Sonntag, 23. April 2017

Einige Zeugnisse zu dem Schicksal der brandenburgischen Bauern im Dreißigjährigen Krieg

Gesammelt in Chroniken von Dörfern zwischen Havel und Elbe

In dem letzten Beitrag (Preußenblog, 21.4.17) war die kurze Aktennotiz auf dem Gut Kützkow an der Havel vom 2. Januar 1646 gebracht worden darüber, dass aus Anlass der Schlacht bei Wittstock (1636) 
die Kirche zu Bahnitz ihre Kirchenrechnung und Kirchenbuch verlohren, auch seithero keine Rechnung gehalten, auch nichts von den Kirchengeldern abgetragen worden, 
und auch die damit einhergehende Angabe zu den großen Heuwiesen des Dorfes:
Der Priesterwerder ist in 12 Jahren nicht gemehet worden, undt der vorigen Priester nachgelassene Erben geben nichts zum besten, weil sie in den betrübten Kriegswesen umb alles kommen, derwegen man zu keiner Bezahlung gelangen kann. Der andere Werder ist auch nicht gemehet worden.
Diese wenigen Andeutungen warfen schon Licht - allerdings nur blitzartig - auf die Verhältnisse, in denen die Bauern auch auf dem Dorf Bahnitz während des Dreißigjährigen Krieges gelebt haben müssen. Was damit aber alles verbunden gewesen sein kann, erfährt man aus einer solchen kruden Bemerkung und aus der isolierten Betrachtung der Geschichte nur eines einzigen Dorfes in der Regel nicht. Um hier zu einem einigermaßen vollständigen Bild zu kommen, ist es ratsam, seinen Blick etwas weiter schweifen zu lassen, etwa in den Chroniken der Dörfer rund um im Land zwischen Havel und Elbe. Fast jede Dorfchronik eines ganz gewöhnlichen Dorfes zwischen Havel und Elbe weiß, so stellt man dabei fest, von grausamen Schicksalen während des Dreißigjährigen Krieges zu erzählen (Auswahl: 1-5).


Abb. 1: Ochsengespann mit Reitern - Holzschnitt (1915)
von Walther Klemm (1883-1957) (Wiki)

Darüber soll im folgendes einiges - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit - zusammen getragen werden.

Der Feldprediger und Mitbegründer der Optischen Industrie-Anstalt in Rathenow, Samuel Christoph Wagener (1763-1845) (Wiki) hat 1803 eine Geschichte der Stadt Rathenow herausgebracht, in der sich folgendes zum Jahr 1627 findet (Wagener, S. 224f):
Wallenstein kehrte (...) in die Mark zurück und wählte alles Flehens um Verschonung ungeachtet, dies ausgemergelte Land zum Winterquartiere für seine wilden Horden. In der Mitte des Novembers ward Rathenow und das Havelland vom Oberst Hebron mit 10 Compagnien belegt, deren Stab nach Brandenburg kam. Es mussten demselben monathlich 7700 Gulden geliefert werden. "Wie die Kaiserlichen mit den Märkern umgingen" - sagt die Chronik in Rathenow - "das hat noch kein Mensch so kläglich beschreiben können, dass es nicht noch viel ärger daselbst hergegangen wäre." (...) Die gemeinen Soldaten begnügen sich nicht mit dem Solde, den ihre Obern erpreßt hatten; sie raubten Kleider, Geld, Lebensmittel, wo sie dergleichen fanden; sie erbrachen Kirchen und Gruften und stahlen, was nur einigen Werth hatte; sie holten die Pferde aus den Ställen, das Korn aus den Scheunen und Böden; sie prügelten die Widersprecher, erschossen was sich zur Wehre setzte, zündeten oft noch die ausgeleerten Gebäude an, und überließen sich ihren viehischen Lüsten, besonders gegen das weibliche Geschlecht, ungescheut.

1630 - "... weil sie auf dem Lande nichts mehr zu leben finden"


So schrieb der Feldherr Wallenstein selbst etwa schon am 26. Dezember 1630 an den Kurfürsten von Bayern,
dass eine Einschließung Magdeburgs seine Schwierigkeiten hat, weil die Truppen auf dem Lande nichts mehr zu leben finden.
(zit. n. Kienscherf, 1991, S. 31). Und das schrieb er 18 Jahre vor dem Ende des Krieges.

1631 - Die Radeweger Bauern flüchten in den Wald 


Schauen wir - ganz willkürlich ausgewählt - einmal hinüber zum Dorf Radewege am Beetzsee. Es liegt von Bahnitz aus gesehen hinter der Havel noch einmal 13 Kilometer Richtung Osten, bzw. zwölf Kilometer nördlich der Stadt Brandenburg. Da zumindest im 19. und 20. Jahrhundert Bahnitzer Bauern in diesem Dorf sehr geschätzte Verwandtschaft hatten*), lag dieses Dorf gewiss auch schon im 17. Jahrhundert nicht völlig außerhalb des Bahnitzer Gesichtskreises.

Am 3. April 1631 wurde Radewege vom Schicksal ereilt. Ob nach zeitgenössischen Berichten oder in einer nachempfundenen Erzählung, jedenfalls wird von folgendem in der Dorfchronik (n. Arndt, 2010, S. 31f) berichtet: Die Bauern hatten alles schon vorbereitet, um mit Vieh, Lebensmitteln und Wertgegenständen in die nahen Wälder zu flüchten. Man erwartete den Rückzug der Kaiserlichen Truppen unter dem General Tilly aus Mecklenburg nach Brandenburg. Ein junger Bursche hielt auf der waldigen Anhöhe zwischen Radewege und Marzahne, von wo aus man nach Norden hinüber zum Nachbardorf sehen konnte, Ausschau, um rechtzeitig melden zu können, wenn die Truppen tatsächlich kämen.

Eine Staubwolke bei Marzahne machte klar, dass es tatsächlich so weit wäre. Er lief ins Dorf zurück, warnte die Bewohner und sie verließen mit Sack und Pack auf kürzestem Wege das Dorf in die nächstgelegenen Wälder. Die heranziehenden Truppen fanden nur noch das verlassene Dorf vor. Sie erschlugen eine alte, zurückgelassene Frau und ihren Sohn und brannten das ganze Dorf ab. Das war so üblich, wenn solche Soldaten Wut hatten darauf, das sie nichts und niemandem mehr zum Plündern vorfanden (siehe dazu mehr auch weiter unten).

Kaum waren die Kaiserlichen auf diese Weise abgezogen, rückten die Schweden heran. (Wagener, S. 231f)
Ein schwedisches Observationskorps unter den Obersten Ortenberg, Baudis und Holle ging in Jerichow schon am 13. Juni über die Elbe. (...) Am 28. und 29. Juni marschierte der König selbst mit der Armee über Plaue und Rathenow nach Jerichow, passierte mittels Schiffsbrücke bei Tangermünde die Elbe und bezog hier ein Lager.

1632 - Schlagenthiner Kirchenbuch: "Er sengete und brandte viel Dörfer ab"


Auch das Nachbardorf von Radewege, Brielow, soll mehrfach geplündert und schließlich vollständig zerstört worden sein. Von Radewege ein Blick hinüber Richtung Westen. Da gibt es etwa das Dorf Schlagenthin zehn Kilometer westlich von Bahnitz (zwölf Kilometer nordöstlich der Stadt Genthin). In seinem Kirchenbuch wird für 1632 nur ganz lakonisch festgehalten (zit. n. Kienscherf, 1991, S. 33):
In diesem Jahr zog Gallas, fraß Menschen, sengete und brandte viel Dörfer ab, darauf zogen die Schweden.
Gallas war ein kaiserlicher General. Immerhin scheint dem Wortlaut nach offenbar das Dorf Schlagenthin vom Schlimmsten verschont worden zu sein. Sonst wäre es ja festgehalten worden. Und immerhin hat sich ja offenbar sogar das Kirchenbuch erhalten. Am 14. Dezember 1635 wird darin   ebenfalls ganz lakonisch notiert (zit. n. Kienscherf, 1991, S. 31):
In diesem Jahr haben wir viel erleiden müssen von den Kaiserlichen, Schweden und brandenburgischem Kriegsvolk.

1642 - Gollwitzer Bauern "Im Gebruch und Wäldern bei Frost" versteckt


Wieder zurück nach Osten. Das Dorf Gollwitz liegt zehn Kilometer östlich der Stadt Brandenburg. Im Jahr 1642 heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, dass den Einwohnern
nicht mehr denn das bloße Leben übrig geblieben, welches doch sehr vielen zu erhalten sauer worden, dann sie die ganze Zeit im Gebruch und Wäldern sich bei Frost aufgehalten, etliche wohl auch ganz ums Leben kommen und gar viele von den unbarmherzigen Parteien sind nieder gemacht worden.
Damit ist in wenigen Worten wohl schon das meiste gesagt. Ein Menschenleben war damals nicht viel Wert.

1648 - Der Güsener Schulze versucht, sein Dorf zu retten


1648 war bereits im Juni der geplante Durchzug eines schwedischen Heeres über Schönhausen und Genthin Richtung Burg bekannt geworden. 17 Kilometer hinter Genthin liegt das Dorf Güsen (Wiki). Dort waren schon 1640 acht Häuser nebst Scheunen und 1642 weitere zwölf Gebäude durch Feuer zerstört worden. 1648 hatten die Güsener ihre Höfe erst gerade ein Jahr zuvor wieder aufgebaut gehabt. Der Schulze Andreas Melmer aus Güsen schrieb an den Lehnsherren, den Möllenvogt in Magdeburg, einen Bericht über die Ereignisse vom 21. bis 23. August 1648. Dieser ist im Staatsarchiv Magdeburg erhalten geblieben und wirft ein grelles Licht auf die damaligen Verhältnisse (n. Willy Sack):
Danach haben sich von Montag Mittag bis Dienstag um dieselbe Zeit 1200 Reiter vom Leibregiment, die Jungen und Wagen nicht mitgerechnet, in Güsen einquartiert "und großen Schaden an Korn und Heuw gethan, welges noch hette zu vorwinden gewesen". (....) Die dichten Waldungen, die damals in viel größerem Maße den Ort umgaben, boten den Güsenern reichlichen Schutz. Und doch mussten sie immer tiefer hinein fliehen, da die Reiter, es sollen an 400 gewesen sein, enttäuscht über das leer vorgefundene Dorf, auch hier nach den Entwichenen suchten.
Der Schulze, der vom sicheren Waldrand aus das Geschehen beobachtet hatte, entschied sich schließlich dazu, mit fünf weiteren Güsenern zum Schutz des Dorfes in dasselbe zurück zu kehren. Er wird sogar vor den Obersten gelassen. Und dieser verlangt als erstes nichts anderes, als dass er die geflohenen Bauern herbei schaffen solle:
Da erzählt er nun, dass diese schon seit acht Tagen über die Hegell (Havel) seien.
Darunter wäre vermutlich zu verstehen, dass sie nach Osten über das 35 Kilometer entfernte Plaue auf die andere Seite der Havel geflohen wären. Natürlich war das eine Ausrede. Aber sie klang ja scheinbar einigermaßen glaubhaft, solche Dingen kamen also vor:
Es wären auch zu unglückliche Leute, seit einem Jahre haben sie erst wieder aufgebaut wie die neu aufgeführten Gebäude erkennen lassen. (...) Nun soll er dem Obersten noch erklären, warum er im Forst bliebe. In geschickter Weise gibt er sich darauf als Holzfäller des Bischofs von Halle aus, dessen Besitz er erhalten möchte. Aber das würde ihm zu schwer gemacht, wie ja auch das Benehmen der Soldaten nicht zu verantworten wäre. Rücksichtslos raubten diese aus Scheunen das Heu und Stroh. In den Häusern suchten sie nach Schätzen, wobei sie Sachen, die sie nicht gebrauchen konnten, zerstörten. Nicht einmal die Kirche haben sie verschont. Den Altar haben sie geplündert, die als Behang verwendeten Tücher haben sie "alle zerrissen und schimpfiret". Zu solchem Vorgehen sollen die Güsener den Soldaten keinen Grund gegeben haben. Aber deren Wut über die Flucht der Einwohner war zu groß, und sie stellen dem tapferen Gemeindevorsteher grässliche Strafen in Aussicht, wenn sie die Bauern finden sollten.
Der Schulze sah voraus, dass er aufpassen müsse, dass nach Abzug der Reiter die überall im Dorf noch glimmenden offenen Feuerstellen gelöscht werden müssten, da sonst leicht ein Brand entstehen konnte. Zu seinem Leidwesen wurde er aber von dem Obersten als ortskundiger Führer mitgeschleppt, wie es den Bauern damals oft geschah. Die Abteilung zog ins sechs Kilometer entfernte Dorf Ihleburg (Wiki), wo der 1647 zum Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen ernannte Pfalzgraf Carl Gustav (1622-1660) (Wiki) (im Text falsch "Carl August")(1656 wurde er König von Schweden), eine große Truppenparade abnahm. Nach dem Schulzen-Bericht (n. Willy Sack):
Prächtige Reiter, Wagen mit schönen Frauen und eine große Bagage waren seine Begleitung. Unser Berichterstatter gesteht, solche Pracht lange nicht gesehen zu haben.
Nach der Parade kehrte ein Teil der Reiter nach Güsen zurück, der Schulze musste einen anderen Teil derselben aber nach der zehn Kilometer weiter gelegenen Stadt Burg führen. Als er nun dort um Entlassung bittet, erklärt der Obrist, wenn er ihm nicht zwei Faß Bier liefere, müsse er weiter mitziehen. Da ruft der Turmwächter von Burg, dass Güsen brennt. Der Schulze eilt mit hilfsbereiten Bauern in sein Heimatdorf, kann dort aber nur noch feststellen, dass 17 Gebäude in Asche liegen:
Nicht eine Garbe Roggen hatten ihnen die Schweden gelassen, der Hafer war ihnen vom Felde fortgeholt worden, da die Pferde der Reiter viel brauchten, die Gerste war zertreten und so überall größte Not. 
Der mit diesem Bericht schon am 24. August desselben Jahres angeschriebene Möllenvogt schickte daraufhin Saatgetreide und gewährte Steuererleichterungen.

Erst nachdem man solche sehr unmittelbare Einblicke genommen hat, wird einem klar, dass eine so eindrucksvolle Erzählung wie "Der Wehrwolf" von Hermann Löns (1866-1914) aus dem Jahr 1910 keineswegs Übertreibungen enthält, sondern sehr wirklichkeitsnah das Erleben der Bauern der damaligen Zeit wiedergibt, insbesondere das ständige Flüchten ganzer Dörfer in den Wald und das Leben daselbst.

Abb. 2: Radierung von Hans Ulrich Franck (1590/95-1675) (Wiki)
(Weitere Bilder zum 30-jährigen Krieg etwa: hier.)

Man wird sich auch klar machen müssen, dass Bahnitz damals nicht so abgelegen gelegen hat, als dass es nicht hätte geplündert und gebrandschatzt werden können. Noch hundert Jahre später sollte der Gutsherr von Goerne in einem Gerichtsverfahren gegen seine Bahnitzer Bauern damit argumentieren, dass die Havel bei Bahnitz doch "nur einen Büchsenschuß breit" wäre und dass die Bauern deshalb morgens ihre Pferde schwimmend von der anderen Seite der Havel holen würden, bevor sie mit ihnen zur Arbeit gingen. (Freilich ist im Sommer der Wasserstand der Havel am niedrigsten.) So hatten also auch berittene Soldaten die Havel überschreiten können, abgesehen davon, dass ja auch Bahnitz und alle Nachbardörfer mehrere Bauernfähren hatten, mit denen dann auch ganze Ackerwagen mit geplündertem Gut in beide Richtungen befahren werden konnten.

Auf beiden Seiten der Havel sind die Truppen während des Krieges zwischen Rathenow und Brandenburg nordwärts und südwärts gezogen, ostseitig über Pritzerbe, westseitig über Nitzahn. Bahnitz lag jedes mal nicht außerhalb der Reichweite der marschierenden oder Unterkunft suchenden Truppen. Und auch in Ost-West-Richtung war der Elb-Havel-Winkel Durchzugsgebiet, wobei die Havelübergänge bei Rathenow und Plaue die begehrtesten waren.

