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Montag, 11. Mai 2020

Die Ludendorff-Bewegung in Pommern (1924 bis 1945)

"Die Kirche war gerufen, für ihren Glauben einzutreten," heißt es in der Erinnerung Pommerscher Pastoren im Rückblick auf die Erfolge der Ludendorff-Bewegung
  • A. Einiges zur frühen völkischen Bewegung in Pommern (1924)
  • B. Der Tannenbergbund in Pommern (ab 1926)

Pommern, die einstige Kornkammer des Deutschen Reiches, mit seinen mehr als 500 Kilometern traumhaftem Ostsee-Strand. Schon um 4.000 v. Ztr. handelte das heute ausgestorbene Fischervolk von Neuwasser in Hinterpommern mit Bauernvölkern bis nach Ungarn hinein (1). In Pommern siedelte dann die Trichterbecher- und die Kugelamphoren-Kultur, Bauernvölker, deren genetische Herkunft in den neolithischen Mittelmeerraum verwies. Ab 2.800 v. Ztr. wurden diese Völker von den Schnurkeramikern abgelöst, Indogermanen, deren Ethnogenese sich um 4.700 v. Ztr. an der Mittleren Wolga vollzogen hatte, und von denen noch wir heute abstammen. In der Bronze- und Eisenzeit eher im Schatten der Weltgeschichte, siedelten dann hier zuerst die Goten, später die Wikinger. Ab dem 12. Jahrhundert wurde Pommern christianisiert und es fand die deutsche Ostsiedlung statt. In welchem Umfang die deutschen Pommern bis 1945 auch genetisch von den Wikingern abstammten, ist nie wirklich geklärt worden, könnte aber heute - aufgrund der humangenetischen Forschung - grundsätzlich geklärt werden (2).

Der Dreißigjährige Krieg hat das protestantische Pommern mindestens ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie unzählige andere deutsche Provinzen. In Pommern fand der nachmalige Reichskanzler Otto von Bismarck Mitte des 19. Jahrhunderts jene religiöse Orientierung, die die vermutlich wesentlichste Grundlage für sein politisches Wirken bildete (bei den Pommerschen Pietisten rund um Marie von Thadden). Zugleich fand er hier seine Ehefrau Johanna von Puttkammer. - Dies als kurzer einleitender Ausflug in die Geschichte und Kulturgeschichte Pommerns.

Abb. 1: Köslin - Marktplatz mit Marienkirche - In Köslin befand sich von 1937 bis 1939 der Wirkungsort von Dietrich Bonhoeffer ebenso wie es dort eine stärkere Gruppierung von Ludendorff-Anhängern gab

Soweit übersehbar, gibt es bislang zu keiner deutschen Provinz eine auch nur halbwegs zusammenhängende Darstellung der Geschichte der Ludendorff-Bewegung in derselben. Daß die Ludendorff-Bewegung in einer deutschen Provinz stärker gewesen sei als in irgendeiner anderen, ist vorerst nicht erkennbar. Vortragsreisen Erich und Mathilde Ludendorffs haben ab 1928 in alle Teile des Deutschen Reiches geführt und überall viele Anhänger geworben.

Im vorliegenden Beitrag soll einmal zusammen getragen werden, was - bruchstückhaft - über die Geschichte der Ludendorff-Bewegung in Pommern derzeit bei nur sehr grober Suche zu finden ist. Dasselbe ist auch schon - und bislang noch bruchstückhafter - für Ost- und Westpreußen versucht worden (3-6). Dieser Beitrag soll - wie viele andere hier auf dem Blog - nach und nach ergänzt werden. Erste Anhaltspunkte zur Geschichte der Ludendorff-Bewegung in einer jeweiligen Provinz sind Lageberichte der Polizei, der Gestapo oder auch beider großer Kirchen, wie sie seit 1945 nach und nach editiert worden sind und weiter editiert werden. Solche Berichte bildeten auch den Ausgangspunkt für den vorliegenden Beitrag (7), der aber schnell um mancherlei weitere Anhaltspunkte hat erweitert werden können.

Die Vorfahren von Erich Ludendorff selbst stammen aus Pommern und lassen sich dort urkundlich bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurückverfolgen. In Demmin und später in Stettin gehörten sie zu den ansässigen Kaufmannsfamilien. Erich Ludendorff hat aber in seinem persönlichen Leben sonst aber keine außergewöhnlichen Berührungspunkte mit Pommern aufzuweisen. Auch diese Provinz aber geriet - wie wir noch sehen werden - immer einmal wieder in sein Blickfeld. Denn in Pommern waren die politischen, geistigen und religiösen Auseinandersetzungen mindestens ebenso rege wie in anderen Teilen Deutschlands.

A. Einiges zur frühen völkischen Bewegung in Pommern (1924)

Die schwere politische, wirtschaftliche und geistig-moralische Krise nach dem Ersten Weltkrieg brachte die Freikorps-Kämpfe an den Ostgrenzen des Reiches und gegen die Kommunisten im Innern des Reiches mit sich. Diese Krise kulminierte schließlich im Kapp-Putsch von 1920 und im Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923. In beiden Fällen war Erich Ludendorff führend beteiligt, in beiden Fällen sollten die "November-Verbrecher", die den Kaiser gestürzt hatten, die den Waffenstillstandsvertrag und den Versailler Vertrag unterschrieben hatten, abgesetzt werden. (Scheidemann, einer dieser Politiker, der in den Augen der Völkischen und Nationalen zu den "November-Verbrechern" gehörte, hatte selbst zuvor gesagt, jene Hand solle "verdorren", die den Versailler Vertrag unterschreiben würde.)

Abb. 2: Professor Theodor Vahlen, Rektor der Universität Greifswald, Förderer des Studentensports, völkischer Reichstagsabgeordneter für Pommern 1924/25

Beide Putsch-Versuche mißlangen zwar, der zweite Putsch-Versuch und der nachmalige Prozeß gegen die führenden Putschisten in München erhöhte aber die Popularität der sich hier erstmals aufsehenerregender manifestierenden völkischen Bewegung in Deutschland. Das zeigte sich dann bei den nachherigen Reichstagswahlen im Frühjahr 1924. Bei diesen hatte die völkische Bewegung in ganz Deutschland Wahlerfolge, die nachmals die NSDAP erst wieder im Jahr 1930 erreichen (und übertreffen) sollte. Während sie reichsweit 6,5 % der Stimmen erhielt, erhielt sie in Pommern 7,3 %. Über die Frühgeschichte der Völkischen in Pommern ist zu erfahren (31):

Im Vergleich zu anderen Gauen im Norden Deutschlands bildeten sich dort schon früh feste Organisationsformen heraus. 1923 hatte die NSDAP bereits 330 Mitglieder in zwölf Ortsgruppen - darunter Greifswald, Jarmen, Pasewalk, Stralsund und Stettin.

In Norddeutschland war aber auch die "Deutschvölkische Freiheitspartei" zur Wahl angetreten (8), für Pommern war der Greifswalder Professor für Mathematik Theodor Vahlen (1869-1945)(Wiki) in den Reichstag gewählt worden. Die NSDAP selbst war zwar nach dem Hitler-Putsch vorläufig in Deutschland verboten, an ihrer Stelle hatten sich aber völkische Wahllisten mit unterschiedlichen Namen gebildet. Die "Deutschvölkische Freiheitspartei" war gegründet worden von vormaligen Abgeordneten der Deutschnationalen Partei (DNVP). Diese waren aufgrund ihrer völkischen Einstellung aus ihrer ursprünglichen Partei ausgetreten und haben eine neue Partei gegründet. Zu ihnen gehörte auch Vahlen, der im Ersten Weltkrieg Batteriechef im Range eines Majors gewesen war und der 1919 der DNVP beigetreten war.

Für die Dauer der Festungshaft Hitlers schlossen sich nun beide völkischen Richtungen zur "Nationalsozialistischen Freiheitspartei" unter der Führung Ludendorffs und Ernst Röhms zusammen, die zugleich die Führer der völkischen Reichstagsfraktion waren, der auch Vahlen angehörte. Dieser Zusammenschluß konnte aber nicht verhindern, daß es von Seiten der Hitler-Anhänger - auch in Pommern - Widerstand gegen die Parteiführung Ludendorffs gab. Theodor Vahlen hatte es diesbezüglich in Greifswald mit zwei Studenten zu tun, nämlich mit Joachim Haupt (1900-1989) (Wiki) und Reinhard Sunkel (1900-1945) (Wiki). Beide sollten im weiteren Verlauf des Jahres 1924 an die Universität Kiel wechseln und dort den "Nationalsozialistischen Studentenbund" gründen. Beide waren Angehörige des Freikorps Maercker gewesen. Sunkel war 1922 in die NSDAP eingetreten und hatte am Hitler-Putsch teilgenommen. Haupt hatte 1922 den "Pommerschen Beobachter" begründet und ihn bis 1923 als Schriftleiter geleitet. Diese beiden Greifswalder Studenten widersprachen Vahlen, der sich gegenüber Ludendorff loyal verhielt. Sie waren nicht bereit, das .... (9, S. 202, GB)

... Aufgehen in die DVFP unter der Patronage Ludendorffs zu akzeptieren. "Sie kennen jene Worte, die jeder Nazi gebraucht, um den grundsätzlichen Unterschied der beiden völkischen Richtungen zu erklären," schrieb der Stettiner Hitleranhänger an Theodor Vahlen. "Die NSDAP kommt von unten, die DFP (DVFP) kommt von oben. Wir kommen aus dem schaffenden Volk, die DFP aus dem völkischen Mittelstand." Gegenüber dieser radikalen Fraktion um Joachim Haupt und Reinhard Sunkel sah sich eine zweite, von Theodor Vahlen geführte Gruppierung von General Erich Ludendorff in die Pflicht genommen.
In den ersten Wochen des Jahres 1924 kam es daher in der Partei zu heftigen Kontroversen über den weiteren Weg der Nationalsozialisten. Um den Widerstand innerhalb des Landesverbandes zu brechen, ließ es sich Ludendorff nicht nehmen, die pommerschen Hitleranhänger selbst auf den deutschvölkischen Fusionskurs einzuschwören. Dabei stellte sich heraus, daß sich sowohl Ludendorff als auch die nach Berlin zitierten rebellischen Studentenvertreter auf Hitler beriefen. Beide streitenden Parteien konnten nicht wissen, daß der in Landsberg einsitzende NSDAP-Führer in der Frage der "Verschmelzung" mit der DVFP bereits mehrfach die Meinung gewechselt hatte. Besuche bei Hitler und an  ihn gerichtete Schreiben stifteten daher eher Verwirrung, brachten aber keine Klärung. Während Joachim Haupt und Reinhard Sunkel im Glauben, die richtige Position zu vertreten, unbeeindruckt gegenüber der DVFP auf Distanz blieben, zeigte sich Theodor Vahlen kooperationsbereiter.
Nach Verhandlungen mit dem Führer der DVFP, Albrecht von Graefe, dem pommerschen Landesvorsitzenden (Fritz) von Bodungen und Ludendorff veröffentlichte Vahlen ein Rundschreiben, in dem die Hitleranhänger darüber informiert wurden, daß Ludendorff im Auftrage des Führers nun mit der völkischen Einigung der Pommern beauftragt sei. Damit war der Widerstand im pommerschen Landesverband der Nationalsozialisten vorerst gebrochen. Haupt und Sunkel, die vergeblich auf einen klärenden Brief Hitlers warteten, konnten sich nicht durchsetzen und resignierten. "Alles ist zerstört und verwirrt", klagte Haupt in einem Brief an seinen Parteifreund Hinrich Lohse. "Solange Hitler uns im Stich läßt, haben wir keine Waffen dagegen."
Auch heißt es (9, S. 207, GB):
Ihren Hauptfeind sahen sie aus gutem Grunde in der Führung der DVFP und in zunehmendem Maße in Erich Ludendorff. Als Hitler noch im Juni 1924 einen Brief an Ludolf Haase richtete, in dem er sich gegen eine grundsätzliche Ablehnung der "Verschmelzung" aussprach und gleichzeitig seinen politischen Führungsanspruch für die Dauer der Festungshaft aufgab, bestand für das norddeutsche Direktorium kein Zweifel daran, daß er dazu "gepreßt" wurde.

