alten Volkstänze hießen, bis mein Vater "Schluß" sagte. Am nächsten Tag früh um fünf Uhr begann ja die Arbeit wieder. Es waren schöne Jahre ...
Und dann begann der Krieg ... Auch wir Kleinen spürten, daß es furchtbar war. Plötzlich hatten wir keine Pferde mehr. Ochsen wurden eingespannt. Der Vater schickte Karten aus Frankreich. Der Lehrer verlegte den Unterricht nach draußen, die ganze Klasse schnitt Brennessel oder schüttelte Maikäfer, ich glaube, es wurde zu Futter für die Pferde verarbeitet. Und bei Herrn von Katte fehlten die Arbeitskräfte, also verzogen wir Schulkinder die Rüben oder pflanzten Kiefern. Ja, wir Kinder kamen uns so wichtig vor.
Zuerst sangen wir noch: Siegreich wolln wir Frankreich schlagen. Unsere Kriegsgefangenen spuckten aus, wenn sie uns hörten. Meine Mutter, wenn wir früher den Vater fragten "Wo ist sie denn?", dann hat er lachend geantwortet: "Horcht wie sie pfeift oder singt." Aber dann hatte auch das aufgehört. Wenn wir aus der Schule kamen, war nur die Frage wichtig: "Hat der Vater geschrieben?" Für viele Familien hieß es: Gefallen für Volk und Vaterland. Das war der erste Weltkrieg.
Vater kam als letzter aus französischer Gefangenschaft zurück. Da hatte es schon Revolution gegeben. Unseren Soldaten und vor allen Dingen den Offizieren, die zurück kamen, hatte man ins Gesicht gespuckt und die Orden und Ehrenzeichen herunter gerissen.
Aber das Leben ging weiter. Wir in den Dörfern hungerten wenigstens nicht. Aber die Kontrolleure kamen: Wieviel Getreide haben Sie noch!? Mutter, sie hatte immer viel Temperament, antwortete: Gerade soviel, daß die Kinder, das Vieh und ich nicht verhungern. - Zeigen Sie uns den Dachboden. - Der große Dicke schob die beiden anderen zur Seite und stieg als erster hoch. Ich kletterte neugierig hinterher. Ich sah gerade noch, wie er den Deckel der großen alten Truhe ein klein wenig hob. Schnell ließ er ihn wieder fallen, schnappte mich und setzte mich und sich selbst auf die Truhe. "Gründlich kontrollieren," befahl er den beiden. Dann stieg er mit mir auf dem Arm als letzter wieder runter. Als sie dann weg waren, fragte ich Mutter völlig durcheinander: "Aber der Große hat ja den Weizen gesehen!?" "Dumme Pute," fauchte mich mein Bruder an. Doch Mutter sagte - und plötzlich konnte sie wieder lachen: "Später!!" Nun, später brauchte sie es mir nicht mehr erklären, das Leben nahm uns damals in eine harte Schule.
Diese Geschichte möchte man für kaum glaubhaft halten. Mußten man damals Getreide abliefern und wurde dafür kontrolliert? Aber an dem Hunger infolge der britischen Hungerblockade starben damals hunderttausende von Menschen in Deutschland (7). Da wird dann schon nachvollziehbar, was Historiker für das Jahr 1918 berichten (8, S. 281):
Die Kommunalverbände ergriffen alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel, um die Getreideversorgung zu stabilisieren und veranlaßten auf dem Lande "Nachprüfung der Getreidebestände durch militärische Kommandos". Im Mai 1918 konstatierte die Landesbehörde für Volksernährung in ihrem Monatsbericht an das Ministerium des Innern, daß diese Vorgehensweise zu Beschwerden der Landbevölkerung geführt habe, da "infolge des vielfach rücksichtslosen Vorgehens die Bevölkerung stark erregt" sei.
In einem Fall wurden bei drei Ackerbürgern fast zehn Zentner Hafer und acht Zenter Roggen konfisziert. Man erwartete aber von Amtsseite von solchen Konfiskationen langfristig mehr Nachteile als Vorteile infolge der großen Unzufriedenheit bei der Landbevölkerung. - - - Meine Oma berichtet weiter:
Dann waren die Streiks, Generalstreik. "Was ...," sagte mein Vater nur, er spannte ein, die Hilfskräfte konnten sich die Bauern doch gar nicht leisten. "Mach das Tor auf," sagte er nur zu Mutter. Als zwei Burschen, die man als Streikposten aufgestellt hatte - natürlich waren es Städter -, Vater hindern wollten, auf den Acker zu fahren, lachte Vater sie freundlich an. "Warum streikt ihr denn?" - "In den Städten hungern wir." - "Ja," sagte Vater, "mit Streiken allein wachsen auch bei uns Bauern weder Kartoffeln noch Korn. Also müssen wir wohl statt zu streiken die Kartoffeln in die Erde bringen, damit ihr wenigstens im Herbst zu essen habt. Hü," sagte Vater und mit roten Köpfen sprangen die beiden zur Seite.
Auch daß auf dem Land bei den Bauern gestreikt wurde, höre ich hier zum ersten mal. So richtig glauben kann ich es zunächst nicht. Ich glaube, ich habe früher meiner Oma zu wenig zugehört, wenn sie erzählt hat oder zu wenig gefragt.

