Samstag, 17. März 2018

Die Familie Friedrich von Berg in Ostpreußen

Eine Familiengeschichte zwischen Kaiser Wilhelm II., Hindenburg, Ludendorff und Hitler
- Ein neu bekannt gewordener Brief Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 wirft Fragen auf

"Gebot über allen Geboten:
Deutschland, wahre die Ehre!"

(Exzellenz Friedrich von Berg, 
vormaliger Oberpräsident Ostpreußens, 
im Jahr 1923)

Der Name Friedrich von Berg (1866-1939) (WikiBundesarchiv) (1, 2) sagt heute nur noch Fachleuten etwas. Fachleuten für die Geschichte Ostpreußens oder Fachleuten für die Geschichte des Ersten Weltkrieges. Auch dem Autor dieser Zeilen war dieser Name bis vor wenigen Tagen nicht bekannt. Dabei hatte Friedrich von Berg in Ostpreußen und darüber hinaus zu seinen Lebzeiten einen durchaus bekannten Namen. In Ostpreußen galt er nur als "Exzellenz von Berg". Er war Oberpräsident Ostpreußens während des Ersten Weltkrieges und er war persönlicher politischer Berater Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) (Wiki) in den entscheidenden Kriegsjahren 1917 und 1918. Dabei unterstützte er entschieden die Politik Hindenburgs und Ludendorffs. Auch bis 1933 blieb er ein entschiedener Unterstützer sowohl Hindenburgs wie der Hohenzollern. Deshalb wurde sein Gut Markienen bei Bartenstein in Ostpreußen zu seinen Lebzeiten immer wieder zum Anlaufpunkt für viele Menschen (Ostpreußen):
In der Kaiserzeit und während der Weimarer Republik war Markienen wegen des hochangesehenen Besitzers Friedrich von Berg Besuchsziel vieler Prominenter. Das Kronprinzenpaar war öfter hier, auch Reichspräsident v. Hindenburg und die Generale v. Mackensen, v. Seekt und v. Fritsch.
Eine Beschäftigung mit dem Leben dieses Friedrich von Berg ergänzt das Bild von der Geschichte Deutschlands und Ostpreußens zwischen 1914 und 1933 um nicht unwichtige Aspekte. Sie hilft, zum Teil sehr wesentliche geschichtliche Vorgänge und Entwicklungen dieser Jahre besser zu verstehen.

Abb. 1: Exzellenz Friedrich von Berg (1866-1939), Oberpräsident Ostpreußens,
enger Mitarbeiter des Kaisers, sowie der Söhne und Enkel des Kaisers

Soeben wird ein handgeschriebenes Beleidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 bekannt (siehe unten), womöglich oder offenbar geschrieben aus Anlaß des Todes eines Bruders von Friedrich von Berg. Dieses Schreiben wirft für den Geschichtsinteressierten viele neue Fragen auf. Fragen hinsichtlich der Geschichte der Familie von Berg auf Gut Markienen bei Bartenstein, sowie Fragen, in welche Art von Berührung Friedrich von Berg - und damit offenbar auch der ihm nahestehende deutsche Kronprinz Wilhelm (1882-1951) (Wiki) und dessen Sohn Wilhelm (1906-1940) (Wiki) - der völkischen Bewegung ihrer Zeit in Ostpreußen und in Königsberg gekommen sind, und weshalb deshalb in diesem Umfeld spätestens 1931 der Freimaurerkampf, für den Erich Ludendorff seit 1927 bekannt geworden ist, sehr positive Erwähung finden konnte von Seiten des Enkels und hoffnungsreichen Thronfolgers von Kaiser Wilhelm II., ein Umstand, auf den auch schon in einem früheren Beitrag hier auf dem Blog hingewiesen worden ist (3).

August 1914 - Friedrich von Berg erlebt den Russen-Einfall in Ostpreußen


Es sei aber zunächst mit dem Jahr 1914 begonnen. Das Schicksal Deutschlands während des Ersten Weltkrieges hat die Menschen tief aufgewühlt. In keiner anderen deutschen Provinz waren so viele leidvolle Erfahrungen gesammelt worden wie in Ostpreußen. Sowohl während des Krieges wie auch in der Zeit der Abstimmungskämpfe danach, sowie in der Zeit des Lebens mit dem sogenannten "Korridor", als Ostpreußen vom übrigen Reich durch polnisch gewordenes Staatsgebiet abgetrennt worden war, ein Umstand, der auch niemals von dem Ministerpräsidenten Preußens, dem Sozialdemokraten Otto Braun, anerkannt worden ist.

Zu diesen Schicksalen gehört, daß beispielsweise auch das Gutshaus des Landeshauptmanns von Ostpreußen, des eingangs genannten Friedrich von Berg, 1914 von den Russen geplündert worden ist (Ostpreußen). Friedrich von Berg selbst wurde in diesem Jahr zum "Staatskommissar für das Flüchtlingswesen" ernannt. Einen solchen gab es also schon im Jahr 1914 (1). Welch ein Aufatmen ging zunächst durch Ostpreußen, als Ende August 1914 die Schlacht von Tannenberg geschlagen war. Sicherlich spätestens seit dieser Schlacht war der Landeshauptmann von Ostpreußen, Friedrich von Berg, zu einem bedingungslosen Anhänger des Feldherrn-Gespanns Hindenburg und Ludendorff geworden so wie er zuvor schon als ein entschiedener, das heißt "streng konservativer" Vertreter des monarchischen Gedankens galt.