Friedrich der Große über die brandenburgische Politik im Dreißigjährigen Krieg


Der nachmalige preußische König Friedrich der Große (1712-1786) wird mit viel Berechtigung hundert Jahre später das folgende über die Regierungszeit seines Ururgroßvaters, des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (1595-1640) (Wiki) in der Zeit des 30-jährigen Krieges nieder geschrieben haben (zum Teil auch zitiert in Hohmann/Unger 1999):
Seine Regierungszeit war die unglücklichste von allen Fürsten seines Hauses. Seine Staaten wurden im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges verwüstet, und die Spuren, die davon zurückblieben, waren so tief, dass man ihre Merkmale noch jetzt wahrnimmt, wo ich diese Geschichte schreibe. Alle Plagen der Erde stürzten mit einemmal auf die unglückliche Kurmark herab. An der Spitze stand ein unfähiger Fürst, der einen Vaterlandsverräter (Graf Schwarzenberg) zu seinem Minister gewählt hatte. (...) Das Land wurde von befreundeten und feindlichen Heeren überflutet, die gleichermaßen barbarisch hausten. (...) Das Elend erreichte seinen Höhepunkt, als die Bewohner, die dem Schwert des Soldaten entronnen waren, an bösartigen Seuchen zugrunde gingen.
(Zu Graf Schwarzenberg: Wiki.Der König gibt eine recht detaillierte Schilderung des Verlaufs dieses Krieges. Darin heißt es an einer Stelle unter anderem:
Der Kaiser war Sieger über seine Feinde und herrschte nahezu als Despot im Reich. (...) Während die Schweden sich zum Einfall in Deutschland rüsteten, hatte Wallenstein sich in der Kurmark festgesetzt und brandschatzte sie um Riesensummen. Es war unerhört, dass die Kaiserlichen ein befreundetes Land, dessen Fürst dem Kaiser keinen Grund zur Klage gegeben hatte, mit solcher maßlosen Härte behandelten. Wie beklagenswert die Lage Georg Wilhelms war, lehrt die Antwort, die er, wahrscheinlich sehr der Wahrheit entsprechend, auf die Einladung Kaiser Ferdinand II. zum Regensburger Reichstag gab. Er sagt darin: "Die Erschöpfung der Mark setzt mich außerstande, die gewöhnliche Ausgaben zu beschaffen. Noch viel weniger kann ich die Kosten für eine solche Reise aufbringen."
Und weiter schreibt Friedrich der Große dann über das Verhältnis Brandenburgs zum schwedischen König:
Der Kurfürst, der nicht mehr Herr im Hause war, stimmte allem zu, was der König von Schweden wünschte. (...) Es hieße gegen die Gesetze der Billigkeit verstoßen, wollte man Georg Wilhelm die Schuld für all das Unglück aufbürden, das während seiner Regierungszeit hereinbrach. Wenn er schwere Fehler begangen hat, so bestanden sie darin, dass er sein Vertrauen dem Grafen Schwarzenberg schenkte, der ihn verriet. (...) Er war katholisch und hatte immer für den Kaiser Partei genommen. (...) Vor allem muss man dem Kurfürsten vorwerfen, dass er nicht ein Heer von 20.000 Mann ausgehoben hat, bevor der Krieg seine Staaten verödete. Er wäre in der Lage gewesen, es zu unterhalten. (...) Die Truppen hätten dazu gedient, (...) seine Provinzen zu schützen. Wäre der Kurfürst solchermaßen gerüstet gewesen, so hätten Mansfeld und der Administrator von Magdeburg es nicht gewagt, durch das Kurfürstentum hindurch zu ziehen. Kaiser Ferdinand II. hätte in jeder Weise Rücksicht auf ihn genommen. Und es hätte nur von ihm selbst abgehangen, ob er der Verbündete der Schweden werden wollte oder ihr Feind, während er in Wirklichkeit der Sklave der ersten besten wurde.  

Von dem Augenblick an, da Georg Wilhelm diese Vorsorge versäumt hatte, ließ ihm die wunderliche Verwicklung der Umstände nur noch die Wahl zwischen Fehlern: er wurde gezwungen, sich für die Kaiserlichen oder für die Schweden zu entscheiden. Und da er schwach war, waren seine Verbündeten stets seine Herren. (...) 

Fortwährend schwankend, was er tun sollte, kraft- und machtlos, schlug er sich jedesmal, gutwillig oder gezwungen, auf die Seite des Stärkeren.
Natürlich sollten genau diese Fehler dann seine Nachfolger - der Große Kurfürst, der Soldatenkönig und Friedrich der Große selbst - nicht mehr begehen. Das A und O ihrer Regierungsmaxime hieß, ein starkes, stehendes Heer zu unterhalten und hierfür einen wirtschaftlich starken Staat aufzubauen, damit dieses Heer unterhalten werden könne. Im 20. Jahrhundert sollte man ein solches Denken "Militarismus" nennen. Es war aber doch offenbar nur der reinen Notwehr geschuldet. Offenbar liegt doch hier einmal der seltene Fall vor, dass tatsächlich ein Land "aus der Geschichte gelernt" hat. Und es scheint doch genau dieser Umstand gewesen zu sein, der dann den Staat Preußen geschichtlich so bedeutsam gemacht hat. Der zu einem Land wurde, das auch reichste kulturelle Errungenschaften tragen und hervorbringen konnte.


Abb. 3: Der Tod mit Narrenkappe - Allegorie auf den Dreißigjährigen Krieg


Der Rathenower Samuel Christoph Wagener über die brandenburgische Politik im Dreißigjährigen Krieg


Wer einmal in eine Chronik der Stadt Rathenow an der Havel hinein schaut - in eine, die aus dem Jahr 1803 stammt - der wird übrigens finden, dass es fortschrittliche Bürger Preußens gab, die das Urteil ihres Königs vollständig teilten. Es handelt sich hier um die Stadtchronik des Feldpredigers Samuel Christoph Wagener (1763-1845) (Wiki), der sich auch sonst um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Rathenow die größten Verdienste erworben hat. Schließlich hat er zusammen mit dem größten Sohn der Stadt, Johann Heinrich August Duncker im Jahr 1801 die "Königlich privilegierte optische Industrie-Anstalt" in Rathenow gegründet, die maßgeblich noch heute zu der wirtschaftlichen Entwicklung Rathenows beiträgt. In der erwähnten Stadtchronik schreibt Wagener noch deutlicher als vormals sein König (S. 219, 227) über jenen ...
ersten Staatsdiener, den frechsten Landesverräter, welchen je die Erde getragen hat, Graf Adam von Schwarzenberg, schwarzen Andenkens. (...) Der Kurfürst ahnte nicht, dass er in diesem Buben die giftigste aller Schlagen in seinem Busen nährte. Als eine Kreatur Ferdinands II. war er und dieser Kaiser die Quelle des unbeschreiblichen Elends, welches damals stoßweise sich über die Mark ergoß. (...) Nur einem Verräter mit Schwarzenbergs Teufelslist konnte es gelingen, den Kurfürsten abzuhalten, sich vom Tyrannenjoche Österreichs loszureißen.
Unter anderem schreibt Wagener auch über das Schicksal Magdeburgs im Jahr 1631 die sicherlich überaus treffenden Worte:
Selbst der Feind schauderte vor Magdeburgs entsetzlichem Schicksal.
Es bedurfte eines zweiten dreißigjährigen Krieges (im 20. Jahrhundert), um die Region Preußen-Brandenburg wieder in jene geschichtliche Bedeutungslosigkeit zurück zu stoßen, die sie während des Dreißigjährigen Krieges innehatte. An den Worten dieser Stadtchronik wird recht gut erkennbar, wie sehr die Lehren des Dreißigjährigen Krieges Bürger und Herrscherhaus zu dem Willen zusammen geschweißt haben, auch als "des heiligen Reiches Streusandbüchse" lieber Amboß als Hammer zu sein im Weltenlauf. - Demgegenüber ist es dann doch auch auffallend, dass der große deutsche Geschichtsschreiber Leopold von Ranke den Kurfürsten Georg Wilhelm im Grunde ziemlich milde und nachsichtig beurteilte. Und zwar so, als wäre sein ein wenig schlafmützenhaftes Verhalten jenem damaligen Flickenteppich, genannt brandenburgisches Staatswesens, doch auch angemessen gewesen:
Diese durch die Vorgänger friedlich und umsichtig zusammengebrachten Landschaften boten keine Gewähr dar, zu einem eigentümlichen und bedeutenden Dasein zu gelangen. Es wäre denn der Nachfolger aus härterem Metall gegossen, vom Genius belebt und von besserem Glücke begünstigt worden.
So schreibt Ranke. Und man ist erstaunt, dass Ranke sich nicht dem Urteil und der Einschätzung des großen Königs anschließt, nach dem Georg Wilhelm (siehe oben) ein 20.000 Mann starkes Heer hätte aufstellen müssen, weil er es gekonnt hätte. Angesichts des schweren Schicksals der Bauern Brandenburgs fällt es einem eigentlich schwer, sich der Milde und Nachsicht des Urteils Rankes anzuschließen. Doch die zitierten Worte Rankes markieren sehr schön den Scheidepunkt, an dem das Kurfürstentum Brandenburg damals stand, indem sie deutlich machen: Ja, es hätte ja auch so weitergehen können wie bisher mit der Wurstelei. Indem er dies sagt, macht er zugleich gespannt auf das, was nun geschichtlich folgte.

________________________________________________
*) Erinnerung an einen dortigen Verwandtenbesuch um 1980 an einem heißen Sommertag: Es beeindruckte die wirklich massenhafte Zahl von Fliegen in der Küche, die dort niemanden zu stören schien, die also als normal angesehen wurde, und die, wenn man etwa ein Stück Kuchen zum Mund hob, erst verscheucht werden mussten, bevor man es essen konnte. Die Fliegen standen, so konnte vermutet werden, in Zusammenhang mit dem großen Misthaufen vor dem Fenster, in der Mitte des großen, typischen brandenburgischen Bauernhofes, der damals dort noch bestand.

________________________________________________
  1. Kienscherf, Dietrich: Dorfchronik von Schlagenthin. 1991 
  2. Riedl (Wusterwitz)/Horn, Ferdinand: Chronik der Stadt Plaue. 1871. Überarbeitet durch Albert  Deichgräber (und G. Lembke). 1942. Neu herausgegeben durch Kurt Michel. Als Manuskript, o.O., o.D. [etwa 2000]
  3. Heine, Walter: 625 Jahre Gemeinde Gollwitz. Gollwitz 2000
  4. Arndt, Gerda: 675 Jahre Radewege. Chronik eines Dorfes am Beetzsee 1335-2010. Radewege 2010
  5. Sack, Willy (Burg): Durchzug eines schwedischen Heeres durch das Jerichower Land im August 1648. In: QSG (Genthin): Chronik Jerichower Land. Als Manuskript, o.O.o.D. [nach 1997] 
  6. Friedrich II., König von Preußen: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg. 1748
  7. Wagener, Samuel Christoph: Denkwürdigkeiten der Churmärkischen Stadt Rathenow. Nicht bloß für Rathenower, sondern für Geschichts- und Vaterlands-Freunde überhaupt bearbeitet. Buchhandlung des Commerzienraths Matzdorff, Berlin 1803
  8. Ranke, Leopold von: Neun Bücher preußischer Geschichte. 1847/48, später erschienen als Zwölf Bücher preußischer Geschichte. 1878/79
  9. Löns, Hermann: Der Wehrwolf. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. 1910
  10. Hohmann, Lew; Unger, Johannes: Die Brandenburger. Chronik eines Landes. be.bra verlag, Berlin 1999

Freitag, 21. April 2017

Bahnitz an der Havel - Ein preußisches Bauerndorf

Einiges zu seiner Geschichte

In diesem Beitrag soll einiges zu der Geschichte eines sehr typischen, aber über Jahrhunderte auch recht abseits gelegenen preußischen Dorfes zusammen getragen werden, nämlich von Bahnitz an der Havel (Wiki, Milow.de) (1-24). Dabei soll insbesondere Material eingearbeitet werden, das andernorts noch nicht eingearbeitet worden ist. So zum Beispiel zur Biographie des Erbauers der Bahnitzer Kirche, des preußischen Ministers Friedrich Christoph von Goerne (1734-1817), so die recht interessante Biographie des Bahnitzer Lehrersohnes Reinhard Vogeler (1788-1860), so auch die Dorfchronik und die Biographie des langjährigen Bahnitzer Lehrers Hermann Pape (1886-1946).

Das Dorf Bahnitz liegt heute am Rande des Naturschutzgebietes Westhavelland direkt am Ufer der Havel, etwa auf halbem Weg zwischen der Stadt Brandenburg und der Stadt Rathenow. Durch das Dorf führt heute der - hier vorbildlich ausgebaute - Havel-Radweg von Potsdam bis zur Elbe. Das schmucke Dorf liegt noch heute sehr abseits, erkennbar daran, dass für den Autoverkehr die Dorfstraße am Havelufer endet, es deshalb keinen Durchgangsverkehr gibt. Auch erkennbar daran, dass der gehetzte Autoverkehr im Nachbarort Kützkow durch eine geruhsam tuckernde Havelfähre unterbrochen ist.

Seit der Wende im Jahr 1989 haben sich - aufgrund der Schönheit und Ruhe des Dorfes, sowie aufgrund seiner Lage an der Havel - in demselben zahlreiche Menschen angesiedelt, die bemüht sind, aus Bahnitz ein zweites "Worpswede" zu schaffen. Möge es ihnen gelingen. Alljährlich findet seither am ersten Maiwochenende auf vielen Höfen ein "Tag des Offenen Ateliers" statt und Kunststudenten genießen die Freiheit des Landlebens.

Seit der Trichterbecherkultur (ab 3.500 v. Ztr.) besiedelt


Nun zur Geschichte dieses Dorfes. Was nur sehr kurz gefasst über die Vorgeschichte dieses Dorfes auf Wikipedia steht (Wiki), soll im folgenden noch etwas ausführlicher erläutert werden. Bis 1945 wurden allerhand archäologische Funde von Bahnitz an das Heimatmuseum in Rathenow gegeben. Dort wurden sie im Feuersturm der Stadt Anfang Mai 1945 vernichtet (Heimatmuseum Rathenow).

Auf den Bahnitzer Flurstücken "Krummathen" und "Kattenmörtel" sollen Steinkistengräber gefunden worden sein (lt. Gaubatz). Das heißt, dass diese Gegend schon in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen ist. Steinkistengräber wurden in der Trichterbecherkultur (Wiki) ab 3.500 v. Ztr. üblich, in jener weltgeschichtlich bedeutsamen Kultur, mit der sich ab 4.300 v. Ztr. im Ostseeraum der Übergang zum Ackerbau vollzog, und von deren Trägern noch heute die Nord- und Mitteleuropäer genetisch zu wesentlichen Teilen abstammen.

Die Trichterbecherkultur hat sich von einer kleinen, noch nicht lokalisierten Ausgangspopulation heraus um die ganze Ostsee herum ausgebreitet und dann auch weiter nach Süden bis in den Karpatenraum. Über diese gesamte Region verbreitete sich viele hundert Jahre später auch die Sitte von Prozessionen mit Rinderwagen entlang der Gräber von bedeutenden Vorfahren. Natürlich werden diese Prozessionen auch zu Ehren von lebenden Königen, Fürsten oder Gaufürsten veranstaltet worden sein. Mit Rinderwagen-Bestattungen werden jedenfalls die ersten staatlichen Strukturen erkennbar mit überregionalen Verwaltungssitzen.

Eine Bahnitzerin (Christel D.) musste im Frühjahr 1945 auf dem Feld - von Bahnitz aus gesehen Richtung des einzeln stehenden (früheren) Schleusen-Gasthofs - Splittergräben ausgraben. Sie erinnert sich, dass dabei vorgeschichtliche Urnen gefunden wurden. Die Annahme, dass sich hier ein Urnengräberfeld befindet, erhärtete sich dann gut zehn Jahre später. In einem Fundbericht für das Heimatmuseum Rathenow ist dieses Feld östlich des Dorfes Richtung Schleusen-Gasthof schraffiert eingezeichnet und es wird erläutert:
Beim Aufstellen eines Hühnerstalles (...) wurden bereits Urnen gefunden. Die gefundene Urne mit Beigefäß und Knochenresten wurde beim Setzen eines Türpfostens in ungefähr 20 - 30 cm Tiefe vorgefunden. (...) Nach Aussagen einzelner Bürger soll das gesamte von mir punktierte Gelände voll von Urnen sein. Die Urne einschließlich Beigefäß wurde am 26. April 1958 gefunden und am 27. April von Gerhard Seiffert aus Premnitz sichergestellt, bei Herrn Dr. Gutjahr, Rathenow, abgegeben.
Während dieses Urnengräberfeld unmittelbar östlich des Dorfes liegt, wurde zehn Jahre später bei Baggerarbeiten rund um einen Wasserleitungsgraben auch 200 Meter südwestlich des Dorfes ein Urnengräberfeld entdeckt:
Am 21.10.1968 wurde bei Bahnitz (...) ein Urnengräberfeld entdeckt. Es liegt etwa 500 m südwestlich vom Ort mitten auf einem fast ebenen Acker. Dieser hat eine etwa 30 cm starke braune Pflugzone, darunter kommt gelber Sand. Im Bereich von Grab 3 bis 14 wurden etwa 12 Gräber zerstört. Da sie im Durchschnitt etwa 30 bis 35 cm tief lagen, war der Rand meistens abgepflügt. Es handelte sich um ein Gräberfeld der frühen Eisenzeit mit Gefässen der Stufe Jastorf B.
Die Jastorf-Kultur (Wiki) wird auf 600 bis 0 v. Ztr. datiert. Sie erstreckte sich von Schleswig-Holstein über Mecklenburg bis Niedersachsen und Sachsen. Jastorf B wird auf 500 bis 400 v. Ztr. datiert. Die Jastorf-Kultur wird mit vorgermanischen, bzw. germanischen Stämmen in Zusammenhang gebracht. Weiter wird berichtet:
Als Beigaben konnten bisher insgesamt 2 gekröpfte Eisennadeln, ein Eisenmesserrest, eine eiserne Fibel mit zwei Bronzeperlen auf dem Bügel und ein kleiner eiserner Gürtelhaken geborgen werden. Unter den 24 Gräbern hatten 23 ein Gefäss. (...) Etwa 200 m weiter südwestlich vom Gräberfeld entfernt liegt eine Siedlung, welche nach ihren Funden durchaus mit dem Gräberfeld zusammenhängen kann.
Ein inzwischen verstorbener Bahnitzer (Eugen) erzählte, dass bei dem Bau einer Beregnungsanlage Rohre von der Havel zum Plattenweg verlegt worden seien und dabei Skelette freigelegt worden seien. Ob diese Erzählung mit den Geschehnissen des eben genannten Berichtes in Zusammenhang steht, stehe dahin.