Die Inflation und der Wandervogel (1920er Jahre)


Weiter berichtet sie:
Und dann bekamen wir auch noch die Inflation. Ich erinnere mich noch. Vormittags verkaufte Vater einen Wagen Korn und Mutter sauste auf einem alten Fahrrad nachmittags nach Rathenow. Zurück kam sie tatsächlich abends mit zwei schrecklichen, großkarierten Kleidern, meine Schwester hat noch ein Bild, wo wir diese scheußlichen Kleider tragen. Und ausgerechnet in diesen Tagen war Großmutter so krank geworden, daß Mutter beschloß, wir nehmen sie zu uns.
Es handelte sich um jene Eggert-Großmutter aus Bützer, die dauernd Kopfschmerzen hatte, weil sie einmal vom Heuwagen herunter gefallen war. Sie war ursprünglich eine Müllerstochter aus Kirchmöser gewesen (geborene Parey) (siehe unten). Oma berichtet weiter:
Also wurde das Grundstück, das direkt neben unserem Garten lag, verkauft. Und als der Käufer kam, um es zu bezahlen, hatte der geforderte Betrag fast seinen Wert verloren. Aber da hat sie die Fassung gründlich verloren. Noch nach Jahren grüßte sie diese Familie nicht. Und alle Menschen wußten, so geht es nicht weiter.
Aber zuerst - ich war wohl gerade 13 Jahre - bekamen wir einen neuen Lehrer. Er und seine Frau gehörten dem Wandervogel an. Welch eine schöne Zeit für uns. Wir lernten mit vollem Eifer und halfen zu Hause so viel wir konnten. Natürlich durchschauten uns die Eltern. Aber sie schmunzelten, wenn wir vorsichtig davon anfingen, daß der Lehrer übers Wochenende wandern wollte. Es gab ja schon Jugendherbergen und um ein gutes Beispiel zu nennen: Tangermünde. Dort kletterten wir die Stiegen in einem hohen Turm hoch und oben waren einfach Holzbänke und ein Tisch aufgestellt. Nebenan war der Schlafraum. Stroh aufgeschüttet und wir schliefen wie die Murmeltiere.
Vielleicht ist es auch diesem Geist des Wandervogels geschuldet, daß es von meiner Oma aus ihrer Jugendzeit eine Fotografie in Turnerkluft gibt (Abb. 8). Eine solche Fotografie gibt es aber auch von meinem Opa. Das Turnen scheint damals auf dem Land eine sehr populäre Freizeitbeschäftigung gewesen zu sein. Bei dieser fertigte man gerne auch einmal Fotografien an.

Abb. 8: Meine Oma links als junges Mädchen (etwa 1926)

Wilhelm Bleis, der Vater meiner Oma, war also Kossathe in Zollchow und besaß als solcher etwa 15 Hektar Land. Er wurde in Zollchow geboren und starb dort auch 1947. Über seine Vorfahren wurde schon - anhand des Briefes von Tante Friedel - berichtet.