Abb. 2: Das Gutshaus Markienen bei Bartenstein in Ostpreußen (vor 1945)
Hier weilten das Kronprinzenpaar, Hindenburg, sowie die Generäle Mackensen, Seeckt und Fritsch oft zu Besuch


Friedrich von Berg war fast gleichen Jahrgangs wie Erich Ludendorff. Er war ein Studienfreund und Korpsbruder des deutschen Kaisers Wilhelms II.. 1903 war Friedrich von Berg Landrat des Kreises Goldap in Ostpreußen geworden und war als solcher wieder häufiger in persönliche Berührung mit dem Kaiser und dessen Familie gekommen, nämlich immer dann, wenn diese in Rominten zur Elchjagd weilten. 1906 war Friedrich von Berg in das Zivilkabinett des Kaisers gekommen, 1909 war er dann Landeshauptmann von Ostpreußen geworden, also Chef der Provinzialverwaltung von Ostpreußen.

Als dieser Landeshauptmann erlebte er dann 1914 die Invasion Ostpreußens durch die Russen. Seit der Befreiung Ostpreußens durch die Schlacht von Tannenberg unterhielt Friedrich von Berg ein enges Vertrauensverhältnis zu Hindenburg und Ludendorff (4, S. 270).

Juni 1917/Januar 1918 - Friedrich von Berg wirkt mit am Sturz Bethmann-Hollwegs und Valentini's


Im Jahr 1917 war der deutschen Reichskanzler von Bethmann-Hollweg von immer mehr Menschen als untragbar für die deutsche Politik erachtet worden, insbesondere auch von Hindenburg und Ludendorff. Sie wußten von der Einstellung Friedrichs von Berg in diesen Fragen und luden ihn deshalb im Juni 1917 ins Hauptquartier nach Bad Kreuznach (4, S. 270):
Am 24. Juni versuchte er den Kaiser fast anderthalb geschlagene Stunden lang auf der Terrasse des Schloßhofs zu Bad Homburg, wo der Kaiser residierte, von der Notwendigkeit eines Kanzlerwechsels zu überzeugen. Bis dahin hatte noch kein Kanzlergegner ein derartig offenes Gespräch mit Wilhelm II. in der Causa Bethmann Hollweg führen können.
Friedrich von Berg führte aus, daß Bethmann-Hollwegs Abgang von allen Patrioten gefordert würde (5, S. 322). Hindenburg berichtete brieflich an seine Frau, was Friedrich von Berg ausgeführt hatte (zit. n. 2, S. 271):
Nicht die Konservativen allein wären gegen den Kanzler, sondern der größte Teil der Mitglieder aller Parteien, denen seine Schwäche und Unfähigkeit Sorgen für die Zukunft bereitet.
Ludendorff hat spätestens seit 1927 intensiv über die Rolle der Freimaurerei in der Politik publiziert, wobei er auch voraussetzte, daß Bethmann-Hollweg Freimaurer-Bruder gewesen wäre. Über diesen schrieb Ludendorff 1928 (7, S. 142):
Sein "Defaitismus" (...) zwang Br. von Bethmann, endlich den Posten als Reichskanzler zu verlassen, nachdem er schnell noch einen neuen Erlaß des Kaisers über die Änderung des Wahlrechts in Preußen herbeigeführt hatte. Ich hatte erklärt, nicht länger mit dem Reichskanzler zusammenarbeiten zu können. Leider hielt ich ihn damals auch nur für "defaitistisch", noch nicht für einen ausgesprochenen, bewußten Verderber der Deutschen.
Zu den "Hinterlassenschaften" Bethmann-Hollwegs in der deutschen Politik gehörte der Chef des Zivilkabinetts des Kaisers, Rudolf von Valentini (1855-1925) (Wiki) (2, S. 310-313). Dieser hat unglaublich viel Einfluß auf die wesentlichsten Personalentscheidungen des Kaiserreiches ausgeübt, schon im Jahr 1914. Er war gleichgestellt dem Chef des Militärkabinetts Moriz von Lyncker (1853-1932) (Wiki) und dem Chef des Marinekabinetts Georg von Müller (1854-1940) (Wiki). Friedrich von Berg schreibt in seinen 1920 handschriftlich niedergelegten, 1971 veröffentlichten Erinnerungen über das (2, S. 55):
merkwürdige Phänomen, daß nicht, wie man angesichts der Rolle des Militärs im Kriege hätte erwarten können, das Militärkabinett eine dominierende Stellung gegenüber dem Zivilkabinett einnahm, sondern daß der Chef des Zivilkabinetts, gestützt auf seine Vertrauensstellung beim Kaiser und seine engen Kontakte zu Hindenburg und Ludendorff, in Bereiche eingriff, die eigentlich in das Militärressort fielen.
Schon sehr früh hat der deutsche Kronprinz sich bei seinem Vater für die Entlassung auch von Valentini's eingesetzt - im Einklang mit Ludendorff. Der Kronprinz wurde dabei von der Kaiserin unterstützt. Der Vater setzte einer Entlassung Valentini's, mit dem er Jahre lang vertrauensvoll zusammen gearbeitet hatte, Widerstand entgegen (2, S. 48):
Als seinen Nachfolger hatten Hindenburg und Ludendorff, wie auch der Kronprinz, von vornherein den Oberpräsidenten von Ostpreußen, v. Berg, ins Auge gefaßt. Nachdem ein zweitätiger Besuch des Kaisers in Ostpreußen, bei dem er er sich unter Führung des Oberpräsidenten über die Wiederaufbauarbeiten unterrichtete, eine neue und wie sich herausstellte, geglückte Chance geboten hatte, die Gunst des Kaisers für Berg zu gewinnen,
verlangte Hindenburg am 14. Januar 1918 im persönlichen Gespräch mit dem Kaiser die Entlassung Valentini's. Denn dieser stünd für den "Linkskurs der Regierung". Der Kaiser fügte sich, begrüßte von Berg aber am 16. Januar 1918 mit den unwirschen und mürrischen Worten (zit. n. 2, S. 313):
Man hat mir befohlen, Dich zum Chef des Zivilkabinetts zu machen.
Es ist zu erfahren (2, S. 38):
Für den Monarchen selber war Friedrich v. Berg nicht einfach nur ein treuer Untergebener, auch wenn er etwas großsprecherisch behauptete, er "wird tun, was ich ihm sage", sondern sein persönlicher Vertrauter, den er mit dem vertraulichen Du und "Monzi" anredete. Einer ähnlichen Wertschätzung erfreute sich der Kabinettschef auch bei den beiden Feldherren an der Spitze der 3. OHL, von denen insbesondere Hindenburg große Stücke auf ihn hielt.
von Berg schreibt über die Folgezeit in seinen Erinnerungen (2, S. 104):
Das Leben gestaltete sich im allgemeinen in Homburg ganz harmonisch. Durch den Fortgang von Valentini war eine gewisse Koalition gesprengt. Müller fühlte sich vereinsamt und lebte eigentlich ganz für sich. Unterstützung fand er nur in dem Geh. Legationsrat v. Grünau, Vertreter des Auswärtigen Amts.
Es folgte die große deutsche Frühjahrsoffensive im Westen unter Ludendorffs Führung. Nach größten Anstrengungen brachte sie nicht den erhofften Durchbruch. Mitte Juli waren die letzten militärischen Kräfte deutscherseits für Angriffshandlungen aufgebraucht, während sich gleichzeitig die Kriegsgegner mit frischen US-amerikanischen Truppen ständig verstärkten.