Wenn man bedenkt, dass der Dorffriedhof von Bahnitz vom Mittelalter bis Ende des 19. Jahrhunderts rund um die Dorfkirche auf einem vergleichsweise kleinen Areal in der Mitte des Dorfes angelegt gewesen ist, dann erhält man den Eindruck, dass zur Zeit der Jastorf-Kultur sogar noch eine höhere Bevölkerungsdichte vor Ort vorgelegen haben könnte als danach.

Um die Zeitenwende lebte in dieser Region der germanische Stamm der Semnonen. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet in seiner "Germania", dass die ostgermanischen Stämme Könige besessen hätten im Unterschied zu den westgermanischen Stämmen, wo dies nicht der Fall gewesen ist. Königsherrschaft beruhte damals zu nicht geringen Anteilen auf dem Besitz von Sklaven, bzw. Hörigen. Auch diese müssen also mitgedacht werden, wenn an die damalige Zeit gedacht wird.

Die Semnonen wanderte in der Völkerwanderungszeit zumindest in Teilen nach Süden ab. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit die Halbinsel Lutze - von Bahnitz "hinter dem Wald" fünf Kilometer südlich und havelaufwärts gelegen - als Befestigung diente (s. Gaubatz). (Vielleicht war sie auch ein gutes Versteck im Dreißigjährigen Krieg, siehe unten.) Am Havelufer bei Bahnitz wurde eine Sichel aus slawischer Zeit gefunden (s. Gaubatz). Auf dem Eichwerder (die abgelegensten Bahnitzer Wiesen havelabwärts) soll sich der Ringwall einer slawischen Burg mit Vorburg befinden.

Flämische Siedler kommen ins Land (Hochmittelalter)


Im Hochmittelalter wurden von den ansässigen Grundherren Siedler aus Westfalen und Flandern ins Land gerufen. Von diesen stammen der größte Teil der seither im Land ansässigen Bauern ab. Das ist erkennbar an den vorwiegend niederdeutschen Familiennamen. Von den Flamen leitet sich zum Beispiel auch der Name des Höhenzuges südlich von Berlin - "Fläming" - ab. Und sie brachten ihren niederdeutschen Dialekt mit (Wiki):
Im 12. Jahrhundert sind vergleichsweise viele Niederländer aus ihrer Heimat ausgewandert, unter anderem nach Norddeutschland. Die Auswanderer waren hauptsächlich Bauern und Wasserbaukundige. Ein wichtiges Siedlungsgebiet war der Raum zwischen Elbe, Havel und Saale. Einige Siedler werden in damaligen Texten Hollandrenses, Hollandri und ähnlich genannt, dürften also aus der Region Holland gekommen sein. Andere werden als Flamen (Flandrenses) bezeichnet, was damals nur die Menschen von der Nordseeküste bis zur Schelde betraf, bestenfalls bis zur Dender. Das Gebiet Fläming ist nach diesen Siedlern benannt. Zum Teil haben die Siedler ihre Orte nach niederländischen Orten benannt. (...) Die beiden Kerngebiete der niederländischen Siedlung waren: der Elbe-Havel-Raum (östliche Altmark mit Stendal und Wische, die beiden Kreise Jerichow I und Jerichow II), der Fläming mit dem Zerbster Gebiet am Elbknie und von der Mulde bis zur Elbe (Dessau, Dübener Heide). Von der mittleren Elbe und der unteren Saale haben sich niederländische Einflüsse nach Osten ausgedehnt, oft den ganzen brandenburgischen Raum erreicht. Auch in den Dialekten haben die niederländischen Siedler ihre Spuren hinterlassen. So gibt es in Brandenburg und im Ostteil Sachsen-Anhalts ein größeres Dialektgebiet, in dem der Maulwurf Moll genannt wird, während die umringenden Gebiete andere Namen verwenden. Diese Bezeichnung für den Maulwurf kommt vom niederländischen Wort mol („Maulwurf“).
Und (Gerbendorf 2013):
Eine der wenigen historischen Quellen, die „Chronica Slavorum“ des Priesters Helmold von Bosau, besagt, dass Albrecht der Bär im Jahr 1157 die Prignitz, das Havelland und die Stämme anderer Regionen unterwarf und so die Mark Brandenburg gründete. Im Jahr 1159/60 hat Albrecht laut dieser Chronik, Boten nach Utrecht und zu den Anwohnern des Ozeans, die unter der Gewalt des Meeres zu leiden hatten (Holländer, Seeländer und Flandern), entsandt und so eine große Menge des Volkes herbeigeführt. Er gab ihnen Wohnsitze in den Städten und Plätzen der Slawen. Diese Einwanderung erhob das Land sehr, da sich z.B. die Anzahl der Kirchen vermehrte.
Eine Quelle von der mehr Urkunden vorhanden sind als von Albrecht dem Bären ist der Magdeburger Erzbischof Wichmann. Er übergab das Dorf Pechau 1159 zur Besiedlung, und zwar nach dem Landrecht von Burg, welches flämisches Recht darstellt. Auch Wusterwitz an der Havel und den Wald Schartau vergab er nach diesem Recht und verpflichtete die Ansiedler zum Deichbau und gab ihnen das Recht auf Fischfang. Die niedrige Lage im Bereich der Havelmündung brauchte Menschen die fähig waren, Sümpfe trocken zu legen und das Land vor Überflutungen zu schützen.
Was den Deichbau und die Entwässerung feuchter bis sumpfiger Landschaften betrifft, gab es ja gerade auch in Bahnitz viel zu tun. Die Entwässerungsgräben rund um Bahnitz und der Deich zwischen Bahnitz und Kützkow werden damals angelegt worden sein. Interessant dürfte auch sein, dass diese Region sogar "Flamingia" benannt worden war (Gerbendorf 2013):
Östlich von Magdeburg bildete sich ein Kern niederländischer Siedlungen, der mit dem Namen Flamingia bezeichnet wurde. „Er hat sich nach Osten von der Elbe bis zu der Grenze der Mark, nach Norden bis zur Stremme, nach Süden bis Leitzkau und Gommern erstreckt.“
Wie angedeutet, hat sich als ein bedeutendes Zeugnis der damaligen Neuansiedlung von Bauern in dieser Region die Ansiedlungsurkunde für das Dorf Wusterwitz (Wiki) erhalten, das 1151 vom Erzbischof von Magdeburg gegründet wurde. Mit dem Zuzug der deutschen und flämischen Siedler erhöhte sich die vormalige Bevölkerungsdichte um etwa das Fünffache. Das gleiche geschah auch in Schlesien, in Pommern und in Ostpreußen (Wiki). Dies wurde ermöglicht durch damals moderne landwirtschaftliche Techniken und durch einen intensivierten Austausch von Lebensmitteln und Gütern mit den sich kräftig entwickelnden Städten.

Schon 1577 - Bauern und Kossaten


1577 mussten die Bahnitzer Bauern an das Rittergut Plaue "Wehrzinsen" zahlen, dabei wurden genannt:
  1. Der Schultze (namentlich nicht genannt)
  2. sieben Hüfner, nämlich mit Namen: Drewes Schmidt, Jacob Schultze, Claus Wegener, Claus Rohrschneider, Benedix Eichstedt, Joachim Schwartzeloß und Jacob Rohrschneider, sowie
  3. Joachim Lüdegke, Jacob Mangestorf, Hans Wegener, Georges Litzen, Hans Sievert, Hans Dulitz, und Veit Lembke.
Bei den letzten sieben handelte es sich wahrscheinlich um Kossaten. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts waren fast alle brandenburgischen Länder protestantisch geworden. Aber es war in Spanien der Jesuitenorden entstanden, der in ganz Europa fanatisch die Rekatholisierung protestantisch gewordener Bauern, Bürger und Adelshäuser betrieb, und der die Beichtväter des - zudem von ihnen auch erzogenen - bigott-katholischen deutschen Kaisers Ferdinand II. (1578-1637) (Wiki) stellte. Unter seiner blutigen Schreckensherrschaft kam es zum dreißigjährige Religions- und Rekatholisierungskrieg in Deutschland.

Die Vernichtung des "Ketzernestes" Magdeburg (1631)


Die "Magdeburger Bluthochzeit" (Wiki) des Jahres 1631 wurde zu einem blutigen Symbol dieser Schreckensherrschaft. Die Stadt Magdeburg war eine der reichsten Städte Europas. Sie hatte am Beginn des 17. Jahrhunderts 35.000 Einwohner. Am 20. Mai 1631 wurde sie durch die Rekonquista-, bzw. Konquistadoren-Truppen der katholischen Generale Tilly und Pappenheim erobert. Diese ließen dem Morden ihrer Truppen freien Lauf. Fast alle Bewohner der Stadt wurden ermordet, nur wenige tausend überlebten (Wiki):
Mit 20.000 (nach anderen Angaben bis zu 30.000) Toten gilt dies als das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges.
Diese Bluttaten fanden auf bewussten Willen der beiden Feldherren hin statt. Sie verboten erst nach zwei Tagen das Morden. Pappenheim selbst schrieb in einem Brief am Tage nach der Eroberung:
„Ich halt, es seyen über zwaintzig Tausent Seelen darüber gegangen. Es ist gewiß, seyd der Zerstörung Jerusalem, kein grewlicher Werck und Straff Gottes gesehen worden. All unser Soldaten seind reich geworden. Gott mit uns.“
Was für ein furchtbares Wort. Man entnimmt diesen Worten, dass alles mit der vollen Zustimmung des Generals Pappenheim geschehen war. Während selbst nichttatbeteiligte Katholiken vor dem entsetzlichen Schicksal Magdeburgs schauderten, war die Reaktion des Papstes in Rom eine andere (Wiki):
Papst Urban VIII. verfasste am 24. Juni ein Schreiben, in dem er seine Freude über die „Vernichtung des Ketzernestes“ zum Ausdruck brachte.
Solche Vorgänge sind Teil unserer Geschichte. Im September 1631 konnten die Kaiserlichen endlich durch König Gustav Adolf von Schweden bei Breitenfeld nördlich von Leipzig vernichtend geschlagen werden. Nachdem die jesuitisch beratenen Eliten des katholischen Europa in Bedrängnis geraten waren und sich nicht mehr anders zu helfen wussten, wurde 1632 der zuvor entlassene Wallenstein ein zweites mal zum Feldherrn ernannt. Im November 1632 kam es zur Schlacht bei Lützen, bei der der "Löwe aus dem Norden", Gustav Adolf von Schweden, den Tod fand - auf ungeklärte Weise. Der Feldherr Wallenstein, der inzwischen für Deutschland vermutlich ebenfalls einen ausgleichenden Frieden erreichen wollte, wurde 1634 in Eger ermordet.

Die Schlacht bei Wittstock (1636)


Der blutige Rekonquista- und Konquistadoren-Krieg ging also weiter und sollte (nochmals) auch nach Bahnitz kommen (wie aus den Akten hervorgeht, die gleich zitiert werden sollen). So haben im Sommer 1636 die Kaiserlichen Truppen Magdeburg mit seinen wenigen hundert verbliebenen Einwohnern erneut eingenommen und rückten weiter nach Norden vor. Dabei werden sie auch über Bahnitz gekommen sein. Weiter im Norden kam es zur Schlacht bei Wittstock (Wiki):
Am 4. Oktober 1636 besiegten 16.000 Schweden unter dem schwedischen Feldmarschall Johan Banér und dem schottischen Feldmarschall Alexander Leslie das vereinte, 22.000 Mann starke kaiserlich-kursächsische Heer.
Der Rückzug der Kaiserlichen ging in eine ungeordnete Flucht über. Noch zehn Jahre später deuten sich die Geschehnisse, die auch in Bahnitz statthatten, in einem Akteneintrag des Bahnitzer Kirchenpatrons in Kützkow vom 2. Januar 1646 an (zit. n. Gaubatz):
Nach dem vor 8 oder 9 Jahren wie die Schlacht vor Witstock gehalten worden, die Kirche zu Bahnitz ihre Kirchenrechnung und Kirchenbuch verlohren, auch seithero keine Rechnung gehalten, auch nichts von den Kirchengeldern abgetragen worden, als seind heute der Pfarr H. Martinus Kohl, Jacob Schultze, Andreas Meinike als Gottesvater vor mir erschienen und der Kirchen ihr Einkommen dergestalt angedeutet (...) Der Priesterwerder ist in 12 Jahren nicht gemehet worden, undt der vorigen Priester nachgelassene Erben geben nichts zum besten, weil sie in den betrübten Kriegswesen umb alles kommen, derwegen man zu keiner Bezahlung gelangen kann. Der andere Werder ist auch nicht gemehet worden.
Die durch die Heumaht eingenommenen Gelder dienten als Einnahme der Kirchengemeinde. Und offenbar fehlten für die Heumaht immer noch die Arbeitskräfte. Gericke (Jerchel) berichtet:
In Bahnitz wurde vor vielen Jahren ein Bauernbackofen abgerissen, hinter einem halben Ziegelstein befand sich im Mauerwerk eine Lücke, in der eine Anzahl von Münzen, meist aus Silber, aus der Zeit des 30-jährigen Krieges gefunden wurde.
(Mit "vor vielen Jahren" könnten grob die 1980er Jahre gemeint sein.) Infolge des Dreißigjährigen Kriegse zahlten 1650 nur noch drei Bauern und sechs Kossaten in Bahnitz Steuern. (In einem Folgebeitrag - Preußenblog 23.4.17 - wird aus Chroniken anderer Dörfer des Elb-Havel-Winkels das Bild vom Schicksal der damaligen Bauern vervollständigt.) Langsam erholte sich das Land von den Folgen dieser Grausamkeiten. 1680 hatte sich die Bevölkerung in Bahnitz grob verdoppelt, nun waren es schon sechs Bauern und 12 Kossaten. Und 1690 hatte man schließlich wieder den Vorkriegsstand erreicht mit sieben Bauern und 12 Kossaten.

Der Gutsherr klagt gegen die Bahnitzer Bauern (1759), der König vermittelt


Das dörfliche Leben fand für Jahrzehnte wieder in friedlichere Bahnen. 1723 waren sieben Vollbauern ansässig auf den Höfen der heutigen Adressen: Dorfstrasse 3, 4, 5, 7 und 8, sowie 26 und 30, und zwar mit den Familiennamen: Jerchau, Meinecke, Steindorf, Schultze, Börnecke, Fähts und Meinicke. Die anderen Höfe waren als Kossaten eingeordnet. Sie hatten die Familiennamen Wutenow, zwei mal Rohrschneider, Schröder, Giese, Hoffmann, Müller, Dönniges, Döring, Zander und Ziem. Die Aufteilung der Dorfbewohner in Vollbauern und Kossaten geht auf das Bevölkerungswachstum des Mittelalters zurück. Der Landbesitz der Kossaten umfasste ganz grob die Hälfte des Landbesitzes der Bauern (Wiki):
In der sozialen ländlichen Hierarchie standen sie unterhalb der Vollbauern, aber über den Büdnern, die lediglich Haus und Garten besaßen und als Handwerker arbeiteten, und über den Insten und Tagelöhnern.
Es wird gelten dürfen, dass als Kossate galt, wer über weniger als 24 ha Landbesitz verfügte. Der Bahnitzer Lehrer Hermann Pape schreibt übrigens Ende der 1930er Jahre (Pape/Chronik):
Heute sind diese Klassenunterschiede verschwunden. Es gibt keine Ackerleute oder Ackergutsbesitzer und Kossaten mehr, sondern nach dem Willen unseres Führers seit 1933 nur noch deutsche Bauern.
Allerdings haben die sieben "großen" Bauernhöfe bis 1945 eine größere Kontinuität aufgewiesen als die Kossatenhöfe, von denen drei 1860 und 1883 eingegangen sind, dafür zwei später wieder dazu gekommen sind. 1817 wurde im Rahmen der preußischen Bauernbefreiung der Dienstablösungsvertrag geschlossen.