Die Vorfahren meiner Uroma Frieda Eggert aus Bützer


Nun soll noch etwas über die Vorfahren der Mutter meiner Oma gesagt werden, also von Frieda Bleis, geborene Eggert (1888-1970), Schifferstochter aus Bützer. Von ihr sind mehrere Fotografien erhalten geblieben (Abb. 4-6, 10). Ihre Mutter - die mit den Kopfschmerzen - Marie Luise, geborene Parey (1856-1936) stammte aus der Müllerfamilie Parey in Kirchmöser. Deren Vorfahren waren über mehrere Generationen hinweg wieder alle Vollbauern (in den Kirchenbüchern als "Ackermann" verzeichnet) (3). Sie wurde - wie gerade von meiner Oma berichtet - während der Inflation krank. 13 Jahre später starb sie 1936 in Zollchow im 79. Lebensjahr.

Sie hatte den Schiffer Ferdinand (Karl Adolf) Eggert (1851->1939) aus Bützer geheiratet. Dessen Vater Ferdinand Eggert (1826-1905) war wiederum ein Büdner und Schiffer in Bützer, der ursprünglich aus Schmetzdorf stammte, einem Dorf vier Kilometer nördlich von Zollchow (3). Und dieser war wiederum mit einer Vollbauerntochter (Familienname Blücher) aus Klein-Mangelsdorf verheiratet, zwölf Kilometer westlich von Zollchow. Ihr Vater und Großvater waren Ackermänner in Klein-Mangelsdorf (3). Der Großvater des Großvaters Eggert meiner Oma war der Kossate Johann Martin Eggert (1868-1858), der 1858 "als Ortsamer" in Schmetzdorf starb, wo er auch geboren worden war. Sein Sohn war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt und war offenbar nicht in der Lage oder willens, sich um seinen Vater zu kümmern. Der Ferdinand Eggert (1826-1905) und seine Frau stammten beide nicht von Vollbauern ab, sondern wiederum von einem Kossathen (Eggert in Schmetzdorf), bzw. einem "Musquetier" (Güldenpfennig in Premnitz), sowie in der Großeltern-Generation von einem Tagelöhner (Eggert aus Groß Wudicke, gestorben 1742) und einem Schneidermeister (Güldenpfennig in Premnitz, gestorben vor 1788).

Abb. 9: Meine Oma als Haushaltsgehilfin eines Landwirtschafts-Rats in Rathenow - Ostsee um 1929

Sowohl auf Seiten der Mutter wie des Vaters meiner Oma gab es also einerseits in langer Generationenreihe Vollbauern (Familiennamen u.a. Bleis, Blücher, Parey) als auch in langer Generationreihe Angehörige anderer ländlicher Berufe (Familiennamen u.a. Wollbrügge, Rahne, Eggert). Die Vorfahren ihres Vaters waren zu drei Vierteln keine Vollbauern, die ihrer Mutter zu einem Viertel. Meine Oma war also etwa zur Hälfte Nachfahrin von Vollbauern, zur anderen Hälfte Nachfahrin anderer Berufsgruppen. Dem Verständnis nach fühlten sich meine Oma und ihre Eltern - soweit ich das übersehen kann - immer einfach nur als Bauern.

Nach ihrem Schulbesuch machte meine Oma eine Ausbildung als Hauswirtschaftlerin. Es gibt noch eine Fotografie, auf der sie gemeinsam mit der Familie eines Landwirtschaftsrats aus Rathenow um 1929 herum Urlaub - vermutlich - an der Ostsee macht (Abb. 9).


Abb. 10: Frieda Bleis und die Kinder Ernst, Frieda und Johanna (meine Oma), etwa 1914

Heirat nach Bahnitz (1932)