September 1918 - Friedrich von Berg rät Ludendorff, das Reichskanzleramt zu übernehmen


Friedrich von Berg nahm als Chef des Zivilkabinetts an der Lagebesprechung vom 22. Juli 1918 teil. Über diese hielt er in seinem Tagebuch fest (5, S. 440):
Es war klar, daß wir einen entscheidenden Sieg nicht mehr erringen konnten. Es kam jetzt nur darauf an, die heftigen Angriffe der Feinde abzuwehren.
So hatte es Ludendorff also schon am 22. Juli 1918 dargestellt. Der 8. August 1918 brachte dann den auch von Ludendorff so gekennzeichneten "schwarzen Tag des deutschen Heeres". Es ging nun auch Ludendorff darum, ein Waffenstillstandsangebot zu machen, bei dem dem Kriegsgegner mehr Zugeständnisse gemacht werden müßten als die deutsche Reichsführung bis dahin bereit gewesen war zu machen. Zur Bewertung von Ludendorffs Handeln in dieser Zeit ringt sich die deutsche Geschichtswissenschaft gerade - mit dem Historiker Gerd Krumeich - zu differenzierteren und sachlicheren Urteilen durch als sie diese Jahrzehnte lang vertreten hat (7). Aber das soll an dieser Stelle nicht im einzelnen dargestellt und erörtert werden.

Friedrich von Berg war bei der Besprechung im Großen Hauptquartier in Spa am 13. August 1918 anwesend (5, S. 446). Und er berichtet von der Reaktion des Kaisers auf Ludendorffs Rückzugsbefehle am 2. September 1918. Der Ludendorff-Biograph Manfred Nebelin hält darüber anhand der Aufzeichnungen Friedrichs von Berg fest (5, S. 452f):
Die Nachricht versetzte ihm einen derartigen Schock, daß er sich "in völliger Apathie" sogleich zu Bett begeben mußte. Nur mit viel Überredungskunst und dem Argument: "Wir können zwar den Sieg im Felde nicht mehr erringen, aber wir brauchen deshalb den Krieg nicht zu verlieren," gelang es der Kaiserin und Major Niemann zwei Tage später, Wilhelm II. neuen Mut einzuflößen und ihn zu bewegen, am Nachmittag des 4. September die Dienstgeschäfte wieder aufzunehmen, wenn auch - wie der Chef des Zivilkabinetts vermerkte - nur "leidlich teilnehmend". Berg dürfte sich dadurch veranlaßt gesehen haben, an Besucher, die - wie etwa der mit Wilhelm II. befreundete Reeder Albert Ballin - den Monarchen zu einer raschen Beendigung des Krieges drängen wollten, die Mahnung zu richten, "man dürfe den Kaiser nicht zu pessimistisch machen".
Auch den Rücktritt des Reichskanzlers Graf Hertling erlebte Friedrich von Berg am 29. September 1918 mit (5, S. 464). von Berg machte Ludendorff dann den Vorschlag, selbst die Reichskanzlerschaft zu übernehmen, ein Vorschlag, der Ludendorff schon ein Jahr zuvor von anderer Seite gemacht worden war. Ludendorff aber lehnte ab. Seine Begründung war, die Berufung eines Soldaten zum Reichskanzler
sei in einem Moment, wo das Heer zurückgehen müsse, für das Volk eine zu große Zumutung.
So halten es die Aufzeichnungen von Bergs fest (5, S. 464). Es drängt sich hier fast ein wenig der Gedanke auf, ob nicht Friedrich von Berg selbst Reichskanzler hätte werden können, und ob er das nicht auch selbst im Hinterkopf hätte haben können. Als nun der liberale Prinz Max von Baden Reichskanzler wurde, verurteilte von Berg denselben als "linksgerichtet", als "Wegbereiter des Bolschewismus" (1) und legte als überzeugter Monarchist sein Amt nieder. Es wird hier deutlich: Die Perspektive Friedrichs von Berg auf die damalige Politik ergänzt sehr wesentlich die Sichtweisen, die man sonst in den Geschichtsbüchern liest. Hätte sich nicht auch Ludendorff für eine Reichskanzlerschaft Friedrichs von Berg stark machen können? Was hätte gegen eine solche gesprochen?