Erkennbar wird an diesen Vorgängen, daß die Provinz Pommern im Jahr 1924 in den reichsweiten Einigungsbemühungen der völkischen Bewegung keine unbedeutende Rolle gespielt hat. Diese Einigungsbemühungen mußten dann endgültig ad acta gelegt werden, als Hitler zu Weihnachten 1924 aus der Gefängnishaft entlassen wurde und die NSDAP als eigene Partei neu gründete und zu dem antikatholischen Kurs Ludendorffs und der norddeutschen Völkischen auf Distanz ging, und als Ludendorff sich aus der vormaligen Tagespolitik zurück zog.

Vahlen - der eigentlich aus einer Wiener Professoren-Familie stammte - sollte wenig später der erste NS-Gauleiter für Pommern werden (31). Vor und während des Dritten Reiches hat er ein bewegtes Leben im Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft verbracht. 1944/45 war er als Lehrbeauftragter an der Deutschen Universität Prag gegangen und er starb im November 1945 in tschechischer Gefangenschaft in Prag. - Und wie gestaltete sich das weitere Lebensschicksal der beiden genannten Studenten? Haupt galt nachmalig als Freund Ernst Röhms und entkam 1934 nur knapp seiner Ermordung. 1938 ist er aus der NSDAP ausgeschlossen worden. Sunkel war persönlicher Adjutant von Erziehungsminister Bernhard Rust, wurde aber aufgrund einer entdeckten jüdischen Urgroßmutter 1937 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Beide leisteten schließlich im Zweiten Weltkrieg Kriegsdienst. Sunkel nahm sich am 8. Mai 1945 in Libau an der Kurlandfront anläßlich der Kapitulation das Leben. Haupt lebte nach norwegischer Kriegsgefangenschaft noch bis 1989 weiter.

Abb. 3: Mathilde und Erich Ludendorff "zu Besuch beim Siedelbauern Anton Bücheler am Ulenhof in Ückerhof (Pommern)" - Lichtbild von Else Scheidt, undatiert, wohl frühe 1930er Jahre

Bei dem erwähnten von Bodungen handelte es sich um Fritz von Bodungen (1879-1943) (s. Inst. f. Dt. Adelsforschung). Dieser war Oberförster und ostpommerscher Gutsbesitzer und hatte führende Positionen in der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung in Pommern inne (GB). Nachmals sollte er nach Schleswig-Holstein übersiedeln und dort langjähriger Anhänger und Redner des Tannenbergbundes und der Ludendorff-Bewegung werden (siehe etwa DHM, erwähnt etwa auch hier) (10, 11).*) Am 15. November 1924 hat Josef Goebbels noch in seinem Tagebuch über ihn festgehalten (12, S. 246):

Am 15. in Stettin. Fritz von Bodungen. Prachvoller Willensmensch. Mit ihm zu Mittag. Abends los nach Altdamm ...

Er erwähnt ihn auch noch an anderen Stellen (12, S. 243, 247).

B. Der Tannenbergbund in Pommern (ab 1926)

1927 - Freimaurerkampf Ludendorffs in Pommern

Erich Ludendorff brachte im Herbst 1927 sein Buch "Vernichtung der Freimaruerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" heraus. Der damit von ihm begonnene Kampf gegen die Freimauerei fand auch in Pommern großen Widerhall, und zwar dort anfangs sogar innerhalb der Evangelischen Kirche (13, S. 80) (GB):

... Oder der sich im Ruhestand befindende Pastor Eylau aus Bad Doberan, der den Kirchenaustritt Ludendorffs zum Anlaß nahm, die evangelische Kirche zur Teilnahme am Kampf gegen Judentum und Freimaurerei aufzufordern.
Abb. 3: Kleinstadt Zanow in Pommern, zehn Kilometer entfernt von Köslin

1929 - Mathilde Ludendorff und die Stettiner Presse

Anfang 1929 sollte eine Vortragsreise Erich und Mathilde Ludendorffs auch nach Pommern führen (14, S. 82):

Eine weitere Vortragsreise mit gleichem Inhalt führte in dem äußerst kalten Winter 1928/29 vm 10.1. bis 14.2.1929 nach Tübingen, Heilbronn, Geislingen, Plauen, Aue im Erzgebirge, Bautzen, Liegnitz, Görtlitz, Berlin, Stralsund, Greifenberg/Pommern, Zanow/Pommern, Stolp und Stettin. Der jubelnde Empfang und der Beifall der Tausende von Anwesenden täuschten die beiden Ludendorff nicht darüber hinweg, wie viele Millionen Deutscher völlig abseits ihres Ringens standen, ja von ... ... Wedelstaedt in Kausche, bei Keunecke in Alten-Pleen bei Stralsund und bei Meier in Bernshof bei Plathe/Greifenberg. Beim Vortrag in Zanow traf Ludendorff bei Herrn Walter einen Bekannten aus der Vorkriegszeit, Graf von der Recke, der ...

Die Kleinstadt Plathe (Wiki) bei Greifenberg liegt 75 Kilometer nordöstlich von Stettin. Darüber hieß es in der "Deutschen Presse" (15, S. 161) (GB, b):

Provinzialverband Pommern. Der Verein Stettiner Presse bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung:
"Der Tannenbergbund hat in Stettin am 14. Februar eine Versammlung abgehalten, zu der auch die Stettiner Presse eingeladen war. Bei dieser Gelegenheit hat es Frau Dr. Ludendorff für nötig befunden, ohne den leisesten sichtbaren Grund, den sämtlichen Stettiner Zeitungen 'von rechts bis links' wissentlich falsche Berichterstattung vorzuwerfen. Die anwesenden Vertreter der Stettiner Zeitungen haben daraufhin einmütig den Saal verlassen, wobei es zu Schmährufen aus der Versammlung und tätlichen Angriffen gegen die Pressevertreter kam. Nunmehr gibt Frau Ludendorff in ihrem Organ, der „Deutschen Wochenschau“ in Nr. 9 vom 3. März eine Darstellung, nach der sie zu ihrem Verhalten der Presse gegenüber veranlaßt sein will auf Grund der Tatsache, daß 'ein Kopf mit schwarzem Kraushaar sich unter ihnen (den Pressevertretern) besonders bemerkbar durch abwechselnde Heiterkeitsausbrüche und Kopfschütteln' gemacht habe. Diese Darstellung veranlaßt uns zu folgender Erklärung: "Abgesehen davon, daß von Heiterkeitsausbrüchen nicht die Rede sein ..." 

Mathilde Ludendorff behandelt diesen Vorgang auch in ihren Lebenserinnerungen (16, S. 20):

... den Zuhörern die Pressevertreter von links bis rechts am Tisch. Ein Kopf mit schwarzem Kraushaar machte sich unter ihnen besonders bemerkbar durch abwechselnde Heiterkeitsausbrüche und Kopfschütteln und auf-die-Stirne-tippen, während die Tausende tief erschüttert und atemlos den ernsten Enthüllungen des Feldherrn lauschten. Offenbar wollte er seine Presseergüsse sinnvoll vorbereiten. Zu Beginn meines Vortrages sagte ich den Stettinern, daß aller Erwartung nach die Presse Stettins von rechts bis links noch mehr als anderwärts einen guten Anschauungsunterricht darüber geben werde, in wessen Dienst sie stehe, und die Stettiner möchten die Presseergüsse vergleichen mit dem, was sie selbst in der Versammlung gehört und erlebt hätten. Dann erzählte ich ihnen das Verhalten des einen Pressevertreters. Die große Versammlung von vielen Tausenden brach schon allein deshalb in hellen Jubel aus, weil ich ihr zeigte, wie man mit solcher Presse umgehen muß und wie ihre Berichte sinngemäß verwertet werden müssen. Unter dem Eindruck des Beifallsturmes erhoben sich auf einmal solidarisch alle Pressevertreter von rechts bis links, um den Saal nacheinander im Gänsemarsch zu verlassen. Sie erklärten sich also solidarisch mit dem ungeheuerlichen Verhalten des Schwarzgelockten und gaben tatsächlich den prächtigsten Anschauungsunterricht. Das Gelächter und der Jubel des Volkes über die Selbstzerstörung des Pressenymbus wollte nicht enden. Der Schwarze, der zuerst versucht hatte, sich als 'Publikum' hinzusetzen und unkenntlich zu bleiben, mußte auf meine Aufforderung hin als letzter vor dem Gelächter der Deutschen die Flucht ergreifen. Die Stettiner aber werden begriffen haben, daß die 'politische Großmacht der Presse' nur solange ihr unheilvolles Szepter schwingen kann, als das Volk noch auf sie hört, daß sie aber sonst von einem Tag zum anderen zum Gelächter des Wahrheit fordernden Volkes wird! Es mag für die Gegner auch eine ebenso überraschende wie verdrießliche Entdeckung gewesen sein, daß in manchen Gegenden der Tannenbergbund schon eine wirkliche Volksbewegung geworden, das heißt alle Stände umfaßte und ganze Ortschaften ihm angehörten. Jedenfalls starrte mancher an der Türspalte entsetzt auf die Nach-Versammlungen, zu denen nur Tannenberger zugelassen wurden. Unsere Kampfesweise, den Gegner im Unklaren zu lassen über den Grad des Wachstums der Bewegung, ist viel zu richtig und viel zu wichtig, als daß wir nun zu viel verraten!

Das Sprechen von einem "Schwarzgelockten" bediente natürlich antisemitische Klischees. Das Ehepaar Ludendorff kam auch nach Zanow in Pommern. Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen (17, S. 209):

Dort traf ich (…) meinen Bekannten aus der Vorkriegszeit und wirkungsvollen Kämpfer gegen die Freimaurerei, Graf von der Recke. Ich freute mich, ihn wiederzusehen, und bekam auch von ihm weiteren Aufschluß über das Wirken des Skaldenordens, der namentlich Pommern als sein Arbeitsgebiet ansah und der mir überall, namentlich einige Tage später in Stettin sogar im Tannenbergbunde, entgegentrat. Auch hier hatte er sich eingeschlichen, um unter der Vorgabe, deutsche Ziele und den Tannenbergbund zu fördern, ihn schließlich zu hemmen.

Die Kleinstadt Zanow (Wiki) liegt zehn Kilometer nordöstlich von Köslin. Der Landesführer des Tannenbergbundes in Pommern und der Mark Brandenburg war zeitweise Major Holtzmann (14, S. 103).

Abb. 4: "Gau-Tag in Pommern" des Tannenbergbundes, 1931 - Ort unbekannt

Die Zeitzeugin Else Wussow, die um 1933 herum als Mädchen in der Kleinstadt Zanow in Pommern aufwuchs, erinnert sich an

"die Ludendorffer, die Stahlhelmer und die Deutschnationalen"
die
"gegen die Kommunisten und Sozialdemokraten"

aufmarschierten und Vortragsveranstaltungen organierten (18) (GB). Auch wird über die östliche Neumark, über Zühlsdorf nördlich von Berlin, Ähnliches berichtet (s. "Kirchliches Leben in der östlichen Neumark", 2006, S. 33) (GB):

In Zühlsdorf lagen die Anfänge der Entkirchlichung früher. Dort hatte schon Ende der 1920er Jahre der von Mathilde und Erich Ludendorff gegründete Tannenbergbund Fuß gefaßt. Das war eine völkisch-nationalistische, antisemitische und antichristliche Bewegung, die ihren Ursprung in der Niederlage von 1918 hatte. Der plakative Slogan im Blick auf den christlichen Glauben und die christliche Kirche war: "Wenn es einen gerechten Gott gäbe, dann hätte er ...