In dem Dorf Bahnitz hat es nie ein eigenes Rittergut gegeben. Es gehörte anfangs zum Rittergut Plaue, nach seiner Aufteilung zum Rittergut Kützkow. Zur Geschichte des Nachbardorfes Kützkow gibt es übrigens einen recht brauchbaren Wikipedia-Artikel (Wiki). Es war dies das System der sogenannten "ostelbischen Gutsherrschaft" (Wiki). Die Bauern mussten dem Rittergut wöchentlich zwei Gespanndienst-Tage leisten, sowie allerhand jährliche Dienstleistungen. 1759 klagt der Gutsherr von Kützkow, Hans Christoph von Goerne (1697-1765), der Präsident des Berliner Kammergerichts, der wohl zu jener Zeit schon recht verschuldet war (siehe unten), gegen die Bahnitzer Bauern (zit. n. Pape/Chronik),

  1. daß sie erst um 6 Uhr morgens zum Hofedienst kämen und schon um 6 Uhr abends wieder weggingen, während sie bei Sonnenaufgang kommen und bei Sonnenuntergang weggehen sollten,
  2. daß sie nur mit zwei Pferden eggeten und Reisefuhren verrichteten, da sie doch mit drei Pferden pflügten,
  3. daß sie zu kleine Wagen bei den Mistfuhren hätten,
  4. über die von ihm gepachteten Wiesen nicht von 3 zu 3 Jahren kontrahieren wollten.
  5. daß sie einen zu großen Viehbestand hätten und Schafe hielten,
  6. daß sie den Fleischzehend nicht in Natura geben wollten.
Nachdem sowohl Kläger als auch Beklagte gegen das gefällte Erkenntnis sieben mal appelliert haben, wird endlich folgendes festgestellt (zit. n. Pape/Chronik):
ad 1. Die Untertanen sind verbunden, des Sommers bei Sonnenaufgang von ihren Höfen zum Dienst abzuziehen und darin solange zu bleiben, daß sie mit Sonnen-Untergang wieder nach Hause kommen. (In 1. Erkenntnis hatten die Bahnitzer Recht bekommen, indem das Kammergericht ausgeführt hatte, daß solchen Dienst weder Menschen noch Vieh aushalten könne. Der Kammerpräsident hatte jedoch dagegen geltend gemacht, diese Exküsen seien nichts. In anderen Dörfern wäre es ebenso. Da müsse der Wildhirte (Pferdehirte) morgens die Pferde ins Dorf bringen und die Bauern suchten sich die aus, die sie zum Hofedienst brauchten. Das Holen der Pferde halte übrigens wenig auf, da sie erst spät im Herbst jenseits der Havel weideten, dann wäre aber nicht mal eine Fähre nötig; denn da die Havel nur einen Büchsenschuß breit sei, ließen die Bauern ihre Pferde hindurch schwimmen. Daraufhin erfolgte die Verurteilung.)
ad 2. Sie brauchen nur zwei Pferde zum Hofedienste mitnehmen.
ad 3. Hieraus ergibt sich die Einrichtung der Mistwagen von selbst.
ad 4. Die von alters her gehabten Wiesen dürfen sie gegen den vereinbarten Zins auf immer behalten. Das gilt nicht vom Paruck und Bohnenländern. Hiervon müssen sie, wenn es verlangt wird, neue Kontrakte nehmen. (von Görne glaubt als Besitzer des Schulzen-Gerichts einen Anteil  des Wiesenwachses für sich in Anspruch nehmen zu können, was ihm jedoch weiterhin durch Kammergerichts-Entscheidung, als mit dem Ludwig von Görneschen Kontrakt zuwider laufend, verwehrt wird.)
ad 5. Vieh können sie soviel halten wie sie wollen, bes. auch Schafe. (in erster Erkenntnis war Letzteres verboten.)
ad 6. der Fleischzehend, der in Fohlen und Kälbern besteht, muß in Natura entrichtet werden. (Die Bahnitzer wollten dafür Geld zahlen)
Aus diesem Prozeße geht übrigens hervor, wie hoch der Herr Edelmann den Bauern einschätzte: „Wer wollte wohl von einem Bauern erwarten, daß er mehr Pferde anspannte als seine Schuldigkeit ist“ und „Wenn es auf Prästationes an die Herrschaft ankömmt, dann ist der Bauer immer arm, dann lamentiert er einmal über das andere. Allein wenn er die Herrschaft durch Prozesse schikanieren kann, dann hat er Geld, dann fehlt es ihm an nicts.“
Immerhin ist es doch auch erstaunlich, dass Kammergerichts-Urteile durchaus auch sehr deutlich gegen den Kammergerichtspräsidenten selbst ergehen konnten. Außerdem ist es erstaunlich, mit wie vielen Einzelheiten sich ein solcher Gutsherr befasste. Bei den angesprochenen Wiesen ging es um den Eichwerder und den Ziegenwerder, ersterer am weitesten vom Dorf havelabwärts gelegen, letzterer heute hinter der Schleuse. Über diese Wiesen wird folgendermaßen prozessiert (Pape/Chronik):
Der Kammer-Präsident von Görne verlangt im Jahre 1759 von der Gemeinde Bahnitz die Abtretung des seit undenklichen Jahren von den Bahnitzer Höfen genutzten Eichwerders und Ziegenwerders. Die Bahnitzer weigern die Herausgabe mit Berufung auf den Kontrakt vom Jahre 1667, werden aber auf Kammergerichts-Entscheidung vom 16. April und 20. August 1760 in zwei Instanzen dazu verurteilt. Daher verpachtet der Kammer-Präsident von Görne schon die Grasnutzung von 1760 an die Bauern des Dorfes Marzahne. 
- Dieses Dorf liegt auf der anderen Seite der Havel hinter Pritzerbe. - Weiter (Pape/Chronik):
Nun bitten die Bahnitzer Bauern und Kossathen den König, ihren Gerichtsherren von Görne zu bewegen, daß er ihnen wenigstens für denselben Preis, den die Marzahner geboten, die Nutzung überlasse, weil sie doch die ersten Pächter seien und außerdem bei Verlust dieser Wiesen zu Grunde gehen müssten. Durch Vermittlung des Königs wird die Bitte gewährt, und in dem 1761 noch einmal aufgenommenen Prozeß wird für Recht erkannt, daß die Bahnitzer für alle Zeiten die Wiesen behalten sollen, gegen eine jährliche Entrichtung von 36 Talern und acht Groschen gemäß dem früher abgeschlossenen Vertrage. Der für 1760 zuviel gezahlte Betrag muß ihnen zurück gezahlt werden und in die Kosten des Prozeßes teilen sich die Parteien. Außerdem wird der Gemeinde Bahnitz das alleinige Hütungsrecht auf dem Ziegenwerder zuerkannt. Das Kützkower Vieh darf also dort nicht weiden.

Wie Bauernhäuser um 1780 in dieser Gegend aussehen konnten, zeigt ein aus diesem Jahr erhalten gebliebenes im Nachbardorf Tieckow auf der anderen Seite der Havel (Wiki) (Abb. 1):
Zu jener Zeit wurden die Häuser so gebaut, dass der zentrale Raum die fensterlose, sogenannte Schwarze Küche war. In dieser wurde auf einem Ziegelboden eine offene Feuerstelle betrieben. Über das Feuer stellte man einen Dreifuß, über dem gekocht werden konnte. Der Rauch zog über einen Rauchfang direkt ab. In einem solchen Rauchfang konnten Lebensmittel zum Räuchern aufgehängt und so haltbar gemacht werden.
Abb. 1: Bauernhaus in Tieckow, einem Nachbardorf von Bahnitz, erbaut 1780
(Fotograf: Gregor Rom - unter Lizenz 3.0)

Der "närrische Stolz" eines preußischen Ministers (1780/82)


1780 wurde in Bahnitz die neue, recht ansehnliche Dorfkirche fertiggestellt. Friedrich der Große freute sich, wenn sein Adel prächtige Kirchen baute. Über die fünf Jahre zuvor in Reesdorf bei Beelitz errichtete Dorfkirche ist zu erfahren (Wiki):
Friedrich II. (1712–1786) soll bei einer Reise durch das Dorf auf diesen Bau aufmerksam geworden sein und einen prächtigeren Neubau angeregt haben.
Dass also prächtige Kirchenbauten im Sinne seines Königs waren und ihm in seinen Augen nur noch mehr Ansehen verschaffen konnten, wird auch dem damaligen Gutsherrn auf Kützkow und damit dem Bahnitzer Kirchenpatron bewusst gewesen sein, Friedrich Christoph von Goerne (1734-1817) (Dt. Dig. Bibl.). Dieser - der Sohn des oben genannten Kammerpräsidenten - war zu jenem Zeitpunkt nichts geringeres als einer der mächtigsten Minister im Staate Friedrichs des Großen. Viele vermuteten später sogar, dass er - als zuständig insbesondere für den Handel mit Polen - nach der polnischen Königskrone gestrebt habe. Stolz ließ er seine Initialen "v G" in die Bahnitzer Kirchenfahne eintragen und sein Wappen über der Kirchentür anbringen.

Die Kirche wurde erreichtet durch den Landbaumeister Johann Christian Friedrich Keferstein (1752-1805) (Wiki). Dieser war seit 1779 Königlicher Landbaumeister und Mathematiklehrer an der Ritterakademie zu Brandenburg (dort, wo sein Bauherr selbst in die Schule gegangen war). 1773 war nach seinen Plänen zum Beispiel die Dorfschule in Reckhahn erbaut worden (sie ist heute Schulmuseum [Wiki]). Und später - 1792 bis 1794 - wurde in Saarmund, zehn Kilometer südlich von Potsdam, eine Fachwerkkirche nach seinen Plänen errichtet (diese ist aber schon 1840 wieder abgebrannt). Sicher zeichnet er also auch noch für viele andere Gebäude im Land Brandenburg verantwortlich. Schon ein Vorgänger an der Ritterakademie, der Direktor und Mathematiklehrer Joachim Christoph Heinsius (auch Heinß) (1697-1771) (Grab), ein hoch geschätzter und verdienter Brandenburger Bürger, hatte etwa 1739 die Dorf- und Schlosskirche in Reckahn (Wiki) erbaut.

Keferstein hatte für den Bau - wie es in der Abrechnung hieß - "drei Zeichnungen auf Befehl des Ministers von Görne" angefertigt. Ihr äußeres Erscheinungsbild stand also in Übereinstimmung mit den Wünschen des Ministers, der auch die Baukosten von 3.600 Talern als Kirchenpatron (Wiki) getragen hat (Pape/Chronik). Die Architektur der Dorfkirche Bahnitz hat ihren eigenen Reiz und ihr ist - wenn man sie mit Brandenburger Kirchenbauten jener Zeit vergleicht (Wiki) - nicht leicht eine andere Kirche parallel zu setzen. In ihr spiegelt sich, so möchte man meinen, der selbstbewusste Geist des aufgeklärten Absolutismus vermischt mit jenem reizvollen Schuss Pietismus, der ihr die Nüchternheit mancher anderer Brandenburger Kirchenbauten jener Zeit nimmt. von Goerne hat sicher auch mit dieser Kirche dokumentieren wollen, was für wertvolle Dinge er für das Land, dem er diente, tun konnte und noch künftighin zu tun gedachte (etwa als König von Polen). Allerdings sollte er zwei Jahre später über seine zu hohen Ausgaben zu Fall kommen, also just über solche Ausgaben wie jene 3.600 Taler, die dieser anmutige Kirchenbau kosten sollte. Als die Bahnitzer Dorfkirche im Jahr 1782 eingeweiht wurde, war ihr Erbauer wenige Monate zuvor unter Arrest gesetzt und am 1. Mai 1782 auf die Festung Spandau zu lebenslang Haft verbracht worden, sein gesamter Besitz wurde verkauft - wegen der Veruntreuung von Staatsgeldern!

Abb. 2: Die spätbarocke Dorfkirche von Bahnitz - Erbaut im Jahr 1780
Aus ihrem Stil spricht die Zeit des aufgeklärten Absolutismus und des Pietismus
(Aufnahme aus dem Jahr 1938; 
die Kirche wurde 1960 aufgrund von Baufälligkeit bis auf Reste abgetragen)

Zu diesem preußischen Staatsminister ist jüngst eine erste ausführliche Biographie erschienen (Straubel 2014). Sie soll in einem künftigen Blogbeitrag noch etwas ausführlicher ausgewertet werden. Hier sei aber schon einmal eine Kurzfassung gegeben: von Goerne war 1734 auf dem Gut Gollwitz - zehn Kilometer östlich der Stadt Brandenburg - geboren worden. Seine Familie hatte zwar Besitzungen sowohl rund um Brandenburg (Kützkow, Tieckow, Bahnitz), als auch in Ostpreußen, war aber sehr verschuldet. Schon sein Großvater war Staatsminister in Preußen gewesen. Dem jungen, aufstrebenden von Goerne gelang es in Schlesien eine 40 Jahre ältere, vermögende Witwe zu heiraten, die drei Jahre nach der Heirat starb. Erst diese Heirat machte seinen weiteren Lebensweg möglich, denn da die Witwe kinderlos war, wurde er durch sie nicht nur schuldenfrei, sondern ziemlich vermögend, weil er auch ihre schlesischen Güter erbte, sowie eine von ihr gegründete Handelsgesellschaft. Mit diesem Hintergrund bewarb er sich bei Friedrich dem Großen um einen Ministerposten. Schon bis zu diesem Punkt eine reichlich irre Biographie! (In welchem Zusammenhang diese Heirat mit seiner Homosexualität stand, für die er an seinem Lebensende in Gollwitz noch verurteilt werden sollte, darf natürlich gerne wild spekluiert werden.)