1932 heiratete meine Oma nach Bahnitz an der Havel auf den Hof Nummer 5 (1). Während ihr elterlicher Hof 15 Hektar Land hatte, hatte der Hof ihres Ehemannes 44 Hektar. Aber die bäuerliche Tätigkeit an sich war ja auf beiden Höfen dieselbe. In Bahnitz hatte meine Oma zudem aber mit einer resoluten Schwiegermutter auf dem Hof zu tun und mit Knechten und Mägden, denen gegenüber sie sich Autorität verschaffen mußte. Über das Leben meiner Oma erfuhr man schon viel nebenher in den Beiträgen über meinen Opa (1, 2). Meine Oma hat das Leben meines Opas voll geteilt. Als er 1935 den damals sicherlich noch sehr ungewöhnlichen Schritt vollzog und aus der Kirche austrat, als er Ludendorff-Anhänger wurde, tat sie das auch. Die Initiative dazu ging aber sicher von meinem Opa aus (1). Eine Tochter schreibt über sie:
Meine Mutti was eine ganz besonders tüchtige Frau. Sie hat so viel geschafft. Und sie hat im Krieg den Hof alleine geschmissen (mit Hilfe von uns Kindern). Sie war sehr gut zu den russischen Soldaten, die als Kriegsgefangene für die Bauern arbeiten mußten. Sie haben unter dem Kinderzimmer am Abend oft für uns russiche Volkslieder gesungen. Tante Hildegard hat viel davon gesprochen.
Im Krieg kamen auf den Hof ein serbischer Kriegsgefangener, zwei russische Kriegsgefangene und eine russische Dienstverpflichtete. Der Serbe soll noch Wochen lang nach dem Einmarsch der Russen auf dem Hof geblieben sein und der Familie geholfen haben. Er ist den Kindern in menschlich hervorragender Weise in Erinnerung, er wäre sehr gutmütig gewesen. Aber zu einem Drama kam es, als die Russin im Winter 1944 von dem Serben schwanger wurde. Sie lief von Genthin mit dem Kind zu Fuß bis nach Bahnitz, wobei das Kind starb. Darüber soll der kinderliebe Serbe todunglücklich gewesen sein.

Abb. 11: Meine Oma Johanna Bading, Bäurin in Bahnitz - im Hintergrund der neu angelegte Obstgarten mit Hausgänsen, 1930er Jahre
Anfang Mai 1945, als sich die Rote Armee dem Dorf annäherte, versuchten viele Bahnitzer noch nach Westen über die Elbe zu flüchten. So auch meine Oma mit ihren vier Kindern, die damals 11 bis vier Jahre alt waren - und vermutlich zusammen mit den Kriegsgefangenen. Sie fuhren mit dem Pferdefuhrwerk Richtung Elbe. Aber schon auf der Fahrt dorthin erfuhren die Flüchtenden, daß die Amerikaner keine Flüchtlinge mehr über die Elbe lassen würden. Deshalb quartierte sich meine Oma in ihrem Elternhaus in Zollchow ein.

Nach den Erinnerungen der Familie ist sie am 4. Mai in der Frühe noch einmal allein mit dem Pferdefuhrwerk nach Bahnitz zurückgefahren, um nach den Tieren auf dem Hof zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt lag das Dorf schon unter Granatbeschuß. Eine Granate traf den 45-jährigen Paul Fahrholz tödlich direkt vor der Haustür seines Hauses am Havelufer. Eine andere Granate traf das Dach des Wohnhauses der Familie Bading und schlug bis in die Küche hindurch. Auch die Scheune auf diesem Hof hatte einen Treffer erhalten. Die Kirche erhielt mehrere Treffer. Eine Granate schlug nahe der Friedenseiche (an der Kirche) ein und verwundete mit einem Splitter den Bauern Adolf Sengespeick am Bein. Nachdem die deutschen Militäreinheiten von dem Übergang der Russen an der Fährstelle Tieckow erfahren hatten, werden sie Abzugsbefehle erhalten haben oder sich auch schon ohne dieselben abgesetzt haben. Sie forderten meine Oma auf, den in ihrer Hofgarage stehenden PKW herauszugeben. Sie weigerte sich zunächst, setzte dann aber durch, daß der soeben durch einen Granatsplitter im Bein verwundete Adolf Sengespeick zumindest noch bis nach Milow in das Lazarett mitgenommen wurde. Dann verließ auch sie selbst wieder das kurz vor der Einnahme durch die Sowjets stehende Dorf. Sie erzählte immer, wie sie mit dem Pferdefuhrwerk gefahren sei - wahrscheinlich auf dem Weg von Bahnitz nach Jerchel (oder über Möthlitz und Nitzahn nach Jerchel?): Von der westlichen Seite hätten deutsche Geschütze über sie hinweg geschossen, von der östlichen Seite die russischen.