Und (S. 42):

... Pastoren des Sprengels hatten "die Tannenbergvorstöße zurückgewiesen", und fortfährt: "Die allgemeine Auffassung im Kreise der Superintendenten deckt sich mit meinen Wahrnehmungen, daß die Agitation des Tannenbergbundes im Sprengel ihren Höhepunkt überschritten ... (hat). Der Name Ludendorff zieht nicht mehr." Generalsuperintendent Kalmus übersieht bei diesem Urteil, daß der Name "Ludendorff" von dem Namen "Hitler" abgelöst wurde und sich mit diesem Namenswechsel die Ablehnung des ....

In der Zeit zwischen 1930 und 1932 dürfte das Foto in Abbildung 3 entstanden sein in Ückerhof (Wiki), einem Dorf in Hinterpommern, gelegen etwa 40 km südöstlich von Stettin und etwa 15 km östlich von Pyritz, 1 km nördlich des Plönesees (19). Dieses Dorf hatte 1910 knapp 100 Einwohner gezählt. 

1930 bis 1933 - Kirchenaustritte in Pommern durch den Tannenbergbund - Warnung für die Kirche

Solche Dörfer und Versammlungen darf man sich vorstellen, wenn es in einem Bericht über den Kirchenkampf in Pommern (in Form eines Privatdrucks) von Seiten des Kösliner Pfarrers Karl Scheel einleitend heißt (zit. n. 7, S. 167):

"Die Kämpfe der Bekennenden Kirche im Dritten Reich wurden in Ostpommern vorbereitet durch das Auftreten des Tannenbergbundes seit 1930. Von diesen Anhängern der Mathilde Ludendorff wurde in den Jahren 1930 - 1933 eine lebhafte Tätigkeit entfaltet, den Deutschen Gottglauben zu propagieren und den christlichen Glauben als jüdisch verächtlich zu machen. In einigen Dörfern konnte sie Erfolge erzielen, in einer Gemeinde sogar über 30 zum Kirchenaustritt bewegen. Die Kirche war in jenen Jahren bereits gerufen, für ihren Glauben einzutreten. In dem Raum von Belgrad bis Lauenburg wurden Vorträge über den evangelischen  Christenglauben und die Bedeutung des Alten Testaments gehalten, in denen es zum Teil zu scharfen Auseinandersetzungen mit Vertretern des Tannenbergbundes kam. Im Jahre 1933 sah man seine Anhänger in der SA wieder. Damit war klar, daß sie ihren Kampf gegen den Christenglauben dort weiter führen würden." (Scheel, S. 1).

Dies ist nicht der einzige Fall, in dem Pfarrer, die sich öffentlich gegen den Tannenbergbund ausgesprochen hatten, wenige Jahre später im Rahmen der Bekennenden Kirche tätig wurden. Im Pommern-Kalender von 1950 wird Karl Scheel als ein "Märtyrer der pommerschen Kirche" bezeichnet.**)

Wie auch noch aus weiteren Ausführungen hervorgeht, hat es in Köslin (Wiki) offenbar eine größere Gruppe von Ludendorff-Anhängern gegeben. Zugleich aber hat hier auch Dietrich Bonhoeffer 1937 bis 1939 insgeheim eine Vikarausbildung der Bekennenden Kirche betrieben. Das alles zerstob im Winde, als im Januar und Februar 1945 zunächst etwa 65.000 Menschen in Flüchtlingstrecks durch Köslin gen Westen treckten und schließlich die Stadt selbst am 5. März 1945 durch die Rote Armee besetzt wurde. Diese steckte die Innenstadt in Brand. Dabei wurde etwa 40 % der Bausubstanz zerstört, ein Schicksal, das vielen deutschen Städten in Pommern wiederfuhr.

(Während Köslin 1940 33.000 Einwohner hatte, zählte es ab 1985 mehr als 100.000 Einwohner. Heute gilt Köslin nach Stettin als die zweitgrößte Stadt Pommerns. Rudolf Virchow ist Ende der 1830er Jahre in Köslin zur Schule gegangen, aus Köslin stammte auch der völkische Schriftsteller Bogislaw von Selchow, sowie der 1934 im Zusammenhang mit den Röhm-Morden ermordete Freikorps-Führer Peter von Heydebreck. Der deutsche Schauspieler Paul Dahlke ist hier aufgewachsen.)

Abb. 5: Im Beitrag erwähnte Orte: Ückerhof (bei Pyritz) - Stargard - Plathe - Greifenberg - Belgard -  Köslin - Zanow - Rügenwalde - Stolp - Bütow - Lauenburg (GMaps)

 Ein Zeitzeuge Bergmann berichtet dann - über die Zeit nach 1933 (20, S. 167):

Ein anderer Freund, an dessen Name ich mich nicht mehr erinnere, kam - politisch gesehen - aus einer ganz anderen Ecke. Er war ein Gutsbesitzer aus Pommern, den seine Verehrung für den General Ludendorff dazu gebracht hatte, sich dessen "Tannenbergbund" anzuschließen, was für die Gestapo ausreichte, ihn wegen "staatsfeindlicher Äußerungen" in in Schutzhaft zu nehmen.

Selten macht man sich bewußt, daß die Ludendorff-Bewegung auch noch während des Dritten Reiches in allen Teilen Deutschlands neue Anhänger gewonnen hat. So ist der Opa des Autors dieser Zeilen ebenfalls erst im Jahr 1935 mit der Ludendorff-Bewegung in Berührung gekommen in der Provinz Brandenburg (21).

Frühjahr 1935 - Vorträge in Stettin mit 700 Zuhörern

Für die gleiche Zeit erfahren wir nach den Gestapo-Berichten aus Stettin zum Frühjahr 1935 (7, S. 166) (Darstellungsband):

In diesen Monaten hielt sich der Schriftleiter der Ludendorffschen Halbmonatsschrift "Am heiligen Quell deutscher Kraft", Hans Kurth, aus Haar bei München, einige Zeit in Pommern auf, wo er Vorträge hielt+). Er sprach in Stargard, Stettin, Greifenberg, Stralsund und Stolp; die Veranstaltungen wurden von 200 bis 700 Personen besucht (Nr. 2, 13). In Stolp sprach er über das Thema "Von Kant über Schopenhauer zur Gotterkenntnis"; der Stapobericht aus Köslin vermerkte, die Zuhörer seien hauptsächlich frühere Anhänger des Tannenberg-Bundes gewesen. Während die Vorträge dieses Redners nicht verboten wurden, wurde der Versuch eines anderen Anhängers des Tannenbergbundes untersagt, in Rügenwalde, Kreis Bütow, Vorträge über Freimaurerei zu halten, da die Vermutung bestand, er wolle nur für den Tannenbergbund werben (Nr. 13). Am 9. April 1935 feierte Ludendorff seinen 70. Geburtstag, an dem zwar nicht die persönliche Aussöhnung zwischen Hitler und Ludendorff statt ....
+) Anmerkung: In einer Zuschrift vom 4. Mai 1972 an das GStA teilte Hans Kurth mit, er habe von 1929-1935 der Ludendorffbewegung (nicht dem Tannenbergbund) angehört, bis zu seinem Bruch mit Frau Dr. Ludehndorff. Der Tannenbergbund, den er persönlich ablehne, da er ...

Auch hieran wird erkennbar, wie sehr der schon zitierte Kösliner Pfarrer Karl Scheel Berechtigung hatte, auf die Werbearbeit der Ludendorff-Bewegung in Pommern sorgenvoll zu blicken. Gerade im Jahr 1935 fing ja die eigentliche Kirchenaustrittsbewegung in Deutschland erst an. Bis zum Jahr 1940 erreichte sie Zahlen, wie sie in Deutschland dann nach 1945 erst im Jahr 1968 wieder erreicht worden sind.

Diese Kirchenaustrittsbewegung war von dem sogenannten "Neuheidentum" Alfred Rosenbergs und von dem weltanschaulichen Wirken der Luendorff-Bewegung getragen (22).

9. April 1935 - Vortrag in Stettin

Im Dokumentenband der Gestapo-Berichte wird der Lagebericht der Gestapo Stettin vom 4. Mai 1935 wörtlich angeführt. In ihm heißt es (7, S. 70):

G. Sonstiges (...) a) Presse (...)
b) Tannenbergbund
Anhänger des Tannenbergbundes entfalteten zu Anfang d. Mts. wie festgestellt werden konnte eine regere Tätigkeit, die durch den Geburtstag des Generals Ludendorff hervorgerufen wurde. Der für Stettin vorgesehene Redner des Ludendorff-Verlages, Engel, wurde von den nationalsozialistischen Organisationen abgelehnt, weil dieser gegen den Führer aufgetreten ist. Auf meinen diesbezügl. Sonderbericht v. 14.4.35 [nicht feststellbar] darf ich Bezug nehmen. Der Ersatzredner, Erich Meyer, aus Dampen, Kr. Bütow, blieb in seinem Vortrag sachlich. Er schilderte die Großtaten des Generals im Weltkrieg und ging auch auf die Lehren der Frau Dr. M. Ludendorff ein, deren Anschauung er besonders würdigte, jedoch so, daß zu Beanstandungen ein Anlaß nicht vorlag.
c) Bibelforscher (...)

Der hier erwähnte Redner Dr. Ludwig Engel aus München hat auch Schriften veröffentlicht und er taucht auch sonst in Deutschland als Redner der Ludendorff-Bewegung in jenen Jahren auf.***) Im Lagebericht des Regierungspräsidenten in Stettin, Graf Bismarck-Schönhausen an Göring  vom 10. Mai 1935 heißt es (7, S. 75):

Ludendorffbewegung
Eine allgemeine Befriedigung hat die Ausschaltung Ludendorffs als politischen Gegner des Nationalsozialismus ausgelöst. Die starken Sympathien der Bevölkerung für den Feldherrn Ludendorff bewiesen die zahlreichen Ehrungen in Stadt und Land anläßlich seines Geburtstages und die Freude und Genugtuung über die ihm von seiten der Regierung und Wehrmacht zuteil gewordenen Anerkennung. Es ist anzunehmen, daß seine früher im "Tannenbergbund" zusammengeschlossene Anhängerschaft nunmehr ebenfalls ihr Mißtrauen gegen den nationalsozialistischen Staat aufgeben wird.

Das sollte schon in einem Lagebericht vom 4. Juli 1935 wieder etwas besorgter klingen (siehe gleich). In einem Lagebericht an Göring vom 16. Mai 1935 von Seiten des Oberpräsidenten und Gauleiters Schwede-Coburg heißt es zunächst noch ähnlich (7, S. 81):

Anfang des Monats entfalteten Anhänger des Tannenbergbundes eine regere Tätigkeit, die durch den Geburtstag des Generals Ludendorff hervorgerufen wurde.