Richard von Kühlmann (1873-1948) (Wiki), der als ausgesprochene Gegenspieler von Erich Ludendorff im Auswärtigen Amt im Jahr 1918 schon im Juni hatte zurücktreten müssen, bezeichnete Friedrich von Berg als "Totengräber der Monarchie" (s. Wiki). Ob sein Urteil Bestand hat, muß einstweilen dahin stehen. Man könnte vielmehr auch zu dem Urteil kommen: Wer so scharf von einem Richard von Kühlmann verurteilt wurde, an dem könnte doch auch etwas dran gewesen sein. Auf Wikipedia ist über Friedrich von Berg festgehalten (Wiki):
Bei seiner extrem konservativen Weltanschauung unterschied sich Berg in allen wesentlichen Fragen von seinem Corpsbruder Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe. So nahe er dem Kaiser über seinen Vater, das Corps und die Jagd in Rominten stand, so klar sah er die Schwächen Wilhelms II. "Wenn v. Berg den Kaiser trotzdem in seinem Sinne, dem starren Festhalten an der monarchischen Prärogative, am unbedingten Durchhalten gegen die feindliche Übermacht und die revolutionären Kräfte im Lande, zu steuern versuchte, so offenbar in der Vorstellung, daß er, Berg, berufen sei, den Monarchen vom Wege der ‚Ehre und Würde‘ der Monarchie, wie er sie sah, nicht abweichen zu lassen." (Potthoff, v. d. Groeben, 1993, S. 165 ff.).

1919 - Friedrich von Berg empfiehlt Hindenburg für die Reichspräsidentenschaft


Seit dem Frühjahr 1919 war die Provinz Ostpreußen abgetrennt vom übrigen Deutschen Reich. Und die Ostpreußen erlebten es fast täglich, wie der neue polnische Staat in Front gebracht wurde gegen Deutschland und wie einflußreiche polnische Politiker nicht nur Danzig, die Provinzen Posen, Westpreußen und Oberschlesien, sondern auch Ostpreußen und Pommern für den neuen Staat Polen forderten. Über Friedrich von Berg ist in dieser Zeit zu erfahren (Wiki):
Nach seinem Abschied aus Berlin ging Berg zurück nach Ostpreußen. (...) 1920 (...) wurde er Erster Vorsitzender (Adelsmarschall) der Deutschen Adelsgenossenschaft, ein Amt, das er bis 1932 ausübte.
Schon im Sommer 1919 war von vielen Seiten her der Gedanke aufgekommen, daß Hindenburg als Kandidat für die Reichspräsidenten-Wahl aufgestellt werden sollte (4, S. 443ff). Um 1919/20 bekam Hindenburg über einen Briefwechsel mit Friedrich von Berg ein zustimmendes Signal von Seiten des vormaligen Kaisers in Doorn zu diesen Plänen (4, S. 448). Am 2. Februar 1920 wurde Hindenburg von Friedrich von Berg außerdem vor der katholischen Lobby-Arbeit im Reich gewarnt:
Rom ist in Bewegung,
so schrieb Friedrich von Berg an Hindenburg (2, S. 448, Anm. 25), um einen katholischen Reichspräsidenten wählen zu lassen, was als Vorläufer aufgefaßt werden könnte, um die Wittelsbacher zu deutschen Kaisern zu machen. Dem müsse sich Hindenburg entgegen stellen. Friedrich von Berg warnte also schon 1919 vor ähnlichen Entwicklungen, vor denen Erich Ludendorff ab 1923/24 auch in Bayern warnen sollte, worüber er dortselbst mit dem katholischen Thronfolger Kronprinz Rupprecht in scharfe Auseinandersetzung kommen sollte.

Im Frühjahr 1920 legte Friedrich von Berg in handschriftlichen Aufzeichnungen seine Erinnerungen über seine Tätigkeit als Chef des Zivilkabinetts nieder (2, S. 77). Erst 1971 sind sie veröffentlicht worden (2).