Mit anderen Familien grub sich die Familie Bading in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai im Wald zwischen Zollchow und Sydow ein. Ihr 11-jährige r Sohn bekam dabei von deutschen Soldaten, die ihren Panzerspähwagen abrüsteten, Scherenfernrohre, die er im Wald vergrub.

Im Wald von Zollchow ging am Morgen des 6. Mai russische Infanterie vor und schickte die Zivilbevölkerung zurück. Meine Oma fuhr unter Granatfeuer zurück ins Dorf Zollchow und sofort weiter mit dem Pferdewagen nach Bahnitz. Zwischen den Dörfern Zollchow und Vieritz lagen links im Wald Stalinorgeln (Salvengeschütze) und schossen über die Familie hinweg zur Elbe. Kurz vor Bahnitz lag ein toter deutscher Soldat neben der Straße. Im Hof in Bahnitz war der Hofhund von den russischen Soldaten erschossen worden und alles Vieh war auf die Havelwiesen hinausgetrieben worden. Dies war auf allen Höfen geschehen. Nun gab es die russische Besatzungszeit.

Abb. 12: Johanna Bading mit ihren vier Kindern in Bahnitz, 1944

Eine von Oma erzählte Erinnerung war, wie die russischen Soldaten versuchten, auf der Toilette mit Wasserspülung Kartoffeln zu waschen. Als sie an der Spülung zogen, waren die Kartoffeln weg und der betreffende Russe guckte ganz verdutzt. Oma mußte noch im späteren Lebensalter lauthals lachen, wenn sie davon erzählte. Es war wohl eines der seltenen Ereignisse, bei denen sie in dieser Zeit lachen konnte. Ob sie aus dieser Zeit ein leichtes Zittern an der Unterlippe zurück behalten hatte, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich mir das oft gedacht.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als die Familie nichts über das Schicksal meines Opas wußte, der sich aber in französischer Kriegsgefangenschaft befand, schickte meine Oma ihren ältesten Sohn noch in den Konfirmandenunterricht und ließ ihn konfirmieren. Dort mußte er sich vom Pfarrer sagen lassen, daß solche Leute wie sein Vater schuld daran wären, daß Deutschland den Krieg verloren habe. Meine Oma verlangte von ihren Kindern auch, daß sie zu Hause nur Hochdeutsch und nicht "Platt" sprachen. Sie legte viel Wert auf Korrektheit. Sie war die Genaue, während mein Opa der Großzügige war, der gerne auch einmal fünfe grade sein lassen konnten. Im Grunde waren sie vom Menschentyp her sehr unterschiedlich.

Kennzeichnend finde ich, daß mein Opa ihr schon gleich nach dem Krieg aus der Kriegsgefangenschaft im Elsaß schrieb, sie möchte doch mit der Familie zu ihm ins Elsaß kommen, sie könnten sich dort eine neue Existenz aufbauen. Mein Opa sah sehr früh, daß es ein dauerhaftes Bleiben unter der Herrschaft des Kommunismus für ihn nicht geben könne und würde. Meine Oma war viel konservativer, hing viel zäher an ihrer Heimat, für sie war das zu diesem Zeitpunkt noch sehr wenig vorstellbar.

Altersjahre in Westdeutschland (1953 bis 1985)


Oma und Opa verbrachten ihre Altersjahre im alten Pfarrhaus in Wernswig bei Homberg/Efze, wo sie im Erdgeschoß eine schöne geräumige Wohnung hatten. Im ersten Stock wuchs ich selbst in der Familie auf, darüber lebte die Großmutter, die Mutter meiner Mutter. Oma konnte von ihrer Küche aus auf die Gartenterrasse blicken, dahinter lag ein Fischteich umstanden mit alten Bäumen. Sie liebte es, die Vögel zu beobachten.

Abb. 13: Meine Oma Anfang der 1970er Jahre in Südafrika bei ihrem Neffen Willy Bleis

Ansonsten hatte sie immer viel Kindergeschrei und Familienleben um sich. In der Scheune hielt sie Hühner, im großen Garten baute sie Kartoffeln an. Alle paar Jahre kam ihre Tochter aus Amerika mit ihren Kindern zu Besuch.