Am 4. Juli 1935 heißt es im Lagebericht der Gestapo in Stettin (S. 95):

Das Verhältnis zwischen den nationalsozialistischen Organisationen, den Kampfformationen und dem Stahlhelm (NSDFB) ist immer noch als gespannt zu betrachten. Die verstärkte Werbetätigkeit des Stahlhelm, besonders in Ostpommern, hatte in den Kreisen der Bevölkerung Unruhe hervorgerufen. Von gewissen Stahlhelmern werden Gerüchte verbreitet, daß man doch eines Tages auf den Stahlhelm zurückgreifen müsse, um ihm den Platz einzuräumen, der ihm gebühre. Hierbei wird auch gern von dem kommenden 4. Reich gesprochen, worin der Stahlhelm wieder zur Geltung kommen würde. Mit dem Tage, an dem General Ludendorff in Deutschland wieder eine Rolle spielen würde, würde auch der Wiederaufstieg des Stahlhelms beginnen. - In vielen Kreisen meines Bezirks ist ein erheblicher Teil der SA-Reserve-Männer wieder in den Stahlhelm zurückgegangen.

Außerdem ist die Rede von einem (7, S. 156):

Strafverfahren gegen Tannenbergbund-Anhänger in Rügenwalde.

(7, S. 163):

G. Sonstiges. Der Tannenbergbund entfaltet anscheinend wieder eine regere Tätigkeit. In Stolp hat der Schriftleiter Hans Curth (Kurth) vom Tannenberg-Verlag einen Vortrag über das Thema: "Von Immanuel Kant über Schopenhauer zur Gotterkenntnis" gehalten ... Über den Verlauf der einzelnen Versammlungen habe ich laufend bereits berichtet, und ich darf auf diese Berichte Bezug nehmen. [nicht feststellbar].

(7, S. 163):

Auf meinen diesbezüglich besonders erstatteten Bericht nehme ich Bezug. [nicht feststellbar]. Im Kreise Bütow sind Schriften des Tannenbergbundes vertrieben worden. In Rügenwalde hat sich ein früherer Polizeibeamter Noback bei einem Anhänger des Tannenbergbundes, dem Fleischer Müller, einquartiert, um  Vorträge über die Freimaurerei zu halten. Es bestand die Vermutung, daß er für den Tannenbergbund werben will. Die Vorträge sind vom Bürgermeister und auf Beschwerde vom Landrat und vom Herrn Regierungspräsidenten wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit verboten worden.

Scheinbar hat sich aus diesem Vorgang das Strafverfahren ergeben.

1937 - "General Ludendorff"-Jugendherberge in Demmin

In der vorpommerschen Stadt Demmin wurde anläßlich der 700-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1936 der Grundstein zu einer Jugendherberge am Devener Holz gelegt, die im Jahr 1937 fertig gestellt wurde und "General Ludendorff"-Jugendherberge benannt wurde (Abb. 3). Es hat in jenen Jahren viele Kasernen, Straßen und Plätze gegeben, die nach Erich Ludendorff benannt wurden. Das mußte nicht in einem besonderen Zusammenhang mit konkreteren Sympathien vor Ort mit dem damaligen Geistesgut des Hauses Ludendorff stehen. Anfang 1945 hat es in der Stadt Demmin während der Besetzung durch die Rote Armee einen Massenselbstmord gegeben. In dieser Zeit ist auch die Jugendherberge abgebrannt.

Abb. 6: Jugendherberge "General Ludendorff" in Demmin am Devener Holz - Grundsteinlegung anläßlich der 700-Jahr-Feier der Stadt 1936, Fertigstellung 1937, Anfang 1945 abgebrannt - Die Stadt Demmin ist bekannt geworden durch den Massenselbstmord daselbst während der Besetzung durch die Rote Armee (Statt-Museum Demmin)

Der oben erwähnte Vortragsredner vom 4. April 1935 - Erich Meyer-Dampen (1898-1943) - scheint aus dem Dorf Dampen bei Bütow in Pommern gestammt zu haben (Ortsfamilienbücher). 

1943 - Gefallen bei Stalingrad

Er hat in jenen Jahren Aufsätze und Schriften veröffentlicht. Über ihn heißt es (Kopp, 2004, S. 13):

Meyer-Dampen, der aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrte.

Er ist in oder nach der Schlacht von Stalingrad (Wiki) ums Leben gekommen. Beim Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge findet sich die Auskunft (Gräbersuche online):

Nachname: Meyer
Vorname: Erich
Dienstgrad: Major
Geburtsdatum: 24.01.1898
Geburtsort: Dampen
Todes-/Vermisstendatum: 28.01.1943
Todes-/Vermisstenort: Stalingrad
Abb. 6: Erschienen 1937 und/oder 1939

Er wäre somit mit 45 Jahren gefallen oder gestorben. Schon ab dem 22. Januar hatte niemand mehr ausgeflogen werden können, da nur noch Versorgungsgüter abgeworfen werden konnten. Der 28. Januar war ein Tag kurz vor der Gesamtkapitulation der 6. Armee, die am 31. Januar und 2. Februar erfolgte. Von Seiten des Volksbundes wird außerdem ausgeführt:

Erich Meyer konnte im Rahmen unserer Umbettungsarbeiten nicht geborgen werden. Die vorgesehene Überführung zum Sammelfriedhof in Rossoschka war somit leider nicht möglich. Sein Name ist auf dem o.g. Friedhof an besonderer Stelle verzeichnet.

Ende der 1930er Jahre hatte er die Schrift heraus gebracht "Deutsche Gotterkenntnis als Grundlage wehrhaften Deutschen Lebens" (25, 26).

__________
*) Sein Sohn Frithjof von Bodungen lebte nach der Flucht mit seiner Mutter, ebenfalls einer Ludendorff-Anhängerin, in Bayern und war als junger Mensch mehrere Jahre Fahrer und Lebensgefährte der Konzertpianistin Elly Ney (Für Kultur 2017).
**) Über den eigentlichen Kirchenkampf 1933/34 wird dann aus dem Bericht von Karl Scheel zitiert (S. 123):
Wie stark die Aktivität einer im Kirchenkampf fest hinter ihrem Bekenntnispfarrer stehenden Gemeinde war, zeigt ein Ausschnitt aus einem Privatdruck, den der ehemalige Kösliner Pfarrer Karl Scheel für seine Gemeindeglieder erschienen ließ: "Nach der Gründung der Bekennenden Kirche, der Bildung der Bruderräte, dem Zusammentritt der Synode der BK in Bremen [Barmen] und ihrer Erklärung nahm der größte Teil der Kösliner Pastoren  an der Pfarrerversammlung in Stettin teil, bei der sich die Pfarrer dem Pommerschen Bruderrat unterstellten.  In der Folge wurden in den meisten Gemeinden Pommerns Bekenntnisversammlungen abgehalten und die Gemeindeglieder aufgerufen, durch die Unterzeichnung der grünen Karte sich der BK anzuschließen. Auch der Kösliner  Gemeindekirchenrat und die Gemeindevertretung unterstellten sich dem Bruderrat. Etwa 1500 Gemeindeglieder unterzeichneten die grüne Karte, 800 zahlten regelmäßige Beiträge. Im Gemeindehaus fanden in der  folgenden Zeit Versammlungen statt, an denen Generalsuperintendent D. Kähler, Superintendent Faisst, Konsistorialrat Baumann, Herr von Thadden, Pastor Johannes Busch, Pastor Niemöller u.a. sprachen. ..."

***) So in zeitgenössischen Hirtenbriefen der katholischen Kirche (23, S. 40)(GB, b):

... In München wurde in einer Versmmlung der Deutschen Schulgemeinde am 15.2.35 (Redner Stadtschulrat Bauer), ebenso in einer Versammlung der Deutschen Glaubensbewegung am 17.5.35 (Redner Landesleiter Backofen), ebenso in einer Versammlung des Ludendorff-Redners Dr. Engel am 13. Juni 1935 wiederholt und stürmisch zur Ermordung des Erzbischofs von München aufgefordert, und in gleicher Weise wurde die Nennung irgendeines Bischofsnamens mit Zwischenrufen begleitet: "Hängt ihn auf! An die Wand mit ihm!" ....
(23, S. 41):
... Jude und Christ sei gleich, meint Dr. Engel in einem Vortrag am 2. Juli 1935. In einer großen Zahl von Tages- und Wochenzeitungen werden die Katholiken fast in jeder Nummer mit einer Flut von Unwahrheiten und Verleumdungen übergossen. ...
 (24, S. 43):
... sprach in Pfarrkirchen vor etwa 150 Leuten ein Dr. Engel vom Ludendorff-Verlag in München. Der Eindruck der Versammlung war ein recht ungünstiger. Der Redner bewegte sich in den bekannten Ludendorffschen Gedankengängen ....
(24, S. 47):
... Dezember hielt Dr. Ludwig Engel von Gröbenzell bei München im kleinen Saal des Ludwigsbaues hier einen Vortrag über "Grundlagen der Deutschen Gotterkenntnis". Der Vortrag war von ungefähr 300 Personen besucht. ... Dr. Engel wies dann auf die Gefahr des Katholizismus hinsichtlich der Entwicklung des völkischen arteigenen Lebens hin. Internationaler Katholizismus dulde keine völkische ...
Als Anmerkung: Ludwig Engel war Schriftleiter der Halbmonatsschrift Am heiligen Quell deutscher Kraft, die der Tannenbergbund bzw. die Ludendorff-Gemeinde unter Leitung von Mathilde Ludendorff herausgab. 

(24, S. 65):

... Der Generalvertreter des Ludendorff-Verlages Dr. Ludwig Engel hielt am 6. des Monats im kleinen Saal des Ludwigsbaues einen Vortrag über "Grundlagen der Deutschen Gotterkenntnis". ...

Ludwig Engel hat auch zur Totenfeiern für Heinrich Richter gesprochen, den Schwager von Mathilde Ludendorff (Am Heiligen Quell deutscher Kraft, 1934, S. 883)(GB):