1774 wurde er nun von Friedrich dem Großen zum Staats- und Kriegsminister ernannt. Während seiner Amtsgeschäfte vermengte er ziemlich bald private und staatliche Interessen und verkalkulierte sich dabei sehr kräftig. Anfang 1782 verlor sein König die Geduld über all seine unklaren Ausflüchte und ließ die von ihm verwaltete "Seehandlung" (Wiki) (eine Art Außenwirtschafts-Ministerium) untersuchen. Es stellte sich heraus, dass die Angaben, die ihm sein Minister gemacht hatte, "alle falsch" gewesen waren. von Goerne kam lebenslang ins Zuchthaus und musste mit seinem gesamten Privatvermögen für den entstandenen Schaden haften. Auch Kützkow, Tieckow und Bahnitz mussten verkauft werden. In einem Bericht aus dem Jahr 1782 kurz nach dem Sturz des Ministers wird als Ursache seines Scheiterns genannt (Straubel, S. 432):
Der wahre Grund der Sache ist würklich ein unmäßiger närrischer Stoltz und eine heftige Begierde, den großen Herrn zu spielen und für den reichsten Particulier in Ew. Königl. Majestät Landen gehalten zu werden, welches letztere er sich auch noch so gar jetzt immer einbilden will. Diese Narrheit hat ihn verleitet, auf seinen pohlnischen Güthern gantze Administrations Collegia auch selbst Soldaten zu halten und theuer zu bezahlen, so daß von den Revenus der Güther fast nichts in seine Tasche gekommen, große Pensiones zu geben, als an seine Mutter jährlich 4.000 rt., an seine Schwester 3.600 rt. und an sehr viele Personen mehr, deren Nahmen mir nicht bekannt ist, welches alles denn freylich seine Ausgaben weit über seine Einnahmen erhöhen und mit den Zinsen nach und nach sein eigenthümliches Vermögen verzehren müßen.
Zu dieser Ausgaben-Liste darf gerne der Bahnitzer Kirchenbau mit weiteren 3.600 Talern hinzugedacht werden. In der Biographie heißt es (S. 465):
Bereits von Zeitgenossen ist F. C. von Goerne unterstellt worden, er habe danach gestrebt, in Polen eine große Rolle zu spielen, habe sogar auf den dortigen Thron spekuliert.
Wenn just zu dieser Zeit in Bahnitz die recht ansehnliche Dorfkirche für 3.600 Taler gebaut wurde, darf schon danach gefragt werden, wie sich dieser Bau in die Gesamtbiographie von Goerne und auch in die damalige Art, Dorfkirchen zu bauen, einfügte. Das soll, wie gesagt, in einem eigenen Beitrag geschehen. Hier nur noch einmal ein paar schöne Auszüge aus den Ordres von Friedrich dem Großen an seinen Minister aus der Zeit, als seine Schwindeleien begannen aufzufliegen. Der Betrachter von heute gewinnt den Eindruck, dass der König wirklich viel Langmut zeigte für all die "Windbeuteleien" - wie das damals genannt wurde - seiner Minister. Jedenfalls hatte von Goerne aus heiterem Himmel noch einmal 300.000 Taler Kredit vom König verlangt, worauf dieser am 19. November 1781 an ihm schrieb (S. 411f):
Ich will Euch aber nur sagen, Ich tappe nicht im blinden, und werde Ich Euch diese 300/m rtl. so wenig, noch einen Groschen geben. Ich muss erst einen ordentlichen Abschluss haben (...), dass ich alles klar übersehen kann. Ihr mögt Euch nur inacht nehmen. Ich verstehe darunter keinen Schertz. Wozu wollt Ihr die 300/m rtl. eigentlich haben; und warum habt Ihr bey Eurem Hierseyn Mir davon nichts gesagt, und kommt nun nachher damit angezogen. Das macht Mir Verdacht.
Am 23. November erneut:
Ihr müßt Mir die Sachen deutlich machen, im blinden tappe Ich nicht.
Am 10. Januar 1782 meint der König bei der von Goerne vorgelegten Abrechnung, die der König genau prüfte, wäre dieser "auf einem fahlen Pferde" unterwegs. Nun schickte der König zwei Beauftragte zur Untersuchung. Und von dieser sagte der König wenig später:
Es sind die Angaben des v. Goerne bei der Untersuchung alle falsch befunden worden.
Und am 25. Januar schreibt der König, von Goerne
muss freylich von seinem Vermögen alles das der Compagnie ersetzen, was er gestohlen hat, und was durch seine Schuld verlohren gegangen ist. Was den Verlust, wegen des mit dem Könige von Pohlen geschloßenen Contracts anlanget, das ist bloß seiner Dumheit zuzuschreiben, und das mag hingehen.
Am 30. Januar meint er, der unter Arrest gestellte Minister sei ein "rechter Windbeutel" gewesen, folglich man sich "mit ihm wohl vorzusehen hat, weil das alles Unwahrheit ist, was er vorgegeben".
Alle seine Besitzungen wurden zwangsversteigert, und zwar in der Regel unter Wert (Straubel, S. 403):
Beispielhaft verwiesen sei auf den Zuschlag vom Dezember 1782 für die verwitwete Gräfin von Eickstedt-Peterswalde, die die Güter Kützkow, Tieckow und Bahnitz für 75.050 Taler bekam, obwohl deren Ertragstaxe bei 96.542 und die Verkaufstaxe immerhin noch 79.211 Talern gelegen hatte.
1791, also drei Jahre nach Ableben des Königs, wurde von Goerne aus der Haft entlassen. 1805 kam er wegen der Verführung von mehreren jungen Männern aus Gollwitz zur Homosexualität ein weiteres mal für ein Jahr in Haft auf die Festung Magdeburg (s. Straubel, S. 457).


Abb. 3: Lageskizze des Dorfes Bahnitz um 1800 von Georg Ernst Reinherz Vogeler (1788-1860)

Ein Bahnitzer Lehrersohn gibt seinem Leben eine "höhere Richtung" (1813 bis 1848)


Just zur Zeit des Kirchenbaues war 1779 ein neuer Lehrer nach Bahnitz gekommen. Zuvor war dieser - mit Namen Vogeler -  als Schneidermeister und Schulhalter in Heidebleck bei Klitznick an der Elbe tätig gewesen und hatte diese Stelle aufgeben müssen als ein Elbehochwasser das Dorf zerstörte. Der Bahnitzer Lehrer Vogeler starb 1807. Aber er hinterließ einen Sohn, der in der Welt "Furore" machen sollte (zumindest nach eigener Ansicht) - Georg Ernst Reinherz Vogeler, später nur Reinhard Vogeler (1788-1860).

Dieser Lehrersohn erinnerte sich gerne an seine Jugend in Bahnitz. Und deshalb ist über ihn eine skizzenhafte Darstellung des Dorfes Bahnitz, wie es um 1800 bestanden hat, erhalten geblieben (Abb. 2). Dieser Reinhard Vogeler war bis 2002 in Bahnitz völlig in Vergessenheit geraten und von den Dorfchronisten nicht erwähnt worden. In diesem Jahr meldete sich die letzte seiner direkten Nachfahrinnen, die in Bayern lebte und das Dorf ihrer Vorfahren besuchte. Und durch sie können nun einige seiner Lebenszeugnisse in die Dorfgeschichte eingearbeitet werden. Sie sollen hier ausführlicher zitiert werden.

Seine Skizze zeigt, dass der Hauptteil der heutigen Dorfstrasse in Bahnitz (also Richtung Havel links: Dorfstrasse 2 bis 12 und Richtung Havel rechts Dorfstrasse 31 bis 25) schon um 1800 mit ziemlich den gleichen Hofstellen besetzt gewesen ist wie es heute noch zu sehen ist - wenn sie auch, wie wir noch hören werden, damals ganz anders bebaut waren als sie ab den 1870er und 1880er Jahren bebaut wurden. (Die genannten Postadressen, die seit den 1930er Jahren bis heute gleich geblieben sind, lassen sich übrigens auf Falk.de gut lokalisieren.)

Auf dem letzten Stück der Dorfstraße hinunter bis zur Havel gab es ebenso wie heute rechts (Dorfstrasse 18 bis 15) keine Hofstellen. Sondern fünf "Schifferwohnungen". 1723 lebten dort - nach anderer Quelle - auch Leineweber und Schneider. (Vielleicht ging man auch beiden Berufen gleichzeitig nach.) Diesen Häusern gegenüber direkt an der Havel gab es um 1800 eine Hirtenwohnung. Das ist an der Stelle, an der es nachmals lange Zeit die Dorfschmiede (der Familie Kersten) gegeben hat (heute wohl Dorfstrasse 13). Drei weitere Hirtenwohnungen gab es an der Stelle, an der heute der "Fuchsbau" steht (Dorfstrasse 33; vormals "Kunsthof", davor lange der Gasthof des Ortes).

Den heutigen Straßenteil zwischen Ortseingang (von Möthlitz kommend) und "Fuchsbau" gab es um 1800 noch gar nicht (Dorfstrasse 42 bis 34). Und die anderen heutigen Dorfteile - "Ausbau" und "Tannenweg" - sowieso noch nicht (da sie erst im 20. Jahrhundert entstanden).

Zu dem in der Skizze neben dem damaligen Schulhaus eingetragenen "Stammhaus - Villa mit Garten und Pavillon", teilte die Nachfahrin mit, dass es sich hierbei um einen Traum von Vogeler gehandelt habe, der nie verwirklicht worden ist. Vogeler hatte also ein gesundes Selbstbewusstsein und konnte sich vorstellen, (vielleicht auch mit seinen beiden Geschwistern) eine Art "Dynastie" mit ihrem "Stammhaus" in Bahnitz zu begründen. Immerhin hätte ja ein solches Stammhaus mit Garten und Pavillon den Ort kulturell bedeutend aufgewertet. Und es dürfte doch sicherlich von Interesse sein, dass es schon damals jemanden gab, der in diesem Ort einen Traum verwirklichen wollte. Wir gehen einmal davon aus, dass wenigstens das neben dem erträumten "Stammhaus" eingetragene Wirtshaus des Dorfes damals schon Realität war. Oder hatte er sich das auch erträumt? Übrigens trug er in eine Lageskizze der Kirche aus dem Jahr 1857 auch ein
Die Stelle, wo das Denkmal für den Schullehrer Joh. Ph. Vogeler angebracht werden soll.
Vermutlich wollte er dieses finanzieren. Auch von seinem Vater scheint er also nicht gering gedacht zu haben. Immerhin wird deutlich, dass damals das alleinige Zentrum des Dorfes ganz eindeutig die Achse: Kirche (umgeben vom Friedhof) und Schulhaus (ggfs. mit Wirtshaus) bildete. Am Dorfrand gab es damals die Schiffer- und die Hirtenwohnungen. 

Abb. 4: Der Bahnitzer Lehrersohn Reinhard Vogeler (1788-1860)
- Er ließ sich 1849 stolz mit seinen Kriegsauszeichnungen
und in seiner Uniform der berühmten Lützower Jäger malen
 Sein Sohn schreibt in seinen Lebenserinnerungen:
Reinhard Vogeler, Königlich-Preußischer-Steuer-Kontrolleur, Ritter des eisernen Kreuzes wie auch des Kaiserlich-Russischen St. Georgen Ordens und Inhaber der Kriegs-Denkmünze von 1813/14, wurde am 4. September 1788 in Bahnitz an der Havel, Provinz Brandenburg, woselbst sein Vater Schullehrer war, geboren. Schon früh hatte er Neigung zum Studium, benutzte alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu seiner Ausbildung und beschäftigte sich in den Musestunden mit Garten- und Feldarbeit oder mit der Jagd. Der Wunsch, sich der Jägerei und dem Forstfache zu widmen, fand bei seinem Vater kein Gehör, der vielmehr die Erlernung eines Handwerks bezweckte, was ihn aber nicht ansprach.
Durch Selbstunterricht in der Geschichte, Geographie pp; durch Privat-Unterricht in der Rechenkunst und der französischen Sprache, sowie durch den Umgang mit gebildeten Menschen suchte er sich eine höhere Richtung anzubahnen.

Als sein König Friedrich Wilhelm III. sich 1813 an Alexander anschloß, um die schmachvolle Fessel zu zerbrechen, in welche Frankreichs Übermuth Deutschland geschlagen hatte und ganz Preußen sich erhob, um den erlittenen Schimpf zu rächen; trat auch er als freiwilliger Jäger in das Lützowsche Freikorps ein, nahm teil an den Gefechten bei Lauenburg an der Elbe den 17. und 18. August, bei Mölln, an der Görde und bei Zarenthin, sowie an der Blockade und Einnahme von Glückstadt in Holstein, vom 21. bis 25. Dezember 1813.

Jetzt erhielt sein Corps Order, sich in Eilmärschen über Cöln nach Jülich zu begeben und die Belagerung des letzteren Ortes zu übernehmen; hier war er bei den von den Franzosen am 24., 26. und 28. Februar 1814 gemachten Ausfällen ebenfalls tätig. - Von anderen Truppenteilen abgelöst, marschierte sein Corps nach Frankreich; bis auf 10 Meilen vor der Hauptstadt angekommen, musste es halt machen, und da Paris bereits genommen war, zurück nach Lille zur Beobachtung dieser Festung, welche mit 26.000 Mann Franzosen unter dem Kommando des Generals Maison, noch besetzt war.
Nach dem Pariser Frieden marschierte er mit seinen Jäger-Detachements nach Berlin, wo diese im August 1814 aufgelöst wurden:
Das Anerbieten, als Port'Epee Fähnrich in sein Corps einzutreten, hat er damals abgelehnt. In diesem Feldzuge hat er sich durch Auszeichnung in verschiedenen Gefechten und namentlich bei Lauenburg, das eiserne Kreuz und den Russischen St. Georgen Orden erworben und erhielt die Kriegs-Denkmünze von 1813/14.

Als die Landung Napoleons in Frankreich 1815 das Preußische Heer wieder ins Feld rief, trat er abermals freiwillig als Oberjäger in sein früheres Corps, das inzwischen zum 25. Infanterie Regiment erhoben war, ein; nahm Teil an den Schlachten von Ligny und bei Belle-Alliance, den 16. und 18. Juni, sowie an der Belagerung und Einnahme von Maubeuge und Philippville, den 12. Juli und 8. August und an der Einschließung von Charlemont und Givets vom 19. August bis 11. September 1815.

Nach einer Allerhöchsten Verordnung sollten aus den Jäger-Detachements durch Stimmenmehrheit Offiziere gewählt, und diese dann der Landwehr einverleibt werden; auch diese auf ihn gefallene Wahl hat er nicht angenommen und wünschte nur, nach den Allerhöchsten Verordnungen über die freiwilligen Jäger vom 3. Februar 1813 und 7. April 1815 eine Civil-Versorgung zu erhalten.
Aufgrund der vielen ähnlichen Bewerber unter den Veteranen für Stellen als Civil-Beamte dauerte es zwei Jahre, bis sich für ihn eine Stelle fand. Er begann seine Beamtenlaufbahn in Berlin, wurde im September 1818 als Grenz-Kontrolleur nach Fürweiler bei Saarbrücken versetzt. 1820 Zollamt Saarlouis, 1825 Saarbrücken, 1826 Ober-Grenz-Kontrolleur in Perl:
In Saarlouis vermählte er sich den 24. Juni 1823 mit der Tochter des vormaligen französischen Zollverifikateurs Lorrain, aber schon den 14. Dezember 1829 wurde ihm seine Gattin durch den Tod entrissen. Reich an Schönheit wie an Tugend war sie eine ebenso liebevolle Gattin als zärtliche Mutter. Das Denkmal auf ihrem Grabe zu Perl an der Mosel im Regierungsbezirke Trier weiset nach, dass sie ihre Pilgerfahrt im 27. Jahre bereits vollendet hat; ebenso trägt dasselbe die sehr trostreiche Inschrift:
"Einst, an der offenen Pforte
der glücklicher'n Welten,
Reicht der harrende Freund,
seiner Entbehrten die Hand."
Abb. 5: "Biographie des Königl. Preuß. Ober-Steuer-Kontrolleurs
Reinhard Vogelers" von 1848, 20 Seiten (hier: Kopien)
Die Eltern von Barbe Catherine Adelaide Lorrain stammten übrigens aus Liny-devant-Dun an der Maas. Das liegt nördlich von Verdun, 30 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Sie selbst war 1803 in Worms geboren worden. In den sechs Jahren der Ehe wurden fünf Kinder geboren, drei Töchter und zwei Söhne: Adelaide, Philippine, Ernst, Laura und Carl. Von diese starben die beiden letzteren mit 15 und 17 Jahren. Die älteste Tochter heiratete einen Beamten in Saarlouis, die zweite wurde Lehrerin einer Elementar-Mädchenschule in Rheinbach und der Sohn wurde Unteroffizier in Koblenz. Vogeler weiter:
In Berücksichtigung, dass die ambulanten Dienstleistungen der Ober-Grenz-Steuer-Kontrolleure, die zu Pferde oder zu Fuß Tag und Nacht und bei jeder Witterung unter freiem Himmel ausdauern müssen, körperlich sehr angreifend sind, sollen sie, höherer Bestimmung gemäß, wenn sie nicht mehr stark genug dazu sind, bei den Haupt-Ämtern als Assistenten oder als Einnehmer bei den Zoll- oder Steuer-Ämtern im sedentairen Dienste (...) beschäftigt werden.
Deshalb wurde er 1833 nach Coblenz und 1836 nach Cöln versetzt. Abschließend schreibt er:
In seinem vielbewegten Leben war er nur selten krank und hat ihn sein Mut bei allen Gefahren, Unglücksfällen in seiner Familie und sonstigen Widerwärtigkeiten nie verlassen, der ihn auch jetzt - 1848 - in dem Alter von 60 Jahren noch treulich zur Seite steht, wenn auch sein Körper durch die langjährigen und vielfachen Anstrengungen im Dienste geschwächt worden ist, was ihn bewogen, seinen Rücktritt aus dem Königlichen Dienste, den er während 36 Jahren ehrenvoll vorgestanden hat, nachzusuchen, worauf ihm der Abschied mit der ihm gesetzlich zustehenden Pension am 1. November 1848 bewilligt worden ist.

Seine Leistungen in Militär- und Civil-Diensten sind zur Zeit durch Ordensverleihungen, vielfache Belobungen, Gratifikationen, Beförderungen und Gehaltsverbesserungen vom Staate rühmlichst anerkannt und belohnt worden.
Die Lebenserinnerungen und das beigefügte Ölportrait ließ Vogeler - wie die Nachfahrin 2002 erzählte - seinem Bruder Christoph in Halberstadt zukommen, seinem Schwager Burgandt in Bahnitz und je eines seinen drei überlebenden Kindern. Auch ist von seiner Nachfahrin noch ein Brief zur Verfügung gestellt worden, den Vogeler am 30. Juni 1857 von Halberstadt aus, wo er bei seinem Bruder zu Besuch war, an eines seiner Kinder schrieb über einen Besuch bei seiner Schwester in Bahnitz und Pritzerbe:
Am 4. bis auf 9. d. Mts. habe ich eine Reise nach Bahnitz gemacht und meine Verwandten, die fast alle mit Armut zu kämpfen haben, in Schlagenthin, Jerchel und Pritzerbe besucht. Leider ist Bahnitz nicht mehr das, was es früher war! Das alte Schulhaus, darin ich geboren, ist bis auf den Grund abgebrochen, an dessen Stelle steht ein neues Schulhaus, die Mauern und das Sparrwerk bereits aufgerichtet, im Bau begriffen, und mein Schwager Burgandt, Kantor von Bahnitz, wohnt jetzt in Pritzerbe.
Es ist interessant, dass ein Bahnitzer, der sein Leben lang so weit in der Welt herum gekommen war, so viel Verbundenheit mit Bahnitz behielt, dass er sich dort die Errichtung eines "Stammhauses" erträumte. Die genannte Nachfahrin ist übrigens eine Ur-ur-Enkeltochter seiner Tochter Adelaide und heute die einzige und letzte, direkte Nachfahrin von Reinhard Vogeler.