Mit meiner Oma sah ich nach Opas Tod (1979) zusammen manchen wertvolleren Film im Fernsehen. Ich erinnere mich an die Verfilmung des Fontane-Romans "Vor der Sturm", den wir gemeinsam sahen. Meine Oma las gerne Fontanes "Wanderungen in der Mark Brandenburg", natürlich insbesondere Kapitel über Gegenden, die sie selbst kannte. Sie las "Kartoffeln mit Stippe" von Ilse von Bredow und "Sprechen wir über Preußen - Die Geschichte der armen Leute" von Joachim Fernau. Sie schenkte mir einmal das Buch "Meines Vaters Pferde" von Clemens Laars. Das war so die gedankliche Welt, in der sich meine Oma gerne bewegte. Auch in ihren Altersjahren fühlte sie sich ihrer Heimat und der Welt, in der man "Kartoffeln mit Stippe" aß, sehr verbunden. Nachdem mein Opa gestorben war, wurde sie sogar ein wenig geistig selbständiger und unabhängiger in ihrem Denken und Handeln und begann in diesem Sinne auch mehrere schöne Gedichte zu schreiben.

Mit ihr zusammen sah ich mir auch einmal eine Fernsehaufzeichnung an der Wagner-Oper "Der Ring des Nibelungen" in Bayreuth. Dabei las ich den Text mit.


Abb. 14: An der Atlantikküste, USA, 1978

Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie ich bei Oma und Opa in Espelkamp wohl zum ersten mal allein zu Besuch bin und wie morgens zum Aufwachen die Kirchenglocken läuteten. In ihrer Wohnung fühlte man sich so wohl. Es war so still, die Uhr tickte ... Ein solches Wohlfühl-Wohnen, das zugleich von einer gewissen Herzenswärme getragen ist, kennt man heute wohl gar nicht mehr. Wohnungseinrichtung und die Gemütsstimmung der Menschen gehörten zueinander. Meine Oma hatte einen stoffbezogenen Lehnstuhl, den sie nach hinten kippen konnte. Sie legte sich eine Decke über die Beine und machte so Mittagsschlaf. Oma und Opa stammten aus einer Gesellschaft, in der viel geplaudert und gelacht wurde in Wohnungen, in der man bei Mittagessen, Kaffee und Kuchen Familien- und Nachbarschaftsgespräche führte, in der Gäste gerne willkommen geheißen wurden.

Abb. 15: Auf dem Muttertag in den USA bei ihrer Tochter Hildegard

Zwei ihrer Töchter waren früh und nach Washington D.C. ausgewandert und hatten dort Familien gegründet. Oma flog mehrmals hinüber und es haben sich schöne Fotografien von diesen Besuchen erhalten. Sie wurde dort von ihren Töchtern und Enkelkindern sehr herzlich und überschwenglich begrüßt.

Abb. 16. Auf Muttertag in den USA bei ihren Töchtern

Auf den Fotos sieht man richtig wie sie dort aufblühte, wie sie stolz war auf ihre Töchter und Enkelkinder. Für den 2. April 1985 hatte Oma noch Anfang Dezember einen Flug von Frankfurt am Main nach Baltimore gebucht, ein naheliegender Flughaften zu Washinton D.C., wo ihre Töchter lebten. Der Flug mußte storniert werden, nachdem sie Anfang Februar 1985 sehr überraschend wegen Nierenbeschwerden (?) ins Krankenhaus mußte. Dort ging es ihr bald schlechter aufgrund des Versagens mehrere Organe. Sie verstarb am 6. Februar 1985.