Dr. med. Heinrich Richter, ein Mitbegründer des "Deutschvolkes", ist am 7.2.1935 in München nach kurzemn Leiden, ein Tag nach der Erkrankung, im 59. Lebensjahr gestorben. Seine Mitkämpfer bereiteten ihm am Sonnabend, den 9.2. im Krematorium in München eine Totenfeier, die in ihrer schönen, würdigen, aller Todesverängstigung der Christen so weltfernen Weise auch auf alle die vielen Anwesenden, die unserer Deutschen Gotterkenntnis noch ... Da der Tote früher dem völkischen Offizierbunde von München angehört hatte, sprach Dr. Engel, der ebenfalls einst sein Mitglied war, die warmen Worte, die der Ehre des Mitkämpfers galten. ... Er zeigte den Einklang des Todwissens unserer Deutschen Gotterkenntnis mit dem Ahnen der Vorfahren und zeigte, ...
__________________
  1. Bading, Ingo: Ostsee-Handels-Schifffahrt lange vor dem Ackerbau Über die Ausgrabungen in Neuwasser in Hinterpommern seit 2003, 11. Juli 2017, https://studgendeutsch.blogspot.com/2017/07/ostsee-handels-schifffahrt-lange-vor.html.
  2. Bading, Ingo: Die Wikinger in Osteuropa - Ihre Gene, ihre Münzen Der Hochadel des Frühmittelalters im Baltikum, in Preußen, Pommern, Rußland, Polen, Schlesien und Böhmen - Stammte er zu einem Viertel bis zur Hälfte von den Wikingern ab? 7. September 2019, https://studgendeutsch.blogspot.com/2019/09/wikinger-gene-in-elite-grabern-gropolens.html.
  3. https://studiengruppe.blogspot.com/2017/03/die-tannenberg-gedenkfeiern-in.html
  4. https://studiengruppe.blogspot.com/2018/03/neue-quellen-zur-geschichte-der.html
  5. https://studiengruppe.blogspot.com/2018/07/kinder-von-ludendorff-anhangern-in-der.html
  6. https://studiengruppe.blogspot.com/2016/01/nobodies-memories-ein-leben-als-sohn.html
  7. Robert Thevoz, Hans Branig, Cecile Lowenthal-Hensel: Pommern 1934/35 im Spiegel von Gestapo-Lageberichten und Sachakten. Grote'sche Verlagsbuchandlung 1974 [Geheime Staatspolizei in den preußischen Ostprovinzen 1934-1936 Bände 11-12 von Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz](GB, a, b) (ein Band Darstellung, ein Band Dokumentation)
  8. Reimer Wulff: Die Deutschvölkische Freiheitspartei, 1922-1928. E. Mauersberger, 1968
  9. Schröder, Uwe, Zur Entwicklung der Hitler-Bewegung in Pommern, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittelund Ostdeutschland 41, 1993, S. 197-216 (GB)
  10. Claus Heinrich Bill: Friedrich Wilhelm v. Bodungen (1879-1943). Portrait einer ungewöhnlichen militärischen Laufbahn, in: Zeitschrift für Heereskunde, Jg.LX (1996), Nr. 381, S. 94-99
  11. Claus Heinrich Bill: Deutsche Besatzungspolitik im Baltikum 1915 bis 1945 - Vorstellung zweier Neuerscheinungen des Schöningh-Verlages zu Paderborn. In: Nobilitas - Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang XIV (2011)
  12. Goebbels, Josef: Tagebücher  
  13. Ralf Melzer, Anton Pelinka, Helmut Reinalter: Konflikt und Anpassung: Freimaurerei in der Weimarer Republik und im "Dritten Reich". Braumüller, 1999
  14. Kopp, Hans: Geschichte der Ludendorff-Bewegung. Die Jahre 1913-1939. Verlag Hohe Warte, Pähl 1975 
  15. Der Verein Stettiner Presse bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung. In: Deutschen Presse, S. 161 (GB, b)
  16. Ludendorff, Mathilde: Statt Heiligenschein oder Hexenzeichen - Mein Leben. 1968
  17. Ludendorff, Erich: Lebenserinnerungen. Bd. II.
  18. Else Wussow: Unsere Zukunft war die nächste halbe Stunde - Erinnerungen einer Kriegsmarin-Helferin. 2010 (GB)
  19. Lichtbild von Else Scheidt. Beilage zur Monatsschrift "Deutschjugend" und "Heiho", Folge 4/1934, herausgegeben von Fritz Hugo Hoffmann, Frankfurt (Oder), gedruckt bei Karl Pfeiffer jun., Landsberg (Warthe)
  20. Karl Hans Bergmann: Der Schlaf vor dem Erwachen: Stationen der Jahre 1931-1949, ‎DEFA-Stiftung 2002 (GB)
  21. Bading, Ingo: Mein Opa - ein gewöhnlicher Ludendorff-Anhänger als Beispiel Wie mein Opa Ludendorff-Anhänger wurde. 1. September 2012, https://studiengruppe.blogspot.com/2012/09/mein-opa-ein-gewohnlicher-ludendorff.html. 
  22. Erich Ludendorff, Mathilde Ludendorff: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur Religions- und Geistesgeschichte 1933–1945. Zusammengestellt von Erich Meinecke. Verlag Freiland, Viöl 2004 
  23. Zeugnis und Kampf des deutschen Episkopats, gemeinsame Hirtenbriefe und Denkschriften. Konrad Hofmann Herder, 1946 (GB) 
  24. Helmut Witetschek, ‎Walter Ziegler: Die kirchliche Lage in Bayern" 1966 
  25. Engel, Ludwig: Papsttum und Jesuitenorden. In: Der Kampf um Salzburg. Tagungsband, hrsg. v. Fritz von Bodungen, Tannenberg-Studentenbund 1931
  26. Engel, Ludwig: Der Jesuitismus, eine Staatsgefahr. Ludendorffs Verlag, München 1935 [Schriftenreihe 2 / Heft 9] 
  27. Scherr, Johannes: O ihr gesegneten Flammen der Scheiterhaufen! Zwei Aufsätze von Johannes Scherr. Mit einer Einführung von Dr. Ludwig Engel. Sonderdruck aus "Die Völkische Sammlung". Ludwig Engel/München, 1936
  28. Meyer-Dampen, Erich: Deutsche Gotterkenntnis als Grundlage wehrhaften Deutschen Lebens. Ludendorffs Verlag, München 1934 (= 1.Schriftenreihe Heft 2), 1937 (26. - 30. Tsd.), 1939
  29. Meyer-Dampen, Erich: Wahnglaube, Mythos, Gotterkenntnis. Ludendorffs Verlag, München 1941 (28 S.)
  30. Hans-Otto Furian: Vom Kirchenkampf zum Christuskampf. Kirchliches Leben in der östlichen Neumark 1933 bis 1945. Wichern-Verlag, 2006 (GB)
  31. Pommerscher Rektor als Hitlers Konkurrent, 15.04.2013, https://www.nordkurier.de/pommerscher-rektor-als-hitlers-konkurrent-1528150404.html.

Samstag, 17. März 2018

Die Familie Friedrich von Berg in Ostpreußen

Eine Familiengeschichte zwischen Kaiser Wilhelm II., Hindenburg, Ludendorff und Hitler
- Ein neu bekannt gewordener Brief Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 wirft Fragen auf

"Gebot über allen Geboten:
Deutschland, wahre die Ehre!"

(Exzellenz Friedrich von Berg, 
vormaliger Oberpräsident Ostpreußens, 
im Jahr 1923)

Der Name Friedrich von Berg (1866-1939) (Wiki, Bundesarchiv) (1, 2) sagt heute nur noch Fachleuten etwas. Fachleuten für die Geschichte Ostpreußens oder Fachleuten für die Geschichte des Ersten Weltkrieges. Auch dem Autor dieser Zeilen war dieser Name bis vor wenigen Tagen nicht bekannt. Dabei hatte Friedrich von Berg in Ostpreußen und darüber hinaus zu seinen Lebzeiten einen durchaus bekannten Namen. In Ostpreußen galt er nur als "Exzellenz von Berg". Er war Oberpräsident Ostpreußens während des Ersten Weltkrieges und er war persönlicher politischer Berater Kaiser Wilhelms II. (1859-1941) (Wiki) in den entscheidenden Kriegsjahren 1917 und 1918. Dabei unterstützte er entschieden die Politik Hindenburgs und Ludendorffs. Auch bis 1933 blieb er ein entschiedener Unterstützer sowohl Hindenburgs wie der Hohenzollern. Deshalb wurde sein Gut Markienen bei Bartenstein in Ostpreußen zu seinen Lebzeiten immer wieder zum Anlaufpunkt für viele Menschen (Ostpreußen):

In der Kaiserzeit und während der Weimarer Republik war Markienen wegen des hochangesehenen Besitzers Friedrich von Berg Besuchsziel vieler Prominenter. Das Kronprinzenpaar war öfter hier, auch Reichspräsident v. Hindenburg und die Generale v. Mackensen, v. Seekt und v. Fritsch.

Eine Beschäftigung mit dem Leben dieses Friedrich von Berg gewährt den Blick in eine seltsam ferne Welt. Man erhält den Blick auf einen Teil der preußischen Geschichte und der Geschichte des deutschen Kaiserhauses, sowie "stockkonservativer" preussischer Adelsfamilie, die einem heute noch ferner liegen als viele sowieso schon viele ferne Teile der deutschen und insbesondere ostdeutschen Geschichte. Aber diese Teile helfen, sehr wesentliche geschichtliche Vorgänge und Entwicklungen der Jahre zwischen etwa 1903 und 1933 besser verstehen und einordnen zu können. 

Abb. 1: Exzellenz Friedrich von Berg (1866-1939), Oberpräsident Ostpreußens,
enger Mitarbeiter des Kaisers, sowie der Söhne und Enkel des Kaisers

Soeben wird ein handgeschriebenes Beleidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 bekannt (siehe unten), womöglich oder offenbar geschrieben aus Anlaß des Todes eines Bruders von Friedrich von Berg. Dieses Schreiben wirft für den Geschichtsinteressierten viele neue Fragen auf. Fragen hinsichtlich der Geschichte der Familie von Berg auf Gut Markienen bei Bartenstein, sowie Fragen, in welche Art von Berührung Friedrich von Berg - und damit offenbar auch der ihm nahestehende deutsche Kronprinz Wilhelm (1882-1951) (Wiki) und dessen Sohn Wilhelm (1906-1940) (Wiki) - der völkischen Bewegung ihrer Zeit in Ostpreußen und in Königsberg gekommen sind, und weshalb deshalb in diesem Umfeld spätestens 1931 der Freimaurerkampf, für den Erich Ludendorff seit 1927 bekannt geworden ist, sehr positive Erwähung finden konnte von Seiten des Enkels und hoffnungsreichen Thronfolgers von Kaiser Wilhelm II., ein Umstand, auf den auch schon in einem früheren Beitrag hier auf dem Blog hingewiesen worden ist (3).

August 1914 - Friedrich von Berg erlebt den Russen-Einfall in Ostpreußen

Es sei aber zunächst mit dem Jahr 1914 begonnen. Das Schicksal Deutschlands während des Ersten Weltkrieges hat die Menschen tief aufgewühlt. In keiner anderen deutschen Provinz waren so viele leidvolle Erfahrungen gesammelt worden wie in Ostpreußen. Sowohl während des Krieges wie auch in der Zeit der Abstimmungskämpfe danach, sowie in der Zeit des Lebens mit dem sogenannten "Korridor", als Ostpreußen vom übrigen Reich durch polnisch gewordenes Staatsgebiet abgetrennt worden war, ein Umstand, der auch niemals von dem Ministerpräsidenten Preußens, dem Sozialdemokraten Otto Braun, anerkannt worden ist.

Zu diesen Schicksalen gehört, daß beispielsweise auch das Gutshaus des Landeshauptmanns von Ostpreußen, des eingangs genannten Friedrich von Berg, 1914 von den Russen geplündert worden ist (Ostpreußen). Friedrich von Berg selbst wurde in diesem Jahr zum "Staatskommissar für das Flüchtlingswesen" ernannt. Einen solchen gab es also schon im Jahr 1914 (1). Welch ein Aufatmen ging zunächst durch Ostpreußen, als Ende August 1914 die Schlacht von Tannenberg geschlagen war. Sicherlich spätestens seit dieser Schlacht war der Landeshauptmann von Ostpreußen, Friedrich von Berg, zu einem bedingungslosen Anhänger des Feldherrn-Gespanns Hindenburg und Ludendorff geworden so wie er zuvor schon als ein entschiedener, das heißt "streng konservativer" Vertreter des monarchischen Gedankens galt.

Abb. 2: Das Gutshaus Markienen bei Bartenstein in Ostpreußen (vor 1945)
Hier weilten das Kronprinzenpaar, Hindenburg, sowie die Generäle Mackensen, Seeckt und Fritsch oft zu Besuch

Friedrich von Berg war fast gleichen Jahrgangs wie Erich Ludendorff. Er war ein Studienfreund und Korpsbruder des deutschen Kaisers Wilhelms II.. 1903 war Friedrich von Berg Landrat des Kreises Goldap in Ostpreußen geworden und war als solcher wieder häufiger in persönliche Berührung mit dem Kaiser und dessen Familie gekommen, nämlich immer dann, wenn diese in Rominten zur Elchjagd weilten. 1906 war Friedrich von Berg in das Zivilkabinett des Kaisers gekommen, 1909 war er dann Landeshauptmann von Ostpreußen geworden, also Chef der Provinzialverwaltung von Ostpreußen.

Als dieser Landeshauptmann erlebte er dann 1914 die Invasion Ostpreußens durch die Russen. Seit der Befreiung Ostpreußens durch die Schlacht von Tannenberg unterhielt Friedrich von Berg ein enges Vertrauensverhältnis zu Hindenburg und Ludendorff (4, S. 270).