Von 1921 bis 1926 war Friedrich von Berg Leiter der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses und vertrat als Generalbevollmächtigter der Hohenzollern zusammen mit dem Kaisersohn August Wilhelm von Preußen das ehemalige Königshaus in den Auseinandersetzungen mit dem Reich um das Hausvermögen. Er stand also weiterhin in engster Verbindung zu sicherlich allen Angehörigen der Kinder von Kaiser Wilhelm II. und seiner Enkel.

Nach Ludendorffs Entlassung hatte Hindenburg selbst nicht seine Entlassung gefordert, wie Ludendorff das wie selbstverständlich erwartet hatte, sondern war geblieben. Und am 9. November 1918 hatte er dem Kaiser zur Flucht nach Holland geraten, da die deutschen Truppen für seine Sicherheit nicht mehr bürgen könnten. All diese Umstände ließen nicht nur in den Augen von Ludendorff ein schlechtes Licht auf Hindenburg fallen. Aber da er für eine künftige Reichspräsdentenschaft vorgesehen war, sollte er in der Öffentlichkeit auch nicht in zu schlechtem Licht stehen.

1922 erschien die Schrift "Der Kaiser am 9. November! Eine Klarstellung nach noch nicht veröffentlichtem Material" (4, S. 425). Der Kaiser hatte bald nach seiner Flucht nach Holland eine Niederschrift über die Ereignisse rund um seine Abdankung und seine "Flucht" nach Holland angefertigt. Diese Niederschrift war auch in den Besitz von Friedrich von Berg gelangt. Und er gab sie zur Veröffentlichung weiter. Entgegen den Wünschen des Kaisers wurde in dieser Veröffentlichung jedoch die Rolle Hindenburgs nicht klar herausgearbeitet, weil das Ansehen Hindenburgs nicht beschädigt werden sollte. Welche Rolle Friedrich von Berg dabei spielte, ist zunächst noch nicht ersichtlich.

Juni 1923 - Friedrich von Berg: "Deutschland, wahre die Ehre!"


Im Antiquariatshandel ist gegenwärtig ein "Albumblatt" von Friedrich von Berg angeboten (Abbildung 3). Es ist vom Anbieter offensichtlich falsch auf das Jahr 1913 datiert, obwohl als Jahreszahl deutlich genug 1923 zu lesen ist, worauf auch viel besser der kurze und knappe Inhalt des Albumblattes paßt.


Abb. 3: "Deutschland, wahre die Ehre!"
Albumblatt "v. Berg Markienen"
(Herkunft: Zvab, März 2018)

Sein Wortlaut:
Gebot über allen Geboten:
Deutschland, wahre die Ehre!
8. Juni 23        v. Berg-Markienen
In dem Albumblatt tut sich der Geist der damaligen Zeit kund.

April 1924 - Zehn Prozent für die Deutschvölkische Freiheitspartei in Ostpreußen


Dieser Friedrich von Berg nun scheint einen Bruder gehabt zu haben, der drei Jahre später, im Dezember 1926 starb, und der sich im Umfeld der damaligen völkischen Bewegung in Ostpreußen bewegte, sprich, im Umfeld der damaligen Deutschvölkischen Freiheitspartei. Wahrscheinlich war dieser Bruder sogar Mitglied der Deutschvölkischen Freiheitspartei.

Diese "Deutschvölkische Freiheitspartei", die in Norddeutschland unter der Führung von von Gräfe stand und in guter Verbindung mit Ludendorff in München stand, erhielt bei den Reichstagswahlen im Frühjahr 1924 in Ostpreußen über zehn Prozent der Stimmen (8).

Hindenburg und Ludendorff wurden im August 1924 in Ostpreußen zur Feier des zehnten Jahrestages der Schlacht von Tannenberg erwartet. Ludendorff selbst war vor den geplanten Feierlichkeiten in Königsberg und auf dem Schlachtfeld bei Osterode zunächst zu einem "Ostpreußentag" nach Tilsit im Memelland gefahren, und zwar am 24. und 25. August 1924. In seinen Lebenserinnerungen berichtet er weiter (9, S. 355):
Am 26. ging es dann weiter durch das Samland nach Königsberg. (...) In Königsberg wohnte ich bei der Familie Döring. Herr und Frau Döring standen an der Spitze der Deutschvölkischen Freiheitpartei in Königsberg und nahmen mich gastlich auf.*)


Abb. 4: Beileidsschreiben Ludendorffs an Frau Vonberg in Bartenstein, Dezember 1926
(Herkunft: Ebay, März 2018)