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*) Es muß übrigens nicht sein, daß der Pfarrer 1892 bei seiner Aufstellung (5) einzelne Personen der Familie Bleis, die er in den Kirchenbüchern vorfand, immer dem jeweils richtigen der beiden Höfe den richtigen Personennamen zugeordnet hat.
**) Er starb aber schon mit 51 Jahren. Bei dem genannten Regiment handelt es sich sicherlich um das "Altpreußische Infanterieregiment No. 5 (1806)" (Wiki), dessen Garnison im 18. Jahrhundert in Magdeburg lag. Als der Siebenjährige Krieg (1756-1763) 1756 ausbrach, war Valentin Mewes 22 Jahre alt. In der Zeit des Siebenjährigen Krieges stand das genannte Regiment unter dem Befehl von Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (1721-1792) (Wiki). Dieser machte sich im Krieg sehr verdient. (Außerdem war dieser auch ein bekannter Freimaurer.) Erst nach dem Siebenjährigen Krieg stand das Regiment unter dem Befehl der beiden anderen genanntenRegimentskommandeure. Aber es sollte doch eigentlich unwahrscheinlich sein, daß der Nitzahner Valentin Mewes erst mit 29 Jahren Grenadier geworden ist? Das Regiment stand von 1766 bis 1785 unter Befehl von Friedrich Christoph von Saldern (1719-1785) (Wiki), ebenso ein im Krieg sehr verdienter General Friedrichs des Großen. 1785 bis 1789 stand es unter Befehl von Christian August von Lengefeld (1728-1789) (Wiki), ebenfalls von Friedrich dem Großen sehr geschätzt. Wenn Lengefeld genannt wird, macht es den Anschein, als ob Valentin Mewes bis an sein Lebensende mit 51 Jahren Grenadier war. - - - Die Eltern und Großeltern von Valtentin Mewes waren übrigens alle Vollbauern aus Nitzahn. Die Eltern waren Ackermann Joachim Mewes und Sophia Zander, seine Großeltern waren der Ackermann Hans Mewes und dessen Frau Anna Jerichow, sowie der Ackermann Johann Zander und dessen Ehefrau Maria Mewes. Das erstere Großelternpaar heiratete 1696 und hatte sieben Kinder, das zweite Großelternpaar heiratete 1679 und hatte 14 Kinder.
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  1. Bading, Ingo: Mein Opa - ein gewöhnlicher Ludendorff-Anhänger als Beispiel - Wie mein Opa Ludendorff-Anhänger wurde  - Oder: Beim Blättern in alten Familienalben. Studiengruppe Naturalismus, 1. September 2012, http://studiengruppe.blogspot.de/2012/09/mein-opa-ein-gewohnlicher-ludendorff.html
  2. Bading, Ingo: Mein Opa - ein gewöhnlicher Ludendorff-Anhänger als Beispiel (Teil 2) Das Deutschland der 1950er Jahre aus der Sicht eines westfälischen Ziegeleiarbeiters und Nachtwächters (1958 bis 1961). Studiengruppe Naturalismus, 8. August 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/08/mein-opa-ein-gewohnlicher-ludendorff.html 
  3. Vorfahren der Familien Bading und Bleis im Havelland und Elb-Havelwinkel. Als Manuskript, Bahnitz 2003 (nach Familienforscher Bernhard Bleis [gebürtig aus Schönhausen an der Elbe], 21682 Stade, Niederelbe, Triftgang 24, (04141) 85377)
  4. zu Bernhard Bleis siehe auch: Schleusner-Reinfeld, Anke:  Opfer des Zweiten Weltkrieges - Gedenkbücher enthalten Erinnerungen an Schönhausener. In: Volksstimme (Magdeburg), 20.11.2012, https://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/havelberg/969288_Gedenkbuecher-enthalten-Erinnerungen-an-Schoenhauser-die-ihr-Leben-verloren.html 
  5. Nachtigall, Pfarrer: Die Bewohner von Zollchow (1892). Anhang zu: ders.: Pfarrbuch der Parochie Sydow. Zollchow 1890
  6. Bading, Ingo: Der 4. Mai 1945: Das Kriegsende in den Dörfern des Havelbogens Möthlitz, Kützkow und Bahnitz - Eine regionale Studie zu den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges. Studium generale, 7. August 2011, http://studgendeutsch.blogspot.de/2011/08/der-4-mai-1945-das-kriegsende-in-den.html
  7. Asmuss, Burkhard: Die Lebensmittelversorgung im Ersten Weltkrieg. Deutsches Historisches Museum, 8.6.2011, https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/alltagsleben/lebensmittelversorgung.html
  8. Strahl, Antje: Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin im Ersten Weltkrieg. Von der Friedens- zur Kriegswirtschaft. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2015 (GB)