Juni 1917/Januar 1918 - Friedrich von Berg wirkt mit am Sturz Bethmann-Hollwegs und Valentini's

Im Jahr 1917 war der deutschen Reichskanzler von Bethmann-Hollweg von immer mehr Menschen als untragbar für die deutsche Politik erachtet worden, insbesondere auch von Hindenburg und Ludendorff. Sie wußten von der Einstellung Friedrichs von Berg in diesen Fragen und luden ihn deshalb im Juni 1917 ins Hauptquartier nach Bad Kreuznach (4, S. 270):

Am 24. Juni versuchte er den Kaiser fast anderthalb geschlagene Stunden lang auf der Terrasse des Schloßhofs zu Bad Homburg, wo der Kaiser residierte, von der Notwendigkeit eines Kanzlerwechsels zu überzeugen. Bis dahin hatte noch kein Kanzlergegner ein derartig offenes Gespräch mit Wilhelm II. in der Causa Bethmann Hollweg führen können.

Friedrich von Berg führte aus, daß Bethmann-Hollwegs Abgang von allen Patrioten gefordert würde (5, S. 322). Hindenburg berichtete brieflich an seine Frau, was Friedrich von Berg ausgeführt hatte (zit. n. 2, S. 271):

Nicht die Konservativen allein wären gegen den Kanzler, sondern der größte Teil der Mitglieder aller Parteien, denen seine Schwäche und Unfähigkeit Sorgen für die Zukunft bereitet.

Ludendorff hat spätestens seit 1927 intensiv über die Rolle der Freimaurerei in der Politik publiziert, wobei er auch voraussetzte, daß Bethmann-Hollweg Freimaurer-Bruder gewesen wäre. Über diesen schrieb Ludendorff 1928 (7, S. 142):

Sein "Defaitismus" (...) zwang Br. von Bethmann, endlich den Posten als Reichskanzler zu verlassen, nachdem er schnell noch einen neuen Erlaß des Kaisers über die Änderung des Wahlrechts in Preußen herbeigeführt hatte. Ich hatte erklärt, nicht länger mit dem Reichskanzler zusammenarbeiten zu können. Leider hielt ich ihn damals auch nur für "defaitistisch", noch nicht für einen ausgesprochenen, bewußten Verderber der Deutschen.

Zu den "Hinterlassenschaften" Bethmann-Hollwegs in der deutschen Politik gehörte der Chef des Zivilkabinetts des Kaisers, Rudolf von Valentini (1855-1925) (Wiki) (2, S. 310-313). Dieser hat unglaublich viel Einfluß auf die wesentlichsten Personalentscheidungen des Kaiserreiches ausgeübt, schon im Jahr 1914. Er war gleichgestellt dem Chef des Militärkabinetts Moriz von Lyncker (1853-1932) (Wiki) und dem Chef des Marinekabinetts Georg von Müller (1854-1940) (Wiki). Friedrich von Berg schreibt in seinen 1920 handschriftlich niedergelegten, 1971 veröffentlichten Erinnerungen über das (2, S. 55):

merkwürdige Phänomen, daß nicht, wie man angesichts der Rolle des Militärs im Kriege hätte erwarten können, das Militärkabinett eine dominierende Stellung gegenüber dem Zivilkabinett einnahm, sondern daß der Chef des Zivilkabinetts, gestützt auf seine Vertrauensstellung beim Kaiser und seine engen Kontakte zu Hindenburg und Ludendorff, in Bereiche eingriff, die eigentlich in das Militärressort fielen.

Schon sehr früh hat der deutsche Kronprinz sich bei seinem Vater für die Entlassung auch von Valentini's eingesetzt - im Einklang mit Ludendorff. Der Kronprinz wurde dabei von der Kaiserin unterstützt. Der Vater setzte einer Entlassung Valentini's, mit dem er Jahre lang vertrauensvoll zusammen gearbeitet hatte, Widerstand entgegen (2, S. 48):

Als seinen Nachfolger hatten Hindenburg und Ludendorff, wie auch der Kronprinz, von vornherein den Oberpräsidenten von Ostpreußen, v. Berg, ins Auge gefaßt. Nachdem ein zweitätiger Besuch des Kaisers in Ostpreußen, bei dem er er sich unter Führung des Oberpräsidenten über die Wiederaufbauarbeiten unterrichtete, eine neue und wie sich herausstellte, geglückte Chance geboten hatte, die Gunst des Kaisers für Berg zu gewinnen,

verlangte Hindenburg am 14. Januar 1918 im persönlichen Gespräch mit dem Kaiser die Entlassung Valentini's. Denn dieser stünde für den "Linkskurs der Regierung". Der Kaiser fügte sich, begrüßte von Berg aber am 16. Januar 1918 mit den unwirschen und mürrischen Worten (zit. n. 2, S. 313):

Man hat mir befohlen, Dich zum Chef des Zivilkabinetts zu machen.
Es ist zu erfahren (2, S. 38):
Für den Monarchen selber war Friedrich v. Berg nicht einfach nur ein treuer Untergebener, auch wenn er etwas großsprecherisch behauptete, er "wird tun, was ich ihm sage", sondern sein persönlicher Vertrauter, den er mit dem vertraulichen Du und "Monzi" anredete. Einer ähnlichen Wertschätzung erfreute sich der Kabinettschef auch bei den beiden Feldherren an der Spitze der 3. OHL, von denen insbesondere Hindenburg große Stücke auf ihn hielt.
von Berg schreibt über die Folgezeit in seinen Erinnerungen (2, S. 104):
Das Leben gestaltete sich im allgemeinen in Homburg ganz harmonisch. Durch den Fortgang von Valentini war eine gewisse Koalition gesprengt. Müller fühlte sich vereinsamt und lebte eigentlich ganz für sich. Unterstützung fand er nur in dem Geh. Legationsrat v. Grünau, Vertreter des Auswärtigen Amts.

Es folgte die große deutsche Frühjahrsoffensive im Westen unter Ludendorffs Führung. Nach größten Anstrengungen brachte sie nicht den erhofften Durchbruch. Mitte Juli waren die letzten militärischen Kräfte deutscherseits für Angriffshandlungen aufgebraucht, während sich gleichzeitig die Kriegsgegner mit frischen US-amerikanischen Truppen ständig verstärkten.

September 1918 - Friedrich von Berg rät Ludendorff, das Reichskanzleramt zu übernehmen

Friedrich von Berg nahm als Chef des Zivilkabinetts an der Lagebesprechung vom 22. Juli 1918 teil. Über diese hielt er in seinem Tagebuch fest (5, S. 440):

Es war klar, daß wir einen entscheidenden Sieg nicht mehr erringen konnten. Es kam jetzt nur darauf an, die heftigen Angriffe der Feinde abzuwehren.

So hatte es Ludendorff also schon am 22. Juli 1918 dargestellt. Der 8. August 1918 brachte dann den auch von Ludendorff so gekennzeichneten "schwarzen Tag des deutschen Heeres". Es ging nun auch Ludendorff darum, ein Waffenstillstandsangebot zu machen, bei dem dem Kriegsgegner mehr Zugeständnisse gemacht werden müßten als die deutsche Reichsführung bis dahin bereit gewesen war zu machen. Zur Bewertung von Ludendorffs Handeln in dieser Zeit ringt sich die deutsche Geschichtswissenschaft gerade - mit dem Historiker Gerd Krumeich - zu differenzierteren und sachlicheren Urteilen durch als sie diese Jahrzehnte lang vertreten hat (7). Aber das soll an dieser Stelle nicht im einzelnen dargestellt und erörtert werden.

Friedrich von Berg war bei der Besprechung im Großen Hauptquartier in Spa am 13. August 1918 anwesend (5, S. 446). Und er berichtet von der Reaktion des Kaisers auf Ludendorffs Rückzugsbefehle am 2. September 1918. Der Ludendorff-Biograph Manfred Nebelin hält darüber anhand der Aufzeichnungen Friedrichs von Berg fest (5, S. 452f):

Die Nachricht versetzte ihm einen derartigen Schock, daß er sich "in völliger Apathie" sogleich zu Bett begeben mußte. Nur mit viel Überredungskunst und dem Argument: "Wir können zwar den Sieg im Felde nicht mehr erringen, aber wir brauchen deshalb den Krieg nicht zu verlieren," gelang es der Kaiserin und Major Niemann zwei Tage später, Wilhelm II. neuen Mut einzuflößen und ihn zu bewegen, am Nachmittag des 4. September die Dienstgeschäfte wieder aufzunehmen, wenn auch - wie der Chef des Zivilkabinetts vermerkte - nur "leidlich teilnehmend". Berg dürfte sich dadurch veranlaßt gesehen haben, an Besucher, die - wie etwa der mit Wilhelm II. befreundete Reeder Albert Ballin - den Monarchen zu einer raschen Beendigung des Krieges drängen wollten, die Mahnung zu richten, "man dürfe den Kaiser nicht zu pessimistisch machen".

Auch den Rücktritt des Reichskanzlers Graf Hertling erlebte Friedrich von Berg am 29. September 1918 mit (5, S. 464). von Berg machte Ludendorff dann den Vorschlag, selbst die Reichskanzlerschaft zu übernehmen, ein Vorschlag, der Ludendorff schon ein Jahr zuvor von anderer Seite gemacht worden war. Ludendorff aber lehnte ab. Seine Begründung war, die Berufung eines Soldaten zum Reichskanzler

sei in einem Moment, wo das Heer zurückgehen müsse, für das Volk eine zu große Zumutung.

So halten es die Aufzeichnungen von Bergs fest (5, S. 464). Es drängt sich hier fast ein wenig der Gedanke auf, ob nicht Friedrich von Berg selbst Reichskanzler hätte werden können, und ob er das nicht auch selbst im Hinterkopf hätte haben können. Als nun der liberale Prinz Max von Baden Reichskanzler wurde, verurteilte von Berg denselben als "linksgerichtet", als "Wegbereiter des Bolschewismus" (1) und legte als überzeugter Monarchist sein Amt nieder. Es wird hier deutlich: Die Perspektive Friedrichs von Berg auf die damalige Politik ergänzt sehr wesentlich die Sichtweisen, die man sonst in den Geschichtsbüchern liest. Hätte sich nicht auch Ludendorff für eine Reichskanzlerschaft Friedrichs von Berg stark machen können? Was hätte gegen eine solche gesprochen?

Richard von Kühlmann (1873-1948) (Wiki), der als ausgesprochener Gegenspieler Ludendorffs im Auswärtigen Amt schon im Juni 1918 hatte zurücktreten müssen, bezeichnete Friedrich von Berg als "Totengräber der Monarchie" (s. Wiki). Ob sein Urteil Bestand hat, muß einstweilen dahin stehen. Man könnte vielmehr auch zu dem Urteil kommen: Wer so scharf von einem Richard von Kühlmann verurteilt wurde, an dem könnte doch auch etwas dran gewesen sein. Auf Wikipedia ist über Friedrich von Berg festgehalten (Wiki):

Bei seiner extrem konservativen Weltanschauung unterschied sich Berg in allen wesentlichen Fragen von seinem Corpsbruder Adolf Tortilowicz von Batocki-Friebe. So nahe er dem Kaiser über seinen Vater, das Corps und die Jagd in Rominten stand, so klar sah er die Schwächen Wilhelms II. "Wenn v. Berg den Kaiser trotzdem in seinem Sinne, dem starren Festhalten an der monarchischen Prärogative, am unbedingten Durchhalten gegen die feindliche Übermacht und die revolutionären Kräfte im Lande, zu steuern versuchte, so offenbar in der Vorstellung, daß er, Berg, berufen sei, den Monarchen vom Wege der ‚Ehre und Würde‘ der Monarchie, wie er sie sah, nicht abweichen zu lassen." (Potthoff, v. d. Groeben, 1993, S. 165 ff.).