Und dieses Ehepaar Döring in Königsberg scheint auch im Dezember 1926 in einem handgeschriebenen Beileidsschreiben Ludendorffs eingangs erwähnt zu werden, das jüngst bekannt geworden ist (Herkunft: Ebay, März 2018). Sein Briefumschlag ist nun interessanterweise adressiert an eine "Frau Käthe Vonberg, Bartenstein". Von der Anbieterin wird der Brief aufgrund des Datums im Poststempel auf der Briefmarke ("27 DEZ 26.") auf das Jahr 1926 datiert.**) (Da ausgerechnet hinter der 26 ein Punkt ist, könnte das Datum theoretisch natürlich auch gelesen werden als "26. Dezember 1927". Da müßte uns ein Briefmarken-Kenner einmal aufklären.) Die handgeschriebene Jahreszahl im Brief selbst ist von Erich Ludendorff sehr undeutlich geschrieben, aber vielleicht soll es sich ja bei ihr auch um eine "26" handeln. Der Brieftext (soweit erkennbar):
München, den 27. 12. 1926 (?)
Sehr geehrte Frau Vonberg!
Hauptmann Döring sandte mir Ihre Anzeige über das plötzliche Ableben Ihres Herrn Gemahls. Auch ich möchte da nicht unter den wärmstens Anteilnehmenden fehlen und Ihnen mein herzlichstes Beileid zu dem schweren Verlust aussprechen, den aber nicht nur Sie und die Kinder, sondern wir Völkische in unserer Gesamtheit erlitten haben.
Ihr Ludendorff
Der Name "Vonberg" ist zunächst auffallend geschrieben. Hat der hier anzunehmende Bruder Friedrich von Bergs als Angehöriger der völkischen Bewegung auf den Adelstitel sozusagen verzichten wollen und deshalb seinen Familiennamen "von Berg" zu "Vonberg" zusammen gezogen? Ähnliches ist ja auch bei vielen anderen Familiennamen zu beobachten. (Erinnert sei etwa an den verdienten deutschen Anthropologen Andreas Vonderach [geb. 1964] [Wiki], dessen Familienname ursprünglich "von der Ach" lautete.) Da als Adresse "Bartenstein" angegeben ist, ist es immerhin mehr als nahe liegend zu vermuten, daß es sich um einen Bruder des genannten Friedrich von Berg handelt, bzw. bei Käthe Vonberg um dessen Schwägerin. Es kann sogar weiterhin gemutmaßt werden, daß dieser Bruder in einem gewissen politischen Spannungsverhältnis zu Friedrich von Berg gestanden haben könnte. Mehrmals deutet sich an, daß Friedrich von Berg damals als konservativer Monarchist in Gegnerschaft zu den "Völkischen" stand. Aber das sind nur Mutmaßungen.

Nach dem Wortlaut dieses Briefes darf man annehmen, daß Ludendorff diesem Bruder persönlich nicht in engere Berührung gekommen ist, sondern höchstens flüchtig. Und um es erwähnt zu haben: Ludendorff konnte ja zum Ableben des bisher hier behandelten Friedrich von Berg im Jahr 1939 keinen Beileidsbrief mehr senden, da er selbst schon 1937 gestorben war. Auch scheint ja doch Friedrich von Berg nicht jene politisch völkische Einstellung gehabt zu haben, die in dem Beileidsschreiben von Ludendorff bei dem Gestorbenen voraus gesetzt wird.

Von Anbieterin dieses Briefes (Abb. 4) wurde auch eine signierte, ansonsten gedruckte Dankeskarte angeboten, die Erich Ludendorff im April - sicherlich als Dank für Geburtstagswünsche - versandte (Abb. 5). Sie stammte aus demselben Familiennachlaß und es ist anzunehmen, daß sie ebenfalls an diesen Bruder Friedrichs von Berg gerichtet war.

Abb. 5: Gedruckte Dankeskarte, München, April 1926 (oder 1924?)
(Herkunft: Ebay, Februar 2018)

Da auch hier die Jahreszahl ähnlich wie im zuvor behandelten Brief geschrieben ist, könnte angenommen werden, daß auch diese Dankeskarte aus dem Jahr 1926 stammt. Ansonsten hätte man auch hier eher "1924" angenommen.

Alles in allem wird man also schlußfolgern müssen, daß Friedrich von Berg noch einen Bruder hatte, der mit der genannten Frau Käthe Vonberg verheiratet war, daß sie beide Kinder hatten, und daß sich das Ehepaar im Umfeld der Deutschvölkischen Freiheitspartei in Ostpreußen bewegte, vermutlich sogar Mitglied dieser Partei war, das es sich zu den Verehrern und Anhängern Erich Ludendorffs rechnete auch noch in einer Zeit - 1926 - in der Erich Ludendorff nur noch wenige Anhänger hatte, und daß dieser Bruder im Dezember 1926 gestorben ist. Entweder wohnte er mit Frau und Kindern ebenfalls auf dem Gut seines Vaters Markienen bei Bartenstein oder in der nahe gelegenen Stadt Bartenstein selbst.

Das genannte Ehepaar Döring in Königsberg könnte sich auch weiterhin im Umfeld der Familie von Berg bewegt haben, und zwar auch im Umfeld Friedrichs von Berg, der sich hinwiederum ja im Umfeld der Kaisersöhne und -enkel bewegte. Dazu wird gleich noch ein deutlicher Hinweis gegeben werden.

Friedrich von Berg selbst blieb ja auch in den Folgejahren mit Hindenburg in persönlicher Verbindung. Er besuchte ihn etwa 1930 auf Gut Neudeck in Ostpreußen (4, S. 603) und auch Hindenburg scheint ja (siehe Zitat oben) von Berg auf Gut Markienen besucht zu haben, ebenso wie das Kronprinzenpaar.