Ein anderer Bahnitzer übrigens war in den Freiheitskriegen nicht so glücklich wie Vogeler. Joachim Christian Rohrschneider, Musketier bei der 1. Kompagnie des Reserve-Bataillons des Leib-Infantrie-Regiments, starb am 19. August 1813 in Beuthen in Schlesien mit 25 Jahren am Nervenfieber.

Ein "Kulturbild" von Bahnitz (um 1860)


Der Militär-Fachlehrer i. R. August Mohr (1855-1834) in Swinemünde verfasste zwischen Herbst 1930 und 1932 - also in seinem 75. bis 77. Lebensjahr - eine "Familiengeschichte der Mohren". Er schrieb - vielleicht altersgemäß? - mit einem Anflug von Mißmut und ein wenig ätzend über die Heimat seine Kindheit. Dennoch erfährt man durch diesen Bericht vieles über das Leben im Dorf, das man auf andere Weise nicht erfahren würde. Er schreibt als er auf seinen Vater zu sprechen kommt, der um 1830 nach Bahnitz heiratete:
So kamen die Mohren aus dem schon aufgeklärteren Havelland nach dem noch recht zurückgebliebenen Bahnitz. (...) Hier möchte ich erst einiges über die Einfachheit des Dorflebens meiner Kindheit einschalten. (...) Die Hälfte des Hauses war Kuhstall. (...) Die Winternachmittage und -abende spannen Frauen und Mägde um die Wette den selbst zubereiteten Flachs für Leinwand, Kleidung und Säcke.
In einer, vielleicht etwas später verfassten Version schrieb er darüber sehr ausführlicher:
Kulturbild Bahnitz um 1860 herum: Das Dorf bot um diese Zeit ein ganz anderes Bild. Fast sämtliche Gebäude mit Rohrdach, Giebel zur Straße gekehrt, Eingang vom Hof. Die ersten Gebäude an Krügers Ecke (Hof Nr.1) gegenüber in Richtung der Dorfstraße ein langes Hirtenhaus und von seinem Nordende bis Rohrschneiders (wo der jetzige Gasthof ist) ein zweites ebenso. Die Dorfstraße ohne Damm, bei Regenwetter in Holzpantoffeln unpassierbar.

An jeder Seite eine Reihe großer Rüstern (Ulmen), die drei vor unserem Hof  und zwei vor Nachbar Siebert (Hof 30 und Hof 28) riesig hoch und dick. Die Gehöfte durch eine fortlaufende Bohlenwand von einem Ende bis zum anderen abgeschlossen.
In der kürzeren Version: "an der ganzen Straße entlang eine zwei Meter hohe Bretterwand". Weiter die längere Version:
Zwischen ihr und dem weiter zurück liegenden Hausgiebel bei vielen ein Blumengarten, unserer etwa 8 bis 10 m breit, den Friederike vorzüglich in Ordnung hielt.

Am Kirchof, dessen Grenze erst später an 10 m vorgerückt wurde, ein größerer dreieckiger Rasenplatz, der Spielplatz der Jugend. Die Gärten hatten auffallend viele und gute Obstbäume, die nach der Franzosenzeit, wo die Bauern frei wurden, gepflanzt sein müssen. Hinter der Scheune war überall ein Rasenplatz für die Bleiche und Gänsekükenweide.

Bahnitz galt allgemein als 50 Jahre zurückgeblieben gegen die Dörfer im Havelland und an der Potsdam-Magdeburger-Chaussee. Dort schickten schon in den 50er Jahren manche Landwirte ihre Söhne nach Brandenburg auf höhere Schulen, in Bahnitz verstieg man sich erst 30 Jahre später dazu, einige Jungens Lehrer werden zu lassen.

Bei der Aufteilung des Rittergutes Kützkow hatten sich die Bahnitzer recht kurzsichtig gezeigt, als ihnen alle Wiesen unterhalb angeboten waren zu mäßigem Preise. „Wi hebben genug Wischen, wat söllen wi mett so ville Heu?“ Damit überließen sie einen großen Teil den Tieckowern und Nitzahnern. Vom Acker lag stets ein Drittel brach zur Schafweide, und das ganze Land von der Jerchelschen Grenze bis zur Havel und den Tieckowschen Wiesen war Kuh- und Gänseweide, auch eingefriedigte Nachtheinichte. Die Separation schuf hier erst Acker und Wiesen.
"Nachtheinicht" ist ein heute nicht mehr gebrauchtes Wort, das ein eingezäuntes Grundstück bezeichnet, das der nächtlichen Verwahrung von Vieh diente (auch Nachtheinung, Nachtheimgarten). Laut der von H. Pape erstellten Flurkarte lagen sie entlang des schönen (noch heute ungepflasterten) Feldweges westlich von Bahnitz. Weiter:
Die Heide war größer, hatte hohes, Stangenholz und Schonung. In letzterer behauptete jeder „große Junge“ seinen Strich zum Sprengselstellen im Herbst; jedes Haus wurde mit einem „Rotbart“ versorgt, das Stück 1 Groschen. Eine andere wichtige Einnahme war der Singegroschen bei jeder Leiche. Das eigentliche Kindergeld war aber der schöne große Kupferdreier.
Die mit "Sprengsel stellen" bezeichnete Tätigkeit ist schon seit mehr als hundert Jahren - zumindest in Deutschland - so außer Gebrauch gekommen, dass man im Internet erst länger suchen muss, bis man Erläuterungen findet. Diese erhält man, wenn man auf Google Bücher mit den Worten "Vögel" und "Sprenkel" sucht, dann bekommt man viel Literatur aus der Zeit zwischen 1750 und 1900 angezeigt, die zumeist mit großer innerer Anteilnahme erläutert, dass es sich um die Vogeljagd handelt. Für diese waren sich ja in Deutschland selbst Könige nicht zu schade. Hieß doch der erste deutsche König Heinrich I. "der Vogler" und er saß - der Sage nach - "am Vogelherd" als er die Nachricht erhielt, dass er zum König ausgerufen worden war (man höre sich dazu die sehr hörenswerte Ballade "Heinrich der Vogler" von Carl Loewe an). Und der erwähnte "Rotbart" ist das Rotkehlchen. So ist etwa zu erfahren (Schimmelpfennig, F.: Vom Rotkehlchen. In: Der Vogelliebhaber, Bände 2-4. Schweizerischer Kanarien-Züchter-Verband, 1891, S. 9 [GB]):
Unter allen heimischen Vögeln (...) ist der Rotbart der bekannteste und mit am weitesten verbreitete. Wer vom Lande stammt, dem war er Freund von Jugend auf. Ich glaube, daß mich noch die Piehöschen zierten, als ich schon versuchte, aus Weidengerten und blauem Zwirn (...) Sprenkel zu machen.
Sprenkel, bzw. Sprengsel sind also Vogelfallen. Allerhand Seiten später in derselben Veröffentlichung heißt es jedoch (S. 43):
So lange man noch Sprenkel stellt und gefangene Vögel zu Tode martert, so lange noch ein Vater oder gar ein Lehrer dergleichen mit ansehen kann, ohne mit der stengsten Strafe solche Nichtswürdigkeit zu ahnden, so lange sind wir selbst von der Mitschuld an der allgemeinen Verfolgung der Vögel nicht frei zu sprechen.
Aber nun weiter in den Bahnitzer Jugenderinnerungen von August Mohr, die dieser im 77. Lebensjahr im Jahr 1932 festhielt:
Eine sehr gefürchtete Rechenklippe in der Schule bildeten die Silber- und Gutegroschen zu 10 und 12 Pfennig; es gab 2, 4 und 8 Gutegroschenstücke; wer davon eins besaß, ging als Krösus zum Markt nach Pritzerbe.                       

Das Dorf hatte keinen einzigen Handwerker; ich wurde oft mit einem schadhaften Pflugschar nach Kützkow geschickt.

Kaleschen (Kutschen) gab es nicht; zu den Gastereienfahrten diente der Ackerwagen mit aufgesetztem Korbgestell, die Sitze waren Säcke voll Stroh. Überzieher waren unbekannter Luxus, ebenso gewebte Unterkleider im Winter, dazu genügten abgelegte Jacken und Hosen.

Sehr einfach waren die Wohnräume und Möbel. Unser Haus hatte wie alle andern den Eingang vom Hof aus. Vom Flur und Treppe geradeaus die große Küche mit Keller- und Mädchenkammereingang, rechts eine kleine Kammer, links die Wohnstube. In der ersten Ecke eine dreieckige Schenke, in der anderen der große Tisch, der dritten ein 2 schläfriges Bett, der letzten der große Ofen, der auch in die hintere Schlafstube reichte und von der Küche aus geheizt wurde. Eine Uhr und Holzschemel, dazu Bänke mit Lade um Tisch und Ofen herum, das war alles. In der Hinterstube ein Bett, 2 Koffer für Kleider und Wäsche und ein Wirtschaftsschapp (offener Schrank).

Die ganze Familie aß mit dem Gesinde zusammen.

Rind- und Kalbfleisch waren unbekannt, nur Schwein, Hammel, Gänse und viel Fisch. Abendbrot war stehend eine Suppe und Pellkartoffeln, nach dem Schlachten mit Grieben und Wurst, sonst mit Speckstippe in einem Tiegel. Jeder pellte sich einen Haufen ohne Teller, und dann wurde mit der aufgespießten Kartoffel im Tiegel gefischt, wobei natürlich auch Schiffbruch vorkam.

Die Havel lieferte reichlich Fische: Hecht, Barsche, Bleie, Schleie, Quappen, Welse, Aale und namentlich Plötzen. Jeder hatte im metertiefen Wasser einen Fischkasten stehen, der zum Aust und zu Festlichkeiten reich gefüllt wurde. An stillen, dunklen Frühlingsabenden gingen wir ans Wasser, um die 30 und mehr hellen Feuer auf den Wiesen bis nach Döberitz hin zu sehen. Bei Kienfeuer wurden mit dem Speer manchmal soviel Bleie gestochen, daß sie nach anderen Dörfern zu Verwandten getragen werden mußten; auch stachen wir Jungens im Sonnenschein auf Wiesen laichende Hechte.

Mutter spann mit den beiden Mädchen alle Winternachmittage und -abende Flachs, Hede und Wolle. Die große und kleine Spinnkoppel ging Reihe herum, und bei Kaminfeuer saß dann die ganze Stube voll. Die Knechte sorgten mit kurzen und langen Pfeifen für gründliche Durchräucherung und - Unterhaltung, denn das Kienfeuer ging manchmal aus. Besitzersöhne und Töchter schieden sich erst anfangs der 60er Jahre in 2 Gesellschaften von den Knechten und Mägden.

Tanzmusik war in der engen Krugstube ein oder zweimal im Jahr.

Die einzige allgemeine Volksbelustigung war in der Pfingstzeit das Auskegeln eines bekränzten Hammels und eines Umschlagetuches. Von Schwarzlose (Hof Nr. 7) bis Bading wurde die Straße dazu glatt geschippt, die Kegel standen über meterweit auseinander, Birken waren um die Tische gepflanzt und ein Faß Braunbier - Lagerbier war unbekannt - sorgte für Stimmung; Musikanten natürlich dabei.

Mit der Beleuchtung sah es sehr trübe aus. Bis 7 Uhr war nur die Küche erhellt. Zum Abendbrot kam die Öllampe auf den Tisch, und nacher war Kienfeuer im Kamin, wozu ich jeden Nachmittag einen Korb voll Kien zu hacken hatte.

Die erste Petroleumlampe brachte Aufregung. Der Docht wurde wie bei der Öllampe 1 cm lang herausgeschraubt, und der Zylinder rauchte wie ein Fabrikschornstein, bis er „Knix“ sagte. Natürlich taugte nun die Neuerung nichts, und Bruder Albert schimpfte namentlich über den ihm unleidlichen Petroleumgeruch. Im Winter wurden in der Stube Netze gestrickt und ein Vorrat von großen und kleinen Kiepen geflochten, worin Albert Meister war.
Woran mochte es wohl liegen, daß in der ganzen Feldmark nicht eine Buche und Tanne zu finden war? Im Dorf gab es keine Linde, keine Akazie; nur eine Kastanie vor Hille, die von uns Jungen im Herbst natürlich heimgesucht wurde, wobei die böse Frau mit den „groten Hoasen“ aus dem Fenster jedes Mal gewaltig schimpfte. (Von Hille - Hof Nr. 12 - hieß es im Dorfvers: Andreas Hille is sonn kleener Mann un siene Frau  hett de groten Hoasen an.)
Soweit August Mohr, der Onkel der Urgroßmutter des Verfassers dieser Zeilen.

Abb. 6: "Familiengeschichte der Mohren"
von Lehrer August Mohr, 1932 (hier: Kopien)


1870/71


Im Krieg von 1870/71 ist ein Bahnitzer im Alter von 25 Jahren als Füsilier in der Schlacht von Gravelotte durch Kopfschuß gefallen. Er hieß Christian Friedrich Runge und gehörte zur 3. Kompagnie des Magdeburger Füsilier Regiments 36. Sechs weitere Kriegsteilnehmer kehrten nach Hause zurück: Friedrich Bading, Friedrich Bütow, Andreas Krüger, Friedrich Petzold, Friedrich Prinz und Karl Schröder.

Schon in den 1870er Jahren erhielten die Höfe in ganz Bahnitz wie überhaupt auf allen Dörfern des Havellandes, bzw. des heutigen Landes Brandenburg neue Stallgebäude und Scheunen in Backstein-Bauweise. Es sind jene, die noch heute überall zu sehen sind. In den 1880er Jahren wurden auch die alten Wohnhäuser, die - wie geschildert - oft Wohn-Stallhäuser waren und mit dem Giebel zur Straße standen, durch jene Häuser ersetzt, die heute noch vorhanden sind. Und zwar mit den damals üblichen Stuck-Fassaden.

1889 wurde der neue Friedhof vor dem Dorf angelegt, da der alte um die Kirche gefüllt war.

1898 wurde der Kriegerverein Bahnitz-Möthlitz gegründet, der dem Deutschen Kriegerbund angehörte. Er zählte 40 Mitglieder und wurde insbesondere nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutsam, als er sich um die Familien der im Felde stehenden aktiven Soldaten kümmerte. Besonders die Familien von Gefallenen erhielten Unterstützung.

1903/04 wurde eine gepflasterte Chaussee von Nitzahn nach Bahnitz gebaut. In Bahnitz selbst wurde die Ablage geschaffen, also ein befestigtes Havelufer, zunächst aus Holz, 1911 wurde stattdessen eine Betonmauer errichtet. Sie diente als Anlegestelle für die Berufsschiffahrt und wurde auch als "Hafenanlage" bezeichnet. Es wurden Tarife festgelegt für das Ausladen der Lastkähne mit dazu gehörigem Schiffsliegegeld (nach Gericke [Jerchel]).

1899 bis 1904 war Lehrer in Bahnitz ein Heinrich Diekmann. Von ihm sind über den Wusterwitzer Lehrer Otto Lindenberg zwei handschriftlich ausgefüllte Din-A-5-Schulhefte überliefert zur Dorfgeschichte von Bahnitz mit dem Titel "Aus unserer Väter Tagen".

Abb. 7: Heinrich Dieckmann  (Lehrer in Bahnitz)
"Aus unserer Väter Tagen" zur Dorfgeschichte
von Bahnitz, etwa 1904
Von 1908 bis 1910 wird die Bahnitzer Schleuse gebaut. In der Folge wird auch der Schleusen-Gasthof an der Havel auf halbem Weg zwischen Dorf und Schleuse erbaut. Außerdem wird berichtet (n. Gericke [Jerchel]):
Um 1913 gab es zwei Fähren in Bahnitz, eine für die Ackerleute (Bauern) und eine für die Kossathen (Kleinbauern) zur Bewirtschaftung ihrer Wiesen auf der gegenüberliegenden Seite der Havel.