1919 - Friedrich von Berg empfiehlt Hindenburg für die Reichspräsidentenschaft

Seit dem Frühjahr 1919 war die Provinz Ostpreußen abgetrennt vom übrigen Deutschen Reich. Und die Ostpreußen erlebten es fast täglich, wie der neue polnische Staat in Front gebracht wurde gegen Deutschland und wie einflußreiche polnische Politiker nicht nur Danzig, die Provinzen Posen, Westpreußen und Oberschlesien, sondern auch Ostpreußen und Pommern für den neuen Staat Polen forderten. Über Friedrich von Berg ist in dieser Zeit zu erfahren (Wiki):

Nach seinem Abschied aus Berlin ging Berg zurück nach Ostpreußen. (...) 1920 (...) wurde er Erster Vorsitzender (Adelsmarschall) der Deutschen Adelsgenossenschaft, ein Amt, das er bis 1932 ausübte.

Schon im Sommer 1919 war von vielen Seiten her der Gedanke aufgekommen, daß Hindenburg als Kandidat für die Reichspräsidenten-Wahl aufgestellt werden sollte (4, S. 443ff). Um 1919/20 bekam Hindenburg über einen Briefwechsel mit Friedrich von Berg ein zustimmendes Signal von Seiten des vormaligen Kaisers in Doorn zu diesen Plänen (4, S. 448). Am 2. Februar 1920 wurde Hindenburg von Friedrich von Berg außerdem vor der katholischen Lobby-Arbeit im Reich gewarnt:

Rom ist in Bewegung,

so schrieb Friedrich von Berg an Hindenburg (2, S. 448, Anm. 25), um einen katholischen Reichspräsidenten wählen zu lassen, was als Vorläufer aufgefaßt werden könnte, um die Wittelsbacher zu deutschen Kaisern zu machen. Dem müsse sich Hindenburg entgegen stellen. Friedrich von Berg warnte also schon 1919 vor ähnlichen Entwicklungen, vor denen Erich Ludendorff ab 1923/24 auch in Bayern warnen sollte, worüber er dortselbst mit dem katholischen Thronfolger Kronprinz Rupprecht in scharfe Auseinandersetzung kommen sollte.

Im Frühjahr 1920 legte Friedrich von Berg in handschriftlichen Aufzeichnungen seine Erinnerungen über seine Tätigkeit als Chef des Zivilkabinetts nieder (2, S. 77). Erst 1971 sind sie veröffentlicht worden (2).

Von 1921 bis 1926 war Friedrich von Berg Leiter der Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses und vertrat als Generalbevollmächtigter der Hohenzollern zusammen mit dem Kaisersohn August Wilhelm von Preußen das ehemalige Königshaus in den Auseinandersetzungen mit dem Reich um das Hausvermögen. Er stand also weiterhin in engster Verbindung zu sicherlich allen Angehörigen der Kinder von Kaiser Wilhelm II. und seiner Enkel.

Nach Ludendorffs Entlassung hatte Hindenburg selbst nicht seine Entlassung gefordert, wie Ludendorff das wie selbstverständlich erwartet hatte, sondern war geblieben. Und am 9. November 1918 hatte er dem Kaiser zur Flucht nach Holland geraten, da die deutschen Truppen für seine Sicherheit nicht mehr bürgen könnten. All diese Umstände ließen nicht nur in den Augen von Ludendorff ein schlechtes Licht auf Hindenburg fallen. Aber da er für eine künftige Reichspräsdentenschaft vorgesehen war, sollte er in der Öffentlichkeit auch nicht in zu schlechtem Licht stehen.

1922 erschien die Schrift "Der Kaiser am 9. November! Eine Klarstellung nach noch nicht veröffentlichtem Material" (4, S. 425). Der Kaiser hatte bald nach seiner Flucht nach Holland eine Niederschrift über die Ereignisse rund um seine Abdankung und seine "Flucht" nach Holland angefertigt. Diese Niederschrift war auch in den Besitz von Friedrich von Berg gelangt. Und er gab sie zur Veröffentlichung weiter. Entgegen den Wünschen des Kaisers wurde in dieser Veröffentlichung jedoch die Rolle Hindenburgs nicht klar herausgearbeitet, weil das Ansehen Hindenburgs nicht beschädigt werden sollte. Welche Rolle Friedrich von Berg dabei spielte, ist zunächst noch nicht ersichtlich.

Juni 1923 - Friedrich von Berg: "Deutschland, wahre die Ehre!"

Im Antiquariatshandel ist gegenwärtig ein "Albumblatt" von Friedrich von Berg angeboten (Abbildung 3). Es ist vom Anbieter offensichtlich falsch auf das Jahr 1913 datiert, obwohl als Jahreszahl deutlich genug 1923 zu lesen ist, worauf auch viel besser der kurze und knappe Inhalt des Albumblattes paßt.


Abb. 3: "Deutschland, wahre die Ehre!"
Albumblatt "v. Berg Markienen"
(Herkunft: Zvab, März 2018)

Sein Wortlaut:

Gebot über allen Geboten:
Deutschland, wahre die Ehre!
8. Juni 23        v. Berg-Markienen

In dem Albumblatt tut sich der Geist der damaligen Zeit kund.

April 1924 - Zehn Prozent für die Deutschvölkische Freiheitspartei in Ostpreußen

Dieser Friedrich von Berg nun scheint einen Bruder gehabt zu haben, der drei Jahre später, im Dezember 1926 starb, und der sich im Umfeld der damaligen völkischen Bewegung in Ostpreußen bewegte, sprich, im Umfeld der damaligen Deutschvölkischen Freiheitspartei. Wahrscheinlich war dieser Bruder sogar Mitglied der Deutschvölkischen Freiheitspartei.

Diese "Deutschvölkische Freiheitspartei", die in Norddeutschland unter der Führung von Albrecht von Gräfe - und zugleich in guter Verbindung mit Ludendorff in München - stand, erhielt bei den Reichstagswahlen im Frühjahr 1924 in Ostpreußen über zehn Prozent der Stimmen (8).

Hindenburg und Ludendorff wurden im August 1924 in Ostpreußen zur Feier des zehnten Jahrestages der Schlacht von Tannenberg erwartet. Ludendorff selbst war vor den geplanten Feierlichkeiten in Königsberg und auf dem Schlachtfeld bei Osterode zunächst zu einem "Ostpreußentag" nach Tilsit im Memelland gefahren, und zwar am 24. und 25. August 1924. In seinen Lebenserinnerungen berichtet er weiter (9, S. 355):

Am 26. ging es dann weiter durch das Samland nach Königsberg. (...) In Königsberg wohnte ich bei der Familie Döring. Herr und Frau Döring standen an der Spitze der Deutschvölkischen Freiheitpartei in Königsberg und nahmen mich gastlich auf.*)


Abb. 4: Beileidsschreiben Ludendorffs an Frau Vonberg in Bartenstein, Dezember 1926
(Herkunft: Ebay, März 2018)

Und dieses Ehepaar Döring in Königsberg scheint auch im Dezember 1926 in einem handgeschriebenen Beileidsschreiben Ludendorffs eingangs erwähnt zu werden, das jüngst bekannt geworden ist (Herkunft: Ebay, März 2018). Sein Briefumschlag ist nun interessanterweise adressiert an eine "Frau Käthe Vonberg, Bartenstein". Von der Anbieterin wird der Brief aufgrund des Datums im Poststempel auf der Briefmarke ("27 DEZ 26.") auf das Jahr 1926 datiert.**) (Da ausgerechnet hinter der 26 ein Punkt ist, könnte das Datum theoretisch natürlich auch gelesen werden als "26. Dezember 1927". Da müßte uns ein Briefmarken-Kenner einmal aufklären.) Die handgeschriebene Jahreszahl im Brief selbst ist von Erich Ludendorff sehr undeutlich geschrieben, aber vielleicht soll es sich ja bei ihr auch um eine "26" handeln. Der Brieftext (soweit erkennbar):

München, den 27. 12. 1926 (?)
Sehr geehrte Frau Vonberg!
Hauptmann Döring sandte mir Ihre Anzeige über das plötzliche Ableben Ihres Herrn Gemahls. Auch ich möchte da nicht unter den wärmstens Anteilnehmenden fehlen und Ihnen mein herzlichstes Beileid zu dem schweren Verlust aussprechen, den aber nicht nur Sie und die Kinder, sondern wir Völkische in unserer Gesamtheit erlitten haben.
Ihr Ludendorff

Der Name "Vonberg" ist zunächst auffallend geschrieben. Hat der hier anzunehmende Bruder Friedrich von Bergs als Angehöriger der völkischen Bewegung auf den Adelstitel sozusagen verzichten wollen und deshalb seinen Familiennamen "von Berg" zu "Vonberg" zusammen gezogen? Ähnliches ist ja auch bei vielen anderen Familiennamen zu beobachten. (Erinnert sei etwa an den verdienten deutschen Anthropologen Andreas Vonderach [geb. 1964] [Wiki], dessen Familienname ursprünglich "von der Ach" lautete.) Da als Adresse "Bartenstein" angegeben ist, ist es immerhin mehr als nahe liegend zu vermuten, daß es sich um einen Bruder des genannten Friedrich von Berg handelt, bzw. bei Käthe Vonberg um dessen Schwägerin. Es kann sogar weiterhin gemutmaßt werden, daß dieser Bruder in einem gewissen politischen Spannungsverhältnis zu Friedrich von Berg gestanden haben könnte. Mehrmals deutet sich an, daß Friedrich von Berg damals als konservativer Monarchist in Gegnerschaft zu den "Völkischen" stand. Aber das sind nur Mutmaßungen.

Dem Tenor dieses Briefes darf man entnehmen, daß Ludendorff mit diesem Bruder persönlich nicht in engere Berührung gekommen ist, sondern höchstens flüchtig. (Und um es erwähnt zu haben: Ludendorff konnte ja zum Ableben des bisher hier behandelten Friedrich von Berg im Jahr 1939 keinen Beileidsbrief mehr senden, da er selbst schon 1937 gestorben war. Auch scheint ja doch Friedrich von Berg nicht jene politisch völkische Einstellung gehabt zu haben, die in dem Beileidsschreiben von Ludendorff bei dem Gestorbenen voraus gesetzt wird.)

Von der  Anbieterin dieses Briefes (Abb. 4) wurde auch eine signierte, ansonsten gedruckte Dankeskarte angeboten, die Erich Ludendorff im April - sicherlich als Dank für Geburtstagswünsche - versandte (Abb. 5). Sie stammte aus demselben Familiennachlaß und es ist anzunehmen, daß sie ebenfalls an diesen Bruder Friedrichs von Berg gerichtet war.

Abb. 5: Gedruckte Dankeskarte, München, April 1926 (oder 1924?)
(Herkunft: Ebay, Februar 2018)

Da auch hier die Jahreszahl ähnlich wie im zuvor behandelten Brief geschrieben ist, könnte angenommen werden, daß auch diese Dankeskarte aus dem Jahr 1926 stammt. Ansonsten hätte man auch hier eher "1924" angenommen.

Alles in allem wird man also schlußfolgern müssen, daß Friedrich von Berg noch einen Bruder hatte, der mit der genannten Frau Käthe Vonberg verheiratet war, daß sie beide Kinder hatten, und daß sich das Ehepaar im Umfeld der Deutschvölkischen Freiheitspartei in Ostpreußen bewegte, vermutlich sogar Mitglied dieser Partei war, daß es sich zu den Verehrern und Anhängern Erich Ludendorffs rechnete auch noch in einer Zeit - 1926, in der Erich Ludendorff nur noch wenige Anhänger hatte, und daß dieser Bruder im Dezember 1926 gestorben ist. Entweder wohnte er mit Frau und Kindern ebenfalls auf dem Gut seines Vaters Markienen bei Bartenstein oder in der nahe gelegenen Stadt Bartenstein selbst.