1931 - Der Hohenzollern-Prinz Wilhelm über Ludendorffs Freimaurer-Kampf in Königsberg


1957 nun erhielt Mathilde Ludendorff ausgerechnet von einer Frau L. Döring (inzwischen wohnhaft in Hann. Münden) Mitteilungen über das Verhältnis Kaiser Wilhelms II. zur Freimaurerei (3). Sie berichtete darüber in ihrer Zeitschrift "Quell" (10) (Hervorhebung nicht im Original):
Ende Juni erhielt ich eine Nachricht, die mir sehr lieb ist. Herr Walter Kahlewey, der in der Schlacht bei Tannenberg das Augenlicht verloren hat und später mit dem Feldherrn in Freimaurerangelegenheiten eng zusammengearbeitet hat, sandte einen Brief, den Frau L. Döring, Hann. Münden geschrieben hat. In ihm berichtet sie über die Wirkung, die das Werk des Feldherrn "Vernichtung der Freimaurerei" auf Kaiser Wilhelm in Doorn gemacht hat. Ich möchte diese Worte im Wortlaut unseren Lesern bekannt geben:
"Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, sagte mir 1931 in Königsberg, daß dieses Werk des General Ludendorff den Kaiser in Doorn tief erschüttert habe. Mit diesem Werk habe sich Ludendorff wieder unsterblich gemacht."

Prinz Wilhelm fiel im Frankreich-Feldzug 1940.
Das heißt also, die genannte Frau L. Döring sprach 1931 in Königsberg mit dem Prinzen Wilhelm. Und es ist naheliegend anzunehmen, daß das Gespräch deshalb auf Ludendorffs Freimaurerkampf kam, weil das Ehepaar Döring eben schon 1924 zu den Anhängern Erich Ludendorffs gehörte. Und aus diesen Worten dürfte weiterhin hervorgehen, daß nicht nur der letzte Kaiser und sein ältester Sohn, sondern auch der älteste Enkelsohn des letzten Kaisers, der Prinz Wilhelm viel Anteil genommen hat an dem Kampf Erich Ludendorffs gegen die Freimaurerei. Mathilde Ludendorff schrieb 1957 weiter über den Dezember 1937, als Erich Ludendorff starb (10):
Wenn ich bedenke, wie sehr des Kaisers Brief an den sterbenden Feldherrn ihm damals eine Freude war, so erfahre ich jetzt in tiefer Freude, daß das Werk "Vernichtung der Freimaurerei" dem Kaiser offenbar die Augen über die Urheber des Zusammenbruchs trotz aller Siege des Feldherrn geöffnet hat. Hiermit ist es auch geklärt, weshalb der Kronprinz bei seinem Besuche in unserem Hause anläßlich des 70. Geburtstages des Feldherrn so voll überzeugt war von der Gefahr der überstaatlichen Mächte und deshalb auch - nach dem Hohenzollern-Rechte hierzu befugt - seinen Söhnen verboten hatte, in die Loge einzutreten.
In den gleichen Zeitraum wird fallen, worüber Mathilde Ludendorff ein Jahr später in derselben Zeitschrift berichtete (3):
Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, der in Frankreich im 2. Weltkrieg an der Front gefallen ist, antwortete im kleinen Kreise, als gesagt wurde, daß die ganze Öffentlichkeit General Ludendorff nun totschwiege, seit er den Kampf gegen die Freimaurerei aufgenommen habe: "Die Welt habe von Ludendorffs Buch 'Vernichtung der Freimaurerei' usw. mit Entsetzen Kenntnis genommen. Ludendorff habe das große Verdienst, daß er diese Veröffentlichungen mit seinem unsterblichen historischen Namen gemacht habe."
Es ist auffallend, daß Mathilde Ludendorff die Mitteilungen der Frau L. Döring nur über einen dritten erhielt. Man könnte mutmaßen, daß das Ehepaar Döring in Königsberg den Weg weg vom Christentum, den Erich Ludendorff nach 1926 eingeschlagen hat, nicht mit gemacht hat, daß das Ehepaar sich aber im Umfeld der Familie von Berg bewegte, in der es auch auf den Prinzen Wilhelm 1931 gestoßen sein wird.

Jedenfalls wird man durch das neu bekannt gewordene Beileidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Dezember 1926 auf eine ganze Menge von neuen möglichen, bzw. sich andeutenden Zusammenhängen verwiesen, deren sich selbst Fachleute bislang nicht bewußt gewesen sein dürften, und die den Eindruck machen als ob es lohnend sein könnte, ihnen weiter nachzugehen.

Abb. 6: Der vormalige Kaiser Wilhelm II. (Mitte) mit seinem ältesten Sohn Kronprinz Wilhelm (links) und dessen Sohn Prinz Wilhelm (rechts) - Doorn in den Niederlanden, 1927


Mai 1933 - Friedrich von Berg setzt sich bei Hitler für die Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie ein