1914/18


Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Er griff tief in das Schicksal von Millionen Menschen ein, jede einzelne Familie war von ihm betroffen, auch in den abgelegensten Dörfern. Wie der Krieg erlebt worden ist, geht auch noch hervor aus dem Bahnitzer Kriegerehrenmal, das am 11. und 12. Juli 1921 vor der Kirche eingeweiht worden ist für die zwölf Gefallenen der Gemeinde. Für dieses Ehrenmal wurde der Spruch gewählt:
Ich stritt im deutschen Heere,
für deutsches Heiligtum,
als Schildknapp deutscher Ehre,
für deutscher Zukunft Ruhm.
Es wurde auf dem Stein nicht angegeben, woher dieser Spruch stammte. Er stammte von Guido von Gillhaussen (1870-1918) und ist von diesem nach einer schweren Verwundung im Jahr 1914 gedichtet worden. Nachdem von Gillhausen im Jahr 1918 gefallen war, wurde das vollständige Gedicht, dem diese Zeilen entnommen worden waren, auf seinem Grabstein auf dem geschichtlich bedeutenden Invalidenfriedhof in Berlin eingemeißelt. Dort sind sie heute noch zu lesen (Denkmalprojekt). Der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Karl Feldmayr, soll dieses Gedicht sehr geschätzt haben und es gelegentlich - und innerlich bewegt - vorgetragen haben. Vollständig lautet dieses Gedicht:
Ich weiß, wofür ich leide,
Mein Blut vergossen hab:
In schwerstem deutschen Streite
Grub ich an Feindes Grab.
Ich stritt im DEUTSCHEN Heere
Für DEUTSCHES Heiligtum,
Als Schildknapp DEUTSCHER Ehre
Für DEUTSCHER ZUKUNFT Ruhm!
Drum lebt trotz grimmer Schmerzen,
Trotz wundenheißer Qual,
In meinem deutschen Herzen
Nur Dank und Sonnenstrahl.
Es muss damals Bahnitzer gegeben haben, die sich von diesen Zielen sehr angseprochen fühlten. Vielleicht hatte der damalige Bahnitzer Lehrer oder ein Kriegsteilnehmer oder ein anderer Bahnitzer oder ein Mitglied des Bahnitzer Kriegervereins dieses Gedicht irgendwo in der Zeitung gelesen und vorgeschlagen, die Zeilen auf dem Kriegerehrenmal festzuhalten. Solche Kriegerehrenmäler wurden damals auf allen Dörfern und in allen Städten in Deutschland errichtet. Sie sind auch im Havelland noch heute auf fast jedem Dorf erhalten. Das Bahnitzer Denkmal wird man unter ihnen sicherlich als ein vergleichsweise recht ansehnliches bezeichnen dürfen. Auf seiner Vorderseite stehen die Worte:
Ihren im Kriege
1914 bis 1918
auf dem Felde
der Ehre gefallenen
Brüdern und Söhnen
errichtete diesen Stein
zum Zeichen
dankbarer Verehrung
und Erinnerung
die Gemeinde Bahnitz.
Darunter befanden sich früher zwei gekreuzte Schwerter, von denen im Jahre 2001 nur noch eines vorhanden war. Auf den Seitenflächen links und rechts befinden sich die Namen der folgenden zwölf Bahnitzer (n. Gaubatz):
  • Fäths, Richard, Reservist, geb. 8.4.1891, gef. 3.10.1914 in Marcatel
  • Plötze, Karl, Musketier, geb. 8.3.1890, gef. 22.10.1914 in Belgien
  • Rück, Karl, Gefreiter der Reserve, geb. 10.9.1889, gef. 7.11.1914 in Belgien
  • Schwarzlose, Ernst, Landwirt, geb. 6.11.1884, gef. 2.5.1915 in Gorlice-Tarnow
  • Fäths, Ernst, Reservist, geb. 29.9.1886, gef. 27.9.1915 in Frankreich
  • Zietemann, August, Reservist, geb. 13.6.1888, gef. 27.11.1915 in Rußland
  • Köppen, Hermann, Landwirt, geb. 14.2.1876, gef. 2.6.1916 in Verdun
  • Griese, Hermann, Musketier, geb. 27.5.1892, vermißt seit Juni 1916 in Rußland
  • Fäths, Alfred, Landwirt, geb. 6.11.1884, verm. 16.9.1916 in Frankreich
  • Rieck, Otto, Musketier, geb. 8.10.1891, gef. 20.7.1918 in Frankreich
  • Rosin, Hermann, Sergant, geb. 4.9.1887, gef. 23.8.1918 in Bapaume
  • Reinecke, Bernhard, Unteroffizier, geb. 21.8.1891, gef. 24.10.1918 in Fesmy
Gemäß der Bahnitzer Gemeindeprotokolle wurde im August 1938 die Verschönerung der Dorfstraße beschlossen. Offenbar wurden aus diesem Anlass die heute noch vorhandenen Kastanien gepflanzt.

Eine Dorfchronik, entstanden Ende der 1930er Jahre

 

Im Oktober 1998 wurde in der Regionalpresse bekannt, dass eine verloren gegangene, Ende der 1930er Jahre verfasste Chronik des Dorfes Bahnitz wieder gefunden worden sei. Sie liegt inzwischen als Manuskript vor und ihr wurde im Frühjahr 2001 als Vorwort vorangestellt:
Am 9.7.1998 wurde mir in Kirchmöser von einer Dame das „Familienbuch von Bahnitz“ von Hermann Pape übergeben, welches im selben Jahr in Kade im Straßengraben gefunden worden sein soll. Die Nachricht in der Presse über diesen Fund brachte mir die Bekanntschaft eines heute in Porz am Rhein lebenden Kützkowers, der mir die nachfolgend abgeschriebene Chronik mit Anhang und das Steuerkataster von 1650 bis 1728 übergab.
Da gelang also auf wunderlichen Wegen über die Presseberichterstattung die Erhaltung und Sicherstellung von in einer früheren Generation erarbeiteten Wissens zur Dorfgeschichte, das bis dahin noch nicht in die erarbeitete Dorfgeschichte (vgl. Gaubatz) eingearbeitet worden war. Diese Dorfchronik des Bahnitzer Lehrers Hermann Pape, die Ende der 1930er Jahre verfasst worden ist, beginnt mit den Worten:
„Jeder Krämer lobt seine Ware“, sagt das Sprichwort. Wenn man unseren Kirchturm besteigt, hat man von dort eine herrliche Aussicht nach allen vier Himmelsrichtungen. Nicht jede Feldmark kann sich mit unserer an Abwechslung messen. Im Osten liegt Pritzerbe zum Greifen nahe, besonders wenn es am Nachmittag von der Sonne beschienen wird. Dann kann man den Blick schweifen lassen bis zum Marienberg (Brandenburg) im Südosten. Über den Wald im Süden ragt der Wasserturm von Kirchmöser und über die Königsheide schaut im Norden der spitze Kirchturm von Rathenow. Wer mag in den 150 Jahren, seitdem die Kirche steht, schon von hier oben Ausschau gehalten haben auf das schmucke Dörflein zu seinen Füßen, umgeben von wogenden Kornfeldern, auf die blaue Havel und die grünen Wiesen?

Das Bild unserer Flur hat sich im Laufe der Jahrhunderte wesentlich geändert. Unsere Flurnamen plaudern aus alter, vergangener Zeit, auch eine alte Flurkarte aus dem Jahre 1723 (bisher nicht aufgefunden) zeigt uns den Unterschied zwischen „Einst und Jetzt“. Damals gab es in unserer Feldmark viel Wald. Meist mögen es Erlen (Elsen) gewesen sein, besonders an den tieferen Stellen. Vom Wald erzählen die Namen: Elslaake, Rökenbusch und Hölzchen; daß er gerodet wurde: Radeländer. Es gab wenig Acker und viel Wiese und Weide. Da die Havelniederung reich an Wiesen ist, haben hier viel auswärtige Besitzer ihre Wiesen liegen. Mit ihnen gab es häufig Streit, da die Bahnitzer auch auf ihren Wiesen das Hütungsrecht hatten. Die Frühjahrshütung ging bis Altwalpurgis (12.5.); die Herbsthütung begann am 5. September, bis zu dieser Zeit mußte die Heuernte beendet sein. Mit den Nitzahnern gab es 1791 - 1793 einen Prozeß wegen der Frühjahrshütung. Auch hatte ihnen der Kossat Küsel  (Hof 25) die Benutzung seines Weges nach dem Ziegenwerder untersagt. Die Nitzahner wollten den Bahnitzern das Hütungsrecht nur bis zum 1. Mai einräumen. Am 3. Oktober 1793 ist der Prozeß zu Ende, die Bahnitzer dürfen bis 12. Mai hüten, aber die Wiesen nicht wirtschaftlich schädigen.
Es ist tatsächlich erstaunlich, wie viele auswärtige Besitzer es gab. 19 Besitzer waren in Nitzahn ansässig, 8 Besitzer in Tieckow, außerdem gab es Besitzer aus Kützkow, Knoblauch, Briest und Plaue. Diese konnten es 1818 erreichen, dass die Bahnitzer auf das Recht der Frühjahrshütung völlig verzichteten, nachdem sie sich die Bahnitzer mit einer Entschädigung von 2/27 aller Wiesen zufrieden gegeben hatten. Bahnitz behielt aber zunächst noch das Recht der Herbst- und Winterhütung mit Schafen bis zum 15. März. 1864 wurde auch dieses Recht auf die Herbsthütung gegen eine Ablösesumme aufgehoben. In diesen Vorgängen spiegelt sich der Wandel der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert. (Das Hütungsrecht hatten offenbar insbesondere die Kossaten, denn sie werden mit 1.480 Mark entschädigt, während die Bauern nur 60 Mark erhalten.) 1870 endete die Tätigkeit der sechs Dorfhirten völlig. Die Hirten hießen damals:
  • Bleiß, Pferdehirt der Bauern,
  • Schröder, Pferdehirt der Kossaten,
  • Gantzer, Kuhhirt der Bauern,
  • Leineweber, Kuhhirt der Kossaten,
  • Herm, Schafhirt der Bauern,
  • Barnau, Schafhirt der Kossaten.
Wer sich ein Bild vom Leben dieser Hirten machen möchte und davon, welche Stellung sie im Dorf hatten, der dürfte mit dem Zeitzeugen-Bericht "Die Heiden von Kummerow" von Ehm Welk (1884-1966) nicht die schlechtesten Wahl treffen. Dieser weit verbreitete Roman aus dem Jahr 1937, der in DDR-Zeiten auch verfilmt wurde, hat das Leben auf einem Dorf in der Mark Brandenburg in der Jugendzeit seines Verfassers Ende des 19. Jahrhunderts sehr genau und präzise geschildert. Ehm Welk hatte sie schließlich selbst erlebt*). Hermann Pape hinwiederum berichtet weiter:
Die ersten Koppeln in unserer Feldmark wurden von den Kossaten Rohrschneider (Nr. 32) und Müller (Nr. 31) um das Jahr 1909 angelegt. Heute (1939) verfügt jeder Hof über eine oder mehrere Koppeln.
Laut Volks-, Berufs- und Betriebszählung von 1939, die Pape aufführt, war gut der Hälfte der Bahnitzer Gemeindeflur Ackerland. Die andere Hälfte der Fläche teilte sich auf auf ein Fünftel Wiesen, sowie gefolgt von Gewässern, Koppeln, Waldland und anderes. Auf gut der Hälfte des Ackerlandes hinwiederum wurde Winterroggen angebaut. Auf je etwa 15 Prozent desselben Hafer und Kartoffeln. Und auf dem Rest vielfältige andere Pflanzenarten: Futterrüben, Gemenge, Sommergerste, Winterweizen, Sommerweizen, Zuckerrüben und anderes mehr.

Die Zahl der Schulkinder der Dorfschule in Bahnitz schwankte zwischen 1884 und 1939 zwischen 50 Kindern (1884) und 19 Kinder (1939). Ab 1900 blieb die Schülerzahl fast immer unter 40 Kindern. Pape erklärt diese Zahlen nicht. Aber vielleicht erklären sie sich auch dadurch, dass ab 1900 einige der älteren Kinder auf eine weiterführende Schule nach Brandenburg geschickt wurden? Es war üblich, dass sie dort während der Woche in Pension bei einer Verwandten lebten - etwa bei Selma Sachtleben, die am Altstädtschen Markt neben dem Roland wohnte - und nur am Wochenende nach Hause kamen. So war es noch in den Anfangsjahren des Zweiten Weltkrieges üblich.

In Bahnitz gab es also einen Schulzenhof, ein Kruggut, sieben Bauern- und 12 Kossatenhöfe, also insgesamt 21 Höfe. Außerdem gab es fünf Büdnerstellen. 1939 lauteten die Familiennamen der Hofbesitzer: Krüger, Wittenborn, Gantzer, Meinecke, Bading, Schröder, nochmal Krüger, Siebert, Schwanebeck, Lux, Schütze, Sengespeick, Tonne, Kühne, Mohr, Baumgarten und Rohrschneider.

Abb. 8: Chronik des Dorfes Bahnitz
 von Lehrer Hermann Pape, etwa 1936 bis 1940


Bahnitzer, die 1939 bis 1946 ums Leben gekommen sind


1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und am 22. Juni 1941 begann der deutsch-sowjetische Krieg. Ein Bahnitzer war Soldat im Rahmen des 9. Infanterie-Regiments. Über die Erlebnisse seiner Kompagnie bis Dezember 1941 hat sein Kompagnieführer zu Weihnachten 1942 eine kleine Schrift herausgegeben (s. Weck). Die Kompagnie kam bis vor Moskau. Der Kompagnieführer eines gefallenen Bahnitzers - dieser hätte der Großvater des Verfassers dieser Zeilen sein können - schrieb an dessen Ehefrau einen Brief, der hier als ein typisches Zeitzeugnis auszugsweise zitiert werden soll:
Ich weiß, dass diese Nachricht für Sie und Ihre Kinder überaus schmerzlich und unfassbar sein wird. (...) Ihr Mann war bei meiner Kompagnie als M.G. Schütze eingesetzt und versah diesen Dienst mit großer Liebe und war vor allem einer meiner verlässlichsten Soldaten. Seine charakterlichen Eigenschaften, sein nie versagender Mut, sein unerschütterlicher Glaube an den Sieg Groß-Deutschlands und sein stets gleichbleibendes Wesen zeichneten ihn besonders aus.
Nach dem weiteren Bericht des Kompagnieführers wurde der Familienvater durch einen einzelnen Schuß in der Hauptkampflinie während des Auswaschens seines Essgeschirrs und ohne dass es zu diesem Zeitpunkt irgendwelche Kampfhandlungen gab, in den Bauch getroffen. Er
lief sofort zum Bunker und sagte, dass er verwundet sei und fiel um.
Ein Sanitäter war sofort, der Truppenarzt nur wenig später zur Stelle:
Ihr Mann war völlig bei Sinnen und hat mir den Vorgang noch genau erzählt. Auf dem Wege zum Hauptverbandsplatz ist er dann ohne noch etwas zu sagen, verschieden. (...) Während ich Ihren Mann auf der Tragbahre liegen sah und mit ihm sprach, hatte ich noch einen Schimmer Hoffnung, dass er womöglich doch noch mit dem Leben davon kommen könne und ich sprach ihm noch Mut zu. Er selbst war sich wie ich auch aus seinen Worten entnahm, über die Schwere seiner Verwundung vollauf bewusst, aber dennoch biss er die Zähe zusammen und klagte nicht. (...)
Einem gerade aus dem Urlaub zurück kehrenden Kameraden habe er noch gesagt: "Du kommst vom Urlaub und ich gehe auf Dauerurlaub."  Abschließend schreibt der Kompagnieführer:
In seinem Tun und Handeln Ihrem Manne nachzueifern soll für uns heiligste Verpflichtung sein.
Über das Kriegsgeschehen in Bahnitz in den Jahren 1944 und 1945 ist schon in einem anderen langen Blogartikel berichtet worden. Fast jede Familie hatte im Zweiten Weltkrieg den Verlust von Familienangehörigen zu beklagen. Nach den gesammelten Erinnerungen von Bahnitzer waren das etwa folgende Personen (s. Gaubatz, sowie weitere Erinnerungen):
  • Walter Siebert. Er kam am 4. Dezember 1941 vor Moskau ums Leben.
  • Adolf Sengespeick (geb. 1920). Er gilt seit dem 3. November 1942 in Tobruk/Nordafrika als vermißt.
  • Erwin Altenkirch (geb. 1912). Er kam in Stalingrad 1942 ums Leben.
  • Erwin Lux (geb. 1911). Er gilt seit 1942 in Stalingrad als vermisst. Beide kamen also entweder in den Kämpfen selbst ums Leben oder in den nachherigen Todesmärschen und -lagern. (Nur 10 Prozent der etwa 91.000 deutschen Soldaten, die bei Stalingrad in Gefangenschaft geraten sind, haben die Gefangenschaft überlebt.)
  • Adolf Schütze (geb. 1922). Er verunglückte am 18. Januar 1943 im Kaukasus.
  • Otto Wittenborn (geb. 1909). Er gilt seit 1944 in Rumänien als vermißt.
  • Gerhard Gantzer (geb. 1927). Er kam am 21. Dezember 1944 in der Ardennen-Offensive ums Leben.
  • Der Obergefreite Walter Bärmann (geb. 1902). Er fiel am 13. Januar 1945 bei Bjerzivchowo in Weißrußland und wurde laut Gefallenenmeldung auf dem "Heldenfriedhof von Jedwabne" begraben.
  • Rudolf Schwanebeck (geb. 1911). Er ist gefallen.
  • Helmut Rohrschneider (geb. 1916). Er kam in Rußland ums Leben.
  • Karl Rohrschneider (geb. 1920).
  • Max Wedel (geb. 1886).
  • Fritz Griese (geb. 1924).
  • Gustav Kersten.
  • Otto Krüger (geb. 1908). Er starb in russischer Kriegsgefangenschaft bei Moskau.
  • Paul Fahrholz. Er starb durch einen Granateinschlag vor seinem Haus Anfang Mai 1945.
  • Ein Säugling von .... Er starb ebenfalls durch einen Granateinschlag mitten auf der sonnigen Dorfstraße Anfang Mai 1945.
Nach dem Ende des Krieges kamen ums Leben:
  • Elfriede Kersten. Sie nahm sich Anfang Mai 1945 in der Havel das Leben.
  • Gustav Ganzer. Er war Ortsgruppenleiter und Ortsbauernführer und starb am 28. Juni 1945 an der Elbe.
  • Der Bahnitzer Lehrer Hermann Pape (1886-1946). Er starb an Herzversagen und Hunger am 6. Dezember 1946 in einem NKWD-Lager in Riga.
(2001 hat ein Bahnitzer einmal einen Kostenvoranschlag bei einem Steinmetz in Rathenow einholen lassen für die Erstellung einer Gedenktafel für die 1939 bis 1946 ums Leben Gekommenen. Sie hätte 5000 DM kosten sollen. Nach einem damals ebenfalls eingeholten Kostenvoranschlag hätten für die Sanierung des Kriegerdenkmales 30.000 DM aufgewendet werden müssen.) Weitere Erinnerungen an ums Leben Gekommene:
  • Franz Tönniges (geb. 1906 in Loitsche/Wolmirstedt, wohnhaft in Kützkow). 1944 oder 1945 vermißt in Rußland.
  • Otto Zietemann (geb. 1915 in Bahnitz). Er lebte 1939 nicht mehr in Bahnitz.
  • Hermann Zietemann.
  • Paul Spirius (geb. 1911 in Bahnitz). Er lebte 1939 nicht mehr in Bahnitz. Er gilt seit 1945 als vermißt. 
  • Willi Spirius (geb. in Bahnitz). Er lebte 1939 in Pritzerbe. 
  • Werner Schröder (geb. 1926 in Bahnitz). Er lebte später in Milow. Er kam am 29. April 1945 als Kanonier ums Leben.
Der Tochter des allseits geschätzten Bahnitzer Lehrers Hermann Pape (1886-1946) wurde im Jahr 2008 von Seiten des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes angeschrieben:
Der Suchdienst hat aus den Archivbeständen der Russischen Föderation nun auch die Akten deutscher Kriegsgefangener erhalten, die auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion verstorben sind.
Diese Akte, die die Tochter zur Verfügung stellte, enthält noch viele Auskünfte zu dem Leben ihres Vaters. Nach ihr hatte Hermann Pape den ganzen Ersten Weltkrieg als Soldat mitgemacht und war als Leutnant der Reserve entlassen worden. Seit 1922 war er als Lehrer in Bahnitz tätig. Er war verheiratet und hatte 1945 schon eine erwachsene Tochter, die als Krankenschwester tätig war. 1940 war er der NSDAP beigetreten.