Das genannte Ehepaar Döring in Königsberg könnte sich auch weiterhin im Umfeld der Familie von Berg bewegt haben, und zwar auch im Umfeld Friedrichs von Berg, der sich hinwiederum ja im Umfeld der Kaisersöhne und -enkel bewegte. Dazu wird gleich noch ein deutlicher Hinweis gegeben werden.

Friedrich von Berg selbst blieb ja auch in den Folgejahren mit Hindenburg in persönlicher Verbindung. Er besuchte ihn etwa 1930 auf Gut Neudeck in Ostpreußen (4, S. 603) und auch Hindenburg scheint ja (siehe Zitat oben) von Berg auf Gut Markienen besucht zu haben, ebenso wie das Kronprinzenpaar.

1931 - Der Hohenzollern-Prinz Wilhelm über Ludendorffs Freimaurer-Kampf in Königsberg

1957 nun erhielt Mathilde Ludendorff ausgerechnet von einer Frau L. Döring (inzwischen wohnhaft in Hann. Münden) Mitteilungen über das Verhältnis Kaiser Wilhelms II. zur Freimaurerei (3). Sie berichtete darüber in ihrer Zeitschrift "Quell" (10) (Hervorhebung nicht im Original):

Ende Juni erhielt ich eine Nachricht, die mir sehr lieb ist. Herr Walter Kahlewey, der in der Schlacht bei Tannenberg das Augenlicht verloren hat und später mit dem Feldherrn in Freimaurerangelegenheiten eng zusammengearbeitet hat, sandte einen Brief, den Frau L. Döring, Hann. Münden geschrieben hat. In ihm berichtet sie über die Wirkung, die das Werk des Feldherrn "Vernichtung der Freimaurerei" auf Kaiser Wilhelm in Doorn gemacht hat. Ich möchte diese Worte im Wortlaut unseren Lesern bekannt geben:
"Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, sagte mir 1931 in Königsberg, daß dieses Werk des General Ludendorff den Kaiser in Doorn tief erschüttert habe. Mit diesem Werk habe sich Ludendorff wieder unsterblich gemacht."

Prinz Wilhelm fiel im Frankreich-Feldzug 1940.

Das heißt also, die genannte Frau L. Döring sprach 1931 in Königsberg mit dem Prinzen Wilhelm. Und es ist naheliegend anzunehmen, daß das Gespräch deshalb auf Ludendorffs Freimaurerkampf kam, weil das Ehepaar Döring eben schon 1924 zu den Anhängern Erich Ludendorffs gehörte. Und aus diesen Worten dürfte weiterhin hervorgehen, daß nicht nur der letzte Kaiser und sein ältester Sohn, sondern auch der älteste Enkelsohn des letzten Kaisers, der Prinz Wilhelm viel Anteil genommen hat an dem Kampf Erich Ludendorffs gegen die Freimaurerei. Mathilde Ludendorff schrieb 1957 weiter über den Dezember 1937, als Erich Ludendorff starb (10):

Wenn ich bedenke, wie sehr des Kaisers Brief an den sterbenden Feldherrn ihm damals eine Freude war, so erfahre ich jetzt in tiefer Freude, daß das Werk "Vernichtung der Freimaurerei" dem Kaiser offenbar die Augen über die Urheber des Zusammenbruchs trotz aller Siege des Feldherrn geöffnet hat. Hiermit ist es auch geklärt, weshalb der Kronprinz bei seinem Besuche in unserem Hause anläßlich des 70. Geburtstages des Feldherrn so voll überzeugt war von der Gefahr der überstaatlichen Mächte und deshalb auch - nach dem Hohenzollern-Rechte hierzu befugt - seinen Söhnen verboten hatte, in die Loge einzutreten.

In den gleichen Zeitraum wird fallen, worüber Mathilde Ludendorff ein Jahr später in derselben Zeitschrift berichtete (3):

Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen, der in Frankreich im 2. Weltkrieg an der Front gefallen ist, antwortete im kleinen Kreise, als gesagt wurde, daß die ganze Öffentlichkeit General Ludendorff nun totschwiege, seit er den Kampf gegen die Freimaurerei aufgenommen habe: "Die Welt habe von Ludendorffs Buch 'Vernichtung der Freimaurerei' usw. mit Entsetzen Kenntnis genommen. Ludendorff habe das große Verdienst, daß er diese Veröffentlichungen mit seinem unsterblichen historischen Namen gemacht habe."

Es ist auffallend, daß Mathilde Ludendorff die Mitteilungen der Frau L. Döring nur über einen dritten erhielt. Man könnte mutmaßen, daß das Ehepaar Döring in Königsberg den Weg weg vom Christentum, den Erich Ludendorff nach 1926 eingeschlagen hat, nicht mit gemacht hat, daß das Ehepaar sich aber im Umfeld der Familie von Berg bewegte, in der es auch auf den Prinzen Wilhelm 1931 gestoßen sein wird.

Jedenfalls wird man durch das neu bekannt gewordene Beileidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Dezember 1926 auf eine ganze Menge von neuen möglichen, bzw. sich andeutenden Zusammenhängen verwiesen, deren sich selbst Fachleute bislang nicht bewußt gewesen sein dürften, und die den Eindruck machen als ob es lohnend sein könnte, ihnen weiter nachzugehen.

Abb. 6: Der vormalige Kaiser Wilhelm II. (Mitte) mit seinem ältesten Sohn Kronprinz Wilhelm (links) und dessen Sohn Prinz Wilhelm (rechts) - Doorn in den Niederlanden, 1927

Mai 1933 - Friedrich von Berg setzt sich bei Hitler für die Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie ein

Friedrich von Berg blieb auch nach 1931 weiterhin im engen Einvernehmen mit dem ehemaligen Kaiser, seinem ältesten Sohn und - vermutlich - dessen ältesten Sohn. Am 6. Februar 1932 veröffentlichte Friedrich von Berg als erster Vorsitzender der deutschen Adelsgenossenschaft eine Kundgebung, in der Hindenburg zur erneuten Kandidatur für das Reichspräsidentenamt aufgefordert wurde (Wiki). Weiter wird berichtet (4, S. 664):

Nach der Annahme der Kandidatur stellte sich jedoch heraus, daß Friedrich von Berg diesen Vorstoß auf eigene Faust unternommen hatte, weshalb er unter schweren innerverbandlichen Beschuß geriet. Am 17. Februar mußte er den Vorsitz der Adelsgenossenschaft niederlegen, was zum Ausdruck brachte, wie sehr gerade jüngere Adlige sich von dem klassischen Adelsverständnis abgewandt hatten und mit einer völkischen Definition von Adel liebäugelten.

Womöglich handelte es sich um solche Adlige, die - wie der Bruder von Bergs - ihren Namen von von Berg auf Vonberg umbenannten. Auf Wikipedia heißt es dazu (Wiki):

Seine monarchische Fraktion konnte sich nicht gegen die völkische durchsetzen. (...) Nach 1932 zog sich Berg aus dem öffentlichen Leben zurück. Er verstarb 1939 auf seinem Gut in Markienen.

Nun, so ganz richtig ist Wikipedia noch nicht diesbezüglich informiert. Denn noch am 9. Mai 1933 sprach Friedrich von Berg persönlich bei Adolf Hitler vor in Sachen Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie. Hitler erklärte, daß es dafür noch zu früh sei. Er arbeite auf diese jedoch als Abschluß seines politischen Wirkens hin (4, S. 840). Wie ehrlich es Hitler damit meinte, steht natürlich dahin. Vermutlich handelte es sich hierbei nur um eine taktische, hinhaltende Äußerung. Für die Wiederherstellung der Hohenzollern-Monarchie wäre jedenfalls der deutsche Kronprinz bereit gestanden, ebenso sein Sohn, der erst ein Jahr zuvor in Königsberg gesprächsweise die Erschütterung seines Großvaters über Ludendorffs Freimaurer-Kampf erwähnt hatte.

Insofern hätte damals die Wiederaufrichtung der Hohenzollern-Monarchie - als Alternative zum "Dritten Reich" - ein Segen für Deutschland sein können. Gerade auch der junge Prinz Wilhelm wurde von vielen Menschen als politisch hoch befähigt erachtet.

Das Leben und Wirken des Friedrichs von Berg - sowie gegebenenfalls das seines uns namentlich noch nicht bekannt gewordenen Bruders - machen verständlicher, in welchem Rahmen politischen Denkens und Handelns sich auch dasjenige Erich Ludendorffs zwischen 1917 und 1933 bewegte. Auch Erich Ludendorff hielt ja bis an sein Lebensende engen Kontakt zum deutschen Kronprinzen und verfolgte auch das Schicksal von dessen Sohn mit großer Aufmerksamkeit weiter (3). Durch das neu bekannt gewordene Beileidsschreiben Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1926 fällt also viel Licht auf Zusammenhänge, deren man sich ohne diese neue Quelle nicht leicht hätte bewußt werden können.

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*) Er schreibt weiter:
In der Veranstaltung in der Stadthalle sprachen außer mir der Forstmeister Gieseler aus Taberbrück nördlich Osterode, der die Deutschvölkische Freiheitpartei der Provinz leitete, und Hauptmann Röhm, der sich in meiner Begleitung befand. Auch diese Feier war von hohem Schwunge getragen.
Abb. 7: Datum des Poststempels
**) Der Poststempel auf der Briefmarke des Briefumschlags: Abb. 7.
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  1. Friedrich von Berg-Markienen, geb. in Markienen/Ostpreußen 20.11.1866, † ebenda 9.3.1939. Auf: http://eisenbahn-gumbinnen-goldap.de/gumbinnen/planung-und-bau/3/ (nach: Nils Köhler und Rüdiger Möller: „Die Nordmark helfe der Ostmark” Ostpreußische Kriegsflüchtlinge in Norderdithmarschen während des Ersten Weltkrieges Demokratische Geschichte, Band 14, S. 111-138)
  2. Heinrich Potthoff (Bearb.): Friedrich von Berg als Chef des Geheimen Zivilkabinetts 1918. Erinnerungen aus seinem Nachlaß. Droste Verlag, Düsseldorf 1971 (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Erste Reihe Bd. 7) (Gb)
  3. Bading, Ingo: Der deutsche Kronprinz - Begeistert von der Philosophie Mathilde Ludendorffs ... Und mit Vater und Sohn nicht nur ein Verehrer Erich Ludendorffs, sondern begeistert von dessen Freimaurer-Kampf. Studiengruppe Naturalismus, 4. April 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/04/der-deutsche-kronprinz-war-begeistert.html
  4. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler Verlag, München 2007
  5. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010
  6. Ludendorff, Erich: Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren. Ersterscheinen 1928. Neu bearbeitet. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1931
  7. Kellerhoff, Sven Felix: „Ludendorff wollte nur eine Pause - und weiterkämpfen“. In: Die Welt 05.03.2018, https://www.welt.de/geschichte/article174192890/Kriegsende-1918-Was-der-wahre-Kern-der-Dolchstoss-Legende-ist.html 
  8. Kossert, Andreas: Damals in Ostpreußen. Der Untergang einer deutschen Provinz. 2010
  9. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1940 (Gb)
  10. Ludendorff, Mathilde: Eine beachtliche Äußerung. In: Der Quell, Folge 19, 9.10.1957, S. 911 (Gb)