Friedrich von Berg blieb auch nach 1931 weiterhin im engen Einvernehmen mit dem ehemaligen Kaiser, seinem ältesten Sohn und - vermutlich - dessen ältesten Sohn. Am 6. Februar 1932 veröffentlichte Friedrich von Berg als erster Vorsitzender der deutschen Adelsgenossenschaft eine Kundgebung, in der Hindenburg zur erneuten Kandidatur für das Reichspräsidentenamt aufgefordert wurde (Wiki). Weiter wird berichtet (4, S. 664):
Nach der Annahme der Kandidatur stellte sich jedoch heraus, daß Friedrich von Berg diesen Vorstoß auf eigene Faust unternommen hatte, weshalb er unter schweren innerverbandlichen Beschuß geriet. Am 17. Februar mußte er den Vorsitz der Adelsgenossenschaft niederlegen, was zum Ausdruck brachte, wie sehr gerade jüngere Adlige sich von dem klassischen Adelsverständnis abgewandt hatten und mit einer völkischen Definition von Adel liebäugelten.
Womöglich handelte es sich um solche Adlige, die - wie der Bruder von Bergs - ihren Namen von von Berg auf Vonberg umbenannten. Auf Wikipedia heißt es dazu (Wiki):
Seine monarchische Fraktion konnte sich nicht gegen die völkische durchsetzen. (...) Nach 1932 zog sich Berg aus dem öffentlichen Leben zurück. Er verstarb 1939 auf seinem Gut in Markienen.
Nun, so ganz richtig ist Wikipedia noch nicht diesbezüglich informiert. Denn noch am 9. Mai 1933 sprach Friedrich von Berg persönlich bei Adolf Hitler vor in Sachen Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie. Hitler erklärte, daß es dafür noch zu früh sei. Er arbeite auf diese jedoch als Abschluß seines politischen Wirkens hin (4, S. 840). Wie ehrlich es Hitler damit meinte, steht natürlich dahin. Vermutlich handelte es sich hierbei nur um eine taktische, hinhaltende Äußerung. Für die Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie wäre jedenfalls der deutsche Kronprinz bereit gestanden, ebenso sein Sohn, der erst ein Jahr zuvor in Königsberg gesprächsweise die Erschütterung seines Großvaters über Ludendorffs Freimaurer-Kampf erwähnt hatte.

Insofern hätte damals die Wiederaufrichtung der Hohenzollern-Monarchie - als Alternative zum "Dritten Reich" - ein Segen für Deutschland sein können. Gerade auch der junge Prinz Wilhelm wurde von vielen Menschen als politisch hoch befähigt erachtet.

Das Leben und Wirken des Friedrichs von Berg - sowie gegebenenfalls das seines uns namentlich noch nicht bekannt gewordenen Bruders - macht verständlicher, in welchem Rahmen politischen Denkens und Handelns sich auch dasjenige Erich Ludendorffs bewegte zwischen 1917 und 1933. Auch Erich Ludendorff hielt ja bis an sein Lebensende engen Kontakt zum deutschen Kronprinzen und verfolgte auch das Schicksal von dessen Sohn mit großer Aufmerksamkeit weiter (3). Durch das neu bekannt gewordene Beileidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 fällt also viel Licht auf Zusammenhänge, deren man sich ohne diese neue Quelle nicht leicht hätte bewußt werden können.

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*) Er schreibt weiter:
In der Veranstaltung in der Stadthalle sprachen außer mir der Forstmeister Gieseler aus Taberbrück nördlich Osterode, der die Deutschvölkische Freiheitpartei der Provinz leitete, und Hauptmann Röhm, der sich in meiner Begleitung befand. Auch diese Feier war von hohem Schwunge getragen.
Abb. 7: Datum des Poststempels
**) Der Poststempel auf der Briefmarke des Briefumschlags: Abb. 7.
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  1. Friedrich von Berg-Markienen, geb. in Markienen/Ostpreußen 20.11.1866, † ebenda 9.3.1939. Auf: http://eisenbahn-gumbinnen-goldap.de/gumbinnen/planung-und-bau/3/ (nach: Nils Köhler und Rüdiger Möller: „Die Nordmark helfe der Ostmark” Ostpreußische Kriegsflüchtlinge in Norderdithmarschen während des Ersten Weltkrieges Demokratische Geschichte, Band 14, S. 111-138)
  2. Heinrich Potthoff (Bearb.): Friedrich von Berg als Chef des Geheimen Zivilkabinetts 1918. Erinnerungen aus seinem Nachlaß. Droste Verlag, Düsseldorf 1971 (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Erste Reihe Bd. 7) (Gb)
  3. Bading, Ingo: Der deutsche Kronprinz - Begeistert von der Philosophie Mathilde Ludendorffs ... Und mit Vater und Sohn nicht nur ein Verehrer Erich Ludendorffs, sondern begeistert von dessen Freimaurer-Kampf. Studiengruppe Naturalismus, 4. April 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/04/der-deutsche-kronprinz-war-begeistert.html
  4. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler Verlag, München 2007
  5. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010
  6. Ludendorff, Erich: Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren. Ersterscheinen 1928. Neu bearbeitet. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1931
  7. Kellerhoff, Sven Felix: „Ludendorff wollte nur eine Pause - und weiterkämpfen“. In: Die Welt 05.03.2018, https://www.welt.de/geschichte/article174192890/Kriegsende-1918-Was-der-wahre-Kern-der-Dolchstoss-Legende-ist.html 
  8. Kossert, Andreas: Damals in Ostpreußen. Der Untergang einer deutschen Provinz. 2010
  9. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1940 (Gb)
  10. Ludendorff, Mathilde: Eine beachtliche Äußerung. In: Der Quell, Folge 19, 9.10.1957, S. 911 (Gb)

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