Im November 1944 wurde er zum "Volkssturm-Bataillon Jerichow II" eingezogen und zum Bataillons-Kommandeur desselben ernannt. Vom 16. Mai bis 1. August 1945 war er das erste mal in russische Kriegsgefangenschaft gekommen. Am 14. September 1945 wurde er erneut in Haft genommen. Wie es heißt, sind beide Internierungen aufgrund von Denunziation zustande gekommen (ist aber unverbürgt). Hermann Pape kam zuerst in das NKWD-Lager Nr. 69 nach Frankfurt an der Oder. Von dort wurde er nach Riga transportiert, wo er am 18. September 1946 im NKWD-Lager Nr. 349 anlangte. Am 25. November 1946 wurde er ins Krankenhaus in Riga (Nr. 4379) transportiert, wo er am 6. Dezember 1946 im 60. Lebensjahr verstarb. Als Todesursache werden von der diensthabende Ärztin Danilowa angegeben: Myokarditis (Herzentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung) und Dystrophie (Unterernährung). Am folgenden Tag wurde er auf dem zugehörigen Friedhof "im Quadrat Nr. 5 Grab Nr. 4" bestattet.

Dass ihr Vater gestorben war, hatten die Tochter und ihre Mutter 1948 nur über entlassene Mithäftlinge erfahren. Einer derselbe bestätigte seiner Tochter im Dezember 1948 in einem Brief "leider die unumstößliche Tatsache", dass ihr Vater nicht mehr am Leben war. Er schrieb:
Ihr Herr Vater war der zweitälteste Kamerad in unserem Kreise. Sein ruhiges und ausgeglichenes, stets freundliches und gefälliges Wesen hat ihn im großen Kreise all der Unglücklichen besonderes Ansehen und Wertschätzung gegeben. Wir alle haben mit ernster Besorgnis den Verlauf einer zunächst harmlos erscheinenden Erkältung verfolgt. Aber schon nach wenigen Tagen stellte sich ein für unsere damaligen Verhältnisse unverhältnismäßig starkes Fieber ein und der Abtransport ins Hospital wurde unumgänglich. Ihr Herr Vater war bei voller Besinnung und hatte von seiner bekannten und geschätzten humorvollen Art noch nichts verloren. Voller Hoffnung verabschiedeten wir uns. Leider glaubte ich an dem Tage schon zu wissen, dass dieser Abschied der letzte sein sollte. Nach langen Wochen erfuhr ich dann vom Tode Ihres Herrn Vaters. (...) Möge Ihnen der Umstand ein Trost sein, dass es meiner Ansicht nach besser ist, nicht mehr zu sein, als in einem hohen Alter ein Leben, das wir zu führen gezwungen waren, leben zu müssen. Nach Wahrscheinlichkeit würde Ihr Herr Vater, wenn er noch leben würde, auch dieses Weihnachtsfest noch nicht zu Hause sein. Leider sind alle unsere Kameraden fast durchweg noch in Gefangenschaft.
(Der Name dieses Mithäftlings war der Rechtsanwalt Dr. Hans-Wolfgang Gast, vormals Köthen, nunmehr Braunschweig. Im "Zentralblatt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz" von 1974 [Band 24, S. 370] findet sich der Nachruf auf einen mit 62. Jahren gestorbenen Dr. dieses Namens [GB].) Die Ehefrau von Hermann Pape war inzwischen nach Genthin verzogen und ließ daselbst ihren Ehemann gerichtlich für tot erklären. Als Todeszeitpunkt wurde - wahrscheinlich aufgrund der Erinnerungen von überlebenden Mithäftlingen (diese kamen auch aus Altenplathow bei Genthin) - der 31. Januar 1947 festgestellt.

Während das Familienbuch des Dorfes Bahnitz inzwischen an die "Deutsche Zentralstelle für Genealogie" (Wiki) eingereicht wurde, wo man sich auch für weitere Familienbücher interessiert, existieren umfangreiche Vorarbeiten für solche Familienbücher für die umliegenden Dörfer von Bahnitz (Möthlitz, Kützkow, Nitzahn, Jerchel, Knoblauch). Sie harren der weiteren Bearbeitung (siehe auch Anhang). Solche erstellten Ortsfamilienbücher, bzw. Familienbücher (Wiki) gelten als wertvolle Hilfsmittel der Ahnenforschung, bzw. der Genealogie (Wiki). Und im Zeitalter der weit fortgeschrittenen Humangenetik auch als Hilfsmittel der humangenetischen Forschung (siehe etwa Veröffentlichungen von Bryan Sykes oder auch von Volkmar Weiß, Leipzig).

___________________________________________________
*) Hier übrigens eine charakteristische Auswahl von Büchern, die eine in Zollchow 1910 geborene und dort aufgewachsene Tochter eines kleineren Bauernhofes in den 1980er Jahren gelesen hat oder sich als Fernseh-Verfilmung angesehen hat: Ilse von Bredow "Kartoffeln mit Stippe", Clemens Laars "Meines Vaters Pferde", Theodor Fontane "Vor dem Sturm", Joachim Fernau "Geschichte der armen Leute". Sie hatte 1932 nach Bahnitz geheiratet, dort vier Kinder groß gezogen und ist 1953 mit ihrer Familie in den Westen gegangen, wo sie 1984 starb. In Zollchow war die Familie von Katte ansässig.
_________________________________________________________________


Quellen und Literatur

Archäologie
  1. Seifert, Gerhard: Bericht über Urnengräberfeld bei Bahnitz. Premnitz, 5. Mai 1958. In: Ortsakte Bahnitz des Heimatmuseums Rathenow
  2. Bünnig, Wolfgang: Bericht über die Ergrabung eines Urnengräberfeldes bei Bahnitz 1968, Milow, 4.3.1969. In: Ortsakte Bahnitz des Heimatmuseums Rathenow
  3. Bading, Ingo: Der Rinderwagen in der Weltgeschichte. Prozessionen an Königsgräbern um 3.100 v. Ztr. in Norddänemark lassen staatliche Strukturen erkennen. Auf: Studium generale, 21. Oktober 2010, http://studgendeutsch.blogspot.de/2010/10/rinderwagen-graber-prozessionsartig.html
Mittelalter
  1. Teuchert, Hermann: Die Sprachreste der niederländischen Siedlungen des 12. Jahrhunderts. Böhlau Verlag, Köln, Wien 1972 (zuerst: Neumünster 1944)
  2. Gerbendorf, Svenja: Der Einfluss der Niederländer im brandenburgischen Sprachraum. Hausarbeit, 2012 (13 S.) (Grin)
Frühe Neuzeit
  1. Straubel, Rolf: Friedrich Christoph von Goerne (1734-1817) - Selbstherrlicher Minister König Friedrichs II. oder Spielball seiner Sekretäre und fremder Magnaten? BWV Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014 (GB)
  2. Vogeler, Reinhard: Biographie des Königl. Preuß. Ober-Steuer-Kontrolleurs. Hierbei sein Bildnis. Handschriftl. Manuskript. 1848 (Auszüge daraus in: Klein, Tim: Die Befreiung 1813 - 1814 - 1815. Der deutsche Sturm vor hundert Jahren. Urkunden, Berichte, Briefe mit geschichtlicher Verbindung. Langewiesche-Brandt, Ebenhausen 1913 (534 S.); weitere Auflage: 1923 (101.-150. Tsd.); Nachdruck: Europ. Geschichtsverlag 2012)
Dorfgeschichtliche Bemühungen
  1. Diekmann, Heinrich (Lehrer in Bahnitz 1899 bis 1904): Aus unserer Väter Tagen. 2 handschriftlich ausgefüllte Din-A-5-Schulhefte, ohne Datum [etwa 1904]
  2. Mohr, August: Familiengeschichte der Mohren. Handschriftl. Manuskript, Swinemünde 1930/1932
  3. Pape, Hermann (Lehrer in Bahnitz 1922 bis 1945): Chronik des Dorfes Bahnitz. Ausführliche handschriftliche Eintragungen in einem vorgedruckten Lederprachtband (die Nutzung desselben wurde im "Nationalsozialistischen Mitteilungsblatt des Gauamtes für Kommunalpolitik Sachsen" aus dem Jahr 1936 befürwortet, wie es einleitend heißt). Geschrieben 1939 bis 1941
  4. Pape, Hermann: Familienbuch Bahnitz 1669-1936. Erarbeitet um 1940, neu bearbeitet durch F. Bading. Bahnitz 2003 (143 Bl. spiralgeh.) http://wiki-de.genealogy.net/Bahnitz,_OFB (GEDBAS)
  5. Pape, Hermann: Chronik des Dorfes Bahnitz. Abschrift von unbekannter Hand per Schreibmaschine auf 14 Din-A-4-Seiten, ohne Datum [auf Seite 7 ist die Bemerkung eingefügt "bis 1945", Papier weist auf 1950er Jahre] (wurde von einem Bahnitzer im Haus gefunden - entweder im Ausbau 1 oder zuvor schon im Schleusen-Gasthof)
  6. Gaubatz, Petra: Chronik der Gemeinde Möthlitz. Als Manuskript (Din-A-4). Möthlitz 1996 (zur Gemeinde Möthlitz gilt hier Bahnitz als zugehörig und ist gründlich und ausführlich mit behandelt)
  7. Bading, Friedrich: Heimlich geraucht - Feuer. Leserbrief in: Märkische Allgemeine Zeitung, 5.1.1995
  8. Bading, Friedrich: Bemerkenswerter Fund. Leserbrief. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 27.10.1998
  9. rez.: Mysteriöser Schatzfund in Kade. Das Bahnitzer Familienbuch. In: Preußen-Spiegel, 4.11.1998
  10. Bading, Friedrich: Kirche kostete einst 3600 Taler. Leserbrief in: Brawo, 7.4.1999
  11. ns: Chronist und Ahnenforscher schreibt Familienbuch und Dorfchronik. In: Westhavelländer, 16.3.2004 
  12. Bahnitzer Bilderbogen. 2010 bis 2012, hrsg. v. D. Dombrowski, Schriftleitung Guido Quadfasel. (etwa 4 mal jährlich, jede Nummer 4-seitig, davon letzte Seite "Historisches aus Bahnitz") 
  13. Gericke (Jerchel): Kulturhistorie. 5. Dorf Bahnitz. 10. Dorf Kützkow. Bebildert. Undatiert, als Manuskript 
  14. Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow. Roman. Ullstein-Verlag, Berlin 1937 [früher viel gelesener Zeitzeugenbericht aus einem typischen Brandenburger Dorf]
  15. Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Brandenburg an der Havel, Pritzerbe, Reckahn und Wusterwitz. Böhlau-Verlag, Köln u.a. 2006 [Landschaften in Deutschland - Werte der deutschen Heimat] 
  16. Sykes, Bryan: Die sieben Töchter Evas. Lübbe-Verlag, Bergisch Gladbach 2001 (Humangenetischer Nachweis, dass die kulturelle Vererbung der Familiennamen und die genetische Vererbung des Y-Chromosoms in Europa seit dem Mittealter in der Regel parallel verlaufen, das heißt, dass die meisten männlichen Träger eines selteneren Familiennamens auch ein ähnliches Y-Chromosom tragen)
1925 bis 1946
  1. Telefonbuch 1925 ("Einwohner der Dörfer und Gutsbezirke des Kreises Jerichow II."), S. 211-460 (Altenbensdorf bis Zollchow)
  2. Bading, Ingo: Mein Opa - ein gewöhnlicher Ludendorff-Anhänger als Beispiel - Oder: Beim Blättern in alten Familienalben. Auf: Studiengruppe Naturalismus,  1. September 2012, http://studiengruppe.blogspot.de/2012/09/mein-opa-ein-gewohnlicher-ludendorff.html
  3. Weck (Oberleutnant und Kompagnieführer): Streiflichter aus unserem Kampf gegen den Bolschewismus. Allen verwundeten Kameraden gewidmet. Weihnachten 1942 [Erlebnisberichte einer 4. Kompagnie des Infanterie-Regiments 9 in Potsdam in der Zeit vom 22.6. bis 27.12.1941]
  4. Bading, Ingo: Der 4. Mai 1945: Das Kriegsende in den Dörfern des Havelbogens Möthlitz, Kützkow und Bahnitz - Eine regionale Studie zu den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges. Auf: Studium generale, 7. August 2011, http://studgendeutsch.blogspot.de/2011/08/der-4-mai-1945-das-kriegsende-in-den.html 
  5. Personalakte zu Hermann Pape der Hauptabteilung des NKWD der UdSSR für Kriegs- und Internierungsangelegenheiten, 1946, Archiv-Nr. 459079 (übermittelt mit anderen Dokumenten von Seiten der Tochter von Hermann Pape 1998)
  6. Bahnitzer, die zwischen 1939 und 1946 ums Leben gekommen sind. Durch einen Bahnitzer zusammen gestellt nach seinen Erinnerungen und nach Gesprächen mit älteren Einwohnern, um 2010 
  7. Peeters, Dieter: Vermißt in Stalingrad. Als einfacher Soldat überlebte ich Kessel und Todeslager 1943-1949. Zeitgut Verlag, 6. erw. Auflage 2005, 10. Auflage 2017